Das Bilderbuch der Seele

Ich habe mich damals geirrt. Diese Welt existiert sehr wohl.

Мишка, где мой виноградник, а?

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Die Entmystifizierung

L.: Was tust du unter meiner Decke?
M.: Du hast unruhig geschlafen. Ich habe dich in den Armen gehalten.
L.: Hast du mich begrabbelt?
M.: Nein. Aber als ich dich umarmt habe, hast du empört gequieckt und gesagt: „Finger weg! Blödian.“

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Die Geschichte der Septembristen in den Pentlands

Mein Mann hat mich zur Gefahr im Verzug erklärt und in die Verbannung nach Sibirien in die Pentland Hills geschickt.

M.: So, jetzt bist du Dezembristin.
L.: Septembristin.
M.: Das ist nicht essenziell. Packe deine Sachen. Was machst du? Kondome brauchst du nicht.
L.: Na, man weiß nie.
M.: Was heißt hier „man weiß nie“? Man weiß ganz genau. Gib her.
L.: Wie soll ich bitte schön die zehrende Einsamkeit der kühlen Nächte aushalten ohne die wärmende Liebe eines Mannes?
M.: Gescheit wie du bist, findest du bestimmt einen Ausweg. Schicke mir das Video.
L.: Klar. Wogegen rebelliere ich eigentlich? Gegen deine Tyrannei?
M.: Gegen meine Tyrannei? Wirklich? Du rebellierst doch gegen alles. Erschaffe ein Konzept. Gründe keine Geheimbünde. Rufe keine Aufstände aus. Lies „Eugen Onegin“. Wandere in den Hügeln. Umarme ein paar…
L.: …Männer.
M.: Pferde! Pferde, keine Männer.
L.: Das ist enttäuschend.
M.: Gewöhne dich daran. Bei deiner Rückkehr will ich die Frau in die Arme schließen, die ich zur meiner Gefährtin auserkoren habe.
L.: „Gefährtin“, „auserkiesen“: Ich bin feucht vor linguistischer Verzückung. Ich komme gleich.
M.: Watch it!
L.: Verzeihung. Begleitest du mich nicht? Zehn Frauen sind ihren Männern freiwillig in die Verbannung gefolgt.
M.: Elf. Eine überwältigende Bilanz: 120 Männer, 11 Frauen. Denke darüber nach.
L.: Ist ja gut, du abtrünniger Geliebter einer Septembristin. Und wage es nicht, meine Kinder zu indoktrinieren.

Zahm wie ein Lämmchen

H.: Geht’s dir besser? Ist dein Mann noch am Leben?
L.: Seid ihr junge Fräulein? Trefft ihr euch zum Kaffeekränzchen und lästert über uns?
H.: Nein. Hast du gestern den Schießstand fast vollständig de­kom­po­niert und die Hälfte der Halle demoliert?
L.: Ich war leicht verstimmt und zog in Erwägung, der Liga der Männerhasserinnen beizutreten.
H.: Bist du nicht die Vorstandsvorsitzende?
L.: Erstens: Ich bin hinreißend. Zweitens: Halt die Klappe. Warum belästigst du mich, Henry?
H.: Hörst du überhaupt zu oder führst du ein Monolog?
L.: Mike geht’s wunderbar. Der Lattenrost unseres Bettes ist durchgebrochen. Wir schlafen im Gästezimmer, weil die Couch in seinem Arbeitszimmer knarrt und quietscht.
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Ehebruch ist kein Fehler

Linda, bist du wütend? Auf wen? Auf mich?! Du hast nichts zu befürchten. Egal, wie viele Ehen sich den Lemmingen anschließen. Leg die Waffe weg. Sofort. Bitte. Ich habe fünf Kinder. Ich liebe dich. Ehebruch ist kein Fehler. Ehebruch ist eine bewusste Entscheidung. Not a mistake, a choice to walk away no matter how tempting it is. Ich bekenne mich zu unserer Familie. Sogar zu deiner Katze. Ich kotze gleich… Hast du gelächelt? Leg die MP weg!

Pfannkuchen mit gezuckerter Kondensmilch

Ich sitze in der Badewanne – Tanktop, Boxershorts, neues Armband aus walisischem Gold –, und heule bitterlich. Die Duschkabine ist besetzt. Vorbei! Alles ist vorbei. Der Sommer ist vorbei. Der selige August ist vorbei. Die Heiterkeit der grandiosen Geburtstagsfeier ist abgeklungen. Die Jugend zog aus.

Richard ist weg. Ilja ist weg. Ari ist weg. Theo ist weg. Sam ist weg.

Sam ist weg! Wie soll ich weiter leben?

Zum Frühstück gab’s Buchweizengrütze mit Butter und Pfannkuchen mit gezuckerter Kondensmilch. Ich habe vier davon gegessen und stet gewehklagt:

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Potenzpillen & Abführmittel

Oder: Wie frau die Männersolidarität untergräbt

L..: Geht es dir gut, Michael? Fühlst du dich wohl?
I.: Wie hältst du es mit der Frau nur aus?
L.: Er weint manchmal unter der Dusche.
M.: Jaaa… Meistens bin ich in ihr unter der Dusche, wenn ich weine.
L.: Oi!
M.: Du hast damit angefangen. Hebe die Augen nicht zum Himmel empor, mein Täubchen.
L.: Du siehst mich doch gar nicht.
M.: Ich kenne dich. Hat sie mit den Augen gerollt?
I.: Hat sie.
L.: Hättest du nicht schweigen können, Ilja?
I.: Nein. Männersolidarität.
L.: Schön. Ich habe übrigens Potenzpillen und Abführmittel in euren Tee getan. Jaaa… Enjoy, guys.

Verunanständigkeit

L.: Was hab‘ ich gesagt? Runter von mir. Finger weg. Ich bin eine anständige verheiratete Frau.
M.: Verunanständige dich! Kein Mann will mit einer langweiligen Frau ficken.

