Zurück zur Demut

Liebe Leute,

vielen Dank für Eure Worte. Ihr seid nett. I really appreciate it. Bless yourselves.

* * *
Leihe mir bitte jemand einen Panzer aus. Ich bräuchte dringend einen Panzer.

Ich wollte noch fragen, wie diese mobilen Raketenabwehrsysteme heißen, mit denen der israelische Aggressor die Raketen abschießt, die von den friedlichen Nachbarn zur Bekundung der Toleranz und Nächstenliebe an seine kriegstreibende Zivilbevölkerung gesandt werden?

Iron Dome, sagt Dylan. Aber man fange damit die Raketen ab. Die Welt könne man damit nicht verbessern. Nicht in meinem Sinne. Schade. Ich habe solch eine bilderreiche Gewaltfantasie ausgearbeitet. Dann eben nicht. Ich verprügle einfach ein paar Ex-Militärs und gehe nach Hause. Michael bäckt heute Abend Plätzchen.

Ein schönes Wochenende. Übertreibt’s nicht mit den Kakteen.

Kurz

Die Woche ist kurz ausgefallen.

Der Montag war schön. Der Dienstag war schön. Es bricht dir als Mutter oder Vater das Herz, wenn du mit fünf verheulten Kindern skypst, die gemeinsam als eine einzige Stimme schluchzen: „Neve ist tot.“ Die Nacht zum Mittwoch war lang. Wir sind wieder zu Hause.

Es wird alles gut. Es gibt nichts, was wir nicht überwinden können, solange wir zusammen sind, solange wir uns haben.

* * *
L.: Mischa, du bist einzigartig. Ist dir das klar? Vor einem Jahr hast du die kürzeste Geschäftsreise ever unternommen, jetzt den kürzesten Urlaub ever gehabt.
M.: Meinst du die Geschäftsreise, bei der ich in Singapur landete und Joel sah, der auf mich zuging und sagte: „Deine Familie ist am Leben. Mach dir keine Sorgen. Deine Kinder sind bei deinen Eltern. Deine Frau ist auf der Feuerwehrwache.“? Diese Geschäftsreise? Das ist nicht witzig. Immer noch nicht. Ich missbillige diesen Galgenhumor.

Irgendwie ist es doch witzig. Auf eine ganz makabre Art und Weise.

Luciens Papa

Wir haben einen Besuch von einem charismatischen Nachbarn bekommen. Fräulein Fettel hat sofort eine unzufriedene Fresse gezogen. Meine Kleine wollte wissen, ob Fräulein Fettel Luciens Papa sei. Das würde ich Fräulein Fettel zutrauen.

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Weltverbesserung nach Uhrzeit


Habt ihr zufällig mitbekommen, wie wunderbar die Welt plötzlich wurde? So ungefähr gegen 14.00 Uhr? Das waren wir. Wir allein. Nathaniel und ich.

Die kleinen Monster haben eine neue Freundin kennen gelernt, die Lilas heißt. Ich, Nate, Muhammad und Lilas‘ Vater haben die Armada aus Papier nachgebaut und bemalt. Wir haben mehr Spaß daran gehabt als die Kinder. Jetzt kaufe ich einen Kaktus und fahre nach Hause.

Lautes Stöhnen und heftige Muskelkontraktionen wünscht euch Alvaro de Bazán, Marqués de Santa Cruz.

Ciao, tschüss, bye-bye. Seid nett zu Kakteen. Und auch gut zu Vögeln.

Juhu!

Diese reinen, unschuldigen Engel, die Kinder meines Mannes, haben Sommerferien.

Erschieße mich bitte jemand.

Ask, Seek, Knock

Man fragt mich: „Und? Wie war es? Der Brand? Die Zeit danach als obdachlos? Glaubst du immer noch an Gott?“ Ja, das tue ich. Das tue ich mit meinem ganzen Herzen!

7Ask, and it shall be given you; seek, and ye shall find; knock, and it shall be opened unto you: 8For every one that asketh receiveth; and he that seeketh findeth; and to him that knocketh it shall be opened.

Die letzte Woche war übel. Grausam für mich sowohl seelisch als auch persönlich. Ich wurde angefeindet. Ich wurde bedroht. Ich wurde verleumdet. Donna wurden ihre Kinder gestohlen.

Ich hadere mit meinem Gott. Doch gibt er mich nicht auf. Heute habe ich gestrahlt. In zwei Monaten, so hoffe ich, werde ich darüber berichten können.

