Gesegnete Sonnenuntergänge

Hoch oben, auf Arthur’s Seat, haben wir die himmlischsten Sonnenuntergänge erlebt. Göttlich, ergreifend, überwältigend.

* * *
Heute in einer Woche werden wir in Berlin sein :D

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Sonntagnacht

Sonntagnacht, 4:30 Uhr. Der Fremde, der die Hälfte meines Bettes fürs Wochenende gemietet und seine Schulden in frei konvertierbaren Orgasmen beglichen hat, freut sich auf seinen zehnten unkeuschen Traum. Ich liege daneben, starre auf das Dachfenster über meinem Kopf, in dem kein einziges Sternchen flimmert und überlege, ob ich den dreisten Träumer auf die Rippen schlagen oder gegen das Schienbein treten soll. Ich bin nämlich abgrundtief gemein und beneide ihn seit Jahren um seinen Schlaf. Da kommt mir mein Kind zuvor.

Sonntagnacht, 4:40 Uhr. In der Dunkelheit erklingt eine unzufriedene Stimme:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist kalt, Papa.”

Er steht auf, holt noch eine Decke, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, begrabscht beiläufig die Frau, ohne wirklich zu erwachen.

Sonntagnacht, 4:50 Uhr. Die Stimme meldet sich zurück:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist heiß, Papa.”

Er steht auf, holt eine weitere Decke, weder zu dünn noch zu dick, stößt mit voller Wucht mit einem Zeh gegen den Schrank, flucht – oh, wie herrlich dieser Mann flucht –, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, wirft der Frau einen vorwurfsvollen Blick zu, entscheidet sich kurzerhand doch fürs Fummeln um.

Sonntagnacht, 5:05 Uhr. Die Spannung steigt.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich bin hungrig.”

Er steht auf, bringt ihr Kekse und Mandelmilch, wärmt sie, umarmt sie, während sie ihren Snack verputzt und ihm Geschichten erzählt, deckt sie zu, knuddelt und küsst, legt sich wieder hin. Hey, was ist denn aus Grabschen und Fummeln geworden?

Sonntagnacht, 5:20 Uhr. Die Apokalypse kündigt sich an.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich habe vergessen, meine Zähne zu putzen.”

Sonntagnacht, 5:35 Uhr. Erinnert ihr euch an die unheilvolle Musik aus Hitchcocks Filmen? Ja, ja, die hört man deutlich im Hintergrund.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Poppet, willst du nicht noch ein bisschen schlafen?”
“Papa, ich muss aber dringend auf die Toilette.”

Sonntagnacht, 5:55 Uhr. Die Tür geht auf. Im Zimmer erscheint das Fass auf vier kurzen Pfoten, welches wir Fräulein Fettel nennen. Im Türrahmen dahinter steht der kleine Engel mit verwuscheltem Haar:

„Mami, ich möchte mit dir kuscheln. Fahren wir heute zur Farm und streicheln die Ziegen?“
* * *
Versteht ihr, warum Michael gestern so schweigsam war? Komisch.
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Die Chronik eines Verbrechens (или Кто украл мои трусы?)

Das Lichtfest

Wir sind neuerdings Heiden und feiern Samhuinn.

Wir verbrüderten uns mit den Bewohnern des Elfenhügels an einem Feuer. Mit den Schicksalsfrauen des Feen–hügels tanzten wir zum Gedröhn der Trommeln. Ich wollte dem Gott der Unterwelt eine Opfergabe darbringen, aber Michael sagte, das sei eine Bitte um Fruchtbarkeit, also boxte ich ihn in den Bauch und teilte Karamell–bonbons mit der Anführerin der Konföderierten Drachenstämme des Orion.


Der Tod fand an mir Gefallen, darum durfte ich ihn nicht mit nach Hause nehmen.


Den Krieger durfte ich leider auch nicht behalten.

Es war lebensbejahend, fröhlich und laut. Die Gebieter der Wolken zeigten sich uns gewogen.

Zum Ausklang des Abends wurden macaroni cheese verzehrt und real ale getrunken in einem gemütlichen gay pub* in Calton Hill. Sie verschenken aus purer Freude am Leben Kondome und Gleitmittel. Ich habe nicht alles mitgehen lassen. Ehrlich nicht :)
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*macaroni cheese, real ale, gay pub – absolutely, diese Schreibweise stimmt mit den reformierten Rechtschreib–regeln überein. Was heißt hier, lüge doch nicht so dreist? Eine Unverschämtheit!

Etwas bewirken

Gewissenlose Rabeneltern laden ihre Horrorzwerge vor der Wohnungstür der Großeltern ab. Die Mutter schleppt den tugendhaften Vater in die Höhle und kettet ans Bett, um mit ihm unsäglich verdorbene Dinge anzustellen.

Der Herbst ist da. Die Katzen fliegen gen Süden.

Eine Sorge treibt uns mit Aidan* um: Wen sollen wir wählen? CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke oder rassistische Parteien kommen nicht in Frage. A.M. wird zwar diesmal weiterhin die deutsche Politiklandschaft beherrschen, aber wir können etwas dagegen tun.

Jede Stimme zählt tatsächlich. Bei den Wahlen in St Andrews ist die Partei Nicola Sturgeons nur wegen zwei [!] Stimmen an der Macht geblieben: 13,743 zu 13,741.
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*Aidans Eltern sind Rheinländer. Er und seine drei Söhne besitzen die doppelte Staatsangehörigkeit.

Erfolgserlebnisse

Unser Drachenmädchen ist gerade zehn Schritte gegangen. Ganz allein. Ohne Hilfe.

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Gestern habe ich Michael auf dem Übungsgelände besiegt. Ich war gemein. Der Tritt war hinterhältig. Der Mann lag aber am Boden, und die Meute jubilierte. Now what?!

Das Leben ist schön and full of Kätzchen*.
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*Yep, so sieht heutzutage German aus. Terrible!

Sommerferien adé!

Jungs und Mädels, ich danke euch! Thank you!

That’s it! Die Sommerferien sind fast vorbei. Am 16. August gehen meine Kinder das erste Mal auf eine Privatschule in Edinburgh. Der Sommer war kühl. Wir alle waren trotzdem glücklich.

Ich habe jetzt auch einen ersten deutschen Freund. Für gewöhnlich treibe ich mich mit Kelten und Israelis herum.

Er ist groß, stark und… schwarz. Er liebt mich. Ich liebe ihn. Sein Name ist Artus.

Willkommen im August!

Mit Erstaunen habe ich das Gerücht vernommen, dass es frohmütige Frauen auf Erden gäbe, deren Männer sie morgens zärtlich aus dem Schlaf wach küssten, deren Kinder sie mit engelsgleichen Gesängen sanft weckten und deren Katzen sie immer mit einem vorzüglichen Frühstück verwöhnten.

Von wegen!

