25 Gründe für einen Trotzanfall

Diese kreative Idee habe ich stibitzt ;)
__________
* Auf dem Weg nach Hause umarmte Emiliana (5,7) nur jeden dritten Baum in der Straße.
* Auf dem Weg in die Schule stellte sie sich keiner fröhlichen Pfütze vor.
* Schwäne und Enten im Holyrood Park sind arrogante Kröten und verhandeln nicht mit Horrorzwergen.
* Der Kater der Nachbarin ließ sich nicht gefangen nehmen und im Kinderwagen durch die Gegend herum–kutschieren.
* Naida und Orion schlafen nicht im Kinderbett.
* Fräulein Fettel gehört nicht in die Altkleidersammlung.
* Der Vater sah zufällig den Rücken seiner Tochter, als sie ihrer plüschigen Sippschaft in der Badewanne das Schwimmen beigebracht hatte. Er empfand bescheidene Freude über die Puppe, die ihm entgegenflog. Der Flugunterricht war inbegriffen.
* Strickhasen werden nicht in der Toilette gewaschen und mit Mamas Gesichtstuch abgetrocknet.
* Der leere Geschirrspüler wird nicht angeworfen. Auch der Wäschetrockner nicht.
* Die Kartoffeln (25 kg) werden nicht auf einmal geschält. Die Birnen (9 kg) auch nicht.
* Die Kirschlimonade ist kein geeignetes Spülmittel, um den Küchenboden zu wischen.
* Der Weihnachtsbaum bleibt bis Dezember im Karton. Und die Weihnachtsbaumkugeln. Und die Girlanden.
* Bibelzitate schmücken keine Wände.
* Das elterliche Schlafzimmer ist morgens um halb drei abgeschlossen.
* Der Vater küsst die Mutter zu oft.
* Der Vater versteht rein gar nichts. Absolut rein gar nichts!
* Der Stellvertreterposten in seiner Firma ist bereits besetzt, – und die Schule muss sein.
* Die Mutter zwingt die Schuluniform auf, obwohl ihr Abendkleid doch viel edler ist.
* Der jüngere Bruder weigert sich das Abendkleid anzuprobieren, weil er keine Prinzessin sein will.
* Morgenstern, der schöne Braune, grast nicht auf unserem Balkon. Aber er vermisst dich so toll!
* Wir können den 28-jährigen Dylan nicht adoptieren. Aber er ist so hübsch, und lieb, und klug!
* Es regnet nicht.
* Die Tomate ist rund.
* Die Honigmelone ist gelb.
* Es gibt keinen Schokoladenpudding zum Frühstück.

Advertisements

Internationaler Frauenkampftag

L.: Gehen wir am Strand spazieren?
M.: Baby, sag mir, was dein Herz begehrt? Wünsch dir was, und es wird geschehen. Ich erfülle deine sehnlichsten Wünsche. Drei, dreizehn, dreiunddreißig, dreihundertdreiunddreißig. It’s up to you. Aber nicht an dem Strand, an dem du dich mit anderen Männern herumgetrieben hast.
L.: Ich habe mich mit keinen anderen Männern herumgetrieben.
M.: Nein?
L.: Nein! Das ist bloß ein Mann gewesen.
M.: Ja? Reiz mich weiter, und ich kaufe dir einen schicken Ganzkörpersack. Welche Farbe bevorzugst du: schwarze arabische Krähe oder zarte afghanische Kornblume? Ich persönlich empfehle dir die zarte afghanische Kornblume. Das Visier vor den Augen empfinde ich als besonders antörnend.
L.: Apropos Visier. Schenk mir lieber eine florentinische mittelalterliche Ritterrüstung. Als Tribut an meinen Ahnen. Nichts Extravagantes. Spätes fünfzehntes Jahrhundert. Ein Schwert, ein Schild, ein Armet, ein Plattenharnisch mit Schwebescheiben, Armschienen, Panzerschuhe. Blauäugiger Morgenstern wird mein Höllenpferd sein. Vier Reiter der Apokalypse in einer kleinen Frau vereint.
M.: Könntest du bitte ab und zu so tun, als wärst du eine gewöhnliche kleine Frau?
L.: Nö. Würde es dir gefallen?
M.: Ich fürchte – nein.
L.: Ach! Ich brauche noch eine Atemschutzmaske aus dem Ersten Weltkrieg. Unbedingt!
M.: Jesus Christ! Woman!.. Lass uns zu Hause bleiben. Ich verbringe einige Stunden in deinem heißen nassen Schoß. Du musst nichts machen. Ich verwöhne dich. Du vergisst andere Männer und Atemschutzmasken aus dem Ersten Weltkrieg. Denk an mich allein.
L.: Träum weiter! Zieh die Jacke an. Wir fahren zum Portobello Beach. Und besuchen eventuell auch das Beach House.

Wir sind zu Hause geblieben. Er gab mir Blumen und schöne Ohrringe mit Smaragden als Pendant zu meinem Verlobungsring. Ich antwortete mit all meiner Liebe, Zuneigung und Wärme.

Was Clara und Rosa wohl davon halten würden?

Es ist mir egal. Ich bin heute die glücklichste orionesische* Drachenfrau auf Erden.

Möge der Himmel diesen wunderbaren Mann segnen!!!
__________
*eine weitere Spracherfindung von Michael; erzähl‘ ich später

Farewell to Clara & All the Strong Women Out There! (русский)

Das Portal in eine andere Welt

Ich erlebte eine merkwürdige Samstagnacht.

Um zwei wachte mein süßes Drachenmädchen auf, weil sie zahnt und momentan weinerlich ist. Ich beruhigte sie, schlief aber selbst nicht mehr ein.

Um drei beschloss ich rigoros, mit den Zerberussen zu joggen. Wann, wenn nicht um drei? Nicht wahr? Zwei gigantische amerikanische Schäferhunde* und ein graziles Däumelinchen bildeten eine Zweckgemeinschaft und traten um drei Uhr zwanzig an die kühle Luft in ein sternklares Traumland hinaus. Es regnete.

Unterwegs begegneten wir einer Frau mit einer Dänischen Dogge, die französisch sprach (die Frau, nicht die Dogge, obwohl es noch makabrer wäre) und einem Mann mit… ihr erratet es nie… zwei deutschen Schäferhunden. Der Mann grinste wie ein Honigkuchenpferd. Es sollte sich herausstellen, dass er in Itzehoe geboren wurde. Ich erfuhr nie seinen Namen, aber die Begleiter hießen Abraxas und Quentana.

Geht die Sonne unter, öffnet sich, wie es scheint, ein Portal in eine andere Welt und diverse wunderliche Gestalten treiben ihr Unwesen in den schönsten Straßen Edinburghs.

Zu Hause wartete eine wütende Katze, die uns übel beschimpfte und hinter der Couch verschwand.

Um halb fünf legte ich mich zu Michael, den keine Schlaflosigkeit quälte und der unverschämt entspannt daneben atmete, zog mir die Decke über den Kopf und verwünschte das unfaire Leben.

Um fünf zwickte ich ihm in den Oberarm und bot meine sexuellen Dienste in seinem Arbeitszimmer an, um die Kleinen mit dem ganzen Dahinschmelzen und Stöhnen nicht zu traumatisieren.

