Gesegnete Sonnenuntergänge

Hoch oben, auf Arthur’s Seat, haben wir die himmlischsten Sonnenuntergänge erlebt. Göttlich, ergreifend, überwältigend.

* * *
Heute in einer Woche werden wir in Berlin sein :D

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Sonntagnacht

Sonntagnacht, 4:30 Uhr. Der Fremde, der die Hälfte meines Bettes fürs Wochenende gemietet und seine Schulden in frei konvertierbaren Orgasmen beglichen hat, freut sich auf seinen zehnten unkeuschen Traum. Ich liege daneben, starre auf das Dachfenster über meinem Kopf, in dem kein einziges Sternchen flimmert und überlege, ob ich den dreisten Träumer auf die Rippen schlagen oder gegen das Schienbein treten soll. Ich bin nämlich abgrundtief gemein und beneide ihn seit Jahren um seinen Schlaf. Da kommt mir mein Kind zuvor.

Sonntagnacht, 4:40 Uhr. In der Dunkelheit erklingt eine unzufriedene Stimme:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist kalt, Papa.”

Er steht auf, holt noch eine Decke, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, begrabscht beiläufig die Frau, ohne wirklich zu erwachen.

Sonntagnacht, 4:50 Uhr. Die Stimme meldet sich zurück:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist heiß, Papa.”

Er steht auf, holt eine weitere Decke, weder zu dünn noch zu dick, stößt mit voller Wucht mit einem Zeh gegen den Schrank, flucht – oh, wie herrlich dieser Mann flucht –, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, wirft der Frau einen vorwurfsvollen Blick zu, entscheidet sich kurzerhand doch fürs Fummeln um.

Sonntagnacht, 5:05 Uhr. Die Spannung steigt.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich bin hungrig.”

Er steht auf, bringt ihr Kekse und Mandelmilch, wärmt sie, umarmt sie, während sie ihren Snack verputzt und ihm Geschichten erzählt, deckt sie zu, knuddelt und küsst, legt sich wieder hin. Hey, was ist denn aus Grabschen und Fummeln geworden?

Sonntagnacht, 5:20 Uhr. Die Apokalypse kündigt sich an.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich habe vergessen, meine Zähne zu putzen.”

Sonntagnacht, 5:35 Uhr. Erinnert ihr euch an die unheilvolle Musik aus Hitchcocks Filmen? Ja, ja, die hört man deutlich im Hintergrund.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Poppet, willst du nicht noch ein bisschen schlafen?”
“Papa, ich muss aber dringend auf die Toilette.”

Sonntagnacht, 5:55 Uhr. Die Tür geht auf. Im Zimmer erscheint das Fass auf vier kurzen Pfoten, welches wir Fräulein Fettel nennen. Im Türrahmen dahinter steht der kleine Engel mit verwuscheltem Haar:

„Mami, ich möchte mit dir kuscheln. Fahren wir heute zur Farm und streicheln die Ziegen?“
* * *
Versteht ihr, warum Michael gestern so schweigsam war? Komisch.
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Die Chronik eines Verbrechens (или Кто украл мои трусы?)

Über Edinburgher Raubtiere

That was my best bench workout so far: ein opulentes Sandwich mit gegrilltem Cashew-Käse, knusprigem Kokosnuss-Bacon, Tomaten und Basilikum, das ich genossen hatte, während ich mit Engelsgeduld auf Dylan wartete, der mit den Höllenhunden im Park joggte.

Dylan hat die verführerischsten smaragdgrünen Augen, die bei einem humanoiden Wesen je gesehen wurden. Seine Wimpern sind noch länger und dichter als die meines Mannes; sein Intelligenzquotient ist noch höher, falls es überhaupt möglich ist. Es könnte sein, dass er vom linken Ufer des Eridanus stammt, aber er hüllt sich im Schweigen.

Wenn er nicht gerade Mara erzieht oder die Welt durch seine bloße Präsenz zu einem besseren Ort macht, ist er mein Coach, mit dessen Kampftechniken ich einst den Koloss von Edinburgh bezwungen habe. Wo ist mein Dame Grand Cross, Michael?

Früher haben wir dem morgendlichen Matratzensport gefrönt, jetzt führe ich bizarre Freudentänze mit Tamburin auf, bis meinem Mann der Kragen platzt, und er mich unter die Dusche schleppt. Ich bin zutiefst unglücklich.

„Warum das breite Grinsen, o Märtyrerin?“, erdreistet er sich, mich zu fragen. Nun wirklich.

Also sitze ich auf der Bank und vertilge friedlich mein Frühstück Also trainiere ich hart, hopse begeistert in der Gegend herum, als plötzlich ein Eichhörnchen aufkreuzt, mir eine Pistole auf die Brust setzt und ein beachtliches Stück von Dylans Sandwich mampft. Dabei schaut es mich überheblich an und lächelt sinister.

Eine wahre Geschichte. Leider weiß niemand, warum meine Jeans zwickt.

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Kompromittierendes Beweismaterial: Unglaublich! Zuerst das Essen mopsen, dann den süßen Kerl anbaggern. Ich bin nicht eifersüchtig, aber das hätte ich allein hingekriegt.

Eisskulpturen

Und morgen fahren wir nach Gleann Comhann in die Highlands, wo ich mich wahrscheinlich beim Wandern und Klettern im Schnee verlaufen, einen zärtlichen Yeti-Mann kennen lernen und mit ihm liebevolle Yeti-Kinder großziehen werde.

„Eine Unverschämtheit!“, sagt Michael. „Du, meine Liebe, wirst geknebelt, in Fesseln gelegt, im Kofferraum nach Hause befördert und dort wider jeglicher Vernunft belohnt, sprich: ins Koma gevögelt. Vielleicht siedle ich dich aber auch ins Gästezimmer aus, sodass du gründlich über dein Verhalten nachdenken, es bereuen und feierlich geloben kannst, dich zu bessern. Im Gegensatz zu dir bin ich nett.“

Was soll ich nur tun? Verbannung oder Ehebett? Abenteuer oder raffinierte Folter? Warmer Körper oder kalte Nächte? Einsamkeit oder Küsse, Umarmungen und innige Streicheleinheiten? Ich befinde mich in solch einem Dilemma.

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Edinburgh’s magical Christmas 2017 at East Princes Street Gardens.