Fit wie ein Elefantenbaby

H.: Hast du überhaupt trainiert?
L.: Hallo? Natürlich. Ich beweise es. Warte. Warte. Warte. Hier, das Video. Siehst du? Ich trainiere.
H.: Du liegst fast nackt faul am Pool herum und wackelst mit den Zehen.
L.: Das ist korrekt. What’s your point? Das ist ein wirksames Training, bei dem alle Muskelgruppen optimal beeinsprucht werden. Neuer Trend. Ganz beliebt in Deutschland.
H.: Klar. Die Ergebnisse sind erkennbar optimal in… dickem Deutschland. Was ist im Krug auf dem Tischchen?
L.: Mein Frühstück, Mittag- und Abendessen. Gurken, grob gerieben, Radieschen, fein geschnitten, Dill, Salz, Zitronensaft, Kefir und kaltes Wasser. Der Sommer war tropisch.
H.: Geeiste Gurkensuppe?
L.: Nee. Okroschka. Abgewandelt, vereinfacht, mit Vitaminen angereichert. Ich misshandle meinen ökologischen Kefirpilz, der in der Küche residiert.
H.: Du vegetarisches Scheusal. Ich verachte dich. Ist das ein Bauchansatz?
L.: How dare you? Ich bin schwanger.
H.: Ehrlich? In wievielter Schwangerschaftswoche?
L.: In acht… äh… in acht… undvierzigster.
H.: Echt?
L.: Yep. Ich erwarte ein Elefantenbaby.
H.: Aha. Ich geniere mich zu fragen. Eine grazile Frau wie du… ein Elefant… Wie weh tut die Liebe?
L.: Henry, du bist eklig.
H.: Ich bin eklig?! Ich exploitiere keine ökologischen Kefirpilze und verkehre nicht mit Elefanten.
L.: Bist du Rassist? Was hast du gegen Elefanten?
H.: Ich bin kein Rassist. Ich habe nichts gegen Elefanten. Ich bin verrückt nach Elefanten. Was sagt eigentlich Michael dazu?
L.: Er verachtet Kefirpilze. Ich muss zugeben, er fühlte sich von mir enttäuscht, aber er verzieh mir. Er wird das Elefantenbaby wie sein eigenes aufziehen. Die Kefirpilze wird er allerdings weiterhin diskriminieren.
H.: Ich verbeuge mich vor seiner Weisheit.
L.: War das Dylan?
H.: Was? Ich glaube schon.
L.: Gotta go. Danke für den Kampf.
H.: Hey, wo willst du jetzt plötzlich hin, schwangere Verräterin, xenophobe Kefirpilzhalterin?
L.: Ich bin keine Verräterin. Ich bin Opportunistin. Er hat mir versprochen, ich dürfe aus einem Karabiner schießen.

Io credo in Dio, Padre onnipotente, creatore del cielo e della terra

In Rom arbeite ich für den ältesten einflussreichsten mächtigsten Konzern, den die Menschheit hervorbrachte. Ich habe zwei der CEOs persönlich kennen gelernt. Wenn der Sicherheitsdienst des deutschen CEO am Sonntag das 500. Bestehungsjahr feiert, werde ich mit meinem Chef die Sixtinische Kapelle bewundern.

Im Heimatland meiner italienischen Vorfahren bin ich früher ausschließlich mit katholischen und jüdischen Männern ausgegangen, die nach dieser Aussage nicht schreiend weggerannt sind.

Nein, ich habe definitiv nicht an Verwirrtheitszuständen oder Entzugsdelir gelitten. Den Namen des Konzerns kennt wirklich jeder. Bloß am geistigen Überblick mangelt es.

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Von Göttern & Jungfrauen

L.: Ein netter Mann hat meinen Schreibstil als „erschreckend viril“ bezeichnet.
M.: Weiß er, dass du mein geistiges Eigentum klaust?
L.: Ich bin keine Diebin. Ich bin viel mehr eine Chronistin wie Josua Stylites oder Eusebius von Caesarea, wie Hermann von Reichenau oder Jakob Tschernorisez. Ich bin eine Art Sprachrohr.
M.: Metatron?! Bist du das?
L.: Grinse nicht. Hast du dich gerade in den Stand eines Gottes erhoben?
M.: Das war nur logisch. Wenn ich dein Gott bin, bist du dann mein Tempel? Du kannst auch die jungfräuliche Hohepriesterin sein. So oder so, unsere Begegnungen werden auf exakt die gleiche Weise enden.
L.: Ich verbarrikadiere mich im Adyton?
M.: Nein. Mit Stöhnen… mit Stöhnen und heftigen Muskelkontraktionen. Wehre dich nicht. Erfülle gefälligst dein Schicksal. Du bist dazu bestimmt.
L.: Anständige Götter bumsen ihre Chronistinnen nicht.
M.: Du hast mich enttarnt. Ich bin ein unanständiger Gott. Jetzt lege die Gewänder ab und erfreue dich an meiner überwältigenden Anwesenheit in dir.
L.: Nein, vielen Dank. Ich behalte meinen rituellen Pyjama an.
M.: Na klasse, ich wurde orgasmusfrei gestürzt. Weg mit dir. Ins Skriptorium, Chronistin!

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Auf diesem Wege: Achim! Vielen Dank für Deinen lieben, klugen, reflektierten Kommentar.

#ficken vs. #thehungergames

ЛИНДА: Я не знаю, кто такие Джессика Лоуренс и Лиам Хемсвуд.
ЛАПОЧКА: Дженнифер Лоуренс и Лиам Хемсворт. Актеры из фильма „Голодные игры“.
ЛИНДА: Не читала, не стану читать. Не смотрела, не стану смотреть. Нет времени.
ЛАПОЧКА (злобно): Реже ебитесь, появится время.
ЛИНДА (добродушно): Всех книг не перечитаешь, всего голливудского говна не пересмотришь. Ты что-то не поняла, Лапочка. Наши попытки эффективного использования времени, справедливое разделение труда и сознательное ограничение социальной активности направлены исключительно на повышение качества, количества и частоты ебли. Понимаешь?