Wenn du fünf Kinder großziehst und besonders zärtlich zu deinem Mann sein willst, musst du dich neu erfinden. Früher oder später wirst du nicht an der Couch in seinem Arbeitszimmer vorbeigehen können, ohne zu entflammen oder beim Anblick der Dusche zu erröten, aber die Mühe lohnt sich.

Mein Mann war verwirrt, aber nicht abgeneigt. „Er kümmert sich um einen raschen Anstieg meiner Glückshormone, ich schlafe erschöpft ein“, überlegte ich mir. Das war ein Schuss in den Ofen. Ha-ha.

Danach funktionierte er mich zu einem Kissen um, legte seinen Kopf auf meinen Rücken und fiel in den tiefsten Schlaf. „Ich höre, wie dein Herz schlägt“, wisperte er kurz davor, und ich zerfloss wie der Mississippi im Frühling. So starrte ich in die Dunkelheit, – willenlos, schlaflos, aber mit erhöhtem Oxytocin-Spiegel –, während mein Herz für ihn allerlei peinliche Liebeslieder sang und versuchte mich nicht zu bewegen, weil sich seine Atemzüge unglaublich gut an meinem Hals anfühlten, bis irgendwann, gegen sieben Uhr, die Tür aufgetan wurde und eine freundliche Elfengang mich fragte: „Und, Mami, schläfst du, schläfst du, schläfst du? Backt uns Daddy Waffeln zum Frühstück?“

Es ist halb zwölf. Ich bin müde und gähne jede Sekunde, aber die Waffeln mit Ahornsirup haben köstlich geschmeckt.
__________
*Shiloh Shepherds, plush-coated

Fräulein Katzerina

Habt ihr euch inzwischen auch gefragt, wie unsere Katze aussieht?

Let me introduce you Fräulein Katzerina Fettel.

Was? Woher soll ich wissen, wer der Asiat unter der Sonne ist? Temüdschin?

Kitty pinkelt mit Vergnügen auf die Bücher über die Goldene Horde.

Leut vs. Leutin

MILI: Wir stehen an der Ampel und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht ein männlicher Leut.
MIKE: Ein was? Leut? „Leut“ ist falsch. Entweder ein Mann oder ein Mensch.
MILI: Du bist falsch. „Leut“ ist korrekt. Du bist ein Leut. Eli ist ein Leut. Zusammen seid ihr zwei männliche Leute. Ich dagegen bin eine Leutin. Zusammen mit Sole sind wir zwei weibliche Leutinnen. Du verstehst rein gar nichts!
ELI: Ich bin ein Mädchen.
MIKE: Kinder, macht mich nicht fertig.

Habt ihr Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik, Orthografie oder Syntax? Wendet euch an meinen Mann oder seine Tochter. Sie sind erfahrene Germanisten und exzellente Semantiker.

Texas Bluebells and Blissful Happiness

Vor sechs Jahren bewohnten wir ein klitzekleines Haus in San Antonio. Ich trug Emiliana aus. Michael war endlich mit sich selbst im Reinen, weil er einen Job hatte, bei dem er sein eigener Chef sein und die Familie ernähren konnte. Die Jahre zeichneten sich überhaupt durch viel Glück, Liebe und Geborgenheit aus.

Unsere abgeschiedene Idylle ähnelte einem Gemälde von Thomas Kinkade. Um das Haus herum erstreckte sich ein Blumenmeer. Zweimal wöchentlich tauchte der Gärtner auf, kümmerte sich um die paradiesische Pracht und verschwand ebenso schweigsam im goldenen Lichte des Sonnenaufgangs.

In dem Gärtchen gesellten sich schüchterne Wildblumen zu den eitlen Rosen und Rittersternen; unschuldige Lilien tuschelten mit frechen Rhododendren; Kallas und Gladiolen wetteiferten miteinander um den graziösesten Kelch; aber zu meinen Lieblingen gehörten zweifelsohne die scheuen Prärieenziane, deren würdevolle Schönheit mich überwältigte.

Prärieenziane sind äußerst anspruchsvolle Zierpflanzen. Ihre Zucht ist mühsam. Nach einer kurzen Zeit sterben sie ab. Früher wurden sie im Ausland ausschließlich als Blumensträuße verkauft. Bedauerlicherweise sah ich sie in keinem deutschen Blumenladen. So wärmte meine Seele eine liebevolle Erinnerung. Bis heute.

Denn heute hat mir Michael blühende Prärieenziane geschenkt. Ich weiß nicht, wo er sie auftrieb. Es ist mir egal. Ich schwebe in vollkommener Glückseligkeit. Ich bin bodenlos in diesen Mann verschossen.

Eine halbe Stunde durfte ich mich an meinem Geschenk ergötzen, dann wurde es von einer gewitzten Diebin entwendet. Das macht aber nichts. Ihre atemberaubend großen Augen strahlen vor sorgloser Freude. Als ihr Vater sie gefragt hatte, wohin Mamas Blumen verschwunden seien, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu: „Es ist mir auch ein Rätsel, Daddy. Wirklich. Glaube mir, aber geh bitte nicht in mein Zimmer.“

Und wenn sie einschläft, schleiche ich mich heimlich in ihr Kinderzimmer und riskiere einen Blick auf die traumhaftesten Blumen meiner Welt.

Wie Stalker ihren Vormittag verbringen

Ich habe einen harmlosen Text verfasst. Vier Bekanntschaften haben mich daraufhin angeschrieben, nur um sich zu erkundigen: „Und? Wie geht es Mike? Hast du ihm Gewalt angetan?“

Liebe Mädels, aber selbstverständlich hab‘ ich das! Er hat es sichtlich genossen. Ich habe ihn am Montag sogar zum Flughafen gefahren, wo er mich angebalzt hat. Einfach so. Aus Gewohnheit. Das ist sein beständiger Modus Operandi. Mein Sinnenrausch und meine Nachgiebigkeit in seiner Nähe tragen auch wesentlich dazu bei.

Eure Anteilnahme an seinem Schicksal ist rührend. Sie schmeichelt ihm. Sorgt euch nicht! Der Mann ist siebenunddreißig Zentimeter größer als ich. Er ist doppelt so schwer wie ich. Mein Bruder sagt über ihn: „180 Pfund, 90 davon sind Muskeln.“ Hochdekorierter Ex-Militär mit ausgezeichneter Ausbildung, dessen überragende Fähigkeiten in einem Kampfeinsatz getestet wurden. Er ist in guten Händen. Sein Leben ist nicht in Gefahr. Momentan befindet er sich vermutlich in einem Münchener Edelbordell.

Ne lange Geschichte. Wenn ihr des Russischen mächtig seid, sucht die Antwort darauf im Archiv des Jahres 2015.

Ich meinerseits stalke derweilen Dafydd, dem ich in Morningside permanent über den Weg laufe. Zufällig. Ich schwör’s!

Lilly ist eine Mitschülerin meiner Tochter. Sie sind befreundet und lernen gern zusammen. Dafydd ist Lillys Vater, der fast genauso oft zu einem lehrreichen Gespräch in die Schule eingeladen wird wie wir. Nein, unsere Kinder sind keine asozialen Unholde. Sie sind einzigartig, warmherzig, mitfühlend. Wir erziehen sie allerdings zu freidenkenden, eigenständigen, mutigen Menschen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und nicht servil dem bequemen Kadavergehorsam frönen.

Wir missionieren nicht. Wir indoktrinieren nicht. Wir vermitteln lediglich unsere moralischen Werte an unsere leiblichen Kinder. Es ist eine Frage der Balance. Ich wage zu behaupten, sie sei uns geglückt.