Der leckerste warme Apfelstrudel ever, mit Vanillesoße und Kirschen.

Höllenbewohner unter sich

Der erste Advent naht. Entledige Dich Deiner Schuhe und umgarne mit nackten Füßen die Pfütze vor Edinburghs Küste. Habe ich versprochen, dass es warm wird? Nein! Frage Naida. Sie ist glücklich.

Am Wochenende haben wir dank einer Privatführung einen ihrer Verwandten beim Weihnachtsmarkt getroffen. Majestätisch, erbarmungslos, so­lenn. Willst Du ihn kennen lernen? Er ist frostkalt und wunderschön.

Ein Wunder der Schöpfung Mann

L.: Ausziehen. Hinlegen. Pronto!
M.: Vergiss es! Wirb um mich. Schenke mir Blumen. Führe mich aus. Lege mir die Welt zu Füßen. Ich bin nicht ein Stück Fleisch. Ich habe ein Herz.
L.: Was du nicht sagst. Das in deiner Hose?
M.: Nein, nicht das in meiner Hose. Shame on you, woman. The other one. Das in meiner Brust.

Moderne Männer sind so kompliziert und empfindsam.

Ich gehe heute mit diesem zarten Pflänzchen (über 1,90 groß, fast zwei Zentner schwer, kornblumenblaue Augen) ins Kino, wo er nach fünfzehn Minuten einschlafen wird. Im Anschluss daran lade ich ihn in unser italienisches Stammlokal ein, damit ich ihn mit Cocktails abfüllen kann. Und zum Ausklang des Abends fahre ich ihn heim, zerre in eine dunkle Ecke und versohle… falsches Ver­bum… und schüttele ihm leidenschaftlich die Hand. Er soll nicht erfahren, dass ich ihn nur seines schönen Körpers wegen anhimmle.

Streichhölzer

L.: Hallo! Sagen Sie bitte, wo im Regal finde ich Brillenputztücher?
B K.*: Was?
L.: Brillenputztücher.
B K.: Was?
L.: Feuchte Putztücher, mit denen man Brillen gründlich reinigen kann.
B K.: Was?
L.: Ich brauche Brillenputztücher!
B K.: Ach sooo. Streichhölzer?

Herrlich. Ich freue mich immer wie ein Kind, wenn ich Deutsch in Edinburgh höre. Über die geistige Tiefe dieses philosophischen Diskurses zwischen zwei Abteilungen werde ich noch Jahrzehnte nachsinnen.

Immerhin haben wir Erdbeeren abgegriffen. Preisreduzierung in dieser Größe? Auf jeden Fall wissen wir, was wir damit machen werden: Erdbeeren, Honig, aufgeschlagene Kokoscreme – that’s it. Die Erdbeeren werden die heutige Nacht nicht überleben.
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* B K. – Brandenburger Kassiererin; Dialog in Deutsch. Bin ich zu gemein?

Liebe Grüße an St. Martin!

День святого Мартина 2014/2015

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L.: Ääääääh…
M.: Schön formuliert. Bloß nicht aufhören. Go on. Reach for the stars.
L.: Ha-ha. Sag mal, haben wir die Uhr umgestellt?
M.: Huh? Are you kidding me?! Vor über zehn Tagen. Hast du deine denn nicht umgestellt?
L.: Ich habe meine erst morgen… neben Gewürzdosen gefunden und eine Stunde Zeitunterschied bemerkt.
M.: Ой, как всё запущено. Hauptsache, du hast die Kürbissuppe damit nicht abgeschmeckt. Ingwer, Kokosmilch, Armbanduhr.

Mit dieser fulminanten Erkenntnis bin ich am Freitag (Ist heute überhaupt Freitag?) in die weite grausame Welt gezogen, um saure Fruchtgummis zu kaufen und mich mit Dylan bei Kaffee und Kuchen zu verschwören. Diese Form der Verhandlung ist bei unseren Stämmen üblich.

Auf dem Weg zur Bäckerei ist mir eine Frau begegnet, die sich plötzlich auf die gepflasterte Straße legte und einen Mann, der an ihr vorbeiging, von unten nach oben abfotografierte. Ich glaube, er war ihr Freund. Ein ungewöhnliches Bildchen für Instagremchen*.

Die Erdenbewohner werden doch mit jedem Augenblick debiler.
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*Verzeihung, ich wollte den Gleichklang [irgendwie] erhalten. Instagrimchen ginge auch gerade noch.
**Mein Beitrag zum Untergang der Menschheit ist ein Bildchen für WordPresschen. Das dargestellte süße Backwerk bezeichnet man bei uns in Edinburgh als ‚rainbow cake‘ und isst mit Händen oder Füßen. Dabei ist lautes Schmatzen unerlässlich. Danach grunzt man wollüstig und lockert den Hosenbund.

Edinburgh vs. Glasgow

„… all the wise men in Glasgow come from the East* – that’s to say, they come from Edinburgh.“
„Yes, and the wiser they are, the quicker they come**.“
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from the East* – oh boy, wir sind Ossis. So plötzlich. So unerwartet. Egal.
**Neil Munro, „Erchie, My Droll Friend”

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Wie cool ist das denn? Das ist ein Graffito in Glasgow. Es erinnert mich an van Goghs Gemälde und lässt an Bulgakows Margarita denken.

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Edinburgher sind komplizierter, auf eine glückselige Art und Weise.

Sie glauben nicht an Wunder und plädieren doch für die Unabhängigkeit Schottlands.

Manchmal verlieren sie ihre Schuhe, Klosettbecken oder sogar karierte Unterhosen. Alles mit eigenen Augen gesehen. Ein Kilt kann halt sehr unpraktisch sein, wenn man ein Träumer ist.

Ab und zu, eher selten, fallen die Stadtbewohner dem Zustand der vollkommenen Starre anheim. Dann tuen sie überhaupt nichts. Habe ich bei meiner großen Familie, die zu einem noch größeren Klan gehört, nie erlebt. Sie hält nur ein schwerer Schlag auf den Hinterkopf auf. Danach bewegen sie sich einfach aus Trotz und Sturheit weiter.

Wollen sie sich an der Schönheit der Natur ergötzen, setzen sie sich auf eine Bank vor einem Café und belästigen mit ihren Weisheiten erschrockene Touristen. Aber keine Angst! Lowland Scots verstehen nicht einmal englische Sprachvirtuosen.




