365 Tage ein Universum zu verändern

א וְשַׁבְתִּי אֲנִי, וָאֶרְאֶה אֶת-כָּל-הָעֲשֻׁקִים, אֲשֶׁר נַעֲשִׂים, תַּחַת הַשָּׁמֶשׁ; וְהִנֵּה דִּמְעַת הָעֲשֻׁקִים, וְאֵין לָהֶם מְנַחֵם, וּמִיַּד עֹשְׁקֵיהֶם כֹּחַ, וְאֵין לָהֶם מְנַחֵם
ב וְשַׁבֵּחַ אֲנִי אֶת-הַמֵּתִים, שֶׁכְּבָר מֵתוּ–מִן-הַחַיִּים, אֲשֶׁר הֵמָּה חַיִּים עֲדֶנָה
ג וְטוֹב, מִשְּׁנֵיהֶם–אֵת אֲשֶׁר-עֲדֶן, לֹא הָיָה: אֲשֶׁר לֹא-רָאָה אֶת-הַמַּעֲשֶׂה הָרָע, אֲשֶׁר נַעֲשָׂה תַּחַת הַשָּׁמֶשׁ
ד וְרָאִיתִי אֲנִי אֶת-כָּל-עָמָל, וְאֵת כָּל-כִּשְׁרוֹן הַמַּעֲשֶׂה–כִּי הִיא קִנְאַת-אִישׁ, מֵרֵעֵהוּ; גַּם-זֶה הֶבֶל, וּרְעוּת רוּחַ
ה הַכְּסִיל חֹבֵק אֶת-יָדָיו, וְאֹכֵל אֶת-בְּשָׂרוֹ
ו טוֹב, מְלֹא כַף נָחַת–מִמְּלֹא חָפְנַיִם עָמָל, וּרְעוּת רוּחַ
ז וְשַׁבְתִּי אֲנִי וָאֶרְאֶה הֶבֶל, תַּחַת הַשָּׁמֶשׁ
ח יֵשׁ אֶחָד וְאֵין שֵׁנִי גַּם בֵּן וָאָח אֵין-לוֹ, וְאֵין קֵץ לְכָל-עֲמָלוֹ–גַּם-עיניו (עֵינוֹ), לֹא-תִשְׂבַּע עֹשֶׁר; וּלְמִי אֲנִי עָמֵל, וּמְחַסֵּר אֶת-נַפְשִׁי מִטּוֹבָה–גַּם-זֶה הֶבֶל וְעִנְיַן רָע, הוּא
ט טוֹבִים הַשְּׁנַיִם, מִן-הָאֶחָד: אֲשֶׁר יֵשׁ-לָהֶם שָׂכָר טוֹב, בַּעֲמָלָם
י כִּי אִם-יִפֹּלוּ, הָאֶחָד יָקִים אֶת-חֲבֵרוֹ; וְאִילוֹ, הָאֶחָד שֶׁיִּפּוֹל, וְאֵין שֵׁנִי, לַהֲקִימוֹ
יא גַּם אִם-יִשְׁכְּבוּ שְׁנַיִם, וְחַם לָהֶם; וּלְאֶחָד, אֵיךְ יֵחָם
יב וְאִם-יִתְקְפוֹ, הָאֶחָד–הַשְּׁנַיִם, יַעַמְדוּ נֶגְדּוֹ; וְהַחוּט, הַמְשֻׁלָּשׁ, לֹא בִמְהֵרָה, יִנָּתֵק

Mal raten

Mal raten, wer am Montag den Arbeitsvertrag unterschreibt. Grüne Augen, sinnlicher Mund, die Weltmeisterin im Blasen. Momentan verbringt sie fast keine Zeit unter dem Tisch des ehemaligen *spöttisches Wiehern* Chefs. Ob die Chefin sich darüber freuen würde? Abwarten.

Mal raten, wer bitterlich weint, weil die ehemalige *spöttisches Wiehern* Mitarbeiterin die Firma tatsächlich verlässt. Nein, nicht der Chef, der am verwaisten Tisch sitzt. Das ist die Belegschaft. Der Chef hat keinen Grund mehr so zu tun, als sei er nett. Er ist in seinem Element. Ein Soldat halt. Warum nehme ich Michael nicht mit, er sei doch noch intelligenter als ich *düsteres Dreinschauen*, meinte heute Markus, sein Stellvertreter in Edinburgh.

Mal raten, wer morgen eine Premiere hat? Ich fahre nach Glasgow. Zum ersten Mal werde ich mit einer Kollegin als Prüfungsaufsicht die Aufgabe übernehmen. Langweiliger geht es nicht. Ich freue mich trotzdem. Die Kollegin ist eine Wolgadeutsche. Sie spricht Russisch und Deutsch als Muttersprachen. Sie lebt seit zehn Jahren in Schottland. Ihr Englisch ist auch nicht von schlechten Eltern.

Hach… Ist das nicht schön?