Mir wurden z.B. Schweinereien ins Ohr geflüstert. Ich wurde am Hintern begrabscht. Ich wurde gekniffen und gekitzelt. Meine Katzen murksten einen Maulwurf ab und haben ihn mir als rituelle Opfergabe dargeboten. Anscheinend bin ich eine Katzengottheit. Meine Kinder fielen über mich her wie eine Horde wilder Kelten und haben mir ihre ehrgeizigen Pläne für den Tag erläutert. Ich habe mich beinahe im Badezimmer gerettet.

Willkommen im August!

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Das goldige Drachenmädchen, das Sonnenscheinchen Sólveig, ist jetzt ein Jahr alt.

Sie sitzt, krabbelt, steht und geht mit unserer Hilfe. Sie mag Hunde und ist verrückt nach Bananen. Mit „Mama“, „Papa“, „Kika“*, „Fifi“*, „ga-ga-ga“ und „bu-bu-buuu“ kann sie philosophisch das ganze Universum erklären.

Sie ist stark. Sie ist eine Kämpferin wie ihr Vater.

* * *
Am 4. August vor sechs Jahren hatten wir standesamtlich in San Antonio geheiratet. Als ich „I now pronounce you husband and wife!“ hörte, wollte ich panisch wegrennen. Zum Glück blieb ich.

I couldn’t have picked a better partner to spend my life with. Thank you for marrying me, Michael.

* * *
Vierzig** Wochen später, am 7. August, gebar ich Emiliana, unser Leben, unser Wunder, unseren Stern.

Der Himmel hat uns reichlich beschenkt.

* * *
Ende August werde ich… und hier scheiden sich die Geister: nach dem elfischen Kalender meiner Tochter – neunzehn, nach dem julianischen Kalender – neununddreißig.

Aus einem nebulösen Grund gefallen mir die Elfen sehr, und ich freue mich auf den letzten Monat dieses bescheidenen Sommers.
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*Kika – Katzerina Freikatze v. Katzenburg, Schottische Faltohrkatze mit römischem Migrationshintergrund; Fifi – Friedrich Basileus Fresserossa, Maine-Coon-Kater, eine Mischung aus Waschbären und amerikanischen Pilgern
**Okay, drei Tage später. Ich leide an Dyskalkulie.

Die Pilzsammler

Ich habe meine Große neulich gefragt, was sie ihrem Papa zum Geburtstag zu schenken gedenke? Er wird neun–unddreißig am Donnerstag, und ich werde mich nach einem jüngeren Mann umsehen müssen. Was soll ich, zar–tes Pflänzchen, mit einem alten Knacker? Nun wirklich!

„Warum braucht Papa ein Geschenk?“ wollte kluges Bärchen wissen. „Ich bin doch bezaubernd!“

Danach hat sie ein Bild gemalt.

Ja, Michael und ich waren darauf dargestellt, wie wir Pilze im Wald sammeln. Vier Pfund pro Seele. Wir sind gesetzestreue Außerirdische.

Die Pampuschen am Baum ließen sich leicht erklären. Der Hase hieß Thaddel.

An Thaddels Ohren, Fettels Vorderbeinen und Hinterläufen konnten wir die Malerin einfach identifizieren.

Ahoi! Ahoi! Frau über Bord!

L.: Yey, Deutschland hat mich wieder.
M.: Oh bitte, sogar dieses Land hat eine solche biblische Plage nicht verdient.
L.: Sehr nett. Nur du bist im Stande Fürsorge und Gemeinheit in einem Satz unterzubringen.
M.: Dabei mache ich mir überhaupt keine Mühe. Es passiert einfach so, aus dem Stegreif. Ich bin ein Naturtalent.
L.: Ja… Nicht jeder von uns teilt diese Begeisterung. Niemand von uns lügt dermaßen enthusiastisch wie du. Wir treffen jetzt eine Vereinbarung. Okay? In den nächsten Wochen benimmst du dich wie ein taktvoller, höflicher, gebildeter Mann. Du wirfst mich nicht über die Schulter und schleppst in die Höhle, während zufällige Fußgänger uns verdutzt anglotzen. Du benutzt keine Redewendungen à la „Nix sprechen Deitsch“. Du behauptest nicht, dein Name wäre Horst, Gundolf oder Siegenot. Du berichtest keiner Menschenseele von deiner Arbeit als Nachtwächter in einer geschlossenen Irrenanstalt. Es ist nicht witzig.
M.: Das sehe ich anders. Womit würdigst du meine Folgsamkeit? Schläfst du mit mir einmal täglich und bläst mir zweimal täglich einen? Ich bin fair. Schlag ein!
L.: Du ahnungsloser Träumer! Dafür verprügle ich dich nicht zweimal täglich mit einer gusseisernen Bratpfanne und ziehe dir nicht einmal täglich mit einem Nudelholz eins über den Kopf.
M.: Du gemeiner Giftzwerg! Erinnerst du dich noch ab und zu, dass ich die Liebe deines Lebens und der Vater deiner Kinder bin?
L.: Streng dich an, sei ein Schatz, blamiere mich nicht!
M.: Keine Sorge, das schaffst du auch ohne meine Hilfe.

* * *
Also, Deutschland hat mich nach zwölf Monaten wieder. Schöne Grüße aus Schleswig-Holstein ;)

Meine Horrorzwerge sind vorerst bei den Großeltern auf der Insel der Wolken geblieben und lehren die Schotten das Fürchten.

In den letzten sechs Jahren sind wir mit Michael selten allein gewesen. Wir sind nie zu zweit verreist. Es fühlt sich ungewohnt an, deswegen skype ich ständig mit meiner Schwiegermutter. Wahrscheinlich nerve ich sie.

Morgen werden wir in See stechen, und sie wird ihre Ruhe haben.

Kennt ihr gute Seemannslieder?

Die Weltanschauung einer Offizierstochter

Liebe Leute,

kennt ihr eigentlich die ergreifende Lebensgeschichte von den kleinen Schweinchen?

So sehen sie aus. Wirklich wahr! Zilli, Billi und deren Töchterchen Wilhelmine. Jawohl!

L.: Mili, sind das die drei kleinen Schweinchen?
E.: Nein, das sind der Wolf und die sieben Geißlein.
L.: Lügst du mich an, Schätzchen?
E.: Womöglich. Warum musst du auch solche blöden Fragen stellen, Mummy?
L.: Du bist aber anstrengend. Tragen die Schweinchen Waffen?
E.: Das sind Sturmgewehre. Zur Selbstverteidigung. Schweine führen ein gefährliches Leben.
L.: Gehen sie spazieren?
E.: Nein, sie nehmen an einem wichtigen Seminar teil. In einem Verein für Vegetarier.

Die Malerin ist leicht an bekrönten Vögeln zu erkennen. Im Baum sitzt ausnahmsweise kein Bär, sondern ein Blauer Pfau. Schwarz, weil inkognito. Er wartet auf ein Mädchen, um ihm seinen prächtigen Federfächer zu zeigen.

Fáfnirs Schatz

Drachenfrauen aus dem Sternbild Orion sind leicht zufrieden zu stellen.

* * *
Der Flieder berauscht die Sinne mit lieblichem Wohlgeruch.

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Meine Dienstleistung als Dolmetscherin wurde nicht nur großzügig honoriert. Obendrein hat Dafydd mir ein vorzügliches Dessert ausgegeben.