BY SITTING ON THIS BENCH
I AM OPEN TO CONVERSATION
WITH A COMPLETE STRANGER

Geschlechtsspezifische Chancenlosigkeit

L.: Wozu frau einen Mann braucht… Wozu frau einen Mann braucht… Wozu frau einen Mann braucht? Lass mich nachdenken. Auf Anhieb fallen mir drei Gründe ein. Zum Ersten sind Männer stark und öffnen fest verschraubte Gläser ohne großen Kraftaufwand. Zum Zweiten schleppt frau sie überall mit. Beim Shoppen tragen sie z.B. die schweren Taschen. Zum Dritten wärmt sich frau an ihnen, jedes Mal wenn ihr kalt ist. Ja, das war’s.
M.: Hinreißend.
L.: Oh, warte. Mir fällt gerade der vierte Grund ein. Männer haben Penisse, was per se angenehm ist. Der Penis ist ein bemerkenswertes Schlafzimmergerät. Er wird groß und dick, sollte frau ihn liebkosen. Frau erlebt damit viel Lust. Sie kann mit ihm spielen. Ihn in ihre Hand oder den Mund nehmen. Er kann in ihren Körper eindringen. Willst du die Sexposition bestimmen, Baby?

* * *
L.: Was ich an Männern mag? Ihre Einfachheit. Männer sind simpel wie ihr Orgasmus. Nach außen hin gerichtet. Männer ejakulieren. Sie heucheln ihr sexuelles Vergnügen nicht vor. Sie sind, in der Hinsicht, tatsächlich ehrlicher und ehrenhafter als Frauen. Frauen simulieren. Blöde Mösen!
M.: Simulierst du?
L.: Würde dir so passen. Ich bin keine Frau. Ich bin ein Drache. Also: Lecken, lecken, lecken – und dann zum Höhepunkt ficken. Witzbold!

Das Lichtfest

Wir sind neuerdings Heiden und feiern Samhuinn.

Wir verbrüderten uns mit den Bewohnern des Elfenhügels an einem Feuer. Mit den Schicksalsfrauen des Feen–hügels tanzten wir zum Gedröhn der Trommeln. Ich wollte dem Gott der Unterwelt eine Opfergabe darbringen, aber Michael sagte, das sei eine Bitte um Fruchtbarkeit, also boxte ich ihn in den Bauch und teilte Karamell–bonbons mit der Anführerin der Konföderierten Drachenstämme des Orion.


Der Tod fand an mir Gefallen, darum durfte ich ihn nicht mit nach Hause nehmen.


Den Krieger durfte ich leider auch nicht behalten.

Es war lebensbejahend, fröhlich und laut. Die Gebieter der Wolken zeigten sich uns gewogen.

Zum Ausklang des Abends wurden macaroni cheese verzehrt und real ale getrunken in einem gemütlichen gay pub* in Calton Hill. Sie verschenken aus purer Freude am Leben Kondome und Gleitmittel. Ich habe nicht alles mitgehen lassen. Ehrlich nicht :)
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*macaroni cheese, real ale, gay pub – absolutely, diese Schreibweise stimmt mit den reformierten Rechtschreib–regeln überein. Was heißt hier, lüge doch nicht so dreist? Eine Unverschämtheit!

Geflüster aus kuscheliger Gosse

L.: Michael, du weißt doch alles.
M.: Fast alles. Ich versuche seit Jahrzehnten herauszufinden, wer du bist, aber es muss dich nicht verwirren. Das ist meine eigene Suche nach dem Sinn des Lebens. Was interessiert dich?
L.: Existiert Gott?
M.: Gott des Monotheismus? Der Schöpfer? Nein. Es existiert eine Myriade Götter, allesamt entworfen nach dem Ebenbild und dem Bildnis des Menschen.
L.: Nett. Geradezu hoffnungsfreudig. Wie wichst man richtig im Weltall?
M.: Oi*, Linda!
L.: Was? Tue nicht so scheinheilig. Wir haben längst begriffen, wozu du dich mit zwölf gerne im Badezimmer einsperrtes.
M.: Hole deine Gedanken aus der Gosse, Frau. Ich betete.
L.: Zu welchem Gott, Ketzer?
M.: Zu meiner damaligen Vorstellung von dir. Ich wundere mich bis heute, wie ich die finstere Zeit des Sturm und Drang unbeschadet überstanden und mich nicht zu Tode onaniert habe.
L.: Das ist ekelhaft.
M.: Mir hat’s gefallen, aber zurück zu der Frage. Ich bezweifle stark, dass Männer eine Erektion ohne Schwerkraft zu Stande bringen würden.
L.: Überlege mal: Du bist in der Raumstation mit dem herrlichsten Ausblick auf den blauen Planeten. Du fasst dich an und es passiert rein gar nichts. What a pity.
M.: Der Zusammenhang zwischen Erde und Geilheit entzieht sich meinem Verständnis. Die Message ist trotzdem klar. Nach mehreren Monaten der Enthaltsamkeit würde ich mir auch den Gnadenschuss geben. Außerdem trinken Astronauten recycelten Urin.
L.: Was essen sie? Recycelte Scheiße?
M.: Den Fraß aus Tuben und Plastiktüten. Und ich bin ekelhaft? Unfassbar.
L.: Wechsele nicht das Thema. Also ist dieser Beruf im Grunde etwas für harte Männer.
M.: Witzig. „Harte“. Ha-ha. Eher für Schlappschwänze und Weicheier. Hast du weitere substanzielle Fragen?
L.: Vielleicht, bloß wird gleich der Wecker klingeln.