Anyhow! Es ist ungemein heilsam und aufschlussreich, sich mit einem charmanten Mann auszutauschen, dessen Tochter die gleichen intellektuellen Kapazitäten aufweist wie die eigene.

Wir hatten am Vormittag Zeit. Also haben wir uns zum Brunch in meinem Lieblingscafe verabredet. Die Speisen, die dort serviert werden, sind eine Ofenbarung. Der Kostenaufwand ist zwar nicht zu verachten, aber frischer Räucherlachs, pochierte Eier und Sauce hollandaise mit Trüffeln schmecken wie immer göttlich.

Und weil wir uns seit dem ersten Treffen, bei dem er mich auf Deutsch ansprach, auf Anhieb verstanden, die Unterhaltung spannend war und die Sonne schien, sind wir mit meinen beiden Winzlingen noch am Strand spazieren gegangen. Das Wasser ist höllisch kalt, aber ich kenne eine Verrückte, die keine Scheu davor hat, sich der Lächerlichkeit preiszugeben und bei jeder brandenden Welle laut zu kreischen und zurückzuweichen.

Ich warte vergeblich auf den Winter, aber in den Meadows blühen violette Krokusse. Spielt das Wetter mit, werden wir in ein paar Wochen wieder segeln können. Noch ein Grund zur Freude.

Bebumsen, verliebhabern, umbeinen

oder Wie man die deutsche Sprache ungebetenerweise bereichert

L.: Beschwere dich nicht. Du wirst jeden Tag bekocht und…
M.: … bebumst.
L.: Das Wort gibt es nicht.
M.: Vielleicht nicht in deinem Vokabular. Ich benutze es häufig.
L.: Was habe ich verbrochen? Womit habe ich dich verdient?
M.: Mit gar nichts. Ich war ein Geschenk des Himmels.
L.: Sag doch die Wahrheit. Die da oben hatten dich satt und setzten vor die Tür.
M.: Mag sein, aber zur richtigen Zeit und am richtigen Ort, denn du bist mir begegnet, hast mich empfangen, gewaschen, wohl gespeist, mit Zuneigung getränkt und mit Wonne gekrönt. Und dann machst du noch diese schöne Sache mit deinem Mund und meinem…
L.: Geh weg. Ich kenne dich nicht. Und denke bloß nicht, ich hätte Jesus Sirach* nicht identifiziert, du Plagiator.
M.: Ich habe nicht plagiiert. Ich habe interpretiert. Übrigens steht bei Sirach nichts über Blowjobs drin. Warum seufzt du, Baby?
L.: Ach, nur so. Ich stoße gerade Flüche gen Himmel aus als Danksagung für das wunderbare Geschenk, welches mir zuteilwurde.
M.: Aber liebevoll – richtig?
L.: Du hast ja keine Ahnung, Freundchen!
M.: Also bist du mir nicht mehr böse und wir vertöchtern uns. Hab‘ ich Recht?
L.: Das Wort existiert nicht.
M.: Wieso „versöhnen“? Wieso nicht „vertanten“ oder „veronkeln“?
L.: Michael!
M.: Der Name existiert aber. Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Hebräisch. Heißt übersetzt „Wer ist wie Gott?“. Schaue nicht so düster drein. Wir verliebhabern uns. In Ordnung? Nein? Vergeliebten?
L.: Ich töte dich gleich.
M.: Durch Sex?
L.: Mit Zyankali.
M.: Bemerkenswert, dass du Zyankali ständig bei sich führst. Umbeine mich lieber.
L.: Was bedeutet das schon wieder?
M.: Ganz simpel. Das Verbum „umbeinen“ ist ein schwaches Verbum. Ungefähr wie du, wenn du geil bist, aber nicht so hübsch. Roll nicht mit den Augen. Es verwirrt mich. Solltest du nicht einen Konspekt anfertigen?
L.: Ich verzichte.
M.: As you wish. Weiter. Das Verbum wird wie folgt getrennt: um|bei|nen. Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit…
L.: … die praktisch aus einem Hohlkopf besteht…
M.: Frau, unterbrich mich nicht! Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit, die praktisch aus einem Hohlkopf besteht und in Berlin beheimatet ist, gesprochen. Es bedeutet „jemanden fest an sich drücken und seine Hüften mit den Beinen umschließen“. Manchmal unter der Dusche. Komm mit. Den Wortgebrauch veranschauliche ich anhand verschiedener Beispiele. Du assistierst.

Falls ich ihn heute Nacht nicht mit einem Kissen ersticke, weil er mich in den Wahnsinn getrieben hat, fliegt er morgen nach München, und ich werde ihn unglaublich vermissen.
__________
*Ecclesiasticus 15, 1–6

Keine Kausalkette

Nur ich kann mich dermaßen blamabel versprechen und Black Cock statt Black Hawk sagen; dann rot wie ein Hummer werden und anfangen wie ein Pferd zu wiehern.

Ich bin die Seele jeder Männerrunde. Ruft mich an!

Nur mein Mann kann nach einem Arztbesuch wieder sicher zu Hause ankommen und feierlich verkünden: „Es ist keine bakterielle Infektion. Ich darf dich lecken. Wir dürfen uns küssen. Bumsen ist auch erlaubt.“

Welch ein Glück, dass zumindest unsere Kinder gesellschaftlich vorzeigbar sind und einen regen Gedankenaustausch mit ihren Nächsten pflegen.

Wie man einen Pullover richtig strickt

L.: Wieso bist du nackt?
M.: Ich wollte mir einen Pullover stricken.
L.: (mit den Augen rollend) Oh Gott.
M.: Du kannst mich gerne Michael nennen.
L.: Ich könnte dich auch einen Vollidioten nennen.
M.: Das könntest du – sicher. Allerdings wäre es nicht so liebenswert.
L.: Zieh dich bitte an.
M.: Zieh du dich bitte aus.
L.: Wir werden jetzt nicht miteinander schlafen.
M.: Aus welchem Grund nicht?
L.: Aus dem simplen Grund, dass du einen Termin bei der Lehrerin deiner Tochter hast.
M.: Was hat sie getan?
L.: Sie hat ihrem siebenjährigen Mitschüler ein Buch über den Kopf gehauen, weil er sie wohl in der Mittagspause zu küssen versucht hat.
M.: Gutes Kind.
L.: Ja. Solche Aussagen verkneifst du dir.
M.: Warum gehe ich hin?
L.: Weil du derjenige bist, der diesem Kind den Unterschied zwischen Faust– und Tritttechniken erklärt hat. Als es zarte drei Jahre alt gewesen ist! Steh auf, sonst verprügle ich dich mit meiner Pampusche.
M.: Und du behauptest, sie komme nach mir. Ich prügle mich nicht. Ich bin ein Verfechter der verbalen Deeskalation.
L.: Steh auf! Oh Mann, bist du schön…
M.: Sex?
L.: Kein Sex! Dusche, Anzug, Schule.

Ich denke, wir hätten diesen Pullover doch sofort stricken sollen, aber das würde ich natürlich nie zugeben.