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Думать о нем, тосковать, ждать с нетерпением. Погрузиться в него, как в свет. Скинуть на пол заботы. Почувствовать зарождение тепла внизу живота. Утонуть в его глазах, в его запахе, в его объятиях. Быть влюбленными, свободными, настоящими. Быть вдвоем во всей Вселенной. Всего то.

Пока мы не насытились любовью, пока мы испытываем желание, пока близость такая пронзительная, жаркая, сладкая, мы будем ебаться.

Послушай, мы примитивные: мы утоляем наш голод оргазмами. Пока его тело дарит мне наслаждение, пока моя кожа истончается от его ласк, пока мое лоно становится горячим и податливым, мы будем ебаться.

Лишь бы к нему прикоснуться. Припасть губами к его вискам, его векам, его шее. Целовать ему пальцы, ключицы, грудь. Терять чувство пространства и времени. Ощущать его в себе. Абсорбировать эмоции. Растворяться. Вздрагивать, пульсировать и содрогаться от рыданий. Засыпать, видеть сны и сразу забывать.

Он — Жизнь. Я им живу. Я им дышу. Мне безразлично, кто такая Китнис.

Das Mitternachtsgewitter

Ein lauter grollender Knall weckt uns. Das Mitternachtsgewitter kommt von Südwesten her auf und vergrault den schwülen Tag. Der tosende Sturm reißt die Wolkendecke auf, so dass der Mond, der sich dahinter verbirgt, den Garten in ein falbes Licht taucht. Der Wind heult und tobt. Er zerzaust die Sträucher. Die Regentropfen prasseln, poltern und trommeln gegen das Fensterglas. Eine Tür fällt ins Schloss, und als der Donner gegen das Haus kracht, als beabsichtige er die steinernen Wände zu zerkrümeln, sie bis auf die Grundmauer niederzureißen und zu zerstören, bellen im Stall die Hunde.

Ein Blitz erhellt kurz darauf den Hof; die Luft knistert wie elektrisiert. Die Blitze, wie Feuer, flammen am Himmel auf. Blitzlichter lodern und folgen unentwegt aufeinander. Der Regen rauscht im zartgrünen Laub der Pfirsichbäume, die in großen Kübeln auf der Veranda wachsen und schlägt in die staubigen Physiognomien der Bäume. Monströse düstere Wolkengeschwader ziehen in rasender Geschwindigkeit vorbei. Furiose Donnerschläge erschüttern das Dach und verebben in einem ungeduldigen Grölen. Das Wasser in den Dachrinnen bildet unzählige sprudelnde Bäche, die sich sintflutartig auftürmen, nur um wieder die Treppen herunterzustürzen und in riesigen Pfützen zu verschwinden. Der Regen hämmert durch jede Ritze. Es rattert und knattert. Es lärmt. Der Garten wankt gespenstisch in der dröhnenden Finsternis zwischen Realität und Illusion, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Das heftige Sommergewitter wütet. Der Regen pulsiert und pocht wie eine lebendige Kreatur. Die Blitze züngeln. Ein kühler Luftzug tanzt gelassen im Raum umher. Während die Welt im Abgrund versinkt, zerbricht und wiedergeboren wird, finden wir wieder zueinander und lieben uns — behutsam, zärtlich, gefühlvoll.

Wir entzünden die Kerze der Liebe. Du liegst nackt in meinen Armen. Du bist wunderschön, warm und zerbrechlich. Ich schließe Deine Augen mit den Küssen und zeichne die Linien Deiner Lippen mit meinen Fingern nach. Ich will Deine Lust entfachen. Mein Mund sucht Deinen Mund, und wir küssen uns bis zur Vergessenheit. Gib bitte nach, gib Dich mir hin, finde in der Hingabe Erfüllung. Lebe mit mir in einem verrückten Traum. Verbinde Dich mit mir in einer Fantasie. Zusammen können wir eine Wirklichkeit erschaffen aus dem Chaos.

Ich küsse Dich ungeduldig und überlasse mich Deinen Küssen. Ich beiße in Deinen Hals und berühre Deine Drosselgrube. Ich vergrabe meinen Kopf an Deiner Brust. Meine Hand tastet nach Deinem Bauch, umklammert Deine Taille und gleitet hinab in den Schoß. Meine Finger schieben sich sanft zwischen Deine Beine. Mein Blick ruht auf Dir. Ich genießen Dich, schmecke Deine salzige Haut, spüre, wie Dir die Feuchtigkeit zwischen die Schenkel aufsteigt, höre Deine Stimme, die mich um Erlösung bietet, sehe, wie Du Dich windest und Deine Hüften vorschiebst.

Ich halte Dich festgepresst an meinen Körper, schüre mit meinen Liebkosungen die Glut in dem Deinen. Du bist hemmungslos, ungezügelt, ohne Scham. Dein Schoß brennt und fiebert. Er öffnet sich und verlangt nach mir. Dein Atem fliegt; der Herzschlag verschnellert sich. Du keuchst und stöhnst leise auf. Ich hebe Deine Arme über den Kopf. Ich dränge mich an Dich und senke mich auf Dich nieder. Ich dringe vor, durchdringe Dich, dringe in Dich ein und aus — in Deine Gefühle, in Deine Sinne, in Dein Geschlecht —, zuerst langsam und ruhig, als hätten wir alle Zeit der Welt, dann immer ungestümer, bis Du es nicht mehr aushältst, Dein Gesicht in meine Schulter hineindrückst, und bebst, und zitterst, und Deine Seele in die meine aushauchst. Unsere Verschmelzung krönt ein heftiger Orgasmus, der die Begierde bis zur Erschöpfung befriedigt. Dann wickelst Du Dich in ein Laken ein.

Eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Das Gewitter zieht ostwärts ab. Der Regen flüstert sachte. Als die Geräusche allmählich verhallen, und der Mond silbern durch die Fensterläden scheint, schlummern wir ein, — engumschlungen, eingelullt in die selige Sommernacht wie in die Umarmung der Liebe.

Aufbruch nach Blaubeerpandora

Endlich! Es donnert. Es blitzt. Es regnet in Strömen. Die Bäume jubilieren. Die Pferde sind aufgewühlt. Die Katzen sitzen unter dem Bett und verfassen Beschwerdebriefe an Greenpeace. Im Wald wächst der erste Pilz.