Die Zitronencreme mit Karamell aus weißer Schokolade hat vollkommen mit Himbeerparfait und reifen Beeren harmoniert.

* * *
Ich habe wieder meine nächtliche Freundin, die Hüterin der endlosen Treppen, getroffen. Sie hat mich schnurrend begrüßt.

Die Einheimischen dieser Stadt sind wahnsinnig charismatisch.

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Am Donnerstag werden unsere Knirpse zwei Jahre resp. zehn Monate.

Der kleine Frechdachs hat seinem Vater treuherzig über Skype zugeflüstert: „Daddy, kommst du zu meinem Geburtstag? Ich warte auf dich so sehnsüchtig wie auf… wie auf… wie auf eine Sahnetorte.“

Das süße Drachenmädchen kann inzwischen krabbeln und beißt jeden, der sie daran hindert. Unter ihren Ahnen gab es anscheinend nicht nur Drachen, sondern auch Schnappschildkröten.

Großes Wunder, kleine Seifenblasen

Emiliana: Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal um das große runde Rasten–burger Rathaus. Dreihundertdreiunddreißig Reiter… Mummy, wiederhole diesen Zungenbrecher dreiunddreißigmal hintereinander! Fast!
L.: Ich muss leider passen.
E.: In Ordnung. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen…
L.: Das hört sich wunderbar an. Ich passe trotzdem.
E.: Am zehnten Zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo. Mummy, bist du im Stande irgendetwas zu wiederholen?
L.: Aßen acht alte Ameisen am Abend Ananas? Forscht der froschforschende Froschforscher in der frosch–forschenden Froschforschung? Kratzen die Katzen im Katzenkasten?
E.: (seuzt) Nein, nein. Zu simpel. Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal…

Dreiunddreißig Minuten beträgt der Weg zur Schule. Fünf Wochentage. Insgesamt zehn Fahrten.

* * *
E.: Was ist das, Dylan?
D.: Eine Schäfchenwolke.
E.: Stimmt! Weißt du, wie schwer sie ist?
D.: Ungefähr fünfhundertundfünfzig Tonnen.
E.: Wiegen einhundert Elefanten fünfhundertundfünfzig Tonnen?
D.: Ich gehe davon aus.
E.: (grüblerisch) Du bist beinahe so klug wie mein Daddy.
D.: Warum „beinahe“? Ich bin sogar klüger.
E.: Du träumst wohl! Mein Daddy misst die Schäfchenwolken in Elefanten, nicht in Tonnen. Denk darüber nach.
D.: Schäfchenwolken werden übrigens in der Fachsprache als Kumuli bezeichnet.
E.: Nein, werden sie nicht. Du bist ein Kumulus! Und weißt du, wie viele Farben ein Regenbogen hat?
D.: Sieben. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett.
E.: Naaain! Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Indigo, Violett. Und weißt du, woher der Wind kommt?

Und weißt du?.. Und weißt du?.. Und weißt du?.. „Die unendliche Geschichte“ neu interpretiert.

* * *
E.: Ein niedlicher Igel lebte in einem Garten in Grunewald. Er konnte fliegen. Er war verliebt in ein Mädchen.
L.: Konnte das Mädchen auch fliegen?
E.: Ja. Es konnte die Treppe hinunter fliegen.

Das schwere Los der Berliner Igel.

* * *
L.: Mili, guck mal, wer sitzt da drüben auf dem Baum? Eine Elster oder ein Rabe?
E.: Ein Bär!
L.: Der Vogel ist aber schwarz.
E.: Das ist ein schwarzer Bärenvogel. Vermutlich der kanadische Grizzly.
L.: Meine Güte, wo ist er jetzt hin?
E.: Er ist vom Baum gefallen.
L.: Bären fallen selten von Bäumen. Sie klettern vorsichtig, bis ihre Hintertatzen wieder den Boden berühren.
E.: In diesem Fall ist er einfach weggeflogen. Das war ein fliegender Bär. Er wollte eine nette deutsche Bärin kennen lernen.

Seid gewarnt vor fliegenden Bären! Während der Paarungszeit sind sie besonders griesgrämig.

25 Gründe für einen Trotzanfall

Diese kreative Idee habe ich stibitzt ;)
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* Auf dem Weg nach Hause umarmte Emiliana (5,7) nur jeden dritten Baum in der Straße.
* Auf dem Weg in die Schule stellte sie sich keiner fröhlichen Pfütze vor.
* Schwäne und Enten im Holyrood Park sind arrogante Kröten und verhandeln nicht mit Horrorzwergen.
* Der Kater der Nachbarin ließ sich nicht gefangen nehmen und im Kinderwagen durch die Gegend herum–kutschieren.
* Naida und Orion schlafen nicht im Kinderbett.
* Fräulein Fettel gehört nicht in die Altkleidersammlung.
* Der Vater sah zufällig den Rücken seiner Tochter, als sie ihrer plüschigen Sippschaft in der Badewanne das Schwimmen beigebracht hatte. Er empfand bescheidene Freude über die Puppe, die ihm entgegenflog. Der Flugunterricht war inbegriffen.
* Strickhasen werden nicht in der Toilette gewaschen und mit Mamas Gesichtstuch abgetrocknet.
* Der leere Geschirrspüler wird nicht angeworfen. Auch der Wäschetrockner nicht.
* Die Kartoffeln (25 kg) werden nicht auf einmal geschält. Die Birnen (9 kg) auch nicht.
* Die Kirschlimonade ist kein geeignetes Spülmittel, um den Küchenboden zu wischen.
* Der Weihnachtsbaum bleibt bis Dezember im Karton. Und die Weihnachtsbaumkugeln. Und die Girlanden.
* Bibelzitate schmücken keine Wände.
* Das elterliche Schlafzimmer ist morgens um halb drei abgeschlossen.
* Der Vater küsst die Mutter zu oft.
* Der Vater versteht rein gar nichts. Absolut rein gar nichts!
* Der Stellvertreterposten in seiner Firma ist bereits besetzt, – und die Schule muss sein.
* Die Mutter zwingt die Schuluniform auf, obwohl ihr Abendkleid doch viel edler ist.
* Der jüngere Bruder weigert sich das Abendkleid anzuprobieren, weil er keine Prinzessin sein will.
* Morgenstern, der schöne Braune, grast nicht auf unserem Balkon. Aber er vermisst dich so toll!
* Wir können den 28-jährigen Dylan nicht adoptieren. Aber er ist so hübsch, und lieb, und klug!
* Es regnet nicht.
* Die Tomate ist rund.
* Die Honigmelone ist gelb.
* Es gibt keinen Schokoladenpudding zum Frühstück.