Eine Liebeserklärung

Weil eine Frau, die liebt und geliebt wird, paradiesisch schön ist. Weil die Luft um diese verliebte Frau mit Licht überflutet und mit Wärme durchtränkt ist. Weil sie lächelt, weil ihr Antlitz strahlt, weil ihre Haut schimmert, und leuchtet, und einen betörenden Duft verströmt. Weil Du diese Frau bist. Weil Dein Duft mich anlockt wie einen Schmetterling, und ich mir nicht zu helfen weiß. Ich kreise und flattere um Dich herum. Ich habe keine Angst zu verbrennen, – und fange doch Feuer, und lodere.

Du bist begehrenswert und zerbrechlich. Du bist begehrenswert zerbrechlich. Ein Geheimnis blüht in Dir auf. Du willst Deine Liebe verbergen wie einen kostbaren Schatz; sie beschützen wie einen Neugeborenen und behüten wie ein Wunder. Du willst es, aber es gelingt Dir nicht. Es ist gänzlich unmöglich. Du kannst nicht Deine Liebe in ein Glas füllen, sie mit einem Deckel verschrauben und in einem finsteren Verlies einkerkern.

Du bist Liebe, und Liebe ist Du. Liebe bedeutet Halt. Die Liebe badet Dich in wiegenden Wellen und bettet auf Wolken. Die Liebe erhellt Dich von innen und umhüllt von außen, perlt von Deiner Stirn und tropft aus allen Poren. Diese Liebe hat sich erfüllt. Sie singt, jubelt und triumphiert. Sie ist göttlich, vollkommen und tadellos. Diese Liebe sprengt mit ihrer Kraft die Ketten, öffnet alle Käfigtüren, steigt in den Himmel empor wie ein Vogel und bringt die Himmelshöhen auf die Erde hernieder.

Und mich verlangt nach Dir, weil ich ohne Dich nicht atmen kann, und mich dürstet nach Dir, weil ich Dir verfallen bin, und mich hungert nach Deiner Nähe. Ich will über Deine Schönheit staunen, Dich spüren, in Dir sein, – sein. Ich will Dich nehmen, in Dich eintauchen, vollständig mit Dir verschmelzen. Ich will mich aufgeben, mich Dir hingeben in zügelloser Leidenschaft.

Ich will mit Dir schlafen, während ich Auto fahre, arbeite, esse, lese oder ausgehe, während ich träume, wachträume oder albträume, während ich Dich umarme, Dich herze, mich an Dich schmiege. Ich will mit Dir schlafen, während ich beim Sonnenaufgang wach im Bett liege und die Sterne anstarre, die am Fenster vorbeisegeln. Ich will mit Dir schlafen, während ich einschlafe, aufwache, schlafe oder mit Dir schlafe. Rund um die Uhr. Tag und Nacht. Du bist mein einziger Gedanke.

Ich will mit Dir sein, ich will bei Dir sein, Dich berühren, anfassen, streicheln und an mich drücken. Wenn Du nach einer Nacht der Verzückung in meinen Armen sanft eingeschlummert bist, schaue ich Dich an, lausche Deinem Atem, bis mich plötzlich das Glück überwältigt, und ich beinahe vor Liebe zerberste, Deine Hüfte umschließe, eine Haarlocke aus Deinem Gesicht streiche, mit meinen Fingerkuppen die Konturen Deines Mundes nachziehe und heimlich Deine Augen küsse.

Und wenn ich nicht bei Dir bin, dann denke ich an Dich. Ich denke an Deine Muttermale, an Deine Lippen, an die feinsten Äderchen an Deiner Schläfe, an den Pulsschlag an Deinem Hals, an die Kuhle zwischen Deinen Schlüsselbeinen, die ich gierig mit meinen Liebkosungen übersäe, an die zarte Linie Deiner Achselhöhle, an Deine Brüste, an Deine Hände, an Deinen Bauchnabel, an Deinen Schoß, der zu meinem Elysium, meinem Lebenselixier, meiner Heimat geworden ist.

Und die Vergangenheit überlebt nicht, und die Hölle weicht zurück. Du überschwemmst mich mit Deiner Liebe, linderst meine Schmerzen und reinigst mich von meinem Heidentum. Ich vergesse den Tod, entsage dem Hass und erfinde eine neue Sprache — eine wilde, blumige Sprache, die nach Dir schmeckt, nach Dir riecht, nach Deinem Körper lechzt und in Deiner Seele Geborgenheit findet. Ich. Lebe. Keine Zweifel plagen mich. Ich kenne keine Furcht. Ich verbrenne zu Asche und werde wiedergeboren. Ich bin fast unsterblich geworden.

Weil. Ich. Dich. Liebe. © Mike

Über wissbegierige Wuschelköpfe

Niko begrüßt seinen Vater an der Eingangstür:

„Und, Vater, wo hast du dich den ganzen lieben Tag herumgetrieben?“
„Ich bin im Büro gewesen.“
„So, so. Im Büro? Wärst du zuhause geblieben, müsste ich nicht in die Kita gehen, und wir hätten den ganzen lieben Tag miteinander spielen können. Denk darüber nach.“

Ich pflichte meinem Kind bei:

„Natürlich hat er Recht.“
„Wirklich? Seit wann das?“
„Na überlege mal. Vor allem hättest du den ganzen lieben Tag mit dessen Mutter spielen können.“
„Ich lasse mich von dir nicht verführen. Ich bin stark. Ich bin stark. Ich bin… schwach. Ich bin schwach. Ich bin schwach.“

Kostja plagen andere Sorgen. Er hat zu wenige Väter.

„Mummy, ist Daddy mein Daddy?“
„Ja, er ist dein Daddy.“
„Bist du sicher?“
„Ziemlich sicher.“
„Er ist auch Nikos Daddy – richtig?“
„Definitiv. Zwillinge haben in der Regel denselben Daddy.“
„Ist er auch Elis Daddy?“
„Ja, ist er.“
„Und Milis? Und Soles?“
„Ja. Und ja.“
„Das ist unfair! Agnes hat z.B. einen Daddy. Ihr Bruder Andrew hat einen zweiten Daddy. Ihre kleine Schwester hat einen dritten Daddy. Und jetzt wird die Mutter wieder heiraten und ein weiteres Baby mit dem vierten Mann bekommen. Sie haben viele Daddys, und wir nur einen. Einen!“

Hilfe! Wo gibt’s Väter zu mieten? Möglichst günstig. Ich brauche fünf bis acht Stück. Mein guter Ruf steht auf dem dem Spiel.

Über gemeine Gauner

Wenn mein Mann zuhause ist, freue ich mich sogar, früh aufzustehen.

Erstens bereitet er das Frühstück* vor.

Zweitens genieße ich seine Dialoge mit den Kindern und Fräulein Fettel. Sie ist wortkarg und antwortet meist mit forderndem oder empörtem Miau.

„Fettel, hör auf zu grunzen. Hast du dich im Spiegel betrachtet? Du bist keine Katze. Du bist ein Nilpferd. Fauche mich nicht an, sonst fliegst du aus dem Fenster. Ohne Fallschirm. Kannst du fliegen?“

„Eli, nimm den Kochtopf vom Kopf. Wir tragen prinzipiell keine Kochtöpfe als Hüte. Auch keine Bratpfannen. Oder Suppenteller.“

„Kinder, wer hat die Fettel in den Mülleimer gestopft?“
„Sie hat sich selbst in den Mülleimer gestopft.“
„Verlässt du uns? Was für eine grandiose Überraschung! Ich heiße deine Entscheidung gut. Fettel, reg dich nicht auf. Ich mache gleich den Deckel zu und werfe dich in die Mülltonne.“

Drittens fährt er die Horrorbrigade zur Schule und in den Kindergarten. Ich schließe die Tür hinter ihnen ab, winke zum Abschied vom Balkon und hüpfe mit den Toddlers schnell unter die warme, kuschelige Decke. Noch ein Stündchen Schlaf ergaunert. Das Leben danach wirkt auf mich sonniger.

