Aus dem Alltag der Waldbewohner

Ich liebe meine Kinder. Ich liebe meine Kinder. Ich liebe meine Kinder. Noch zwei Wochen. Noch zwei Wochen. Noch zwei Wochen.

L.: Ich finde, wir haben die Welt gerettet.
M.: Was habe ich verpasst?
L.: Ich meine nur… Als wir aufs Land gezogen sind und die kleinen Monster mitgenommen haben.
M.: Ist das nicht logisch? Das sind deine Kinder. Verstehe ich nicht.
L.: Du kriegst inzwischen nichts mehr mit. Hör zu. Weißt du noch, wie sich die Stille anhört? Bei uns hört es sich täglich so an, als würden deine reinen, unschuldigen Engel das Haus bis auf die Grundmauern niederreißen.
M.: Für mich hört es sich so an, als würden die Drachenstämme vom rechten Ufer des Eridanus die Drachenstämme vom linken Ufer des Eridanus ausrotten, aber ich lebe gerne, als stünde die Apokalypse kurz bevor.
L.: Hast du überhaupt vor etwas Angst?
M.: Vor dir. Niemand darf es je erfahren. Der Karakal hat übrigens beim Herumtoben vor einigen Stunden die Schallmauer durchbrochen, glaube ich. Zumindest hat es geknallt.

* * *
Ende August gehen Frechdachs und Drachenmädchen in den Kindergarten. Ich werde dort dreimal wöchentlich Deutschunterricht geben. Die Bezahlung ist schlecht, aber ich kann in der Nähe meiner Kleinen sein, wenn sie sich an das neue abenteuerreiche Leben gewöhnt.

L.: Wir werden uns oft sehen. Freust du dich?
Sole: Das ist gut. Ich werde dort auch unterrichten.

Meine Kinder wissen, was sie sein wollen. Wann werde ich es endlich herausfinden?

* * *
M.: Wir sind Elis Kindergärtnerin in der Stadt über den Weg gelaufen. Er wohne im Wald, hat er berichtet.
L.: Ein entzückendes Bild. Idylle. Vogelgezwitscher. Bachgeplätscher. Wilde Tiere.
M.: Schneewittchen und die sieben Zwerge.
L.: Bei dir enden alle Szenarios auf dieselbe Art. Schneewittchen und die sechs Riesen. Ich, der Schotte, der Ire, der Ami, der Israeli, der Deutsche und – Ethan.
M.: Jaaa…
L.: Nate zieht bei uns ein. Wir ändern nichts, bis auf die Zwerge.
M.: Die Zwergin, der Schotte, der Ire, der Ami, der Aschkenasi, der Wolgadeutsche und – Ethan. Passt! Ohne Nate.
L.: Seine Schwester ist bei meinem Bruder eingezogen.
M.: Was du nicht sagst? Sie haben zwei Kinder gezeugt. Informiere mich, falls dahin gehend ein Plan entsteht.
L.: Witzig. Heute und morgen sind wir im Ghetto. Am Donnerstag treffen wir uns mit Muhammad und Iraj. Lust mitzukommen?
M.: Nein, danke. Ich bin kein Menschenfreund. Ich habe allerdings Zwerginnen lieb. Nackte Zwerginnen. Nackte feuchte Zwerginnen.
L.: Verschwinde.
M.: Gemeine nackte feuchte Zwerginnen.
L.: Weg mit dir.
M.: Echt! Warum habe ich geheiratet?
L.: Weil du mich angebumst hast. Das erzählst du bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit.
M.: Ich bin weg. Ich höre nichts.

Ich mach‘ ein Nickerchen. Bitte um 12.00 Uhr aufwecken.