Über Einarbeitungsphasen und nasse Tüten


L.: Warum ist sie nass?
M.: Sie ist nass, mein angetrautes Weib, weil sie seit fünf Tagen nicht mehr mit meinem Schwanz interagiert hat. Daran ist sie nicht gewöhnt. Sie ist verwöhnt, verzogen, unartig. Wie wär’s? Heut‘ Abend? Nur wir drei. Du, ich, unser Bett.
L.: Halt die Klappe. Was bist du für ein verderbtes Ferkel? Ich habe die Tüte hier gemeint.
M.: Was willst du mit einer Tüte? Willst du sie dir über den Kopf ziehen? Brauchst du nicht. Du bist eine sehr hübsche Frau. Haha. Zu spät. Zu langsam. Zu ungeschickt. Zu vorhersehbar. Alle Macht den unterdrückten Ehemännern!
L.: Idiot!
M.: Ich hab‘ dich auch lieb.

Bin grad‘ wirklich beschäftigt. Werde eingearbeitet, was das Zeug hält. Die unverbesserliche Welt möge mir vergeben. Ich gehe den Weg des Geldes.

Keine Gefahr im Verzug

Das war dieser Tag, wenn dein Mann dich anruft und sagt: „Ihr seid außer Gefahr! Euch kann nichts passieren. Gleich fahren sechs Feuerwehrwagen an eurem Gebäude vorbei. Ein Haus in der … Straße brennt.“

Ich gebe es ungern zu, aber beruflich ist er noch besser als sein Ruf. Niemand reagiert so schnell. Zwei Minuten später haben wir mit der Chefin die Sirenen gehört. Makaber, dass wir kurz davor über den Brand bei dem Nachbarn gesprochen haben.

Bleibenden Eindruck beim Boss hinterlassen

M.: Dämmert es dir ein, was du dir eingebrockt hast, mein Täubchen? Dein Arbeitsplatz war wirklich nicht der schlechteste. Du durftes entscheiden, wann du kommst und wann du gehst. Du durftest die Abläufe bestimmen. Du durftest dich in Schränken verstecken. Ein paar Blowjobs hier, ein paar Ficks da. Die Arbeitsbedingungen waren angenehm. Die Bezahlung war überdurchschnittlich gut. Der Preis für ein luxuriöses Leben ist durchaus angemessen. Verabscheuungswürdig ist dein Boss nicht. Ich habe Sex mit ihm gehabt. Ich kann das beurteilen.
L.: Fertig?
M.: Wie soll er nun ab Morgen an diesem Tisch im Büro sitzen und an die engagierte Mitarbeiterin denken, die so überwältigend scharf unter dem Tisch ausgesehen hat? Allein, verlassen, mit einem Ständer.
L.: Hör auf. Das ist einmal passiert. Ich meide Desmond seitdem. Ich habe es wegen dir getan. Du warst nervös. Ich wollte, dass du dich entspannst.
M.: Natürlich. Als läge dir mein Wohlbefinden am Herzen. Du hast deine Macht ausgenutzt. Nicht, dass ich das zugäbe. Nicht, dass ich nervös wäre. Falls das jemand erfährt, verklage ich dich.
L.: Erinnerst du dich an den Blowjob? An das schöne Gefühl kurz vorm Orgasmus, als wir gestört wurden? An „Geh weg! Ich bin beschäftigt. Ich melde mich zurück.“?
M.: Nein. Aber du machst mich geil.
L.: Tja, ich freue mich für dich. Ich verschwinde. Ich rufe XY an und bedanke mich. Ich lade ihn zum Mittagessen ein. Fang ohne mich an. Have fun, happy end and so on.
M.: Warum bin ich der Leidtragende?
L.: Wegen deines Y-Chromosoms. Und weil du mich diesen peinlichen Ausrutscher nicht vergessen lässt. Lasterhaftes Ferkel!
M.: Sagt die Frau, die an öffentlichen Plätzen Schwänze lutscht. Heuchlerin!
L.: Halt die Klappe.
M.: Verbiete mir nicht den Mund.
L.: Blas dir doch einen.
M.: So groß ist er auch wieder nicht.
L.: Was sind wir selbstkritisch.
M.: Was sind wir gemein. Warum wundere ich mich?
L.: Immer noch geil?
M.: Ja.
L.: War nett mit dir zu plaudern.

Ich kriege langsam die Panik. Ich bräuchte dringend Entspannung… oder Betäubung.
__________
Gemälde der ukrainischen Malerin Marina Timtschenko. Eine Frau hustet. Woran habt ihr gedacht? Wie verdorben seid ihr eigentlich?

Überraschung! Sie haben ein Vorstellungsgespräch.