Gleich werfe ich meine Kleidung weg und hüpfe in jede Pfütze hinein, die sich mir in den Weg stellt.

* * *
M.: Früher hättest du mich ins Gebüsch gezerrt und verunehrt. Ich bin enttäuscht. Was ist passiert?
L.: Ich bin eine alte weise Frau geworden, die an ihren Lebensabend denkt. Jetzt mache den Mund zu, ziehe den Badeanzug an und folge mir. Die Blaubeersträucher sehen so einladend aus. Lass uns aufbrechen. Warst du auf Pandora?

Zitruseis

M.: Hast du das Eis schon immer so gegessen oder provozierst du mich einfach gern?
L.: Du bist nicht der Mittelpunkt meines Universums, Michael.
M.: Das ist schade, Linda, denn du bist der Mittelpunkt meines Universums. Und das, was du gerade mit deinem Mund machst, berührt mich durchaus.
L.: Ferkel. Ich bin nicht diejenige, die ständig an Blowjobs denkt.
M.: Nein, wirklich nicht. Ich habe auch nicht bemerkt und weise dich nicht darauf hin, dass du die Parallelen sehr wohl wahrgenommen hast. Noch ein Eis gefällig? Ein größeres? Ich denke übrigens nicht ständig an Blowjobs. Ich will dich nur lecken, küssen, streicheln, liebkosen, ficken und – das will ich allerdings ständig. Verklag mich.

Nö, werde ich nicht :D

Kupferne Hochzeit

L.: Hat unsere Ehe nach sieben Jahren Patina angesetzt?
M.: Hast du den Wodka gefunden?
L.: Nein, ich habe von der Schwarzen Tollkirsche genascht.
M.: Nimm Abstand davon. Mach mir bitte keinen Kummer.
L.: Hast du gewusst, dass das siebte Ehejahr verflixt sei? Die Routine kehrt ein. Die Liebe bedarf sorgsamerer Hingabe und neuer Impulse.
M.: Findest du, wir hätten zu wenig Sex?
L.: Es geht nicht darum.
M.: Es geht immer darum.
L.: Höhlenmensch! Es geht um Respekt und Toleranz.
M.: An mir soll’s nicht liegen. Um sieben bin ich zu Hause. Ich werde dich gefühlvoll tolerieren; du darfst mich beim Respektieren viel härter anpacken. Sei nicht scheu. Hast du mit „neuen Impulsen“ eine neue fantasiereiche Stellung gemeint? Ich bin für jeden Vorschlag offen und zu jeder Schandtat bereit. Unsere gegenseitige Hingebung wird hoffentlich mit Stöhnen und heftigen Muskelkontraktionen ausklingeln. Eine schöne Vorstellung.
L.: Idiot! Ich brauche Kupferteller, Kupferkelche, Kupferflaschen, Kupfervasen, Kupferlampen und Kupferstiche.
M.: Kein Problem. Alles da. Alles in Reichweite. Ich habe nämlich vor sieben Minuten eine Manufaktur erworben, die sich auf die Herstellung von Kupfergegenständen spezialisiert. Um sieben werde ich dir die Kupferwelt zu Füßen legen. Werden wir eigentlich irgendwelche mythischen Traditionen oder Bräuche zelebrieren?
L.: Freilich. Wir werden uns Kupferkessel über den Kopf stülpen, nackig im Wald umherlaufen und die Dorfbewohner das Fürchten lehren. Später in der Nacht werden sie uns, mit Fackeln und Heugabeln bewaffnet, aufsuchen. Die Frösche werden gebraten. Bier und Wein werden reichlich fließen. Man wird tanzen. Man wird singen. Die Ernte wird verbrannt. Das Haus wird angezündet.
M.: Herrlich. Ich freue mich darauf. .אילת, אני אוהב אותך
L.: Vollidiot! Ich lege auf.

Das siebte Ehejahr war überwältigend.
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Der hebräische Satz heißt übersetzt „Ich liebe Dich, Ayelet!“; אַיֶלֶת (ayelet) steht für ein Reh und ist ein Frauen–vorname; אַיֶלֶת הַשַׁחַר (ayelet haschachar) bedeutet das Reh der Dämmerung, den Morgenstern. Warum wohl?

Der Apologet der Romantik

Ein zärtlicher Kuss auf den Hals. Die Finger wandern sanft am Schlüsselbein entlang. Seine Hand liebkost meine Haut und verweilt auf der Brust unterhalb der Drosselgrube.

Ich lächle ihn an. Ich blicke in seine Augen. Er beugt sich über mich und flüstert verschwörerisch:

„Und, hast du in deinem Leben schon mal einen Schildkrötenporno gesehen?“

Viele halten ihn für arrogant, zynisch und skrupellos. Blödsinn! Der Mann ist ein Romantiker, wie er im Buche steht.

Sir Walter Scott, Edgar Allan Poe und Clemens Brentano würden sich für ihn sofort verbürgen.

Черенкование палых слов

Ты проникаешь в мою кору. Ты изливаешься в мои сосуды. Ты насыщаешь мое сердце нежностью и утоляешь мое желание шепотом. Я погружаю в мое дыхание стебли твоих палых слов, и они пускают корни. В полнолуние под тревожное уханье ночи я присыплю садовую землю пеплом сгоревших строчек, полью слезами и прошепчу заклинание над спящими почками, в которых прячутся желтые зонтики.

В городе безумствует дождь. В глубоком небе тонут стаи воронов. Я верю в наше с тобой бессмертие. Я верю в бесконечность. Нас никогда не засыпет червонными листьями. Нас не поглотит холодный северный ветер. Мы не ляжем камнем на дно осени. Души наизнанку. Крылья распахнуты.

Прильни ко мне. Обними меня крепко. Посмотри мне в глаза. Коснись губами виска, и твои мысли запутаются в моей буйной кроне. Я люблю тебя, потому что я люблю тебя потому что я люблю тебя потому что я люблю тебя.