* * *
Fräulein Fettel wurde in letzter Sekunde gerettet. Sie döst verträumt daneben.

Und euch allen wünschen wir einen wunderschönen Tag ;)
__________
*Haferbrei mit frischer Butter, Sahnejoghurt mit Honig und karamellisierten Pecannüssen, Obstsalat aus Bananen, Äpfeln, Sharonfrüchten und dazu heißen Kakao mit Mandelmilch

Der erste Schnee

L: Oh mein Gott, die Stadt versinkt im Schnee. Ich falle gleich in Ohnmacht. Bitte halte mich fest.
M.: Klappe! Nicht jeder von uns hat im ewigen Winter gelebt, Eisbären gejagt, mit Grauwalen Freundschaften geschlossen, Walrosse als Haustiere gehalten und ist bei extremen Minustemperaturen auf einem Rentier zur Schule geritten.
L: Neidisch? Nimm deine Hand da sofort weg, du Wüstling!

* * *
Ich habe nicht viele schöne Kindheitserinnerungen. Als mein Bruder Richard zwölf und ich sechs waren, mussten unsere Eltern zu der Tante meiner Mutter nach Mainz umsiedeln.

Sie lebten fast dreißig Jahre lang in verschiedenen moslemischen Ländern. Sie beherrschten die Landes–sprachen, ohne je einen bezahlten Integrationskurs besucht zu haben. Sie arbeiteten hart. Es nützte nichts. Nachdem ein Vetter meines Vaters von den Einheimischen brutal ermordet wurde, weil er Brot an Hungerleidende verteilt hatte, packten sie ihre Sachen und ließen alles zurück. Was soll’s! Wir fanden unseren Weg in Deutschland.

Was ich sagen wollte: Das überwältigende Glücksgefühl, das meine Seele in sich barg, als wir die Eisblumen auf dem Fensterglas bewunderten, im Schnee tobten, auf einem Schlitten den Berg herunter lachend rodelten, Schneemänner erschufen, Schneeballschlachten ausfochten oder Wettbewerbe im Skifahren veranstalteten, wohnt mir bis in den heutigen Tag inne. Und einmal trafen wir bei einem Spaziergang im Park auf ein Ehepaar in Begleitung eines jungen Elches. Das passierte in einer Großstadt eher selten.

Ich mag Schnee und freue mich über die Schneeflocken.

Liebe Schneeengel, ich warte sehnsüchtig auf euch!

Über Geheimnisse einer Ehe

XY: Was schätzt du an einem Mann?
L.: Starke Hände, einen harten Schwanz und natürlich seine inneren Werte.
M.: Du bist eine Romantikerin, Baby. Hättest du Novalis gevögelt, würde sich „Heinrich von Ofterdingen“ spannender lesen. Was ist los?
L.: Ruhe! Ich versuche vergeblich vor Ehrerbietung und Demut zu erröten. Wie es sich für eine Frau geziemt.

* * *
L.: Sicher. Ich kann meine Äußerung ausführlich erläutern. Männer gehören zu der Hälfte der Menschheit, die beim Wichsen urkomisch aussieht, aber gleichzeitig einen phänomenal faszinierenden Orgasmus erlebt, wenn Frauen sie mit ihren Händen verwöhnen.
M.: Stimmt nicht. Bei mir verhält es sich umgekehrt. Beim Wichsen sehe ich ungeheuer würdevoll aus. Bei einem Handjob gebe ich jegliche Kontrolle ab. Ich lasse dich gewähren.
L.: Ja, weil du ein Vollidiot bist.
M.: Ist dir bewusst, dass du diesen Vollidioten geheiratet hast?
L.: Ein bedauerlicher Fehler. Wie kam es dazu?
M.: Rate mal. Du spreiztest deine Beine und vergaß die Verhütung.
L.: Ich dachte, du hättest mich aus Liebe geheiratet, nicht weil mein Bauch wuchs.
M.: Was du für Gedanken hegst. Nein, nur wegen dem Kind. Du gefällst mir aber. Ein wenig.
L.: Reizend. Mir kommen gleich die Tränen. Ich bin gerührt und fühle mich so gesegnet.
M.: Ich bin ein charmanter Typ. Zu welcher Hälfte der Menschheit gehören nun Frauen?
L.: Du bist doch ein Mathegenie. Was ist das für eine doofe Frage? Zweifelsohne gehören sie zu der anderen Hälfte der Menschheit. Bei einem Höhepunkt sehen sie immer entzückend aus. Wichsen tun sie schon gar nicht. Sie sind reine, märchenhafte Geschöpfe.
M.: Und Männer sind Trolle von unter der Brücke.
L.: Genau! Das ist nebenbei eines der Geheimnisse unserer Ehe: Wir verstehen uns blind.

Eigentlich haben wir überlegt, uns ein intellektuelles Hobby oder eine niveauvolle Freizeitbeschäftigung zuzulegen, aber stattdessen werden wir am Freitag das Übungsgelände aufsuchen. Eventuell werde ich Mike auch verprügeln, denn die Ärzte haben mir erlaubt, wieder Sport zu treiben.

Selber schuld wohlgemerkt. Er hat mir schließlich beigebracht, wie frau* kämpft.
__________
*kein Tribut an Feminismus, scheint mir einfach angebracht zu sein

This is as merry as we get

Unser Konzept für Weihnachten war denkbar simpel. Die Horrorbrigade schmückte den Tannenbaum. Michael riegelte die Wohnung ab, um sich von ungebetenen Gästen zu schützen. Ich zog Fräulein Fettel die Uniform der Schweizer Gardisten an, setzte ihr einen Morion auf, händigte ein M25 eine Hellebarde aus und kommandierte zur Wache ab.

Ihre Dienste wurden in Naturalien bezahlt: Dampf gegartem Lachs, pochiertem Ei und Rahmspinat. Dies ist Fräulein Fettels Leibspeise. Sie ist eine anspruchsvolle Genießerin.

Wir alle blieben zu Hause, trugen Pyjamas mit lustigen Motiven, machten uns eine große Pfanne Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Austernpilzen (Adschika, Salzgurken, Cherrytomaten eingemacht nach russischer Art und Auberginen mit Kräutern in einer würzigen Essigmarinade rundeten die frugale, aber schmackhafte Mahlzeit ab.), schauten „Strangers with candy“ und kuschelten viel im Bett.

Das Konzept ging auf.

Einen Tag danach fuhr die Horrorbrigade mit den Großeltern aufs Land. Ich verstehe sie. Die Großeltern wohnen in einem alten Haus und halten unzählige Tiere: Schottisches Hochlandrind, Pferde, Ponys, Schafe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Hühner, Hunde, Katzen und sechs fidele Chinchillas. Fräulein Fettel könnte das nie übertreffen.

Unsere Kinder lieben Tiere. Noch mehr gefiel es ihnen, die hohe Felsgebirgstanne vor dem Haus feierlich zu dekorieren.