L.: H.! Sofort stehen bleiben!
M.: Ich habe dich auch vermisst – ?
L.: Nix da. Erzähl! Was hast du gemacht?
M.: Ich liebe dich. Ich bin artig gewesen. Bitte schlage mich nicht. Ich verweigere die Aussage. Ich rufe meinen Anwalt an.
L.: So viel an einem Tag? Weißt du, wer Herr K. ist?
M.: Nein.
L.: Er hat mich angerufen. Ich solle morgen um 11.30 Uhr zu einem Vorstellungsgespräch kommen.
M.: Ich bin sprachlos – ?
L.: Er hat im Auftrag der Stiftung angerufen. Was hast du damit zu tun?
M.: Nichts.
L.: Dein Vater?
M.: Keine Ahnung. Gehst du hin?
L.: Ich habe mich nicht beworben. Ich verfasse das Anschreiben. Ich nehme mein Curriculum Vitæ und die Zeugnisse mit. Wir haben lediglich davon gesprochen, dass ich dreimal wöchentlich Deutsch unterrichte. Als Freiberuflerin. Wegen Sole. Na, die Eingewöhnungsphase im Kindergarten.
M.: Hört sich logisch an: eine hochbegabte Lehrkraft für die hochbegabten Kinder. Bist du versucht?
L.: Ja, ich bin versucht. Dann bin ich dich los. Dann ist Schluss mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
M.: Du wirst mich vermissen. Haben sie genug Platz unter den Tischen? Einem Mitmenschen den Mittelfinger zu zeigen ist sehr unhöflich.
L.: Bite me.
M.: With great pleasure.
L.: Bugger off.
M.: Entscheide dich doch.

* * *
Drückt mir die Finger. Kreuzt mir die Daumen. Haha. Ich habe wieder ein Vorstellungsgespräch. Wenn es hinhaut, lasse ich alles ohne Zögern fallen und werde für die Stiftung arbeiten, die das Förderungsprogramm für hochbegabte Horrorzwerge verwaltet. Ich bin kein deutscher Gutmensch. Ich bleibe ein gemeiner Giftzwerg. Weltverbesserung… am Arsch.

Wie frau den Weltuntergang verhindert

M.: Die Sonne geht auf.
L.: Halt die Klappe.
M.: Die Sonne ist untergegangen. Das war ein kurzer Tag.
L.: Was?!
M.: Nichts.
L.: Was gibt es zu strahlen? Habe ich keine Zitronen gekauft? Iss eine Zitrone.
M.: Ich will keine Zitrone essen. Ich will strahlen. Ich bin glücklich.
L.: Igitt. Ich kotze gleich.
M.: Bitte nicht erschrecken, aber eigentlich hast du mir heute Morgen zweimal deine Liebe gestanden.
L.: Hast du Fliegenpilze geraucht? Das war Sex. Sonst nichts. Ich habe mit dir geschlafen, um dich ruhigzustellen.
M.: Um Sex geht es nicht. Es geht um die Worte davor. Ich liebe dich auch.
L.: Das möchte ich überhört haben.
M.: Warum bist du gemein zu mir?
L.: Weil ich mir Sorgen um die Schöpfung Gottes mache. Das CERN ist keine Bedrohung. Das bist du. Irgendwann erreicht dein Ego die dreifache Sonnenmasse und implodiert. Ich verhindere die Entstehung eines stellaren Schwarzen Loches und den Untergang der Menschheit. Strahle nicht. Iss eine Zitrone.

Ich mag ihn nicht. Ich interessiere mich weder für sein Herz noch für seine Seele. Ich habe ihn nur wegen seines Reichtums, seines Sixpacks und seines Penis geheiratet. Seine außerirdisch blauen Augen zeigen auf mich keine Wirkung. Ich empfinde nichts, wenn er mich küsst. Ach so, die Orgasmen spiele ich vor.

Hach, ich bin stolz auf mich. Ab – zur Weltverbesserung.

New Innocence

Mili: Stop making out.
Me: We are not making out. We are kissing each other.
Mili: Well, stop kissing each other. You’ve got enough children already.
Mike: Babies do not exactly come from kissing alone.
Sole: Where exactly do babies come from?
Mike: From lovemaking.
Sole: So, no lovemaking for both of you either.

Our girls are so strict.

Who would have thought that stealing kisses from my own husband could be so exciting?

Das Lindengejammer

Ich werde nie mehr trinken. Ich werde nie mehr trinken. Ich werde nie mehr trinken. Geez, es gibt noch drei Flaschen Champagner und einen Kasten Bier… Verstecke ich mich im Schrank oder unter dem Bett, wenn unsere Freunde heute kommen? Ich mache die Tür einfach nicht auf. Jawohl. Brandenburg wählt. Ich bin schwanger mit dem Gedanken, die deutsche Staatsangehörigkeit abzugeben und Schottin zu werden. Ob unsere Ehe das aushielte? Der Typ erklärt doch jeden Liebesakt zu einer Schlacht um die Unabhängigkeit Schottlands. Dabei ist er nicht einmal dafür. Das Leben mit 40 war viel simpler. Warum hat mich niemand gewarnt?