Wortlos

Heute ist Dein Geburtstag, Baby. In allen Sprachen, die ich beherrsche, in allen Sprachen, die Du verstehst, suche ich seit einiger Zeit nach passenden Worten, mit deren Hilfe ich meine Liebe zu Dir ausdrücken könnte und begreife, dass diese gar nicht existieren.

Wie kann ich ein Gefühl beschreiben, das mich zum Lachen bringt und mir Flügel verleiht? Ich baue ein Wolkenschloss und verliere mich völlig in einem Labyrinth aus Träumen. Ich begleite Dich zum Nordpol und wohne einen Winter lang dem Zauber der Aurora borealis bei. Ich entledige mich meiner Kleider unter dem Regen und laufe nackt durch die Pfützen. Ich steige nachts auf das Dach unseres Herrenhauses und schreie laut in den Himmel, dass ich Dich liebe.

Wie male ich ein Gefühl mit Aquarellfarben, das ich gleichzeitig in einer vergessenen Krypta hinter verschlossenen Türen unter einer zerstörten Kirche verstecken und in den bekanntesten Galerien ausstellen will, um damit schamlos anzugeben.

Wie fotografiere ich ein Gefühl, die Fotografie einrahme und an die Wand aufhänge, auf dass ich sie betrachte, wenn Du nicht in der Nähe bist?

Und weil ich es nicht weiß, starre ich Dich wortlos an und warte ungeduldig darauf, dass Du aufwachst, mich anlächelst, mich küsst und umarmst.

Heute ist Dein Geburtstag, Baby, aber ich bekomme die Geschenke.

Umgeschriebenes Geburtstagsgedicht

Während Du ruhig daliegst geborgen in meiner Liebe, lausche ich Deinem Herzschlag und überlege mir, wie gerne ich Dich doch nachbilden würde mit meinen nackten Worten. Ich taste mit der Hand nach Dir und forme mit den Fingerkuppen die feinen Gesichtszüge nach: die kornblumenblauen Augen, die schmale Nase, den vollen Mund.

Ich wecke Dich zärtlich mit meinen heißen Lippen. Nicht nur Dein Verlangen erwacht langsam aus dem Schlaf, sondern auch die Gefühle, Hoffnungen und Sehnsüchte. Ich küsse Dich heil, ich küsse Dich wach, ich küsse Dich immer wieder. Ich liebe Dich, ich liebe Dich wach, Du verliebst Dich neu in mich.

Mit meinem gierigen Körper finde ich Dein Herz. Mit meiner glühenden Haut tröste ich Deine Seele. Ich atme Deinen Geruch ein, ich trinke Deinen Atem aus, ich hauche vorsichtig meine Seele in die Deine hinein.

Hey, wach auf! Ich habe für Dich ein Geschenk.

Der Tag des Schachs

M.: Apropos UNESCO
L.: Niemand hat die UNESCO erwähnt.
M.: Lass mich ausreden, Frau. …heute ist der Tag des Schachs.
L.: Faszinierend. Hier, ich verleihe dir feierlich eine Marille als Zeichen meiner Wertschätzung und Anerkennung deiner Verdienste um die Aufklärung meines Volkes. Fortan bist du der Ritter der Reifen Marille.
M.: Welch eine Ehre. Ich bin gerührt. Eigentlich wollte ich dir eine Partie Schach vorschlagen. Der Gewinner1 tröstet den Verlierer mit einem Blowjob. Was?! Wohin gehst du?

Ich brauche dringend die gusseiserne Bratpfanne und den Besen, die Insignien meiner Macht. Heute scheuche ich ihn über die Erdbeerfelder, jage durch die Wälder und folge ihm bis in den Teich.

Nächste Woche werde ich ihn vergöttern, anbeten und verwöhnen. Ich werde ihm dienen und jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Versprochen. In Florenz werde ich zahm wie ein Lämmchen sein.
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1Gewinner – Ich habe noch nie ein Spiel gegen Michael gewonnen.

„Jenseits“

Am 14. Juli vor 24 Sommern hatte mich mein Mann das erste Mal geküsst1. Meine Hände zitterten. Meine Beine knickten weg. Mein Herz raste. Vier Tage später habe ich das erste Mal mit ihm geschlafen2.

* * *
Ich war zehn, als die Engel der himmlischen Kanzlei mir das wertvollste Geschenk zuteilwerden ließen. Seine Großeltern Hannah und Konstantin brachten ihn zu uns zum Kennenlernen. Ich tobte und kreischte: „Mutter, ich will ihn nicht. Ich werde nicht russisch mit ihm sprechen.“

Ich habe mich geirrt.

Er ist mein Schicksal. Wir bergen eine Seele. Er hat mich zur Frau genommen. Ich habe ihm fünf Kinder geschenkt. Russisch ist unsere erste Sprache gewesen, weder Deutsch noch Englisch, weder Farsi noch Ivrit. Meine schönsten Liebesbriefe an ihn habe ich in Russisch verfasst.

* * *
Zwei Jahre drückten wir gemeinsam die Schulbank in Mainz. Vier weitere Jahre brauchte er, um das Abitur von einem Londoner Internat zu erhalten. Er langweilte sich. Poor baby. Die Genies sind ungeduldig. Er hatte die Scheiße satt.

* * *
Am 14. August vor 24 Sommern war ich fast sechzehn. Die Sonne schien. Die Raben stritten. Ich unternahm eine Wanderung um meinen damaligen Freund herum wie eine graziöse Saiga. Ich zwickte, schubste und pöbelte ihn an. Zärtlichkeit, Wärme, Zuneigung erfuhr ich selten. Da blieb plötzlich ein Junge, der über den Bürgersteig entlang der Straße ging, direkt neben uns stehen und drehte sich um. Ich schaute ihn düster an: „Was glotzt du? Kenne ich dich? Ich kenne dich, nicht wahr? Миша?!“

* * *
Es war am späten Abend. Es regnete in Strömen. Ich hatte nicht vor, seinen Kuss zu erwidern. Ich hätte nie zugegeben, dass ich die ganze Nacht an ihn dachte. Die Schmetterlinge waren erwacht. Als er mir beim nächsten Wiedersehen sagte: „Ich habe an dich gedacht.“, antwortete ich stolz: „Und? Ist das mein Problem?“.

