Von Jägern & Jägern

M.: Und, was machen wir heute?
L.: Ich persönlich verbringe den Tag mit Ethan.
M.: Dem spießigen Langweiler, der Anzüge trägt und geschwollen daherreden?
L.: Nein, ganz und gar nicht. Dem lieben, fürsorglichen Vater meiner Kinder, der übrigens auf meine Wünsche achtet und mich respektvoll behandelt. Er hat noch nie Lutsch mir den Schwanz! zu mir gesagt. Er hat mich nicht zwischen Tür und Angel im Hause seiner Großeltern gefickt, weil er geil war. Er hat mich nicht bei einer Beerdigung geschändet, weil er das Leben spüren wollte. Er hat mich in keiner Kirche befummelt, um die Nichtexistenz Gottes zu beweisen.
M.: Hat dich etwa der Blitz getroffen? Keine Überraschung, dass du zu mir ins Bett kriechst. Frag ihn, ob er die Eier dazu hätte, den Beweis der Nichtexistenz Gottes in einer Synagoge zu erbringen.
L.: Dir ist nichts heilig, oder?
M.: Wie oft muss ich das wiederholen? Das Sakrosankte für mich ist deine Fotze. Ich glaube fest daran, dass sie für meinen Schwanz erschaffen wurde, auf dass seine Existenz eine Bedeutung bekomme und er sie anbeten könne, auf dass er in ihrer Nähe frenetisch jubiliere, sich aufrichte, anschwelle, zucke und ejakuliere. Warum bist du rot geworden?
L.: Ich hasse dich so sehr.
M.: Das ist mir wurscht. Ich habe dir meine Lebensphilosophie erklärt. Es gibt Sophisten, Skeptiker, Epikureer, Rationalisten, Humanisten und es gibt mich – den Fotzistiker. Die Alternativform, die Fotzisten, lehne ich vehement ab. Sie erinnert mich an die Faschisten. Diese Ideologie verachte ich. Ich will den Frieden weltweit und meinen Samen regional in – und auf – deinem Körper verbreiten. Ich betrachte mich als einen erkenntnistheoretischen Apologeten. Feministisch stark beeinflusst.
L.: Ich ordne dich eher in die Reihe der Schwachköpfe mit stark ausgeprägten chauvinistischen Zügen ein.
M.: Das ist gemein. Bitte begründe diese Behauptung unter Berücksichtigung der philosophisch-historischen Aspekte. Nein? Du passt schon zu ihm. Was mache ich nun heute?
L.: Du bist nicht gesellschaftstauglich, mein perverser Freund. Setz dich in den Schrank und denk scharf über dein Verhalten nach. Fass dich unter keinen Umständen an!
M.: Ich bin eingeschnappt. Kapiert? Ich bleibe im Bett liegen, denke an alle deine Freundinnen, meine Mitarbeiterinnen, zufällige Passantinnen und fasse mich auf jeden Fall an. Ich schicke dir danach das Video.
L.: Du Monster!
M.: Du ehebrecherische Hure!
L.: Ehebrecherischer Hurenbock!
M.: Ich bin verheiratet? Auch das noch. Und ich erfahre das ausgerechnet am Weihnachten. Ich bin aufgeregt. Wer ist sie? Haben wir Kinder?
L.: Ja, ihr habt sechs Kinder. Deine Frau hat dich verlassen und lebt jetzt im Zeugenschutz.
M.: Ich empfinde plötzlich Vaterstolz. Sind sie uns gut geraten?
L.: Ja. Kleine Monster halt. Hübsch, gesund, freundlich. Intelligent wie die Mutter. Deutsche Patrioten.
M.: Aha. Ich zweifle daran.
L.: Warum? Hast du sie indoktriniert?
M.: Nicht absichtlich. Wahrscheinlich haben sie meinen Verstand vererbt.
L.: Auch deine Ressentiments und Aversionen.
M.: Das habe ich überhört. Ha! Habe ich dich deswegen an der Backe? Weil ich einsam bin? Und weil dein Langweiler dich ausschließlich samstags nach Mitternacht ohne Licht unter einer Decke zwei Minuten lang besteigt? Aua. Immer wieder diese Gewalt.
L.: Er besteigt mich am Heiligabend und am Christtag.
M.: Der Mann ist ein Sexgigant. Aua.
L.: Wo gehst du hin?
M.: Ich will für euch kochen. Für dich und deine Kinder. Wie wär’s? Lade den Langweiler aus. Feiere mit mir. Ich verspreche, ich werde mich artig benehmen.
L.: Du hältst doch die Finger gekreuzt.
M.: Das ist richtig, aber ich träume von der Zeit nach dem Essen: Mitternacht, ohne Licht, unter einer Decke, zwei leidenschaftliche Minuten… Töte mich nicht. Ich will von dir geliebt werden. Aua. Mache eine Antiaggressionstherapie. Aua.
L.: Hach, herrlich. Hey! Was soll denn das? Bin ich deine Beute? Las mich sofort los.
M.: Ich finde, du brauchst eine Abkühlung.
L.: Ich finde, du wirst unter der Dusche eines grausamen Todes sterben. Obwohl… warte, ich beginne, die missliche Lage zu genießen. Die Welt sieht bezaubernd aus, auch wenn du sie kopfüber betrachtest.
M.: Finger weg von meinem Hintern. Unglaublich.

Der Tag wird schön werden ;)

6 Gedanken zu “Von Jägern & Jägern

  1. Eine interessante Philosophie – wäre echt mal ein Gespräch wert. Vor allem auch, weil die lebensnahe praktische Umsetzung deutlich humaner ist, als all der andere Summs, der einem in höchsten Tönen feil geboren wird.
    👍🍀🤗

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