Währenddessen gingen wir oft mit den Knirpsen in der Stadt spazieren: in Dean Village am Water of Leith entlang, zum Spielplatz in den Meadows, zu den Schwänen und Wildenten im Holyrood Park, in der Street of Light*, zur St Giles’ Cathedral, zum West End, zum Castle Rock, zu den Braid Hills und am Arthur’s Seat.

Edinburgh ist ein wahres Märchen. Diese Wochen waren sorglos, innig und zärtlich. Möge das neue Jahr genauso fröhlich, glücklich und unbeschwert verlaufen.

* * *
Gestern hat es fortwährend geregnet. Mir fehlt der Schnee, aber ich beschwere mich trotzdem nicht. Der Winter meint es gut mit uns. Das Sonnenlicht ist golden. Der Tagesanbruch beeindruckt mit leuchtenden Farben. Sterne illuminieren den trüben Nachthimmel. Kirschbäume blühen in zartem Rosa.

Und das im Januar!
__________
*West George Street until the 24th December

Lebt wohl, Schmetterlingsorchideen!

Am Silvesterabend feiern mein Mann und ich unser 17-jähriges Jubiläum – die Orchideenhochzeit (in Westeuropa) oder die Rosenhochzeit (in Russland).

Wenn Daniel und seine Frau Haley uns besuchen, bringen sie immer zauberhafte rote Rosen aus ihrem Garten mit. Wenn meine Schwiegereltern vorbeikommen, schenkt uns Michaels Stiefmutter anmutige Schmetterlingsorchideen.

Zwei davon hat ein gewisses Fräulein Fettel hinterhältig ermordet. Aus purer Boshaftigkeit. Ich bin morgens in einem Meer aus Orchideenblüten aufgewacht wie eine aztekische Hohepriesterin im Jenseits.

Was soll ich mit dieser Katze nur machen? Sie mal wieder rehabilitieren?

мгновение

בְּרֵאשִׁית

das Mondlicht breitete seinen schimmernden Teppich auf dem kalten Boden aus . die Eichen entwarfen Bildwirkereien mit silbernen Schatten auf nackten Wänden . die unsichtbare Entfernung zwischen Dir und mir erhellten die Sterne

wie unverschämt glücklich konnten wir doch sein . in einem tadellos leeren Zimmer . in dieser letzten . in dieser ersten Nacht

В начале

Katzerina Fettels Alltag

Es war eine stille Nacht. Die Gedanken schweiften ab. Das Harmagedon brach herein. Ich erlebte vor Schreck meine erste außerkörperliche Erfahrung.

Es ist jetzt amtlich. Unsere Katze kann fliegen. Gestern absolvierte sie erfolgreich ihren Jungfernflug im Wohnzimmer. Die Gardine inbegriffen. Und auch die Gardinenstange. Und die Träger. Das Maß ist voll.

Ich wollte heute ein deftiges deutsches Abendessen zubereiten, aber stattdessen wird es geschmorte Katze mit Serviettenknödeln und Rahmwirsing geben. Dazu warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis.

Ich muss allerdings erwähnen, dass das zukünftige Schmorgericht nicht besonders besorgt aussieht. Es hat sich hinter der Couch verbarrikadiert, bügelt seinen Kampfanzug, schärft die Krallen und wartet geduldig ab. Sechs weitere Räume mit Gardinen sind schließlich in der Wohnung zu finden.

* * *
Wenn die Katze nicht gerade schläft, frisst, kotzt oder das Gebäude bis auf die Grundmauern niederreißt, fährt sie Rennen. Sie fährt inzwischen einen Rennstaubsauger, einen Renngeschirrspüler, einen Rennwäschetrockner, eine Rennwaschmaschine und ein Rennskateboard.

Aus diesem Grund nennen wir sie Katzerina Fettel. Oder einfach – ach du kleines bescheuertes Scheusal.

You’re a fool, Φιλύρα!

„Wie kannst du mich nur lieben? Ich bin schwach, erschöpft, wankelmütig und charakterlos. Ich. Bin. Völlig. Unnütz.“
„You’re a fool, Φιλύρα! Other than that you’re the best wife in all possible worlds. Du bist nicht schwach. Du bist ein bisschen erschöpft. Du bist weder wankelmütig noch charakterlos. Dich zu lieben ist leicht. Wenn du so willst, bist du meine Karyatide.“
„Versteinerte Hure?“
„Keine versteinerte Hure. Steinerne Göttin. Hör auf mit dem Blödsinn. Du bist meine Galionsfigur, meine Nymphe und meine Hyade, Gebieterin über meine Sieben Meere. Du beschützt meine Galeone vor den steilen Felsen, gefährlichen Riffen und wütenden Sturmwinden. Ohne dich versänke ich auf dem Meeresgrund.“
„Auf dem Meeresgrund sind Ruhe und Geborgenheit.“
„Auf dem Meeresgrund sind Hoffnungslosigkeit und Tod. Ich könnte dich gar nicht lieben, wenn du keine Sonne wärst. Wenn wir zusammen sind, erfüllst du meine Seele mit Licht und Wärme. Wenn wir getrennt sind, bist du meine Armillarsphäre, mein Astrolabium, mein Polarstern. Für dich schlägt mein Herz. Nach dir richten sich meine Gedanken. Zu dir führen alle meine Pfade. Dank dir finde ich jedes Mal aus dem Labyrinth der Verzweiflung zurück ins Leben, meine launische Ariadne. Wegen meiner Liebe zu dir glaube ich an Gott und an den Himmel. Ich liebe dich, Φιλύρα! Bitte weine nicht, es ist halb drei.“
„Ich weine nicht. Ich bin unendlich traurig.“
„Take off your nightie. I’ll show you the way to paradise.“
„Schwachkopf.“
„Ich kann dich leise lächeln hören…“
„Und ich kann dich sehr gut leiden…“

Ты – дурочка, Φιλύρα!

Heliozentrisches Weltbild

Baby, Du bist meine Sonne.

Lach nicht, denn mir ist nach Heulen zumute. Ich bin bitterernst. Leg Deine Hand auf meine Brust und fühl, wie mein Herzschlag aussetzt, wie die Angst meine Kehle zuschnürt.

Du bist meine Sonne, Baby. Hörst Du? D u   b i s t   m e i n e   S o n n e. Keine transzendente, keine metaphysische Sonne, die den Tag in Gold ertränkt, die Luft mit Honig füllt und Gewässer in Bernstein verwandelt. Nein! Keine frostklirrende Polarsonne, deren Licht die Gletscher bricht im ewigen Zuchthaus aus Eis; keine tobende Wüstensonne, die das Leben als Geisel hält, nur um es endgültig zu vernichten. Nein!

Du bist die wahrhaftige Sonne: Wut, Zorn und Ekstase. Verzeih mir! Du bist mein Fegefeuer, mein höllenheißes Gestirn. Deine Strahlen verätzen meine Haut wie Salpetersäure. Deine Wärme schmilzt meine Muskelfaser. Du dringst in mich ein, fließt durch meine Adern, veränderst meine DNA-Helix und schreibst den genetischen Code um, alle Nucleotidtripletts aufhebend: LLL. Du umgibst mich, rankst an mir empor, verschlingst mich von innen nach außen. Du erfindest mich neu, definierst und versiehst mit einem Namen.