Ein wenig Selbstkasteiung

Ich bin wütend und enttäuscht. Ich bade noch in Selbstmitleid. Ich bin fast fertig. Hoffentlich.

Warum? In zwei Monaten hätte ich die Kätzchen verschenkt. Mit blutendem Herzen. Aber ich hätte sie verschenkt. Warum die Kätzchen traumatisieren? Warum die Mutter traumatisieren?

Wir wissen genau, wer das war. Unser Haus wird videoüberwacht.

Heute will ich die Welt wirklich nicht verbessern. Sie soll mir den Buckel runterrutschen.

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Das ist Lucies erstes Bild.
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Zuerst Neve, dann Lucie


Donnas Kinder wurden heute von unserem Hof gestohlen. Donna jammert und ruft nach ihren Babys. Ich heule. Das ist das letzte Bild. Fünf Wochen sind sie alt.

Rhetorisch


Mili, meine Große, begrüßt Nate: „Fists up, elbows in, chin down.“ Sole, meine Kleine, streckt die Arme aus, stellt sich auf die Fußspitzen, fasst ihn an den Hintern und fragt, als er sich verwundert umdreht: „Do you know my dad? My dad is the coolest on the planet. Do you like giraffes?“ Ich bringe ihm eine neue Redewendung bei: „Пиздец, какие же мы охуительные.“ Und das an einem Abend.

Vor zweieinhalb Jahren hast Du uns nicht gekannt. Wie hast Du ohne uns nur gelebt, Nathaniel?

ברוכים הבאים לירושלים


Ich wundere mich, warum ich immer wieder gefragt werde, ob Michael noch bei uns sei? Wo sonst sollte er denn sein? Ich schreibe zu wenig über ihn, glaube ich. Meine Schuld. Ich werde mich bessern.

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Meinem Mann hat’s in den Fingern gejuckt, deswegen ist unsere Bettwäsche seit gestern schweinchenrosa. Aber immerhin hat er den Weg in die Waschküche gefunden.

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Nächste Woche sind wir in Jerusalem. Michael passt auf das Baby auf. Ich laufe nackt durch die Straßen. Mir ist danach. That’s going to be epic. Schaltet den Fernseher an. Ich brauche dringend ein langes weißes Schlafhemd. Nachts könnte es kühl werden.

1000 und 1 Grund, warum ich M.H. liebe

Ich hatte viel Zeit mit Tierbabys und Menschenkindern verbracht, bis ich Michaels Blick bemerkte. Was?!, wollte ich angriffslustig wissen. Nichts, entgegnete er versöhnlich, ich könnte heulen, wenn ich dich so gelöst und glücklich lachen sehe. Ich wünsche mir nichts sehnlicher.

Ich werde meinen Blog nicht in 1000 und 1 Grund, warum ich M.H. liebe umbenennen. Bestimmt nicht wegen einer karitativen Veranstaltung. Schönen Abend noch!

Ich krieche gleich unter seine Kuscheldecke und schmiege mich eng an ihn heran. Ich bin eine stolze florentinische Frau. Ich brauche weder Liebe noch Zuneigung, noch Herzlichkeit, noch Anerkennung. Schluss mit Kichern!

סמי וחנה

יזכור אלהים נשמת בני מורי (שמואל בן מייקל) שהלך לעולמו בעבור שאתן בלי נדר צדקה בעדו, בשכר זה תהא נפשו צרורה בצרור החיים עם נשמות אברהם יצחק ויעקב שרה רבקה רחל ולאה ועם שאר צדיקים וצדקניות שבגן עדן. ונאמר: אמן

יזכור אלהים נשמת סבתי מורתי (חנה בת אסתר) שהלכה לעולמה בעבור שאתן בלי נדר צדקה בעדה, בשכר זה תהא נפשה צרורה בצרור החיים עם נשמות אברהם יצחק ויעקב שרה רבקה רחל ולאה ועם שאר צדיקים וצדקניות שבגן עדן. ונאמר: אמן

Niamh & Lucie

Neve (schwarz) hat heute eine feine Pastete von meinen Fingern gefressen. Zähne scharf wie kleine Nadeln. Lucie bedient sich erst an der Milchbar. Donna ist einfach geduldig und lässt sich von mir knuddeln.

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Mein Mann, der Engel

Eine Bekannte von mir wollte wissen, warum ich meinen Mann ständig verprügle. Er sei doch so lieb und hilfsbereit. Sicher. Warum fragt mich niemand, warum ich ständig seufze oder fassungslos den Kopf schüttle?

