Vögeln vs. Tieren

Omelette mit Waldpilzen und Baguette zum Frühstück. Wolgadeutsche Pilzsuppe, Couscous mit Waldpilzen und Gemüse zu Mittag. Pilzragout, Zucchini und Frikadellen zu Abend. Maronenpilze sauer eingelegt. Steinpilze mit Zwiebeln und Gewürzen mariniert. Mann, sind wir gut. Was wird aus dem Rest?

* * *
L.: Es ist erfreulich, ausnahmsweise im eigenen Ehebett zu vögeln, obwohl ich nicht behaupte, dass die Umstände viel würdevoller sind. Barbar!
M.: Pharisäerin! Ich schäme mit z.B. für dich, aber ich füge mich in mein Schicksal und lamentiere nicht andauernd.
L.: Du bist ein Heiliger.
M.: Ein heiliger Barbar? Zeige dich erkenntlich und blase mir einen. Nein? Sicher? Dann nicht. Ich grolle dir nicht. Ich bin verständnisvoll und bescheiden. Warum eigentlich „vögeln“? Warum nicht ins Detail gehen? Die Deutschen sind sonst eh penetrant penibel. Lass uns träumen. Lass uns adlern oder falken oder raben…
L.: Oder kurzschwanzflugsauriern?
M.: Nein, das gefällt mir nicht. Vielleicht luchsen oder wölfen oder ganz exotisch krokodilen.
L.: Das, was du mir antust, fühlt sich wie feindseliges Beutelteufeln an.
M.: Ich pflichte dir bei. So wie du dich dabei anhörst… Es ist wahrscheinlich versautes Beuteteufeln oder schmutziges Hyänen. Wie wär’s jetzt mit einem Blowjob?
L.: Haha. Dass ich nicht lache.
M.: Haha. Du bist gemein. Oder ich löwe mit dir und du jungfrauest mit mir. Oder wir pferden miteinander. Ganz klassisch chinesisch.
L.: Oder wir stehen auf.
M.: Ich will nicht aufstehen.
L.: Ist dir klar, dass deine Kinder in einer Stunde wieder zu Hause sind?
M.: Seit wann habe ich Kinder? Behalten wir sie etwa? Sind die Ferien zu Ende? Kurz. Muss ich mich jeden Morgen anziehen?
L.: Ich sage nichts.
M.: Du musst dich nicht anziehen. Ich bevorzuge dich ganz klar nackt und willig.
L.: Raus aus meinem Bett.
M.: Duschen wir zusammen? Na? Ich kormorane dich liebevoll. Nein? Spielverderberin. Augen zu!
L.: Warum?
M.: Ich bin noch nicht unter der Dusche, ich bin nicht mehr sexuell erregt. Ich bedanke mich herzlich. Ich erinnere mich nicht an den dritten Grund.
L.: Belustige mich. Schmunzle nicht. Belustige mich! Du darfst generell nackt sein. Du hast einen schönen Schwanz.
M.: Das ist doch ein Oxymoron. Schöner Schwanz – echt?
L.: Ja. Groß, aber nicht zu groß. Dick, aber nicht zu dick. Hart…
M.: Aber nicht zu hart.
L.: Das ist ein Denkfehler. Zu hart gibt es nicht. Ach so, beschnitten.
M.: Hm. Du bist pervers, mein Täubchen. Oh! Taube mit mir, mein schamloser Kolibri.

Ich überlege, ob ich mit einem anderen Mann mein Leben teilen könnte. Ich glaube, nicht.

3 Gedanken zu “Vögeln vs. Tieren

  1. Wie kommt man nur auf solche Texte ? Irgendwie charmant, ehrlich, dann aber doch wider so simpel. Den Akt als solches auf etwas herab zu stufen das es in jedem billigen gemachten P-Film sein könnte.

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    • Wie frau auf solche Texte komme (Konjunktiv I)? Frau beherrscht die Sprache. Sie ist mächtig sowohl der Grammatik als auch der Syntax. Sie frönt der gehobenen literarischen Zunge.

      wider so simpel – wieder
      herab zu stufen – herabzustufen
      das es – dass es
      billigen gemachten – billig[en] gemachten

      Sonst noch Fragen?

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