Internationaler Frauenkampftag

L.: Gehen wir am Strand spazieren?
M.: Baby, sag mir, was dein Herz begehrt? Wünsch dir was, und es wird geschehen. Ich erfülle deine sehnlichsten Wünsche. Drei, dreizehn, dreiunddreißig, dreihundertdreiunddreißig. It’s up to you. Aber nicht an dem Strand, an dem du dich mit anderen Männern herumgetrieben hast.
L.: Ich habe mich mit keinen anderen Männern herumgetrieben.
M.: Nein?
L.: Nein! Das ist bloß ein Mann gewesen.
M.: Ja? Reiz mich weiter, und ich kaufe dir einen schicken Ganzkörpersack. Welche Farbe bevorzugst du: schwarze arabische Krähe oder zarte afghanische Kornblume? Ich persönlich empfehle dir die zarte afghanische Kornblume. Das Visier vor den Augen empfinde ich als besonders antörnend.
L.: Apropos Visier. Schenk mir lieber eine florentinische mittelalterliche Ritterrüstung. Als Tribut an meinen Ahnen. Nichts Extravagantes. Spätes fünfzehntes Jahrhundert. Ein Schwert, ein Schild, ein Armet, ein Plattenharnisch mit Schwebescheiben, Armschienen, Panzerschuhe. Blauäugiger Morgenstern wird mein Höllenpferd sein. Vier Reiter der Apokalypse in einer kleinen Frau vereint.
M.: Könntest du bitte ab und zu so tun, als wärst du eine gewöhnliche kleine Frau?
L.: Nö. Würde es dir gefallen?
M.: Ich fürchte – nein.
L.: Ach! Ich brauche noch eine Atemschutzmaske aus dem Ersten Weltkrieg. Unbedingt!
M.: Jesus Christ! Woman!.. Lass uns zu Hause bleiben. Ich verbringe einige Stunden in deinem heißen nassen Schoß. Du musst nichts machen. Ich verwöhne dich. Du vergisst andere Männer und Atemschutzmasken aus dem Ersten Weltkrieg. Denk an mich allein.
L.: Träum weiter! Zieh die Jacke an. Wir fahren zum Portobello Beach. Und besuchen eventuell auch das Beach House.

Wir sind zu Hause geblieben. Er gab mir Blumen und schöne Ohrringe mit Smaragden als Pendant zu meinem Verlobungsring. Ich antwortete mit all meiner Liebe, Zuneigung und Wärme.

Was Clara und Rosa wohl davon halten würden?

Es ist mir egal. Ich bin heute die glücklichste orionesische* Drachenfrau auf Erden.

Möge der Himmel diesen wunderbaren Mann segnen!!!
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*eine weitere Spracherfindung von Michael; erzähl‘ ich später

Farewell to Clara & All the Strong Women Out There! (русский)

Das Portal in eine andere Welt

Ich erlebte eine merkwürdige Samstagnacht.

Um zwei wachte mein süßes Drachenmädchen auf, weil sie zahnt und momentan weinerlich ist. Ich beruhigte sie, schlief aber selbst nicht mehr ein.

Um drei beschloss ich rigoros, mit den Zerberussen zu joggen. Wann, wenn nicht um drei? Nicht wahr? Zwei gigantische amerikanische Schäferhunde* und ein graziles Däumelinchen bildeten eine Zweckgemeinschaft und traten um drei Uhr zwanzig an die kühle Luft in ein sternklares Traumland hinaus. Es regnete.

Unterwegs begegneten wir einer Frau mit einer Dänischen Dogge, die französisch sprach (die Frau, nicht die Dogge, obwohl es noch makabrer wäre) und einem Mann mit… ihr erratet es nie… zwei deutschen Schäferhunden. Der Mann grinste wie ein Honigkuchenpferd. Es sollte sich herausstellen, dass er in Itzehoe geboren wurde. Ich erfuhr nie seinen Namen, aber die Begleiter hießen Abraxas und Quentana.

Geht die Sonne unter, öffnet sich, wie es scheint, ein Portal in eine andere Welt und diverse wunderliche Gestalten treiben ihr Unwesen in den schönsten Straßen Edinburghs.

Zu Hause wartete eine wütende Katze, die uns übel beschimpfte und hinter der Couch verschwand.

Um halb fünf legte ich mich zu Michael, den keine Schlaflosigkeit quälte und der unverschämt entspannt daneben atmete, zog mir die Decke über den Kopf und verwünschte das unfaire Leben.

Um fünf zwickte ich ihm in den Oberarm und bot meine sexuellen Dienste in seinem Arbeitszimmer an, um die Kleinen mit dem ganzen Dahinschmelzen und Stöhnen nicht zu traumatisieren.

Wenn du fünf Kinder großziehst und besonders zärtlich zu deinem Mann sein willst, musst du dich neu erfinden. Früher oder später wirst du nicht an der Couch in seinem Arbeitszimmer vorbeigehen können, ohne zu entflammen oder beim Anblick der Dusche zu erröten, aber die Mühe lohnt sich.

Mein Mann war verwirrt, aber nicht abgeneigt. „Er kümmert sich um einen raschen Anstieg meiner Glückshormone, ich schlafe erschöpft ein“, überlegte ich mir. Das war ein Schuss in den Ofen. Ha-ha.

Danach funktionierte er mich zu einem Kissen um, legte seinen Kopf auf meinen Rücken und fiel in den tiefsten Schlaf. „Ich höre, wie dein Herz schlägt“, wisperte er kurz davor, und ich zerfloss wie der Mississippi im Frühling. So starrte ich in die Dunkelheit, – willenlos, schlaflos, aber mit erhöhtem Oxytocin-Spiegel –, während mein Herz für ihn allerlei peinliche Liebeslieder sang und versuchte mich nicht zu bewegen, weil sich seine Atemzüge unglaublich gut an meinem Hals anfühlten, bis irgendwann, gegen sieben Uhr, die Tür aufgetan wurde und eine freundliche Elfengang mich fragte: „Und, Mami, schläfst du, schläfst du, schläfst du? Backt uns Daddy Waffeln zum Frühstück?“

Es ist halb zwölf. Ich bin müde und gähne jede Sekunde, aber die Waffeln mit Ahornsirup haben köstlich geschmeckt.
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*Shiloh Shepherds, plush-coated

Fräulein Katzerina

Habt ihr euch inzwischen auch gefragt, wie unsere Katze aussieht?

Let me introduce you Fräulein Katzerina Fettel.

Was? Woher soll ich wissen, wer der Asiat unter der Sonne ist? Temüdschin?

Kitty pinkelt mit Vergnügen auf die Bücher über die Goldene Horde.

Leut vs. Leutin

MILI: Wir stehen an der Ampel und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht ein männlicher Leut.
MIKE: Ein was? Leut? „Leut“ ist falsch. Entweder ein Mann oder ein Mensch.
MILI: Du bist falsch. „Leut“ ist korrekt. Du bist ein Leut. Eli ist ein Leut. Zusammen seid ihr zwei männliche Leute. Ich dagegen bin eine Leutin. Zusammen mit Sole sind wir zwei weibliche Leutinnen. Du verstehst rein gar nichts!
ELI: Ich bin ein Mädchen.
MIKE: Kinder, macht mich nicht fertig.

Habt ihr Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik, Orthografie oder Syntax? Wendet euch an meinen Mann oder seine Tochter. Sie sind erfahrene Germanisten und exzellente Semantiker.