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L.: Michael, wie heißt der Papst? Fällt mir gerade nicht ein.
M.: Olga Tabea DCLXVI..

Hab‘ ihm in den Bauch geboxt. Dann begrabscht. Jetzt kann ich keine Doku über Papst Franziskus schauen, ohne zu wiehern. Vielen Dank auch.

Acht Monate

Wir sind umgezogen. Wir sind jetzt endlich zu Hause.

Vor acht Monaten ging unsere Welt unter/in Flammen auf. Gravierend. Radikal. Für immer. Nicht, weil wir es uns gewünscht hätten. Nein! Unser Nachbar hatte die Entscheidung für uns getroffen.

Er ist tot. Er ist unter der Erde. Wir leben mit den Konsequenzen seines Handelns weiter. UNSER LEBEN LANG. Mit der Angst vor der Angst, es könne sich wiederholen.

Ich möchte im Stande sein, einen Text über die letzten acht Monate zu formulieren – einfach, um damit abzuschließen. Es gelingt mir leider noch nicht. Ich bin erbost. Ich bin verzweifelt.

UPDATE

Zwei Namen. Für die Kätzchen. Süß. Die Mutti heißt Donna. Behauptet meine Große. Leider ist sie [fast] immer ehrlich. Der Vater meiner Kinder heißt immer noch Michael. Enttäuschend.

Nicht wirklich.

My New Queendome

Mein Mann ist Vater geworden. Am 28. Februar. Das Kind heißt Derek Caleb. Seine Augen sind so grün wie die seiner Mutter.

Ich bin Oma geworden. Am 16. Mai. Milis Adoptivkatze hat zwei Kätzchen zur Welt gebracht. Jetzt brauche ich drei Namen.

Your Majesty, welcome to your new queendome!, said Michael once we moved in. I like it here.

Für Kitty, Naida und Orion

Am 25.09. wurden wir morgens wegen Brand evakuiert: ich, meine Kleine und die Hunde. Kitty hat sich versteckt. Sie wurde gerettet. Ihr geht’s gut.

Hätten wir noch 5 Minuten geschlafen, so die Feuerwehr, hätten unsere Tiere nicht gemiaut, geheult, gejault und an der Schlafzimmertür gekratzt, wären wir nie mehr aufgewacht.

Der Mann im ersten Obergeschoss ist eines entsetzlichen Todes gestorben. Fast hätte er uns mitgenommen.

Jetzt sind wir obdachlos.

Die misslungene Integration

L.: Ich bin mal wieder Russin.
M.: Was habe ich mal wieder nicht mitgekriegt? 365 Tage im Jahr war dein Vater deutsch. 365 Tage im Jahr ist deine Mutter deutsch. Ich multipliziere mit 40. Entschuldige, du bist 20
L.: …warte, du entschuldigst dich zu früh.
M.: Du brauchst keinen Rechner. 7300 Tage.
L.: Seit 14600 Tagen bin ich deutsch. Acht Tage davon habe ich in Russland verbracht: fünf in Moskau, drei in Sankt Petersburg. Acht Tage!!!
M.: Acht Tage?! Widerlich! Ich habe noch nie mit einer indigenen Russin geschlafen. Willst du in Edinburgh bleiben? Erweise mir gefälligst Gefälligkeiten, sonst liefere ich dich an die guten toleranten Herrenmenschen in Deutschland aus, die dich fremd determinieren und die „Mensch mit Migrationshintergrund“ oder „besonderes Kind“ laut aussprechen und sich deswegen nicht in Grund und Boden schämen. Kannst du mit russischem Akzent sprechen?
L.: Ich könnte die Klitschkos nachahmen.
M.: Erschreckend. Verabschiede dich von all dem, was dir an meinem Körper lieb und teuer geworden ist.
L.: Deinen Ohren?
M.: Jawohl. Meinen Ohren. Ich habe die charismatischsten Ohren der Welt. Gib’s zu.
L.: Hast du in der Tat. „Charismatischste Ohren der Welt“ – keine Einträge.
M.: Geh weg. Grüße die Armen im Geiste.

* * *
Warum triumphiert immer wieder die Dummheit?

5779

Happy Rosh Hashanah!

Шана това у-метука!