* * *
L.: Ich habe die ganze Nacht von dir geträumt.
M.: Wie entsetzlich. Mich packt das kalte Grausen. Was habe ich getrieben?
L.: Du hieß Daniel.
M.: Aber natürlich. Warum sollte ich Michael heißen, wenn es Daniel gibt?
L.: Wir haben uns nicht anstößig verhalten.
M.: Vielen Dank. Sehr rücksichtsvoll.
L.: Wovon hast du denn geträumt?
L.: Vom Wichsen im Weltall.
L.: Mein armes Baby. War das ein Alptraum? Brauchst du Trost?
M.: Halte den Rand und bereite das Frühstück zu. Von Daniel hat sie geträumt… Und ich bin ekelhaft…

* * *
M.: Ich warte seit zwanzig Minuten.
L.: You’re welcome! Ich hätte mich beinahe um vierzig Minuten verspätet. Motze nicht, umarme mich.
M.: Du bist kalt. Bist du die Schneekönigin? Bist du zu Fuß gegangen?
L.: Nein, ich habe mich zu einem Nickerchen in die Tiefkühltruhe gelegt.
M.: Meine Güte, ich habe tatsächlich die Schneekönigin gefickt. Ich verkaufe die Firma und schreibe ab sofort Ratgeber für Männer ohne Furcht und Tadel. Wenn ich daran nur denke…
L.: Shut up, Kai. Denk lieber daran, dass die Schneekönigin dich in ihrem Mund hat kommen lassen.
M.: Ich bedanke mich herzlich für die Erfahrung. Du hast übrigens den uralten Konflikt zwischen meinem Penis und meinem Gehirn neu entfacht. Wait a moment. Aha. Das primordiale Gehirn streckt gerade den präfrontalen Cortex nieder und kommandiert das Blut in die strategisch relevante geopolitische Südhemisphäre ab. Houston, we have a problem. Amüsiere dich ruhig. Was verstehst du schon von den Unannehmlichkeiten, mit denen ich lebe.
L.: Fertig? Du bist ein Schmock. „I’m getting hard.“ hätte genügt.
M.: Hätte es nicht. Ich bin ein komplexes Wesen. Hör zu. Du darfst zwischen zwei Optionen wählen. Die erste: wir fahren zu mir und ficken im Büro. Die zweite: wir fahren zu dir, ich vernachlässige die Pflichten, feuere mich deswegen und du gewöhnst dich an einen arbeitslosen Schnorrer, der nackt herumläuft.
L.: Ich entscheide mich für die dritte Option. Fick dich ins Knie, mein Pfirsich.
M.: Und ich bin ekelhaft? Unfassbar. „Fick dich ins Knie, mein Pfirsich.“ Eine rhetorische Hochleistung. Wahrlich. Ich bin beeindruckt und deinem Zauber verfallen. Du bist so obszön, meine Mango.
L.: Ha-ha. Nicht witzig. Wo schaust du bitte hin?
M.: Na weg. Nicht auf deine Lippen. Will mich beruhigen, bevor ich mich ins Knie ficke.
L.: Fühlst du dich gekränkt?
M.: I hate you, my cruel killjoy.
L.: I hate you, too, my hopeless romantic. Wirst du mich nicht zum Abschied küssen?
M.: Küss dich selbst. Koste deinen Triumph aus. Um Mitternacht sehen wir uns im Bett wieder.

Wenn ich mich nicht täusche, sind es noch sieben Stunden ;)
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*Oi – British interjection as expression of disapproval

Lucky Me

M.: You are remarkable. I definitely mean it. You are tougher than any guy I’ve ever met. You often land yourself in a lot of trouble. You are a rebel! A rebel and a tomboy.
L.: Is that right?
M.: Well. Actually, I saw you evolving into this strong extraordinary woman.
L.: Did you? Lucky me.
M.: No, the other way round. Lucky me, for you have given me hope. I love you to infinity and beyond. I’m truly grateful for all the strength, encouragement, happiness and adventure you bring to my life. The hours spent with you are incredibly precious. What?! Why are you smiling so sweetly? Come on, just don’t hold back and shout it out loud. ‚You are such an idiot.‘ I agree, but let me tell you. It doesn’t change anything.

At this point it’s obvious to me that I’m keeping my husband, although he’s an arrogant bastard and I’m covered with hematomas, scratches, bite marks, and love bruises. I look pretty much like a cheetah.

Why did I have to say, don’t be easy on me, I can take it?

Bench workout (half an hour), stair workout (half an hour), Krav Maga, weapons, jogging with the hounds of hell.

* * *
Entweder sterbe ich am Wochenende oder trete dem Royal Regiment of Scotland bei.

Bärchen hat mir den Befehl erteilt kein meckernder Waschlappen zu sein. Sie geht nämlich als Anführerin der Konföderierten Drachenstämme des Orion zu einer Halloween-Party und wird keine Schwächlinge in der eigenen Sippe dulden *seufz*.

Also lese ich „Sniper Training“ und denke an die gesegnete Zeit, als Michael mich geliebt und nicht durch die Stadt gejagt hat. Mit Kratzern, Bissspuren und Knutschflecken habe ich mich abgefunden, obwohl ich immer noch zögere auf die Frage zu antworten: „Was, um Himmels willen, macht er mit dir?“ – denn bekanntlich hadere ich nie mit dem Schicksal.

Etwas bewirken

Gewissenlose Rabeneltern laden ihre Horrorzwerge vor der Wohnungstür der Großeltern ab. Die Mutter schleppt den tugendhaften Vater in die Höhle und kettet ans Bett, um mit ihm unsäglich verdorbene Dinge anzustellen.

Der Herbst ist da. Die Katzen fliegen gen Süden.

Eine Sorge treibt uns mit Aidan* um: Wen sollen wir wählen? CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke oder rassistische Parteien kommen nicht in Frage. A.M. wird zwar diesmal weiterhin die deutsche Politiklandschaft beherrschen, aber wir können etwas dagegen tun.

Jede Stimme zählt tatsächlich. Bei den Wahlen in St Andrews ist die Partei Nicola Sturgeons nur wegen zwei [!] Stimmen an der Macht geblieben: 13,743 zu 13,741.
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*Aidans Eltern sind Rheinländer. Er und seine drei Söhne besitzen die doppelte Staatsangehörigkeit.

FAQ

Zwei Fragen wurden mir in letzter Zeit häufig gestellt:

. Habt ihr euch getrennt?
. Bist du wieder schwanger?

. Nein! Wir haben uns, am Silvesterabend vor einem Jahr, unsere Vornamen an die Innenseite des Ringfingers tätowieren lassen und tragen seitdem keine Eheringe mehr.

Michael (ܡܝܟܐܝܠ) & Linda (ܠܝܢܕܐ). Das ist Aramäisch, die Sprache Christi. Auf Hebräisch hätte es auch schön ausgesehen: מיכאל & לינדה.