Texas Bluebells and Blissful Happiness

Vor sechs Jahren bewohnten wir ein klitzekleines Haus in San Antonio. Ich trug Emiliana aus. Michael war endlich mit sich selbst im Reinen, weil er einen Job hatte, bei dem er sein eigener Chef sein und die Familie ernähren konnte. Die Jahre zeichneten sich überhaupt durch viel Glück, Liebe und Geborgenheit aus.

Unsere abgeschiedene Idylle ähnelte einem Gemälde von Thomas Kinkade. Um das Haus herum erstreckte sich ein Blumenmeer. Zweimal wöchentlich tauchte der Gärtner auf, kümmerte sich um die paradiesische Pracht und verschwand ebenso schweigsam im goldenen Lichte des Sonnenaufgangs.

In dem Gärtchen gesellten sich schüchterne Wildblumen zu den eitlen Rosen und Rittersternen; unschuldige Lilien tuschelten mit frechen Rhododendren; Kallas und Gladiolen wetteiferten miteinander um den graziösesten Kelch; aber zu meinen Lieblingen gehörten zweifelsohne die scheuen Prärieenziane, deren würdevolle Schönheit mich überwältigte.

Prärieenziane sind äußerst anspruchsvolle Zierpflanzen. Ihre Zucht ist mühsam. Nach einer kurzen Zeit sterben sie ab. Früher wurden sie im Ausland ausschließlich als Blumensträuße verkauft. Bedauerlicherweise sah ich sie in keinem deutschen Blumenladen. So wärmte meine Seele eine liebevolle Erinnerung. Bis heute.

Denn heute hat mir Michael blühende Prärieenziane geschenkt. Ich weiß nicht, wo er sie auftrieb. Es ist mir egal. Ich schwebe in vollkommener Glückseligkeit. Ich bin bodenlos in diesen Mann verschossen.

Eine halbe Stunde durfte ich mich an meinem Geschenk ergötzen, dann wurde es von einer gewitzten Diebin entwendet. Das macht aber nichts. Ihre atemberaubend großen Augen strahlen vor sorgloser Freude. Als ihr Vater sie gefragt hatte, wohin Mamas Blumen verschwunden seien, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu: „Es ist mir auch ein Rätsel, Daddy. Wirklich. Glaube mir, aber geh bitte nicht in mein Zimmer.“

Und wenn sie einschläft, schleiche ich mich heimlich in ihr Kinderzimmer und riskiere einen Blick auf die traumhaftesten Blumen meiner Welt.

Wie Stalker ihren Vormittag verbringen

Ich habe einen harmlosen Text verfasst. Vier Bekanntschaften haben mich daraufhin angeschrieben, nur um sich zu erkundigen: „Und? Wie geht es Mike? Hast du ihm Gewalt angetan?“

Liebe Mädels, aber selbstverständlich hab‘ ich das! Er hat es sichtlich genossen. Ich habe ihn am Montag sogar zum Flughafen gefahren, wo er mich angebalzt hat. Einfach so. Aus Gewohnheit. Das ist sein beständiger Modus Operandi. Mein Sinnenrausch und meine Nachgiebigkeit in seiner Nähe tragen auch wesentlich dazu bei.

Eure Anteilnahme an seinem Schicksal ist rührend. Sie schmeichelt ihm. Sorgt euch nicht! Der Mann ist siebenunddreißig Zentimeter größer als ich. Er ist doppelt so schwer wie ich. Mein Bruder sagt über ihn: „180 Pfund, 90 davon sind Muskeln.“ Hochdekorierter Ex-Militär mit ausgezeichneter Ausbildung, dessen überragende Fähigkeiten in einem Kampfeinsatz getestet wurden. Er ist in guten Händen. Sein Leben ist nicht in Gefahr. Momentan befindet er sich vermutlich in einem Münchener Edelbordell.

Ne lange Geschichte. Wenn ihr des Russischen mächtig seid, sucht die Antwort darauf im Archiv des Jahres 2015.

Ich meinerseits stalke derweilen Dafydd, dem ich in Morningside permanent über den Weg laufe. Zufällig. Ich schwör’s!

Lilly ist eine Mitschülerin meiner Tochter. Sie sind befreundet und lernen gern zusammen. Dafydd ist Lillys Vater, der fast genauso oft zu einem lehrreichen Gespräch in die Schule eingeladen wird wie wir. Nein, unsere Kinder sind keine asozialen Unholde. Sie sind einzigartig, warmherzig, mitfühlend. Wir erziehen sie allerdings zu freidenkenden, eigenständigen, mutigen Menschen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und nicht servil dem bequemen Kadavergehorsam frönen.

Wir missionieren nicht. Wir indoktrinieren nicht. Wir vermitteln lediglich unsere moralischen Werte an unsere leiblichen Kinder. Es ist eine Frage der Balance. Ich wage zu behaupten, sie sei uns geglückt.

Anyhow! Es ist ungemein heilsam und aufschlussreich, sich mit einem charmanten Mann auszutauschen, dessen Tochter die gleichen intellektuellen Kapazitäten aufweist wie die eigene.

Wir hatten am Vormittag Zeit. Also haben wir uns zum Brunch in meinem Lieblingscafe verabredet. Die Speisen, die dort serviert werden, sind eine Ofenbarung. Der Kostenaufwand ist zwar nicht zu verachten, aber frischer Räucherlachs, pochierte Eier und Sauce hollandaise mit Trüffeln schmecken wie immer göttlich.

Und weil wir uns seit dem ersten Treffen, bei dem er mich auf Deutsch ansprach, auf Anhieb verstanden, die Unterhaltung spannend war und die Sonne schien, sind wir mit meinen beiden Winzlingen noch am Strand spazieren gegangen. Das Wasser ist höllisch kalt, aber ich kenne eine Verrückte, die keine Scheu davor hat, sich der Lächerlichkeit preiszugeben und bei jeder brandenden Welle laut zu kreischen und zurückzuweichen.

Ich warte vergeblich auf den Winter, aber in den Meadows blühen violette Krokusse. Spielt das Wetter mit, werden wir in ein paar Wochen wieder segeln können. Noch ein Grund zur Freude.

Keine Kausalkette

Nur ich kann mich dermaßen blamabel versprechen und Black Cock statt Black Hawk sagen; dann rot wie ein Hummer werden und anfangen wie ein Pferd zu wiehern.

Ich bin die Seele jeder Männerrunde. Ruft mich an!

Nur mein Mann kann nach einem Arztbesuch wieder sicher zu Hause ankommen und feierlich verkünden: „Es ist keine bakterielle Infektion. Ich darf dich lecken. Wir dürfen uns küssen. Bumsen ist auch erlaubt.“

Welch ein Glück, dass zumindest unsere Kinder gesellschaftlich vorzeigbar sind und einen regen Gedankenaustausch mit ihren Nächsten pflegen.