!שנה טובה ומתוקה
יְבָרֶכְךָ ה‘ וְיִשְׁמְרֶךָ
יָאֵר ה‘ פָּנָיו אֵלֶיךָ וִיחֻנֶּךָּ
יִשָּׂא ה‘ פָּנָיו אֵלֶיךָ וְיָשֵׂם לְךָ שָׁלוֹם
וְשָׂמוּ אֶת שְׁמִי עַל בְּנֵי יִשְׂרָאֵל, וַאֲנִי אֲבָרֲכֵם
* * *
Л.: Мишкa, привет!
М.: Привет!
Л.: Мы с Диланом были только что в церкви. Я плакала. Он меня успокаивал.
М.: Ну, зачем?..
Л.: Ты не волнуйся, милый. У меня всё хорошо. Это был всего лишь слабый момент. Потом я научила его новому красивому слову «פיזדץ».
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*5777 – לשנה תובה תכתבו
**King-James-Bibel, Aaronitischer Segen (4 Mos 6,24-26)
24The LORD bless thee, and keep thee:
25The LORD make his face shine upon thee, and be gracious unto thee:
26The LORD lift up his countenance upon thee, and give thee peace.
27And they shall put my name upon the children of Israel; and I will bless them.

Sorgen um Vampire

E.: Mama, Papa hat das Abendessen gemacht.
L.: Ich weiß. Jedes Wesen im Radius von zwei Kilometern nimmt den Knoblauchgeruch wahr.
E.: Frau B. hat sich gefreut.
L.: Was hat Papa gekocht?
E.: Tomatensalat, Kartoffelgratin und Pflaumenstreuselkuchen.
L.: Pflaumenstreuselkuchen? Papa hat gebacken?!

* * *
M.: Baby?
L.: Ruhe! Haben wir noch ein sauberes Bentō? Frau B., die Mutter unseres Vermieters, ist hungrig.

* * *
L.: Hände weg! Ich esse alles auf. Tomatensalat mit roten Zwiebeln, Croûtons und Knoblauch… Kartoffelgratin mit Knoblauch… Pflaumenstreuselkuchen mit Knoblauch?..
M.: Nein. Kein Knoblauch im Pflaumenstreuselkuchen.
L.: Ich glaube dir nicht. Du?!
M.: Ja?
L.: Sei nett. Setze einen Brief auf und informiere mich von deinen Absichten, kurz bevor du dich in meinem Mund… berauschend fühlen wirst. Ich stamme von Vampiren ab.

Back to the Roots

Mir wurde ein unbefristeter Job als Dolmetscherin/Übersetzerin für Arabisch-Englisch und Farsi-Englisch bei einem karitativen Verein angeboten.

Nach sechs Monaten, während der Flüchtlingskrise, bei einem evangelischen Bildungs- und Sozialwerk habe ich mir geschworen: „Nie wieder! Nie! Keine Jugendmigrationsdienste, keine Bürgerinitiativen, keine Nächstenliebe. I’m out. Ciao, tschüs, adieu.“

Deswegen habe ich mich beworben. *lol*

Drückt mir die Daumen.

Once upon a midnight dreary…

Ich, zartes Maiglöckchen, wurde Opfer eines perfiden Übergriffes. Leider nicht seitens eines liebeshungrigen keltischen Kriegers.

Der Himmel hing so tief, dass ich mit den Fingerkuppen die Sterne anfassen könnte. Die Nacht erhellte der Sichelmond. Im Wald heulten Chupacabras. Ich lag auf einer weißen Decke, weich und kuschelig wie eine Wolke, in einer Gartenlaube, an deren Wänden sich wilder Wein emporrankte. Meinen Leib umhüllte die schwüle sommerliche Hitze.

Gut, ich lag im Bett und trug einen Pyjama, der nur aus einem Bikinihöschen bestand. Neben mir schlief unruhig der Mann, der wahrscheinlich davon träumte, wie er irgendeine doofe Schnalle knallt. Mein Unterbewusstsein beschäftigte sich hingegen mit reinen, unschuldigen Gedanken. Ich träumte vom Frieden auf der ganzen Welt, von der Weltherrschaft, alten Villen und Daniel. Wie alle Zwerge bin ich leicht größenwahnsinnig.

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Sieben

KEINE WERBUNG!

M.: Was möchtest du zum Geburtstag geschenkt bekommen, Baby?
L.: Nichts Besonderes. Ich bin bescheiden. Schenke mir einen Ferrari 275 oder einen Aston Martin DB11.
M.: Eine hervorragende Auswahl für die Familienmutter wie dich. Gäbest du dich eventuell mit einem U-Boot oder einem Hubschrauber zufrieden?
L.: Na, ich weiß nicht. Bezahlst du meine Privatpilotenlizenz?
M.: O Gott, nein!!! Du kannst die Menschheit inzwischen zu Land und zu Wasser bedrohen. Ich lasse dich nicht freiwillig in die Lüfte erheben.