Wären wie Sumerer, würde ich Dich anbeten, meine Besitztümer zu Deinen Füßen werfen und meine Seele auf Deinem Altar darbieten wie eine Opfergabe. Lebten wir im alten Ägypten, würde ich Dich in einem Turm ohne Türen einsperren. Ich würde meinen Atem in Dich einhauchen, Deinen Mund küssen, in Deine Brüste beißen und Deinem Schoß huldigen, bis wir uns in Verzückung auflösen. Du würdest in meiner Liebe ruhen. Wären wir Babylonier, würdest Du meinen Untergang bedeuten, und ich würde straucheln, und stürzen, und Dich mit in den Abgrund reißen.

Du gehst nicht auf. Du gehst nicht unter. Du bist immer schon da. Punkt. Aus. Du bist immer schon da gewesen. Flüsternd, heimlich, verborgen, verboten. Auch dann, wenn ich an Dich nicht dachte.

Du ersetzt mich durch Dich. Nichts bleibt übrig. Und alles. © Mike

Über Gebete

XY: Was macht eine temperamentvolle Frau wie du, wenn ihr Liebhaber verreist?
L.: Wir beide wissen, welche Antwort du dir erhoffst.
XY: Ist das so?
L.: Ja, das ist so! Sie betet inbrünstig.
XY: Wirklich?
L.: Wirklich! Sie betet inbrünstig mit einer Hand zwischen ihren Beinen. Das Gebet hört sich folgendermaßen an: „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gooott…“
XY: Haha. Witzig.
L.: Zufrieden mit der Antwort? Übrigens: Wenn der Liebhaber heimkehrt, hört sich das Gebet anders an.
XY: Nämlich?
L.: Mikey, Mikey, Mikey, oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gooott…
XY: Ich hasse dich ein wenig.
L.: Ich weiß, ich weiß.

* * *
Ich vermisse Dich unheimlich, Blödmann! Komm nach Hause.

Sternenkinder

Звездные дети:
PStRÄndG, HB 635

Once upon a time, there was Candy and Dan. Things were very hot that year. All the wax was melting in the trees. He would climb balconies, climb everywhere, do anything for her, oh Danny boy. Thousands of birds, the tiniest birds, adorned her hair. Everything was gold. One night the bed caught fire. He was handsome and a very good criminal. We lived on sunlight and chocolate bars. It was the afternoon of extravagant delight. Danny the daredevil. Candy went missing. The days last rays of sunshine cruise like sharks. I want to try it your way this time. You came into my life really fast and I liked it. We squelched in the mud of our joy. I was wet-thighed with surrender. Then there was a gap in things and the whole earth tilted. This is the business. This, is what we’re after. With you inside me comes the hatch of death. And perhaps I’ll simply never sleep again. The monster in the pool. We are a proper family now with cats and chickens and runner beans. Everywhere I looked. And sometimes I hate you. Friday ―― I didn’t mean that, mother of the blueness. Angel of the storm. Remember me in my opaqueness. You pointed at the sky, that one called Sirius or dog star, but on here on earth. Fly away sun. Ha ha fucking ha you are so funny Dan. A vase of flowers by the bed. My bare blue knees at dawn. These ruffled sheets and you are gone and I am going to. I broke your head on the back of the bed but the baby he died in the morning. I gave him a name. His name was Thomas. Poor little god. His heart pounds like a voodoo drum.

                              ― Luke Davies, Candy

At my feet, a squashed tin glints rustily inside a funnel of sand. Around me, silence and a kind of spring emptiness. There is no death. The wind comes tumbling upon me from behind like a limp doll and tickles my neck with its downy paw. There can be no death.

My heart, too, has soared through the dawn. You and I shall have a new, golden son, a creation of your tears and my fables. Today I understood the beauty of intersecting wires in the sky, and the hazy mosaic of factory chimneys, and this rusty tin with its inside-out, semidetached, serrated lid. The wan grass hurries, hurries somewhere along the dusty billows of the vacant lot. I raise my arms. The sunlight glides across my skin. My skin is covered with multicolored sparkles.

And I want to rise up, throw my arms open for a vast embrace, address an ample, luminous discourse to the invisible crowds. I would start like this: “O rainbow-colored gods . . .”

                              ― Vladimir Nabokov, Gods

Alte Last

zögere nicht und verzweifle . schlag mir die Flügel ab . du brauchst dafür kein Schwert . ein stumpfes Brotmesser reicht aus . ohne diese Flügel . werde ich nie wieder fliegen . ohne diese Flügel . werde ich lange stark bluten . aber vielleicht . aber vielleicht . aber nur vielleicht . werde ich lernen zu gehen

Wandelt im Geist,

so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen (Gal. 5,16)

Schreibe mit! Es könnte sich als nützlich erweisen.

Überfalle einen völlig fremden Mann in deiner Dusche, wenn er nackt und wehrlos ist, wenn er angenehm duftet. Mach ihn so glücklich, dass er sich vergisst. Lächle ihn danach süffisant an und stolziere feierlichen Schrittes aus dem Badezimmer. Lass ihn einfach erstaunt zurück mit bebender Stimme, schwerem Atem und entrücktem orgiastischem Gesichtsausdruck. Drehe dich nicht um und schäme dich nicht deiner List. Stampfe leidenschaftlich mit nassen Füßen auf den Boden.

Es stellt keinen hohen Kraftaufwand dar und währt nur eine kurze Zeit, versetzt ihn dafür in einen Zustand starker Erregung. Seine Gedanken kreisen den ganzen Tag nur um dich. Er kann seine Finger nicht bei sich behalten, stiehlt alle deine Küsse und macht dich gegen Mitternacht so glücklich, dass du dich vergisst.

Es sei denn, dein Fremder befindet sich in Asien und macht dich mit kurzen Textnachrichten erbarmungslos geil. Gemeiner, verdorbener Sünder!

* * *
Ich bin entspannt und besonnen. Ich ruhe in mir. Das Licht der Tugend umgibt mich. Ich bin eine zarte Blume der Züchtigkeit, die von der Frucht der Begierde nie gekostet und sich am Quell der Triebhaftigkeit nie gelabt hat. Om mani padme hum. Om mani padme hum. Om mani padme… Damn it! Ich blühe auf. Ich werde mich doch letztendlich selbst beflecken, aber der Wille war stark.

Пароксизм шести утра

Four Months

Süßes Glühwürmchen Sole, unser himmlischer Sonnenschein, ist jetzt vier Monate alt.

Mein Schwiegervater hat neulich gemeint, sie wachse gar nicht. Und ob! Sie ist viel größer und schwerer geworden, seit wir sie aus der Klinik nach Hause mitnehmen durften. Fotos lügen nicht.

Was könnte ich über unser Glühwürmchen sagen? Sie schläft weniger. Sie ist deutlich aufgeweckter. Sie ist unglaublich ungeduldig. Sie erforscht die Umgebung und lutscht an allem drum herum. Sie nimmt das Spielzeug in den Mund und kaut mit Freude an ihrem Beißring. Die Katze gefällt ihr. Ihre Schwester gefällt ihr. Ihre Brüder gefallen ihr. Auch der Taufpate. Aiden, verzweifle nicht!

Kleidergröße 62. Frisch geimpft, daher quengelig.

* * *
Unser Herzchen versucht sich zu drehen. Das Liegen auf dem Rücken ermüdet sie. Sie ist wissbegierig und will sich bewegen. Sie wedelt mit den Ärmchen, hilft sich mit den Beinchen, greift nach dem Rüssel des violetten Plüschelefanten und dreht sich auf die Seite. Dann verlassen sie die Kräfte. Sie ist halt noch ein Winzling. Sie ist griesgrämig und beschwert sich, also gebe ich ihr den letzten Schubs. Wenn sie zufrieden auf dem Bauch liegt, lobe ich sie. Sie lächelt. Ich schmelze dahin. Pures Glück.