. Nein! Wir haben ein Gehirn, nicht nur das Fortpflanzungssystem. Wobei ich hier ausschließlich an mich denke. Es gibt wenig Erkenntnisse über die Männer aus dem Sternbild Orion. Grundsätzlich über die Männer :D

Erfolgserlebnisse

Unser Drachenmädchen ist gerade zehn Schritte gegangen. Ganz allein. Ohne Hilfe.

* * *
Gestern habe ich Michael auf dem Übungsgelände besiegt. Ich war gemein. Der Tritt war hinterhältig. Der Mann lag aber am Boden, und die Meute jubilierte. Now what?!

Das Leben ist schön and full of Kätzchen*.
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*Yep, so sieht heutzutage German aus. Terrible!

Gut zu Vögeln

L.: Michael, ich lese hier gerade einen Beitrag: „Ich bin bald 40, sehe wie 25 aus. Kaufe ich Zigaretten oder Alkohol, wollen die Kassiererinnen meinen Ausweis sehen. Ich bin schön und dünn. Mein Mann ist hübsch und wesentlich jünger als ich. Er verdient viel. Wir sind eine glückliche Familie und lieben uns. Ja, wir besitzen ein Riesenhaus und ein Hausmädchen, das unseren Dreck wegräumt. Der Gärtner kümmert sich um den Garten. Das Kindermädchen versorgt das Baby. Beneidet uns ruhig.“
M.: Und – deine Frage ist?
L.: Glaubst du an diese Idylle?
M.: Mein Täubchen, weißt du noch, wie du mich vorstellst? „Das ist der Mann, der mich fickt. Und das sind seine Kinder.“
L.: Hast du mich gerade „mein Täubchen“ genannt?
M.: War das falsch? Mein Lerchlein? Mein Schwälbchen?
L.: Mein Vollidiötchen!
M.: Danke!
L.: Na gut. Mein Spätzchen.
M.: Hättest du keinen erhabenen Vogel wählen können? Einen Adler, einen Falken?..
L.: … oder einen Pterodaktylus?
M.: Einen Flugsaurier des Juras mit rückgebildetem Schwanz – wirklich? Schämst du dich nicht?
L.: Nö, keineswegs.
M.: Ich dafür hasse dich ein bisschen. Go away! I want to get divorced.
L.: Do you wanna fuck me, before the divorce?
M.: Well, ask me politely. I’m in a bad mood right now.

* * *
Well, I had.
Well, he wanted
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*Vor der Küste Edinburghs gibt’s auch eine kleine Pfütze, Leucht-turm am Newhaven eingeschlossen ;)

Sommerferien adé!

Jungs und Mädels, ich danke euch! Thank you!

That’s it! Die Sommerferien sind fast vorbei. Am 16. August gehen meine Kinder das erste Mal auf eine Privatschule in Edinburgh. Der Sommer war kühl. Wir alle waren trotzdem glücklich.

Ich habe jetzt auch einen ersten deutschen Freund. Für gewöhnlich treibe ich mich mit Kelten und Israelis herum.

Er ist groß, stark und… schwarz. Er liebt mich. Ich liebe ihn. Sein Name ist Artus.

Willkommen im August!

Mit Erstaunen habe ich das Gerücht vernommen, dass es frohmütige Frauen auf Erden gäbe, deren Männer sie morgens zärtlich aus dem Schlaf wach küssten, deren Kinder sie mit engelsgleichen Gesängen sanft weckten und deren Katzen sie immer mit einem vorzüglichen Frühstück verwöhnten.

Von wegen!

Mir wurden z.B. Schweinereien ins Ohr geflüstert. Ich wurde am Hintern begrabscht. Ich wurde gekniffen und gekitzelt. Meine Katzen murksten einen Maulwurf ab und haben ihn mir als rituelle Opfergabe dargeboten. Anscheinend bin ich eine Katzengottheit. Meine Kinder fielen über mich her wie eine Horde wilder Kelten und haben mir ihre ehrgeizigen Pläne für den Tag erläutert. Ich habe mich beinahe im Badezimmer gerettet.

Willkommen im August!

* * *
Das goldige Drachenmädchen, das Sonnenscheinchen Sólveig, ist jetzt ein Jahr alt.

Sie sitzt, krabbelt, steht und geht mit unserer Hilfe. Sie mag Hunde und ist verrückt nach Bananen. Mit „Mama“, „Papa“, „Kika“*, „Fifi“*, „ga-ga-ga“ und „bu-bu-buuu“ kann sie philosophisch das ganze Universum erklären.

Sie ist stark. Sie ist eine Kämpferin wie ihr Vater.

* * *
Am 4. August vor sechs Jahren hatten wir standesamtlich in San Antonio geheiratet. Als ich „I now pronounce you husband and wife!“ hörte, wollte ich panisch wegrennen. Zum Glück blieb ich.

I couldn’t have picked a better partner to spend my life with. Thank you for marrying me, Michael.

* * *
Vierzig** Wochen später, am 7. August, gebar ich Emiliana, unser Leben, unser Wunder, unseren Stern.

Der Himmel hat uns reichlich beschenkt.

* * *
Ende August werde ich… und hier scheiden sich die Geister: nach dem elfischen Kalender meiner Tochter – neunzehn, nach dem julianischen Kalender – neununddreißig.

Aus einem nebulösen Grund gefallen mir die Elfen sehr, und ich freue mich auf den letzten Monat dieses bescheidenen Sommers.
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*Kika – Katzerina Freikatze v. Katzenburg, Schottische Faltohrkatze mit römischem Migrationshintergrund; Fifi – Friedrich Basileus Fresserossa, Maine-Coon-Kater, eine Mischung aus Waschbären und amerikanischen Pilgern
**Okay, drei Tage später. Ich leide an Dyskalkulie.

Die Pilzsammler

Ich habe meine Große neulich gefragt, was sie ihrem Papa zum Geburtstag zu schenken gedenke? Er wird neun–unddreißig am Donnerstag, und ich werde mich nach einem jüngeren Mann umsehen müssen. Was soll ich, zar–tes Pflänzchen, mit einem alten Knacker? Nun wirklich!

„Warum braucht Papa ein Geschenk?“ wollte kluges Bärchen wissen. „Ich bin doch bezaubernd!“

Danach hat sie ein Bild gemalt.