* * *
Sieben wird unsere Große am siebten. Mysteriöse Sieben. Möge das kleine Wunder 7fach glücklicher, 7fach intelligenter und 7fach erfolgreicher sein als wir.

Là breith sona dhuit!

Unsere Kleine, unser Sonnenschein, Papas Drachenmädchen ist heute zwei geworden. Ich habe sie gefragt, was sie mit ihrem Leben anzustellen gedenke und wann sie ausziehen wolle? Sie hat mir die Zunge gezeigt. Wie unhöflich.

Zuerst machen sie sich in deinem Körper breit und treten dich von innen mit schweren Armeestiefeln. Dann lassen sie dich nachts nicht schlafen. Dann lernen sie dich zu beißen und kichernd von dir wegzurennen. Ungefähr mit einem Jahr werden sie selbstständig, verstecken deine Autoschlüssel und probieren das erste Mal deine Schuhe an. Sic transit gloria mundi.

Ach so, trollen tun sie dich auch noch:

„Mama, Mama, Mama. Mama, Mama, Mama. Maaaaaaaaama!“
„Sole?“
„Mama, sag Papa, dass ich ihn liebe. Mehr als dich. Jawohl.“

Hach, die Blumen des Lebens…
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Добро пожаловать!

Linda Goes Berlin*

Oder: Eine Biene im Honigtopf

Am Samstag hat sich mein Weisheitszahn, das querulante Arschloch, wieder gemeldet als Memento an die heitere Lebensfreude, die vor zwei Wochen Besitz von mir ergriff und uns alle mit märchenhaften Augenblicken überschüttete: „Das Leben ist Marter. Sei nicht übermütig. Fröne keiner Völlerei. Weiche von Ilja. Du bringst ihn aus der Ruhe. Hallöchen! Wie geht’s? Hast mich nicht erwartet, gell?“ Dann kichert er und meißelt sumerische Piktogramme mit gewaltigen, dröhnenden, quälenden Hammerschlägen in meinen Unterkiefer.

Wenn ich die Bilderschrift richtig entschlüsselt habe, handelt der Traktat von unprätentiösem Wesen, Ergebenheit und noch mehr Demut.

Ob ich ein Sommercamp für Kinder eröffnen sollte?

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Die Zahnschmerzen lindern Salbeitee, Gewürznelken und ein sanfter sinnlicher Mann.

Das Urchaos in den Kinderzimmern merzen freiwillige kleine Monster, Spülmittel und ein Wischmopp aus.

Gegen Iljas Abreise hilft keine Panazee, aber ich werde mit Crêpes Suzette und Champagner zum Frühstück fürliebnehmen.

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Bleibt gesund! Hadert nicht mit dem Schicksal. Und ich frohlocke, denn morgen findet das Konzil mit Herrn Dr. G., dem Heiligen meines Vertrauens und dentalen Exorzisten, statt.
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*„Ingrid Goes West“, Schein vs. Sein, empfehlenswert

Über die toten Seelen*

Denke um. Reagiere nicht. Lerne Erinnerungen zu evozieren.

Versage dem Feuer das Substrat für die Existenz. Lasse die Kreatur, die das Feuer der Zerstörung zu entfachen trachtet, schonend – pikant gewürzt mit Selbstgewissheit, Hass und Aversionen –, in der eigenen Galle garen, auf dass sie die Würde bewahre und sich in aller Stille annihiliere. Sei gnädig. Du. Bist. Lebendig!

Schließe dich den Menschen an, mit denen du auf einem gemeinsamen Pfad, obzwar steil und dornig, wandeln kannst: weg von der Dunkelheit; zum Licht, zur Hoffnung, zur Liebe hin.

* * *
Christians Worte.
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*Trolle, Hamster, Hater; Nikolaj Gogol, „Die toten Seelen“

Das Glück

Warum denke ich bloß an Michael, immer wenn ich eine Kornblume sehe?

* * *
Ich bin die Verkörperung der Demut. Ich wohne seit einer Woche mit zwölf Kindern in meinem Kibbutz. Beat me!

Ich war nie glücklicher. Es gibt nichts Besseres. [Trotz der Proteste unserer Katzen.] Der Mann kommt auf dumme Gedanken und würde gerne die Kontrazeption absetzen. Ich verbarrikadiere mich in meinem Schlafzimmer. Wenn Du mich bumsen willst, mach’s einfach, weck mich nicht auf. Ich schlafe ein, kaum mein Kopf das Kissen berührt.

