„Jenseits“

Am 14. Juli vor 24 Sommern hatte mich mein Mann das erste Mal geküsst1. Meine Hände zitterten. Meine Beine knickten weg. Mein Herz raste. Vier Tage später habe ich das erste Mal mit ihm geschlafen2.

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Ich war zehn, als die Engel der himmlischen Kanzlei mir das wertvollste Geschenk zuteilwerden ließen. Seine Großeltern Hannah und Konstantin brachten ihn zu uns zum Kennenlernen. Ich tobte und kreischte: „Mutter, ich will ihn nicht. Ich werde nicht russisch mit ihm sprechen.“

Ich habe mich geirrt.

Er ist mein Schicksal. Wir bergen eine Seele. Er hat mich zur Frau genommen. Ich habe ihm fünf Kinder geschenkt. Russisch ist unsere erste Sprache gewesen, weder Deutsch noch Englisch, weder Farsi noch Ivrit. Meine schönsten Liebesbriefe an ihn habe ich in Russisch verfasst.

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Zwei Jahre drückten wir gemeinsam die Schulbank in Mainz. Vier weitere Jahre brauchte er, um das Abitur von einem Londoner Internat zu erhalten. Er langweilte sich. Poor baby. Die Genies sind ungeduldig. Er hatte die Scheiße satt.

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Am 14. August vor 24 Sommern war ich fast sechzehn. Die Sonne schien. Die Raben stritten. Ich unternahm eine Wanderung um meinen damaligen Freund herum wie eine graziöse Saiga. Ich zwickte, schubste und pöbelte ihn an. Zärtlichkeit, Wärme, Zuneigung erfuhr ich selten. Da blieb plötzlich ein Junge, der über den Bürgersteig entlang der Straße ging, direkt neben uns stehen und drehte sich um. Ich schaute ihn düster an: „Was glotzt du? Kenne ich dich? Ich kenne dich, nicht wahr? Миша?!“

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Es war am späten Abend. Es regnete in Strömen. Ich hatte nicht vor, seinen Kuss zu erwidern. Ich hätte nie zugegeben, dass ich die ganze Nacht an ihn dachte. Die Schmetterlinge waren erwacht. Als er mir beim nächsten Wiedersehen sagte: „Ich habe an dich gedacht.“, antwortete ich stolz: „Und? Ist das mein Problem?“.

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Unsere Gefühle haben den Verlust unseres Sohnes, unsere Trennung und eine abgrundtiefe Krise überdauert. Ohne Richards Hilfe, ohne Michaels Mut, wäre unsere Liebesgeschichte eine Trilogie geblieben: „Paradies“, „Erde“, „Hölle“.

Wir sind bei „Jenseits“3 angelangt. Vor acht Jahren haben wir ein neues Kapitel aufgeschlagen. Jetzt sind wir glücklich.

Bald fliegen wir nach Florenz4, in die Heimat meiner Ahnen und für eine kurze Zeit wird er nur mir gehören.
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1perché forte come la morte è l’amore (русский, Deutsch, English)
2Über außerirdische Entitäten
3А Love Story in Five Pictures (русский)
4La bellezza di Firenze (русский)

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Мое прибежище

Мишка говорит: я верю в нас, на этом моя вера заканчивается, этого достаточно, чтобы быть счастливым, с тобой, с детьми, с друзьями, с животными, с работой. Мы научились жить равномерно, без ссор, без драм и без погромов. Мы научились любить в глубину. Мы научились любить спокойно, без предательств, без лжи и почти без ревности. Наша любовь циклическая.

Мишка говорит: я люблю тебя с четвертого класса, я любил тебя раньше, я люблю тебя сейчас, я любить тебя буду всегда. Мы научились оберегать нашу любовь, это согревающее чувство, которое живет в нас и обволакивает паутиной света наш дом. Мы научились беречь друг друга, ограждать от ночи, быть милосердными, когда говорим правду, доверять и прощать. Когда я смотрю в ясное небо его глаз, я теряюсь и нахожу себя сызнова. Мой мир отражается в этом небе. Когда он улыбается исподлобья, я забываю и вспоминаю все, что имеет значение. Когда он заключает меня в объятия, фантомные скелеты моих крыльев начинают свербеть, обрастая новой плотью — перо за пером. О, какими сильными были у меня крылья. О, какой я была бесстрашной.

B Мишкe мое спасение. Мишка отдавал, и отдавал, и отдавал, ничего взамен не требуя, отворял душу настежь и осыпал меня всем, что имел: восторгом, преданностью, простодушием, дружбой и любовью. Мишка стал источником всего, чего мне остро не хватало: доброты, понимания, радости, счастья и ласки. Я нашла в Мишкиной любви прибежище. Без Мишки меня не существует.