Wie man einen Pullover richtig strickt

L.: Wieso bist du nackt?
M.: Ich wollte mir einen Pullover stricken.
L.: (mit den Augen rollend) Oh Gott.
M.: Du kannst mich gerne Michael nennen.
L.: Ich könnte dich auch einen Vollidioten nennen.
M.: Das könntest du – sicher. Allerdings wäre es nicht so liebenswert.
L.: Zieh dich bitte an.
M.: Zieh du dich bitte aus.
L.: Wir werden jetzt nicht miteinander schlafen.
M.: Aus welchem Grund nicht?
L.: Aus dem simplen Grund, dass du einen Termin bei der Lehrerin deiner Tochter hast.
M.: Was hat sie getan?
L.: Sie hat ihrem siebenjährigen Mitschüler ein Buch über den Kopf gehauen, weil er sie wohl in der Mittagspause zu küssen versucht hat.
M.: Gutes Kind.
L.: Ja. Solche Aussagen verkneifst du dir.
M.: Warum gehe ich hin?
L.: Weil du derjenige bist, der diesem Kind den Unterschied zwischen Faust– und Tritttechniken erklärt hat. Als es zarte drei Jahre alt gewesen ist! Steh auf, sonst verprügle ich dich mit meiner Pampusche.
M.: Und du behauptest, sie komme nach mir. Ich prügle mich nicht. Ich bin ein Verfechter der verbalen Deeskalation.
L.: Steh auf! Oh Mann, bist du schön…
M.: Sex?
L.: Kein Sex! Dusche, Anzug, Schule.

Ich denke, wir hätten diesen Pullover doch sofort stricken sollen, aber das würde ich natürlich nie zugeben.

Über wissbegierige Wuschelköpfe

Niko begrüßt seinen Vater an der Eingangstür:

„Und, Vater, wo hast du dich den ganzen lieben Tag herumgetrieben?“
„Ich bin im Büro gewesen.“
„So, so. Im Büro? Wärst du zuhause geblieben, müsste ich nicht in die Kita gehen, und wir hätten den ganzen lieben Tag miteinander spielen können. Denk darüber nach.“

Ich pflichte meinem Kind bei:

„Natürlich hat er Recht.“
„Wirklich? Seit wann das?“
„Na überlege mal. Vor allem hättest du den ganzen lieben Tag mit dessen Mutter spielen können.“
„Ich lasse mich von dir nicht verführen. Ich bin stark. Ich bin stark. Ich bin… schwach. Ich bin schwach. Ich bin schwach.“

Kostja plagen andere Sorgen. Er hat zu wenige Väter.

„Mummy, ist Daddy mein Daddy?“
„Ja, er ist dein Daddy.“
„Bist du sicher?“
„Ziemlich sicher.“
„Er ist auch Nikos Daddy – richtig?“
„Definitiv. Zwillinge haben in der Regel denselben Daddy.“
„Ist er auch Elis Daddy?“
„Ja, ist er.“
„Und Milis? Und Soles?“
„Ja. Und ja.“
„Das ist unfair! Agnes hat z.B. einen Daddy. Ihr Bruder Andrew hat einen zweiten Daddy. Ihre kleine Schwester hat einen dritten Daddy. Und jetzt wird die Mutter wieder heiraten und ein weiteres Baby mit dem vierten Mann bekommen. Sie haben viele Daddys, und wir nur einen. Einen!“

Hilfe! Wo gibt’s Väter zu mieten? Möglichst günstig. Ich brauche fünf bis acht Stück. Mein guter Ruf steht auf dem dem Spiel.

Über gemeine Gauner

Wenn mein Mann zuhause ist, freue ich mich sogar, früh aufzustehen.

Erstens bereitet er das Frühstück* vor.

Zweitens genieße ich seine Dialoge mit den Kindern und Fräulein Fettel. Sie ist wortkarg und antwortet meist mit forderndem oder empörtem Miau.

„Fettel, hör auf zu grunzen. Hast du dich im Spiegel betrachtet? Du bist keine Katze. Du bist ein Nilpferd. Fauche mich nicht an, sonst fliegst du aus dem Fenster. Ohne Fallschirm. Kannst du fliegen?“

„Eli, nimm den Kochtopf vom Kopf. Wir tragen prinzipiell keine Kochtöpfe als Hüte. Auch keine Bratpfannen. Oder Suppenteller.“

„Kinder, wer hat die Fettel in den Mülleimer gestopft?“
„Sie hat sich selbst in den Mülleimer gestopft.“
„Verlässt du uns? Was für eine grandiose Überraschung! Ich heiße deine Entscheidung gut. Fettel, reg dich nicht auf. Ich mache gleich den Deckel zu und werfe dich in die Mülltonne.“

Drittens fährt er die Horrorbrigade zur Schule und in den Kindergarten. Ich schließe die Tür hinter ihnen ab, winke zum Abschied vom Balkon und hüpfe mit den Toddlers schnell unter die warme, kuschelige Decke. Noch ein Stündchen Schlaf ergaunert. Das Leben danach wirkt auf mich sonniger.

* * *
Fräulein Fettel wurde in letzter Sekunde gerettet. Sie döst verträumt daneben.

Und euch allen wünschen wir einen wunderschönen Tag ;)
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*Haferbrei mit frischer Butter, Sahnejoghurt mit Honig und karamellisierten Pecannüssen, Obstsalat aus Bananen, Äpfeln, Sharonfrüchten und dazu heißen Kakao mit Mandelmilch

This is as merry as we get

Unser Konzept für Weihnachten war denkbar simpel. Die Horrorbrigade schmückte den Tannenbaum. Michael riegelte die Wohnung ab, um sich von ungebetenen Gästen zu schützen. Ich zog Fräulein Fettel die Uniform der Schweizer Gardisten an, setzte ihr einen Morion auf, händigte ein M25 eine Hellebarde aus und kommandierte zur Wache ab.

Ihre Dienste wurden in Naturalien bezahlt: Dampf gegartem Lachs, pochiertem Ei und Rahmspinat. Dies ist Fräulein Fettels Leibspeise. Sie ist eine anspruchsvolle Genießerin.

Wir alle blieben zu Hause, trugen Pyjamas mit lustigen Motiven, machten uns eine große Pfanne Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Austernpilzen (Adschika, Salzgurken, Cherrytomaten eingemacht nach russischer Art und Auberginen mit Kräutern in einer würzigen Essigmarinade rundeten die frugale, aber schmackhafte Mahlzeit ab.), schauten „Strangers with candy“ und kuschelten viel im Bett.

Das Konzept ging auf.

Einen Tag danach fuhr die Horrorbrigade mit den Großeltern aufs Land. Ich verstehe sie. Die Großeltern wohnen in einem alten Haus und halten unzählige Tiere: Schottisches Hochlandrind, Pferde, Ponys, Schafe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Hühner, Hunde, Katzen und sechs fidele Chinchillas. Fräulein Fettel könnte das nie übertreffen.

Unsere Kinder lieben Tiere. Noch mehr gefiel es ihnen, die hohe Felsgebirgstanne vor dem Haus feierlich zu dekorieren.

Währenddessen gingen wir oft mit den Knirpsen in der Stadt spazieren: in Dean Village am Water of Leith entlang, zum Spielplatz in den Meadows, zu den Schwänen und Wildenten im Holyrood Park, in der Street of Light*, zur St Giles’ Cathedral, zum West End, zum Castle Rock, zu den Braid Hills und am Arthur’s Seat.