* * *
Am Wochenende verabschieden wir den schönen Wolgadeutschen, seine Frau Nadja und deren beide Kinder. Samu darf ich auch nicht behalten. So gemein.

Chris und Theresa schließen sich dem Grillfest an. Sie haben zwei Kinder :D

Divide et impera

Ein guter Mann!

Nach all den Hetzkampagnen, Verunglimpfungen und Lügengeschichten, die unsere deutschen Massenmedien – mit eifriger Unterstützung ihrer europäischen und amerikanischen Pendants – in den letzten Jahren über Russland verbreitet haben, ohne dass jemand einen legitimen Einspruch erhoben hätte, sei dieser Triumph den Russen vergönnt.

Bei der Liveübertragung eines Fußballspiels gestaltet es sich prekärer, Fake News kontinuierlich zu generieren und alternative Fakten zu fabrizieren. Sport war schon immer politisch.

* * *
Nadja und Ilja sind da. Wir schauen noch „Wag the Dog“ und „Special Correspondents“, essen den Kühlschrank leer und freuen uns auf einen grenzenlosen Horizont, sternenreichen Himmel, Wind, Regen und… Freiheit von der Krux der Zivilisation.

Spätestens in acht Tagen sind wir in Glückstadt.

Die Meilensteine

„Was willst du hier, Muttersöhnchen? Verpiss dich von meinem Grundstück!“
„Heiliger Himmel, du bist wunderschön.“

Dies waren die Worte, die mein Mann und ich vor zehn Jahren nach einer 6-jährigen Trennung miteinander wechselten.

„Der Mond ist auf die Erde gestürzt… Was war das denn? Wann hattest du das letzte Mal Sex?“
„Vor sechs Jahren. Alles Andere war Masturbation: egal, ob mit der Hand oder mit einem Frauenkörper.“

Dies waren seine Worte, nachdem ich das erste Mal Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. von ihm gehört hatte. Es bedurfte einer Nichtigkeit: acht Jahre zusammen, sechs Jahre in parallelen Wirklichkeiten. Ich verhielt mich unnachgiebig. Es waren immerhin fast zehn Minuten seit unserem Wiedersehen verstrichen, bevor er in mir das erste Mal in dieser Nacht kam.

„Heirate mich.“
„Wie bitte? Ich habe dich nicht verstanden.“
„Du hast mich verstanden. Heirate mich. Ich bin kein schlechter Mann. Du wirst es gut bei mir haben.“

Wir lagen im Bett. Mein Bauch wölbte sich. Ich habe nie an unserer Ehe gezweifelt.

„Gott, was machen wir jetzt?“
„Sorge dich nicht. Wir schaffen das. Ich werde jedes Kind großziehen, das du mir schenkst.“

Wir hegten ein Baby um. Wir erfuhren gerade vom Gynäkologen, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Mein Herz rutschte in die Fersen. Für einen kurzen Augenblick sah ich, wie das Blut aus seinem Gesicht wich.

Ich bin stolz auf meinen Mann. Sein Wille ist ehern. Ich werde mich nicht mit fremden Federn schmücken, obwohl er oft genug betont, dass hinter einem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau stehe*.

Ich glaube, ich hatte keinen Vogel abgeschossen. Der Phönix selbst ging freierdings in mein Netz. Zu seinem Versprechen bekennt er sich bis heute. Er kümmert sich inbrünstig um meine Kinder, und sie schauen zu ihm auf.

Die Romantik ist überbewertet. Nur die Taten zählen. Gestellte Fotografien in sozialen Medien verwandeln das Leben nicht in ein Märchen.

Fata Morganas bleiben Fata Morganas. Die Erzengel sind echt.
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*Wer ist der Autor dieses Zitats?

Professor Unrat lässt grüßen

L.: Wo gehst du jetzt noch bitte hin?
M.: Ins (nuschelnd) …uff.
L.: Wohin? Ins Puff?
M.: Doch nicht ins Puff. Ins Kabuff.
L.: Haben wir neuerdings ein Kabuff? Lesen wir neuerdings Heinrich Mann?
M.: Wenden wir neuerdings den Pluralis Majestatis an?
L.: Ja, bei uns ist neuerdings der Größenwahn ausbibrochen*. An allen Miseren sind die Biber schuld.
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*Lapsus Linguae: ausbibrochen statt ausgebrochen