* * *
Unsere Gefühle haben den Verlust unseres Sohnes, unsere Trennung und eine abgrundtiefe Krise überdauert. Ohne Richards Hilfe, ohne Michaels Mut, wäre unsere Liebesgeschichte eine Trilogie geblieben: „Paradies“, „Erde“, „Hölle“.

Wir sind bei „Jenseits“3 angelangt. Vor acht Jahren haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Jetzt sind wir glücklich.

Bald fliegen wir nach Florenz4, in die Heimat meiner Ahnen und für eine kurze Zeit wird er nur mir gehören.
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1perché forte come la morte è l’amore (русский, Deutsch, English)
2Über außerirdische Entitäten
3А Love Story in Five Pictures (русский)
4La bellezza di Firenze (русский)

Мое прибежище

Мишка говорит: я верю в нас, на этом моя вера заканчивается, этого достаточно, чтобы быть счастливым, с тобой, с детьми, с друзьями, с животными, с работой. Мы научились жить равномерно, без ссор, без драм и без погромов. Мы научились любить в глубину. Мы научились любить спокойно, без предательств, без лжи и почти без ревности. Наша любовь циклическая.

Мишка говорит: я люблю тебя с четвертого класса, я любил тебя раньше, я люблю тебя сейчас, я любить тебя буду всегда. Мы научились оберегать нашу любовь, это согревающее чувство, которое живет в нас и обволакивает паутиной света наш дом. Мы научились беречь друг друга, ограждать от ночи, быть милосердными, когда говорим правду, доверять и прощать. Когда я смотрю в ясное небо его глаз, я теряюсь и нахожу себя сызнова. Мой мир отражается в этом небе. Когда он улыбается исподлобья, я забываю и вспоминаю все, что имеет значение. Когда он заключает меня в объятия, фантомные скелеты моих крыльев начинают свербеть, обрастая новой плотью — перо за пером. О, какими сильными были у меня крылья. О, какой я была бесстрашной.

B Мишкe мое спасение. Мишка отдавал, и отдавал, и отдавал, ничего взамен не требуя, отворял душу настежь и осыпал меня всем, что имел: восторгом, преданностью, простодушием, дружбой и любовью. Мишка стал источником всего, чего мне остро не хватало: доброты, понимания, радости, счастья и ласки. Я нашла в Мишкиной любви прибежище. Без Мишки меня не существует.

Who is Ethan?

L.: Was verstehst du schon von Frauen?
E.: Was verstehst du schon von Männern? Hast du einen nackten Mann aus der Nähe betrachtet?
L.: Nein, ich fiebere diesem aufregenden Ereignis noch entgegen.
E.: Also, wenn du möchtest, wäre ich bereit…
L.: Nein, nein. Sei mir nicht böse, aber du bist nicht mein Typ.
E.: Ehrlich? Wer ist denn dein Typ?
L.: Ich vergöttere schwangere Kobolde mit Glatzen.
E.: Das ist einleuchtend. Sogar ich bin bei dieser Beschreibung steif geworden.
L.: Eine faszinierende Geschichte. Lege sie für die Enkel nieder.
E.: Witzig. Hast du nicht behauptet, Frauen wählten oft Männer, die ihren Vätern ähnlich aussähen?
L.: Die Hypothese vertrete ich weiterhin.
E.: Ich habe deinen Vater doch gekannt. Er war größer als ich.
L.: Er hat leidenschaftlich gerne High Heels getragen.
E.: Was du nicht sagst. Er hatte keine Glatze.
L.: Rabenschwarz, lockig, voll? Eine osteuropäische Echthaarperücke.
E.: Diesen Verdacht hegte ich insgeheim.
L.: Es freut mich, dich aufgeklärt zu haben. Mein Vater war eigentlich blond. Viel blonder als Richard.
E.: Besitzt dein Bruder auch osteuropäische Echthaarperücken?
L.: Er ist weltoffener. Seine Kollektion der Echthaarperücken ist exquisit.
E.: Weiß er davon?
L.: Ich äußere mich nicht zu dem Sachverhalt.
E.: Vernünftig. Was ist mit der Schwangerschaft?
L.: Edles Korsett. Ich entsinne mich mit Vergnügen dieser sorglosen Zeiten. Mein Vater stand auf, frühstückte, duschte. Meine Mutter schnürte sein Korsett eng. Hach. Ich schenke dir eine erotische Korsage aus Satin mit zarter Spitze zum Geburtstag.
E.: Zu gütig. Ich fühle mich überwältigt. Ist deine Liebe zu mir so stark, kleine Lügnerin?
L.: Ich lüge nicht. Ich interpretiere die Wirklichkeit. Mein Mann gehört einer Nation von Geschichtenerzählern an.
E.: Welche Nation ist das präzise?
L.: Wahrscheinlich alle fünf. Zur Intensivierung des Effekts.
E.: Warum hast du dich für ihn nur entschieden?
L.: Ich leide Tantalusqualen. Jetzt ziehe die Decke nicht über deine Hüften. Entehre mich, bevor er nach Hause kommt.
__________
About the Nation of Storytellers in My Life

Die Meilensteine

„Was willst du hier, Muttersöhnchen? Verpiss dich von meinem Grundstück!“
„Heiliger Himmel, du bist wunderschön.“

Dies waren die Worte, die mein Mann und ich vor zehn Jahren nach einer 6-jährigen Trennung miteinander wechselten.

„Der Mond ist auf die Erde gestürzt… Was war das denn? Wann hattest du das letzte Mal Sex?“
„Vor sechs Jahren. Alles Andere war Masturbation: egal, ob mit der Hand oder mit einem Frauenkörper.“

Dies waren seine Worte, nachdem ich das erste Mal Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. von ihm gehört hatte. Es bedurfte einer Nichtigkeit: acht Jahre zusammen, sechs Jahre in parallelen Wirklichkeiten. Ich verhielt mich unnachgiebig. Es waren immerhin fast zehn Minuten seit unserem Wiedersehen verstrichen, bevor er in mir das erste Mal in dieser Nacht kam.