* * *
Höre ich ihr nebenbei zu, wie sie sich mit mir, mit den Engeln oder mit der Außenwelt unterhält, bekomme ich den Eindruck, wir hätten einen kleinen Drachen gezeugt, denn kein Menschenkind gibt vor sich solch rätselhaften Laute.

Topografie der Küsse

Auf Deine Schläfe, hinter Deinem Ohr, in Deinem Nacken, an Deinem Hals, auf Deinen Mund, auf Deine Drosselgrube, zwischen Deine Schulterblätter, entlang Deiner Wirbelsäule, auf Deine Lendenraute, unter Deine Achselhöhle, auf das Muttermal am Ansatz Deiner Brust, auf das Muttermal an Deinem Knie, auf das Muttermal an der Innenseite Deines Schenkels, auf Deinen Bauchnabel, auf Deinen Venushügel, zwischen Deine Beine

küsse ich Dich in meinen Gedanken. Immer und immer wieder. © Mike

Über Sumpftrolle & Schurken

Drei Schurkereien vollbrachte die Katze am Wochenende:

1. Sie bezwang nachts die hohen Gipfel der Gardinen im Speisesaal. Wir mussten sie retten.
2. Sie entführte meine Merinowollsocke und hüllte sich in Schweigen. Die Socke verzweifelte derweilen am Leben in einem düsteren Verlies.
3. Sie zähmte zu guter Letzt das mystische Ungeheuer namens Kobold VR200 und ritt es tollkühn durch die Wüste des Wohnzimmers. Unser kleiner Sohn, der achtzehn Monate alt ist, eiferte ihr nach.

* * *
Mein Mann geht heute für drei Wochen auf Geschäftsreise. Ich bleibe zu Hause und fechte um mein Ansehen als Alleinherrscherin gegen fünf niedliche, reizende, grandiose und unglaublich freundliche Sumpftrolle.

Omnes sancti Angeli et Archangeli, omnes sancti beatorum Spirituum ordines, omnes sancti martyres, orate pro nobis. Propitius esto, parce nos, Domine. Propitius esto, exaudi nos, Domine. Amen.

Das wird lustig.

Über außerirdische Entitäten

Meinen Mann stelle ich auf dem Übungsgelände inzwischen nur so vor:

Das da hat mich vor fünf Jahren, nach zwölf Jahren wilden Treibens, unbegreiflicherweise geschwängert und geehelicht. Es nennt sich Michael. Model XY der Luxusklasse. Hochintelligent, hochbegabt, hochgewachsen. Kann gut kochen. Kann gut küssen. Macht wunderschöne Kinder.

Als ich fünfzehn war, verlor ich meine Unschuld an ihn. Als ich zwanzig war, erklärte er mir den Umgang mit einer Beretta 92. Als ich fünfundzwanzig war, überlebte er einen schweren Anschlag während der Befreiung des irakischen Volkes von Erdöl und Erdgas zu Gunsten amerikanischer Konzerne. Shock and awe. Shit happens, buddy! Als ich dreißig war, schenkte er mir ein desolates Herrenhaus mit einem Obstgarten. Als ich fünfunddreißig war, lehrte er mich mit einem Recurvebogen zu schießen. Jetzt befindet sich auch eine Armbrust Orion von Scorpyd in meinem Besitz. Ich übe tüchtig. Ich bin eine Prophetin der Endzeit.

Sieht wie ein Mann aus. Hört sich wie ein Mann an. Fühlt sich wie ein Mann an, wenn er in mir drin ist. Ist aber in Wahrheit eine feindselige außerirdische Entität, die zur Erde abgesandt wurde zwecks Versklavung der Menschheit.

Was war passiert? Er wurde einer nackten Frau ansichtig, erkannte sie und vergaß den Befehl. Seitdem schlage ich mich mit ihm herum, ohne mit dem Schicksal zu hadern, denn das Leid erleuchtet die Seele, beflügelt den Geist und veredelt das Wesen.

* * *
Folgendermaßen schätzt er sich selbst ein: A Résumé (English).

Zu bescheiden, wie ich finde.

Doppeltes Glück

Unsere hübschen, gutherzigen, seelenvollen, lebenslustigen, lauten, verzogenen, endlos geliebten Goldkinder sind heute Nacht vier Jahre alt geworden.

Sie sprachen vor wenigen Wochen recht bescheidene Wünsche aus und wollten unbedingt das festliche Essen par excellence kredenzt bekommen:

leckere Piiizzza!!! Yippee!

Wir küssen euch und umarmen fest, unsere honigsüßen Engel!

Three Years (English, русский)
Два года (русский)

Küsse

Meine Seele . findet Ruhe . zwischen deinen . schönen Beinen. © Mike

* * *
Sanft geweckt . von deinen Küssen . auf meinem Venushügel.

* * *
Deine Küsse — . gezähmte Schmetterlinge — . flattern sanft auf meinem Venushügel.

Plötzlich Vater

Michael war zwei Tage in Aberdeen, deswegen hat sich Kostja zu einem Anruf nach Berlin hingerissen. Als der Hörer am anderen Ende der Leitung abgenommenen wurde, hat er fröhlich gegrüßt:

Daddy, Daddy, hallo, Daddy, ich vermisse dich sehr.

Noch nie in seinem Leben war der kinderlose Simon so nah an einem Herzinfarkt.

Kids rule!

* * *
Майк был два дня в Абердине, поэтому Костя решил порадовать его звонком в берлинский офис. Когда на том конце провода сняли трубку, он с энтузиазмом поздоровался:

Папочка, папочка, привет, папочка, я по тебе скучаю.

Еще никогда в своей жизни не был бездетный Саймон так близок к инфаркту.

Завтра позвоним в Сан-Антонио. Взбодрим бездетного Гидеона.

Like Father, Like Daughter

Am Donnerstag hat meine Tochter den Speisesaal dekorativ verschönert. Bei der Einnahme der Mahlzeiten betrachte ich jetzt mit zarter Ergriffenheit an der Wand unter dem Fensterbrett den Ehrenkodex der USMA, an der ihr Vater ausgebildet wurde:

A cadet will not lie, cheat, steal, or tolerate those who do.

Die Handschrift ist noch unbeholfen. Die Buchstaben hüpfen wie übermütige Hasen. Ihre Größe und Form variieren ständig. Wen kümmert’s?

Die Tochter strahlt. Der Vater ist selig. Die Katze kotzt vor Begeisterung im Wohnzimmer.

* * *
Am Freitag hat meine Tochter unerwartet herausgefunden, dass das Zeitalter der Auflehnung gegen die elterliche Unterdrückung angebrochen war. Sie hat sich ihre wunderschönen lockigen Haare vor einem Spiegel selber geschnitten. Die Zwillinge haben geholfen.

Leider könnte ich nicht annähernd beschreiben, wie elend ihr Vater ausgesehen hat, als sie sich ihm in ihrer optimierten Gestalt offenbarte.

Seit dem Friseurbesuch am Samstag trägt sie übrigens den gleichen Haarschnitt wie er während seines Dienstes beim Militär.

* * *
Indes bringt sich die Katze bei, wie man einen Staubsauger fährt, aber das ist eine andere Geschichte.