Ja, Michael und ich waren darauf dargestellt, wie wir Pilze im Wald sammeln. Vier Pfund pro Seele. Wir sind gesetzestreue Außerirdische.

Die Pampuschen am Baum ließen sich leicht erklären. Der Hase hieß Thaddel.

An Thaddels Ohren, Fettels Vorderbeinen und Hinterläufen konnten wir die Malerin einfach identifizieren.

Ahoi! Ahoi! Frau über Bord!

L.: Yey, Deutschland hat mich wieder.
M.: Oh bitte, sogar dieses Land hat eine solche biblische Plage nicht verdient.
L.: Sehr nett. Nur du bist im Stande Fürsorge und Gemeinheit in einem Satz unterzubringen.
M.: Dabei mache ich mir überhaupt keine Mühe. Es passiert einfach so, aus dem Stegreif. Ich bin ein Naturtalent.
L.: Ja… Nicht jeder von uns teilt diese Begeisterung. Niemand von uns lügt dermaßen enthusiastisch wie du. Wir treffen jetzt eine Vereinbarung. Okay? In den nächsten Wochen benimmst du dich wie ein taktvoller, höflicher, gebildeter Mann. Du wirfst mich nicht über die Schulter und schleppst in die Höhle, während zufällige Fußgänger uns verdutzt anglotzen. Du benutzt keine Redewendungen à la „Nix sprechen Deitsch“. Du behauptest nicht, dein Name wäre Horst, Gundolf oder Siegenot. Du berichtest keiner Menschenseele von deiner Arbeit als Nachtwächter in einer geschlossenen Irrenanstalt. Es ist nicht witzig.
M.: Das sehe ich anders. Womit würdigst du meine Folgsamkeit? Schläfst du mit mir einmal täglich und bläst mir zweimal täglich einen? Ich bin fair. Schlag ein!
L.: Du ahnungsloser Träumer! Dafür verprügle ich dich nicht zweimal täglich mit einer gusseisernen Bratpfanne und ziehe dir nicht einmal täglich mit einem Nudelholz eins über den Kopf.
M.: Du gemeiner Giftzwerg! Erinnerst du dich noch ab und zu, dass ich die Liebe deines Lebens und der Vater deiner Kinder bin?
L.: Streng dich an, sei ein Schatz, blamiere mich nicht!
M.: Keine Sorge, das schaffst du auch ohne meine Hilfe.

* * *
Also, Deutschland hat mich nach zwölf Monaten wieder. Schöne Grüße aus Schleswig-Holstein ;)

Meine Horrorzwerge sind vorerst bei den Großeltern auf der Insel der Wolken geblieben und lehren die Schotten das Fürchten.

In den letzten sechs Jahren sind wir mit Michael selten allein gewesen. Wir sind nie zu zweit verreist. Es fühlt sich ungewohnt an, deswegen skype ich ständig mit meiner Schwiegermutter. Wahrscheinlich nerve ich sie.

Morgen werden wir in See stechen, und sie wird ihre Ruhe haben.

Kennt ihr gute Seemannslieder?

Für Linchen

Eine Bekannte beschwert sich, dass Frauen über fünfunddreißig praktisch keine Chance hätten, von einem guten, aufrichtigen Mann geliebt zu werden. Ich kann das nicht bestätigen. Hübsche keltische Jungs verlieben sich in mich jedes Mal, wenn ich meine Zerberusse spazieren führe.

Der kleine süße Hund hat sich als Fergus vorgestellt – und wir wünschen allen netten Leuten ein wunderschönes Wochenende ;)

Die Weltanschauung einer Offizierstochter

Liebe Leute,

kennt ihr eigentlich die ergreifende Lebensgeschichte von den kleinen Schweinchen?

So sehen sie aus. Wirklich wahr! Zilli, Billi und deren Töchterchen Wilhelmine. Jawohl!

L.: Mili, sind das die drei kleinen Schweinchen?
E.: Nein, das sind der Wolf und die sieben Geißlein.
L.: Lügst du mich an, Schätzchen?
E.: Womöglich. Warum musst du auch solche blöden Fragen stellen, Mummy?
L.: Du bist aber anstrengend. Tragen die Schweinchen Waffen?
E.: Das sind Sturmgewehre. Zur Selbstverteidigung. Schweine führen ein gefährliches Leben.
L.: Gehen sie spazieren?
E.: Nein, sie nehmen an einem wichtigen Seminar teil. In einem Verein für Vegetarier.

Die Malerin ist leicht an bekrönten Vögeln zu erkennen. Im Baum sitzt ausnahmsweise kein Bär, sondern ein Blauer Pfau. Schwarz, weil inkognito. Er wartet auf ein Mädchen, um ihm seinen prächtigen Federfächer zu zeigen.

„The Pearl“

Marie hat mir in diesem Jahr das zauberhafteste Geschenk aller Zeiten gemacht: ein Gemälde.

Michael hat dabei natürlich den ganzen Ruhm eingesackt. Der Liebesbrief eines Kriegsbaumeisters gefiel der begnadeten Künstlerin am meisten.

Vielen herzlichen Dank!

Fáfnirs Schatz

Drachenfrauen aus dem Sternbild Orion sind leicht zufrieden zu stellen.

* * *
Der Flieder berauscht die Sinne mit lieblichem Wohlgeruch.

* * *
Meine Dienstleistung als Dolmetscherin wurde nicht nur großzügig honoriert. Obendrein hat Dafydd mir ein vorzügliches Dessert ausgegeben.

Die Zitronencreme mit Karamell aus weißer Schokolade hat vollkommen mit Himbeerparfait und reifen Beeren harmoniert.

* * *
Ich habe wieder meine nächtliche Freundin, die Hüterin der endlosen Treppen, getroffen. Sie hat mich schnurrend begrüßt.

Die Einheimischen dieser Stadt sind wahnsinnig charismatisch.

* * *
Am Donnerstag werden unsere Knirpse zwei Jahre resp. zehn Monate.

Der kleine Frechdachs hat seinem Vater treuherzig über Skype zugeflüstert: „Daddy, kommst du zu meinem Geburtstag? Ich warte auf dich so sehnsüchtig wie auf… wie auf… wie auf eine Sahnetorte.“

Das süße Drachenmädchen kann inzwischen krabbeln und beißt jeden, der sie daran hindert. Unter ihren Ahnen gab es anscheinend nicht nur Drachen, sondern auch Schnappschildkröten.