„Heirate mich.“
„Wie bitte? Ich habe dich nicht verstanden.“
„Du hast mich verstanden. Heirate mich. Ich bin kein schlechter Mann. Du wirst es gut bei mir haben.“

Wir lagen im Bett. Mein Bauch wölbte sich. Ich habe nie an unserer Ehe gezweifelt.

„Gott, was machen wir jetzt?“
„Sorge dich nicht. Wir schaffen das. Ich werde jedes Kind großziehen, das du mir schenkst.“

Wir hegten ein Baby um. Wir erfuhren gerade vom Gynäkologen, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Mein Herz rutschte in die Fersen. Für einen kurzen Augenblick sah ich, wie das Blut aus seinem Gesicht wich.

Ich bin stolz auf meinen Mann. Sein Wille ist ehern. Ich werde mich nicht mit fremden Federn schmücken, obwohl er oft genug betont, dass hinter einem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau stehe*.

Ich glaube, ich hatte keinen Vogel abgeschossen. Der Phönix selbst ging freierdings in mein Netz. Zu seinem Versprechen bekennt er sich bis heute. Er kümmert sich inbrünstig um meine Kinder, und sie schauen zu ihm auf.

Die Romantik ist überbewertet. Nur die Taten zählen. Gestellte Fotografien in sozialen Medien verwandeln das Leben nicht in ein Märchen.

Fata Morganas bleiben Fata Morganas. Die Erzengel sind echt.
__________
*Wer ist der Autor dieses Zitats?

et lucifer oriatur in cordibus vestris*

L.: Your stepmother told me I bring light into the world.
M.: I am come a light into the world, that whosoever believeth on me should not abide in darkness1. Und wir wissen genau, wer der Lichtträger ist.
L.: Und wir wissen genau, wessen Großmutter Morgenstern hieß. Wie ist es eigentlich, wenn einem sowohl der Erzengel als auch der Drache2 innewohnt, der verschmäht und in die Hölle hinabgestürzt wird? Beide sind Krieger. Beide sind Lieblingssöhne. Der tugendhafte botmäßige Zelot gegen den rebellierenden Verführer, in einem äonenlangen erbitterten Kampf um die Gunst des Vaters gefangen.
M.: Inconsistency, disunity, emotional turmoil. I wage my war. I have my moments. Es ist überraschend idyllisch hier, tief im Abgrund der ewigen Verdammnis.
L.: Natürlich. Wozu zweifeln und staunen? Ich teile mein Leben mit dem Fürsten der Finsternis.
M.: Ich liebe die Demiurgin der Wollust und der Sünde. We are far from perfection. Just concede defeat and I will bestow the most magnificent panoramic view over my entire empire upon you. I promise.
L.: You mean our bed?
M.: That’s exactly what I meant. You’re such a smart woman, dearest.
__________
*II Petri 1,19 VUL
1John 12:46 KJB
2Offb 12,7

* * *
3:30 Uhr. Die Zeit für einen gemütlichen Spaziergang mit den Zerberussen. Wir haben eh nicht geschlafen.

Linguistische Paradigmata

L.: Michael, was machst du?
M.: Siehst du’s nicht? Ich liege auf der Couch und denke Gedanken.
L.: Du denkst Gedanken?..
M.: Ich denke Gedanken! Was passt dir nicht daran? Manchmal träume ich Träume. Manchmal fantasiere ich Fantasien. Willst du mit mir einen Fick ficken?
L.: Einen Fick ficken entspricht nicht ganz dem Paradigma, wessen du dich so großzügig bedienst.
M.: Wen interessiert’s?! ich bin Ausländer. Ich bin kein Linguist. Runter mit dem Höschen.

Ich überlege gerade, auf welche Art und Weise ich ihn töten werde… Hat jemand den wütenden Mob gesehen?

Knigge für Ferkel

M.: Kaufe dir ein Kleid und neue Schuhe.
L.: Nachdem ich diese Worte das letzte Mal aus deinem Mund gehört hatte, stolperte ich, stürzte, bettete mich auf die kühlen Stufen eines Nobelrestaurants – in einem Interieur aus Gold, Spiegeln und Kronleuchtern; das seidene Kleid geschickt um den Hals gewickelt –, und kam Ilja so nah, wie sonst keinem deiner Freunde.
M.: Ich gebe zu, du sahst dabei unbegreiflich würdevoll aus: Grazie, Anmut… die Zierde der Marmortreppe par excellence. Die Zeit erstarrte. Der flüchtige Zauber des Augenblicks hallte nach. Venus erblasste vor Neid. Achtzehn Monate harter Arbeit und Disziplin auf dem Übungsgelände hatten sich gelohnt. Wäre ich an Iljas statt, griffe ich bestimmt nach deinem Po, nicht nach dem Schenkel.
L.: Verderbtes Ferkel.
M.: Apropos Verderbtheit: Erwähne nochmals seinen Namen mit einem schwärmerischen Lächeln, und ich werde dich einkerkern. Warum trägst du nie den eleganten Kartoffelsack, den ich dir geschenkt habe?
L.: Ich überlasse ihn dir.
M.: Zu kurz. Frau würde meine Beine sehen.
L.: Hör auf. Ich werde wuschig. Deine Beine vertrügen allerdings eine gründliche Rasur. Rasieren, Epilieren, Waxing, Shugaring, Alexandritlaser?
M.: Vergiss es. Ich bin wie Sampson, meine liebe Delila. Werde ich der Körperbehaarung beraubt, schwindet meine Kraft, auch die Manneskraft. Stelle dir all die desperaten Nächte vor, in denen du vollkommen nackt, glühend und zitternd vor Verlangen, unter die Decke schlüpfen und mit mir stundenlang über Belanglosigkeiten reden müsstest.
L.: Blanker Horror.