Edinburgh ist ein wahres Märchen. Diese Wochen waren sorglos, innig und zärtlich. Möge das neue Jahr genauso fröhlich, glücklich und unbeschwert verlaufen.

* * *
Gestern hat es fortwährend geregnet. Mir fehlt der Schnee, aber ich beschwere mich trotzdem nicht. Der Winter meint es gut mit uns. Das Sonnenlicht ist golden. Der Tagesanbruch beeindruckt mit leuchtenden Farben. Sterne illuminieren den trüben Nachthimmel. Kirschbäume blühen in zartem Rosa.

Und das im Januar!
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*West George Street until the 24th December

Four Months

Süßes Glühwürmchen Sole, unser himmlischer Sonnenschein, ist jetzt vier Monate alt.

Mein Schwiegervater hat neulich gemeint, sie wachse gar nicht. Und ob! Sie ist viel größer und schwerer geworden, seit wir sie aus der Klinik nach Hause mitnehmen durften. Fotos lügen nicht.

Was könnte ich über unser Glühwürmchen sagen? Sie schläft weniger. Sie ist deutlich aufgeweckter. Sie ist unglaublich ungeduldig. Sie erforscht die Umgebung und lutscht an allem drum herum. Sie nimmt das Spielzeug in den Mund und kaut mit Freude an ihrem Beißring. Die Katze gefällt ihr. Ihre Schwester gefällt ihr. Ihre Brüder gefallen ihr. Auch der Taufpate. Aiden, verzweifle nicht!

Kleidergröße 62. Frisch geimpft, daher quengelig.

* * *
Unser Herzchen versucht sich zu drehen. Das Liegen auf dem Rücken ermüdet sie. Sie ist wissbegierig und will sich bewegen. Sie wedelt mit den Ärmchen, hilft sich mit den Beinchen, greift nach dem Rüssel des violetten Plüschelefanten und dreht sich auf die Seite. Dann verlassen sie die Kräfte. Sie ist halt noch ein Winzling. Sie ist griesgrämig und beschwert sich, also gebe ich ihr den letzten Schubs. Wenn sie zufrieden auf dem Bauch liegt, lobe ich sie. Sie lächelt. Ich schmelze dahin. Pures Glück.

* * *
Höre ich ihr nebenbei zu, wie sie sich mit mir, mit den Engeln oder mit der Außenwelt unterhält, bekomme ich den Eindruck, wir hätten einen kleinen Drachen gezeugt, denn kein Menschenkind gibt vor sich solch rätselhaften Laute.

Über Sumpftrolle & Schurken

Drei Schurkereien vollbrachte die Katze am Wochenende:

1. Sie bezwang nachts die hohen Gipfel der Gardinen im Speisesaal. Wir mussten sie retten.
2. Sie entführte meine Merinowollsocke und hüllte sich in Schweigen. Die Socke verzweifelte derweilen am Leben in einem düsteren Verlies.
3. Sie zähmte zu guter Letzt das mystische Ungeheuer namens Kobold VR200 und ritt es tollkühn durch die Wüste des Wohnzimmers. Unser kleiner Sohn, der achtzehn Monate alt ist, eiferte ihr nach.

* * *
Mein Mann geht heute für drei Wochen auf Geschäftsreise. Ich bleibe zu Hause und fechte um mein Ansehen als Alleinherrscherin gegen fünf niedliche, reizende, grandiose und unglaublich freundliche Sumpftrolle.

Omnes sancti Angeli et Archangeli, omnes sancti beatorum Spirituum ordines, omnes sancti martyres, orate pro nobis. Propitius esto, parce nos, Domine. Propitius esto, exaudi nos, Domine. Amen.

Das wird lustig.

Doppeltes Glück

Unsere hübschen, gutherzigen, seelenvollen, lebenslustigen, lauten, verzogenen, endlos geliebten Goldkinder sind heute Nacht vier Jahre alt geworden.

Sie sprachen vor wenigen Wochen recht bescheidene Wünsche aus und wollten unbedingt das festliche Essen par excellence kredenzt bekommen:

leckere Piiizzza!!! Yippee!

Wir küssen euch und umarmen fest, unsere honigsüßen Engel!

Three Years (English, русский)
Два года (русский)

Plötzlich Vater

Michael war zwei Tage in Aberdeen, deswegen hat sich Kostja zu einem Anruf nach Berlin hingerissen. Als der Hörer am anderen Ende der Leitung abgenommenen wurde, hat er fröhlich gegrüßt:

Daddy, Daddy, hallo, Daddy, ich vermisse dich sehr.

Noch nie in seinem Leben war der kinderlose Simon so nah an einem Herzinfarkt.

Kids rule!

* * *
Майк был два дня в Абердине, поэтому Костя решил порадовать его звонком в берлинский офис. Когда на том конце провода сняли трубку, он с энтузиазмом поздоровался:

Папочка, папочка, привет, папочка, я по тебе скучаю.

Еще никогда в своей жизни не был бездетный Саймон так близок к инфаркту.

Завтра позвоним в Сан-Антонио. Взбодрим бездетного Гидеона.

Like Father, Like Daughter

Am Donnerstag hat meine Tochter den Speisesaal dekorativ verschönert. Bei der Einnahme der Mahlzeiten betrachte ich jetzt mit zarter Ergriffenheit an der Wand unter dem Fensterbrett den Ehrenkodex der USMA, an der ihr Vater ausgebildet wurde:

A cadet will not lie, cheat, steal, or tolerate those who do.

Die Handschrift ist noch unbeholfen. Die Buchstaben hüpfen wie übermütige Hasen. Ihre Größe und Form variieren ständig. Wen kümmert’s?

Die Tochter strahlt. Der Vater ist selig. Die Katze kotzt vor Begeisterung im Wohnzimmer.

* * *
Am Freitag hat meine Tochter unerwartet herausgefunden, dass das Zeitalter der Auflehnung gegen die elterliche Unterdrückung angebrochen war. Sie hat sich ihre wunderschönen lockigen Haare vor einem Spiegel selber geschnitten. Die Zwillinge haben geholfen.

Leider könnte ich nicht annähernd beschreiben, wie elend ihr Vater ausgesehen hat, als sie sich ihm in ihrer optimierten Gestalt offenbarte.

Seit dem Friseurbesuch am Samstag trägt sie übrigens den gleichen Haarschnitt wie er während seines Dienstes beim Militär.

* * *
Indes bringt sich die Katze bei, wie man einen Staubsauger fährt, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Mammut oder der böse November

Meine Güte, wo kommen die Mücken her? Es ist doch Mitte November!

Die Katze freut sich allerdings. Sie fängt die Mücken und verspeist sie genüsslich; dabei schmatzt und grunzt sie so laut, als hätte sie ein Mammut niedergestreckt und würde es samt Knochen vertilgen.

Ich erwarb in einem Laden eine Insektenfalle mit blauem UV-Licht. Die Mücken hat sie nicht angelockt. Mein kleiner Sohn und eine fette Fliege haben sich aber äußerst interessiert gezeigt. Nachdem die Fliege medium well gewesen war, stank es im Schlafzimmer so bestialisch, als hätte die Katze das erlegte Mammut vor dem Verzehr auf dem Rost gegrillt.

