Das Mitternachtsgewitter

Ein lauter grollender Knall weckt uns. Das Mitternachtsgewitter kommt von Südwesten her auf und vergrault den schwülen Tag. Der tosende Sturm reißt die Wolkendecke auf, so dass der Mond, der sich dahinter verbirgt, den Garten in ein falbes Licht taucht. Der Wind heult und tobt. Er zerzaust die Sträucher. Die Regentropfen prasseln, poltern und trommeln gegen das Fensterglas. Eine Tür fällt ins Schloss, und als der Donner gegen das Haus kracht, als beabsichtige er die steinernen Wände zu zerkrümeln, sie bis auf die Grundmauer niederzureißen und zu zerstören, bellen im Stall die Hunde.

Ein Blitz erhellt kurz darauf den Hof; die Luft knistert wie elektrisiert. Die Blitze, wie Feuer, flammen am Himmel auf. Blitzlichter lodern und folgen unentwegt aufeinander. Der Regen rauscht im zartgrünen Laub der Pfirsichbäume, die in großen Kübeln auf der Veranda wachsen und schlägt in die staubigen Physiognomien der Bäume. Monströse düstere Wolkengeschwader ziehen in rasender Geschwindigkeit vorbei. Furiose Donnerschläge erschüttern das Dach und verebben in einem ungeduldigen Grölen. Das Wasser in den Dachrinnen bildet unzählige sprudelnde Bäche, die sich sintflutartig auftürmen, nur um wieder die Treppen herunterzustürzen und in riesigen Pfützen zu verschwinden. Der Regen hämmert durch jede Ritze. Es rattert und knattert. Es lärmt. Der Garten wankt gespenstisch in der dröhnenden Finsternis zwischen Realität und Illusion, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Das heftige Sommergewitter wütet. Der Regen pulsiert und pocht wie eine lebendige Kreatur. Die Blitze züngeln. Ein kühler Luftzug tanzt gelassen im Raum umher. Während die Welt im Abgrund versinkt, zerbricht und wiedergeboren wird, finden wir wieder zueinander und lieben uns — behutsam, zärtlich, gefühlvoll.

Wir entzünden die Kerze der Liebe. Du liegst nackt in meinen Armen. Du bist wunderschön, warm und zerbrechlich. Ich schließe Deine Augen mit den Küssen und zeichne die Linien Deiner Lippen mit meinen Fingern nach. Ich will Deine Lust entfachen. Mein Mund sucht Deinen Mund, und wir küssen uns bis zur Vergessenheit. Gib bitte nach, gib Dich mir hin, finde in der Hingabe Erfüllung. Lebe mit mir in einem verrückten Traum. Verbinde Dich mit mir in einer Fantasie. Zusammen können wir eine Wirklichkeit erschaffen aus dem Chaos.

Ich küsse Dich ungeduldig und überlasse mich Deinen Küssen. Ich beiße in Deinen Hals und berühre Deine Drosselgrube. Ich vergrabe meinen Kopf an Deiner Brust. Meine Hand tastet nach Deinem Bauch, umklammert Deine Taille und gleitet hinab in den Schoß. Meine Finger schieben sich sanft zwischen Deine Beine. Mein Blick ruht auf Dir. Ich genießen Dich, schmecke Deine salzige Haut, spüre, wie Dir die Feuchtigkeit zwischen die Schenkel aufsteigt, höre Deine Stimme, die mich um Erlösung bietet, sehe, wie Du Dich windest und Deine Hüften vorschiebst.

Ich halte Dich festgepresst an meinen Körper, schüre mit meinen Liebkosungen die Glut in dem Deinen. Du bist hemmungslos, ungezügelt, ohne Scham. Dein Schoß brennt und fiebert. Er öffnet sich und verlangt nach mir. Dein Atem fliegt; der Herzschlag verschnellert sich. Du keuchst und stöhnst leise auf. Ich hebe Deine Arme über den Kopf. Ich dränge mich an Dich und senke mich auf Dich nieder. Ich dringe vor, durchdringe Dich, dringe in Dich ein und aus — in Deine Gefühle, in Deine Sinne, in Dein Geschlecht —, zuerst langsam und ruhig, als hätten wir alle Zeit der Welt, dann immer ungestümer, bis Du es nicht mehr aushältst, Dein Gesicht in meine Schulter hineindrückst, und bebst, und zitterst, und Deine Seele in die meine aushauchst. Unsere Verschmelzung krönt ein heftiger Orgasmus, der die Begierde bis zur Erschöpfung befriedigt. Dann wickelst Du Dich in ein Laken ein.

Eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Das Gewitter zieht ostwärts ab. Der Regen flüstert sachte. Als die Geräusche allmählich verhallen, und der Mond silbern durch die Fensterläden scheint, schlummern wir ein, — engumschlungen, eingelullt in die selige Sommernacht wie in die Umarmung der Liebe.

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