* * *
M.: Benimm dich. Falle nicht unangenehm auf.
L.: Was heißt das schon wieder? Darf ich nicht am Tisch schmatzen, auf dem Tisch tanzen oder neben dem Tisch gemütlich der Ruhe pflegen?
M.: Tue mir den Gefallen.
L.: Kann ich mindestens versuchen, dir unter dem Tisch einen zu blasen?
M.: Gegen solchen vernünftigen Vorschlag ist nichts einzuwenden.

* * *
L.: Darf ich mit deinen Geschäftspartnern tändeln?
M.: Nein.
L.: Darf ich sie berühren?
M.: Auf gar keinen Fall.
L.: Aber es ist angebracht, wenn du deine Hand auf mein Knie legst?
M.: Ja. Du hast schöne Knie. Ich bin willenlos in deiner Nähe.
L.: Du hast einen schönen Bauch. Trotzdem fasse ich nicht in deine Hose.
M.: In meine Hose? Denkst du wirklich an den Bauch? Sei ehrlich. Schäme dich nicht deiner Sehnsüchte.

* * *
L.: Gehen wir nach dem Geschäftsessen tanzen?
M.: Wenn du möchtest. Später dann gehen wir in ein Hotel, wo ich dich ordentlich durchpfeffern werde.
L.: Durchpfeffern… Charmant.
M.: Ich bin ein Mann von guter Erziehung. Ich entstamme einer langen Reihe von Generälen.
L.: Ich bin ein simples Bauernmädchen. Pfeffere dich selber durch.

Die Tage huschen an mir vorbei schneller, als ich zwinkere. Mit dem Schreiben komme ich nur nicht hinterher.

Das Bildnis der Pimpinelle H.*

M.: Frau, du bist so eine… Pimpinelle.
L.: Pimpinelle ist kein Schimpfwort, mein ungebildeter Freund.
M.: Da wurdest du falsch informiert.
L.: Klappe halten. Ich bin reizend.
M.: Du hast ja keine Ahnung, wie sehr du mich manchmal reizt.

* * *
Ich gehe heute mit diesem unverschämten Kerl zu einem Geschäftsessen. Ich werde kein Höschen tragen :D

Baby, hast Du mich verstanden?
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*Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde

Hexen & deren Kraftfahrzeuge

I.: Partnertausch?
L.: Wie bitte? Ist das ein russischer Brauch? Ich bin Ethnologin. Ich füge mich in mein Schicksal.
I.: Wodka, Kaviar, Partnertausch. Ich meine bloß, fährst du bei mir mit oder bei deinem Mann?
L.: Wem? Ich weiß nicht, wer das ist.
M.: Dafür wirst du Buße tun, mein Täubchen.
L.: Das hoffe ich stark. Das war die geheime Absicht der Aussage.

* * *
L.: Ich habe bis dato gefahren… snowmobiles, jetskis, rock crawlers, dune buggies, beach buggies and now – a quad. Gibt es solche Gefährte auch für den Himmel?
I. (schmunzelnd): Gefährte für den Himmel…
L.: Was? Zu abgehoben für den feinen Herrn? Klingt Töfftöffs vertrauter?
I.: Ich bin mit Gefährten zufrieden. Da wären… Drachen, fliegende Teppiche, Santas Schneeschlitten.
L.: Aha. Ich bin von Vollidioten umgeben.
I.: Gleich und gleich gesellt sich gern. Sie erkennen sich in dir wie in einem Spiegel. Seufze nicht. Ich habe gescherzt. Ich wollte dich zum Lächeln bringen. Ernsthaft, Luftfahrzeuge: Luftschiffe, Gleitschirme, Flugzeuge.
L.: Ab und zu verprügle ich unverschämt witzige Männer. Aus Spaß halt.
I.: Das glaube ich dir. Ich versuche gerade, dich zu besänftigen. Setze dich doch ans Steuer.

* * *
L.: Wie heißen die Fahrzeuge, die wir gefahren haben?
M.: Geländefahrzeuge.
L.: Ilja hat sie anders genannt.
M.: ATV?
L.: Ja. Wofür steht die Abkürzung?
M.: All Terrain Vehicle.
L.: Ilja hat mich seins lenken lassen.
M.: Ist das ein Euphemismus?
L.: Oi. So ist er nicht drauf. Er ist nicht wie du.
M.: Er ist genau wie ich. Er hat einen Schwanz.
L.: Bist du eifersüchtig? Grollst du mit mir? Du hast gesagt, ich solle ihn verzaubern.
M.: Mit deiner Schönheit und deiner Redegewandtheit. Ich habe nie verlangt, dass du ihm deine Unterwäsche demonstrierst. Auf den Anblick seiner Hand, die auf deinem Schenkel ruht, hätte ich freiwillig verzichtet.
L.: Ich habe improvisiert. Er hat mich übrigens nicht begrabscht. Er hat mein Kleid gerichtet und mich aus einer peinlichen Lage befreit.
M.: Ich werde ihn für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen.
L.: Eigentlich bist du an allem schuld.
M.: Warum das denn jetzt?
L.: Du machst mich mit diesen großen klugen blauäugigen Männern bekannt, mit denen ich mich gut unterhalte und zu denen ich mich hingezogen fühle.
M.: Großartig. In Ordnung, ab sofort stelle ich dich ausschließlich schwangeren Kobolden mit Glatzen vor.
L.: Kennst du viele schwangere Kobolde mit Glatzen?
M.: Leave me alone.
L.: Du Baby…
M.: Don’t flirt with me. I am not in the mood.
L.: Liebst du mich?
M.: Nein, aber ich opfere mich für einen Fick mit dir.
L.: Auf der Toilette? Nein, danke, dem Club trete ich keineswegs bei.
M.: Dann schlafe ich eine Runde.
L.: Und falls das Flugzeug abstürzt, rettest du mich?
M.: Hände weg. Hast du deinen Besen nicht dabei? Fliege doch einfach davon.
L.: Ich bin eine moderne Hexe. Ich besitze einen Staubsauger.
M.: Meinetwegen einen goldenen Vibrator. Hauptsache, du bist glücklich.

Gott, wie ich ihn liebe!