Großes Wunder, kleine Seifenblasen

Emiliana: Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal um das große runde Rasten–burger Rathaus. Dreihundertdreiunddreißig Reiter… Mummy, wiederhole diesen Zungenbrecher dreiunddreißigmal hintereinander! Fast!
L.: Ich muss leider passen.
E.: In Ordnung. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen…
L.: Das hört sich wunderbar an. Ich passe trotzdem.
E.: Am zehnten Zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo. Mummy, bist du im Stande irgendetwas zu wiederholen?
L.: Aßen acht alte Ameisen am Abend Ananas? Forscht der froschforschende Froschforscher in der frosch–forschenden Froschforschung? Kratzen die Katzen im Katzenkasten?
E.: (seuzt) Nein, nein. Zu simpel. Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal…

Dreiunddreißig Minuten beträgt der Weg zur Schule. Fünf Wochentage. Insgesamt zehn Fahrten.

* * *
E.: Was ist das, Dylan?
D.: Eine Schäfchenwolke.
E.: Stimmt! Weißt du, wie schwer sie ist?
D.: Ungefähr fünfhundertundfünfzig Tonnen.
E.: Wiegen einhundert Elefanten fünfhundertundfünfzig Tonnen?
D.: Ich gehe davon aus.
E.: (grüblerisch) Du bist beinahe so klug wie mein Daddy.
D.: Warum „beinahe“? Ich bin sogar klüger.
E.: Du träumst wohl! Mein Daddy misst die Schäfchenwolken in Elefanten, nicht in Tonnen. Denk darüber nach.
D.: Schäfchenwolken werden übrigens in der Fachsprache als Kumuli bezeichnet.
E.: Nein, werden sie nicht. Du bist ein Kumulus! Und weißt du, wie viele Farben ein Regenbogen hat?
D.: Sieben. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett.
E.: Naaain! Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Indigo, Violett. Und weißt du, woher der Wind kommt?

Und weißt du?.. Und weißt du?.. Und weißt du?.. „Die unendliche Geschichte“ neu interpretiert.

* * *
E.: Ein niedlicher Igel lebte in einem Garten in Grunewald. Er konnte fliegen. Er war verliebt in ein Mädchen.
L.: Konnte das Mädchen auch fliegen?
E.: Ja. Es konnte die Treppe hinunter fliegen.

Das schwere Los der Berliner Igel.

* * *
L.: Mili, guck mal, wer sitzt da drüben auf dem Baum? Eine Elster oder ein Rabe?
E.: Ein Bär!
L.: Der Vogel ist aber schwarz.
E.: Das ist ein schwarzer Bärenvogel. Vermutlich der kanadische Grizzly.
L.: Meine Güte, wo ist er jetzt hin?
E.: Er ist vom Baum gefallen.
L.: Bären fallen selten von Bäumen. Sie klettern vorsichtig, bis ihre Hintertatzen wieder den Boden berühren.
E.: In diesem Fall ist er einfach weggeflogen. Das war ein fliegender Bär. Er wollte eine nette deutsche Bärin kennen lernen.

Seid gewarnt vor fliegenden Bären! Während der Paarungszeit sind sie besonders griesgrämig.

Naida

So gehen wir mit Naida spazieren:

1. Das Ferkel sucht den Dreck.
2. Das Ferkel findet den Dreck.
3. Das Ferkel verbreitet Freude.

An Evening to Die for

Eine uneigennützige, aufrichtige, gütige Bekannte, die keineswegs um einen Rat gebeten wurde, hat mir nahe gelegt, ich solle Schuhe mit hohen Absätzen tragen, weil Michael mich sonst betrügen würde. Ich bin sofort in ein Geschäft gerannt und habe… eine Ananas, eine Drachenfrucht und zwölf gelbe Kiwis gekauft.

Es ist ein wahrer Segen: Der verliebte Trottel hat noch gar nicht bemerkt, dass ich wesentlich kleiner bin als er und eigentlich auf Biker Boots stehe. Das Unglück abgewendet, die Familie gerettet.

Ein Hoch auf die Frauen, die sich gerne reden hören. Auf sie wartet die Hölle.

* * *
Michael hat mich gestern in ein nettes Restaurant ausgeführt und danach ins Halbkoma gebumst*, deswegen fasse ich mich heute kurz.

Unser erster grüner Spargel in diesem Jahr. Dazu ein perfekt pochiertes Ei und Sauce hollandaise mit Zitronengras. Tradition trifft auf Moderne.

Ein Stück Torte aus Pistazien mit weißer Schokolade und Himbeersorbet als Nachtisch. Ein Traum!

Das war’s :)

Live long and prosper!
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*Er verlässt uns demnächst für zwei Wochen in Richtung Singapur. Wir nehmen momentan alles mit, was wir kriegen können.

Eine Wetterprophetie

L.: Wach auf. Waaach auf. Michael, wach auf!
M.: Belästige mich nicht, Frau. Ich habe keine Lust.
L.: Was für eine epochale Neuigkeit. Seit wann das denn?
M.: Fortschreitendes Alter. Existenzielle Erschöpfung. Alzheimer. Das ist eine Krankheit, bei der ein Mann in eine Frau eindringt und sofort vergisst wozu.
L.: Besteht eine klitzekleine Möglichkeit, dass du dich irgendwann änderst? Darf ich träumen? Dreh dich jetzt auf die Seite und schlaf ruhig weiter.
M.: Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Ich hätte doch Lust. Fang an mich wieder zu belästigen.

* * *
L.: Erkläre dich bitte. Was treibst du da gerade?
M.: Ich ziehe dir das Höschen aus.
L.: Ginge das auch ohne Vandalismus? Zuerst höflich fragen, dann sich mir zärtlich nähern.
M.: Mein Engel, meine Königin, meine Göttin, voller Demut flehe ich euch an. Seid gnädig und lasst mich an eurem Quell der Erkenntnis laben.
L.: Idiot.
M.: Gestattet mir, euren unschuldigen Leib, welcher sich der Wollust und dem ungezügelten Sinnenrausch noch nicht hingegeben hat, mit sündigen Liebkosungen zu entflammen, auf dass sich eure Bestimmung offenbare?
L.: Vollidiot!
M.: So, mir reicht’s! Ich bin bedient. Sieh zu, wie du ohne einen zweiten Orgasmus auskommst.
L.: Willst du vielleicht auf der Couch im Wohnzimmer schlafen?
M.: Nein. Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Du musst nicht ohne einen zweiten Orgasmus auskommen.

