Über Wünsche und Wunder

L.: Was willst du zum Geburtstag?

M.: Mach dir bloß keine Gedanken. Das Übliche: Borszcz, Frikadellen mit Kartoffelpüree, ein paar Blowjobs.

L.: Gleichzeitig?

M.: Abwechselnd. Geichzeitig wäre es zu überwältigend. Denk doch bitte einmal im Jahr an den alten Mann.

Ich weiß auch nicht, was aus dem 16-Jährigen geworden ist, der mich vor 26 Jahren am Tore meines Elternhauses aufgesammelt hat. Wunder geschehen…

Scheidung oder Kind

Was kommt nach der Quarantäne: Scheidung oder Kind?

Ich beantworte die Frage sofort: Wir lassen uns nicht scheiden, aber – verdammt! – ich habe nicht aufgepasst und mein Mann ist schwanger geworden. Mit dem Gedanken, man müsse den Souterrain unseres Hauses optimieren.

Die Antwort auf die Frage „Zankt ihr euch? Langweilst du dich nicht?“ lautet simpel: Macht ihr Witze? Wir sind gleichberechtigte Geschäftspartner. Wir haben sechs gemeinsame Kinder. Ich wohne über einer Baustelle. Ich habe keine Zeit dafür.

Die Kinder haben sich natürlich infernalisch darauf gefreut, Papa zu helfen.

***

L.: Deine Kinder haben bereits damit angefangen… Tue mir bitte einen Gefallen: Reiße das Haus nicht bis auf die Grundmauern ab. Du bist kein Statiker. Erwische keine tragende Wand.

M.: Ich habe mich mit Swjatoslaw beraten.

L.: Slawa ist auch kein Statiker.

M.: Ausgebildeter Bauingenieur. Dreizehn Jahre bei der Bundeswehr. Seit wann zweifelst du an Slawa? Sonst grunzt du doch wollüstig, wenn du seinen Namen hörst.

L.: Ich grunze nicht wollüstig, ich seufze sehnsüchtig. Aua! Finger weg. Er verkörpert alles, was ich an einem Mann liebe: wolgadeutsch, katholisch, außergewöhnlich intelligent; brillanter Verstand, Sinn für die Familie, Offizier der Bundeswehr; blaue Augen, athletischer Körperbau, groß. Hach. Ein Traum. Ich habe übrigens vor ein paar Tagen geträumt, dass ich mit ihm verheiratet bin. Aua! Barbar.

M.: Dass er bald 45 Jahre alt wird, weißt du?

L.: Echt? Selbstverständlich! Ein wunderbares Alter für einen Mann. Aua.

M.: Ich bin ein alter Sack mit Erektionsproblemen und er ist ein Mann in seinen besten Jahren. Verstehe ich dich richtig?

L.: Ja.

M.: Komm her.

L.: Nö.

M.: Hab keine Angst.

L.: Ich habe keine Angst vor dir.

M.: Dann komm zu mir, du gemeiner feiger Zwerg.

L.: Nö, ich muss weg. Hab‘ einen Termin. Liebst du mich trotzdem?

M.: Nein. Warum denn?

L.: Unverschämt.

Ich glaube, ich werde mich heute im Badezimmer verbarrikadieren. Ich habe ein cooles Badezimmer. Wenn ich die richtige Tastenkombination rauskriege, fliege ich bestimmt damit ins Aal 🙃 Gut – ins All.

***

M.: DER Aal, du Dumpfbacke.

L.: Klappe.

Letzter Tag 🥳

Noch sechs Stunden meines Lebens, die ich witzlos und sinnlos vergeude, dann bin ich frei.

Warum manche Leute denken, dass ihre Kinder ein passendes Thema für eine Teambesprechung ist, bleibt mir ein Rätsel.

* * *

Nach 13:00 Uhr fahre ich zum Büro und G. kocht für mich. Ist das kein Grund zur Freude?

Aber ohne T

L.: Wie seid ihr auf den Namen für eure Tochter gekommen?

XX: Wir haben diesen Film geguckt und da war dieses intelligente Mädchen.

L.: „Mathilda“???

XX: Ja, aber ohne T.

Das ist alles, was man über die Frau wissen muss, die ab Montag meinen Job übernimmt 😉

Über Glaubwürdigkeit

Wir wurden hier verschutzmaulkorbt. Wäre allmählich an der Zeit 🤣

Reist man nach Schottland ein, muss man nicht mehr in Quarantäne. Hört sich vernünftig an.

Ab Montag beabsichtige ich, jeden Tag zum Büro zu fahren, um den Mitarbeitern die Körpertemperatur zu messen. Ja, ja, bei Nate natürlich rektal.

Pläne für ein WE

L.: Guck.

M.: Wohin genau soll ich gucken?

L.: Die Zeitung siehst du, oder?

M.: Ja, ich sehe die Zeitung, Frau. Man kann es auch anders ausdrucken. Lies bitte diesen Artikel, z.B.. Worum geht es?

L.: Jeder 6. Mann über 60 hat Probleme mit seiner Erektion. Deine Alterskohorte. Seufze doch nicht.

M.: „Kohorte dich ins Knie, mein Pfirsich.“, hättest du zu mir gesagt, hätte ich mir einen solchen Scherz erlaubt.

L.: Würde ich nie tun.

M: Dann hättest du mich wahrscheinlich verprügelt, aber ich bin nicht so. Ich vergebe dir.

L.: Ihr seid großzügig wie eine Blumenwiese, mein Gebieter. Was?

M.: Vielleicht koche ich sogar für dich.

L.: Und nach dem Essen armageddonen wir ein wenig.

M.: Und apokalypsen sehr viel.

L.: Und sodom gomorrhen.

M.: Wir wollen es nicht übertreiben. Nimm Rücksicht auf meine Alterskohorte.

So schnell schmiedet man Pläne fürs Wochenende 😉

Über unverschämte Kerle

und himmlische Wesen

L.: Belaste mich nicht. Ich bin empfindlich.

M.: Dann setz dich auf mich.

L.: Pfui. Verdorbtes Ferkel.

M.: Wo willst du denn jetzt hin?!

L.: Ich bin ein Bild Gottes. Ich lass‘ mich nicht besudeln.

M.: Du bist eine doofe Thusnelda, meine Liebe. Hast du mir die Zunge rausgestreckt?

Unverschämt, oder?

Über aufmunternde Gedanken

M.: Was?

L.: Nichts. Ich will nicht zur Stiftung gehen. Ich will die Fressen nicht mehr sehen.

M.: Noch acht Tage. Halte durch. Denk an etwas Erbauliches. Denk an Daniel. Siehst du. Schon wieherst du. Verschwinde gefälligst aus meinem Schlafzimmer.

Der Tag ist gerettet 🍸