Das Fenster steht offen. Die Katze jagt auf dem Balkon eine Libelle. Eine Libelle! Was soll das?

Diese Ereignisse erinnern mich an die Novelle „Der Alligator oder das böse Jahr“ von Frank Thiess.

Nun warte ich auf die Wiederkehr der Schmetterlinge.

Three Months

Die Zeit rennt! Unsere Tochter Sólveig ist heute drei Monate alt geworden. Sie sieht aus wie ihr Vater. Sie hat schöne Lippen, lange dichte Wimpern und große Augen, die so kobaltblau sind wie sommerliche Kornblumen.

Sie ist sehr pflegeleicht und weint nur selten. Sie ist ein gesprächiges Baby. Sie summt, jauchzt, gurgelt und quietscht. Wenn sie nicht kichert, dann wundert sie sich. Sie staunt über alles: über unbekannte Menschen, Tiere und Musik. Sie erkennt uns, erwidert unseren Blick und schenkt uns ihr strahlendes Lächeln. Ihr Vater ist in sie vernarrt.

Inzwischen ballt sie ihre Hände nicht mehr zu Fäustchen. Sie winkt und hampelt mit den Armen. Sie strampelt kräftig mit den Beinen. Wenn sie auf dem Bauch liegt und neue Geräusche vernimmt, versucht sie ihren Kopf und ihre Schultern vom Boden zu heben.

Ich und ihr Taufpate Aiden sprechen mit ihr deutsch. Michael und unsere Kinder unterhalten sich mit ihr auf Englisch. Der Chupacabra im Katzenpelz schnurrt vergnügt.

Könnte man glücklicher sein?

Trick or Treat

Meine Tochter Emiliana und ihre Freundin Miriam bleiben wie gebannt vor dem Schaufenster eines Kostümladens stehen. Es ist liebevoll schauerlich gestaltet.

Gelbe Kürbisse starren uns aus den leeren Augenhöhlen an. Hinter einem Grabstein treibt ein Vampir sein Unwesen, unschuldige Opfer erwartend, um sie in Geschöpfe der Nacht zu verwandeln. Im blutroten Zwielicht des Mondes ist ein verfallenes Haus auf dem Hügel zu erkennen. Ein schwarzer Kater sitzt auf dem Dach. Fette Ratten verstecken sich vor ihm im Gebüsch. In einem Kessel brodelt ein teuflischer Trunk, in dem Würmer, Vogelköpfe und Kröten schwimmen. Eine Hexe fliegt auf einem Reisigbesen davon. Fledermäuse begleiten sie.

Düster heulen Werwölfe. Eulen kündigen das Unheil an.

Der fröhliche Geist dieses Kostümverleihs ließ sich nicht lumpen. Dekorationen sind superb. Geräusche sind gruselig. Die Stimmung ist wunderbar getroffen.

* * *
MARA: Dylan, feiern Juden Halloween?
DYLAN: Nein. Juden feiern Purim. Es gibt viele Süßigkeiten, schöne Kostüme, aber erst im März, und es hat nichts mit den Wesen der Anderen Welt zu tun.
MARA: Das gefällt mir nicht.
MILI: Mummy, feiern Katholiken Halloween?
LYNN: Nein, Katholiken feiern auch kein Halloween. Wir gedenken an diesem Tag aller Heiligen.
MILI: Gibt es dabei viele Süßigkeiten und schöne Kostüme?
LYNN: Nein. Aber wir könnten eine Messe besuchen, einen Allerheiligenstriezel mit Trockenobst backen, Herbstchrysantheme sammeln und viele Kerzen anzünden.
MILI: Das will ich nicht. Aber die Kerzen zünden wir trotzdem an. Und kaufen rote Rosen.
MARA: Wer feiert nun Halloween?
LYNN: Heidnische irische Druiden und altertümliche Kelten begangen früher ein Erntedankfest, das sie Oíche Shamhna nannten.
MILI: Großartig, in diesem Fall bin ich eine altertümliche Keltin. Mara, willst du eine heidnische irische Druidin sein?
MARA: Nein, ich will auch eine altertümliche Keltin sein.
MILI: Na gut, dann bin ich eine heidnische irische Druidin. Mummy, bin ich eine Irin?
LYNN: Nicht wirklich. Dafür hat dein Vater eine irische Urgroßmutter.
MILI: Die alte Hexe?
LYNN: Sie ist keine alte Hexe. Einfach eine ältere exzentrische Dame.
MILI: Du bist eine ältere exzentrische Dame!
LYNN: Ja, danke sehr. Du bist ein verwöhntes freches Ferkel!
MILI: Du bist aber eine wunderschöne ältere exzentrische Dame! Liebst du mich?
LYNN: Sicher. Wer könnte so ein charmantes Ferkel nicht lieben?!
MILI: Mummy, ich hab‘ dich auch ganz toll lieb. Als was willst du gehen, Mara?
MARA: Ich will als Brontosaurus gehen. Ein goldiger zurückhaltender Brontosaurus. Oder eine Ananas. Dylan, kann ich eine Ananas sein?
DYLAN: Du kannst sein, was du willst.
MILI: Und ich werde ein Sumpftroll sein. Mummy, kann ich ein Sumpftroll sein?
LYNN: Warum denn ein Sumpftroll?
MARA: Sumpftrolle sind sehr niedlich, Lindchen.
MILI: Und sehr reizend. Und grandios. Und freundlich.

Falls demnächst eine Ananas oder ein freundlicher Sumpftroll vor euren Türen stehen sollten, so seid gewiss: Das sind Mara und Mili, two lil‘ monsters. Sie sind verrückt nach Erdbeerbonbons.

Die Samhain Verschwörung

Michael war mit der Horrorbrigade draußen. Es hat geregnet. Die Kids sind natürlich in jede Pfütze hingefallen, die sie finden konnten. Von diesem erfreulichen Spaziergang haben sie nach Hause einen Riesenhaufen Blätter und ein Pfund Eicheln mitgebracht. Bei uns in der Straße wachsen alte Eichen und Ahorne.

Die Blätter waren schön, aber schmutzig, also haben die Kids sie im warmen Wasser mit Shampoo gewaschen und zum Trocknen auf dem Balkon aufgehängt. Jawohl! So flatterten die Blätter im Winde wie bunte buddhistische Gebetsfähnchen, bis die Katze sie entdeckt hat. Später gesellte sich dazu eine Krähe. Wir haben versucht sie zu verscheuche, die Krähe hatte allerdings ihre eigenen Pläne und schimpfte böse mit uns.

Des Morgens früh habe ich das dynamische Duo auf dem Balkon paradieren gesehen: Die Katze zwischen den Blumentöpfen, die Krähe auf der Brüstung. Ich traue den beiden nicht. Sie verschwören sich. Samhain naht heran.

Seit unsere Kinder auf der Welt sind, leben wir in einem surrealen Märchen. Das nimmt mich immer wieder wunder.