Es ist sonnig mit Aussicht auf erhöhte Atemfrequenz, rhythmische Muskelkontraktionen und Freisetzung angestauter sexueller Energie.

Die Sterne verheißen schlaflose Nächte und prächtige Sonnenaufgänge.

Zwei Deppen auf einem Übungsgelände

L.: Ich wollte dich noch fragen…
M.: Ja!
L.: Was „ja“?
M.: Ja, ich habe Kondome dabei und würde liebend gern mit dir schlafen.
L.: Warum hast du denn Kondome dabei?
M.: Man weiß nie, wann sich die Gelegenheit ergibt.
L.: Mit mir? Auf dem Übungsgelände?
M.: Nein. Mit unserem pensionierten Nachbarn. Im Treppenhaus. Wir haben eine heftige Zuneigung zueinander gefasst.
L.: Du bist so ein Schwachkopf! Wirst du irgendwann erwachsen?
M.: Ich bin erwachsen, ernsthaft, verantwortungsbewusst. Glaubst du, ich sollte ihm zuerst Blumen schenken?

* * *
L.: Bist du stolz auf mich, Honey?
M.: Ich bin immer stolz auf dich, Baby! Ich lade jetzt die Waffe neu, und du versuchst diesmal das Ziel nicht zu verfehlen.
L.: Ich habe doch das Ziel nicht verfehlt.
M.: Jaaa… Folgendes: Die meisten Angreifer gehen ohne einen weißen Nimbus neben oder über dem Kopf spazieren. Hör auf zu lachen. Konzentriere dich! Du musst die schwarze Mitte treffen.
L.: Sei nett zu mir, sonst könnte ich dich zufällig treffen.
M.: Das traue ich dir zu, aber es wäre schade um die Kondome.

* * *
L.: Balze mich nicht am Schießstand an. Das ist Erregung öffentlichen Ärgernisses.
M.: Sag nicht „Erregung“. Es macht mich geil.
L.: Dich macht doch alles geil. Ich wundere mich, wie du überhaupt den Tag bei so vielen Reizen überstehst.
M.: Mein Leben ist hart.
L.: Sag nicht „hart“. Es macht mich geil.

* * *
M.: (zu einem Freund) Die Hübsche… Mit den wunderschönen Augen… Siehst du?
L.: Zieh mich da bitte nicht mit hinein!
M.: Das ist meine Stalkerin. Sie heißt Linda. Sie hat fünf Kinder und ist deswegen ein wenig verzweifelt. Gierig nach Nähe. Ständig geil. Raubt mir im Bett den Verstand. Ich gebe zu. Sie hat mir hartnäckig nachgestellt. Sie hat mir vor meiner Wohnung aufgelauert. Ich habe mich lange dagegen gewährt. Ich bin schwach. Ich betrüge meine Frau mit ihr.
L.: Wer bist du? Verschwinde!

* * *
L.: Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Verfickte Scheiße!
XY: (verdutzt) Was war das?
M.: Was? Ach das? Lindas Tourette-Syndrom hat sich mal wieder verschlimmert.

* * *
XY: Sie kennt nur beide Extreme: Entweder schreibt sie über Wolken, Regen, Feen oder übers Ficken.
M.: Manchmal schreibt sie auch übers Ficken mit Feen. Beim Regen. Auf den Wolken. Sie ist ziemlich erfinderisch.

Bald ist Sommer. Wir sind glücklich. Das Notebook verstaubt seit geraumer Zeit auf dem Sekretär.

Ist das kein gutes Zeichen? ;)

25 Gründe für einen Trotzanfall

Diese kreative Idee habe ich stibitzt ;)
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* Auf dem Weg nach Hause umarmte Emiliana (5,7) nur jeden dritten Baum in der Straße.
* Auf dem Weg in die Schule stellte sie sich keiner fröhlichen Pfütze vor.
* Schwäne und Enten im Holyrood Park sind arrogante Kröten und verhandeln nicht mit Horrorzwergen.
* Der Kater der Nachbarin ließ sich nicht gefangen nehmen und im Kinderwagen durch die Gegend herum–kutschieren.
* Naida und Orion schlafen nicht im Kinderbett.
* Fräulein Fettel gehört nicht in die Altkleidersammlung.
* Der Vater sah zufällig den Rücken seiner Tochter, als sie ihrer plüschigen Sippschaft in der Badewanne das Schwimmen beigebracht hatte. Er empfand bescheidene Freude über die Puppe, die ihm entgegenflog. Der Flugunterricht war inbegriffen.
* Strickhasen werden nicht in der Toilette gewaschen und mit Mamas Gesichtstuch abgetrocknet.
* Der leere Geschirrspüler wird nicht angeworfen. Auch der Wäschetrockner nicht.
* Die Kartoffeln (25 kg) werden nicht auf einmal geschält. Die Birnen (9 kg) auch nicht.
* Die Kirschlimonade ist kein geeignetes Spülmittel, um den Küchenboden zu wischen.
* Der Weihnachtsbaum bleibt bis Dezember im Karton. Und die Weihnachtsbaumkugeln. Und die Girlanden.
* Bibelzitate schmücken keine Wände.
* Das elterliche Schlafzimmer ist morgens um halb drei abgeschlossen.
* Der Vater küsst die Mutter zu oft.
* Der Vater versteht rein gar nichts. Absolut rein gar nichts!
* Der Stellvertreterposten in seiner Firma ist bereits besetzt, – und die Schule muss sein.
* Die Mutter zwingt die Schuluniform auf, obwohl ihr Abendkleid doch viel edler ist.
* Der jüngere Bruder weigert sich das Abendkleid anzuprobieren, weil er keine Prinzessin sein will.
* Morgenstern, der schöne Braune, grast nicht auf unserem Balkon. Aber er vermisst dich so toll!
* Wir können den 28-jährigen Dylan nicht adoptieren. Aber er ist so hübsch, und lieb, und klug!
* Es regnet nicht.
* Die Tomate ist rund.
* Die Honigmelone ist gelb.
* Es gibt keinen Schokoladenpudding zum Frühstück.