Die Meilensteine

„Was willst du hier, Muttersöhnchen? Verpiss dich von meinem Grundstück!“
„Heiliger Himmel, du bist wunderschön.“

Dies waren die Worte, die mein Mann und ich vor zehn Jahren nach einer 6-jährigen Trennung miteinander wechselten.

„Der Mond ist auf die Erde gestürzt… Was war das denn? Wann hattest du das letzte Mal Sex?“
„Vor sechs Jahren. Alles Andere war Masturbation: egal, ob mit der Hand oder mit einem Frauenkörper.“

Dies waren seine Worte, nachdem ich das erste Mal Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. von ihm gehört hatte. Es bedurfte einer Nichtigkeit: acht Jahre zusammen, sechs Jahre in parallelen Wirklichkeiten. Ich verhielt mich unnachgiebig. Es waren immerhin fast zehn Minuten seit unserem Wiedersehen verstrichen, bevor er in mir das erste Mal in dieser Nacht kam.

„Heirate mich.“
„Wie bitte? Ich habe dich nicht verstanden.“
„Du hast mich verstanden. Heirate mich. Ich bin kein schlechter Mann. Du wirst es gut bei mir haben.“

Wir lagen im Bett. Mein Bauch wölbte sich. Ich habe nie an unserer Ehe gezweifelt.

„Gott, was machen wir jetzt?“
„Sorge dich nicht. Wir schaffen das. Ich werde jedes Kind großziehen, das du mir schenkst.“

Wir hegten ein Baby um. Wir erfuhren gerade vom Gynäkologen, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Mein Herz rutschte in die Fersen. Für einen kurzen Augenblick sah ich, wie das Blut aus seinem Gesicht wich.

Ich bin stolz auf meinen Mann. Sein Wille ist ehern. Ich werde mich nicht mit fremden Federn schmücken, obwohl er oft genug betont, dass hinter einem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau stehe*.

Ich glaube, ich hatte keinen Vogel abgeschossen. Der Phönix selbst ging freierdings in mein Netz. Zu seinem Versprechen bekennt er sich bis heute. Er kümmert sich inbrünstig um meine Kinder, und sie schauen zu ihm auf.

Die Romantik ist überbewertet. Nur die Taten zählen. Gestellte Fotografien in sozialen Medien verwandeln das Leben nicht in ein Märchen.

Fata Morganas bleiben Fata Morganas. Die Erzengel sind echt.
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*Wer ist der Autor dieses Zitats?

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11 Gedanken zu “Die Meilensteine

    • 100 Euro pro Wort. Her mit den Mäusen, mein Lieber! Das Wissen ist teuer. Das Wort wird zu Unrecht nicht mehr benutzt, was mich persönlich herzlichst wenig interessiert. Regenbögen. Einhörner.

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    • Puh, bist du teuer! Die Wörter Regenbogen und Einhörner kannte ich jedoch bereits, das würde ich dir dann wieder abziehen. Macht 20€ für mich. Fair enough.

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    • Du… sei nicht doof. Du hast mir auch ein Wort beigebracht. Hättest bloß Wir sind quitt. sagen müssen. Männer! Warum wollen wir euch nochmals? Ein Giraffenzebra ist doch wesentlich gescheiter. Ach so, ach so, genau!.. Hab‘ nix gesagt.
      * * *
      Regenbögen. Einhörner. – Das war ein misslungener Witz. Als Antwort auf „Liebe“ aus Deinem Kommentar gedacht.
      * * *
      Ich hätte die Bark gerne gesehen. Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber „Serov“ ist doch tatsächlich ein Einhorn. Sie ist die Letzte ihrer Art, die noch fährt?

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    • Von Viermastern habe ich wirklich keine Ahnung. Ich bin ein tiefbegabtes Giraffenzebra und mag die Liebe. Die Liebe zu Wörtern. Nächstes Jahr mache ich dir ein Foto auf dem Schiff. Werde mich als Kapitän verkleiden und „Meuterei, Meuterei!“ rufen über Bord gehen. Ich schicke es dir per Brieftaube. Und warum braucht man jetzt nochmal Männer? Das hast du mir glaube ich schon mal gesagt, ich vergesse es nur immer wieder. Gruß von der Förde. Ist gerade schön hier.

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    • Du wirst der erste Kapitän sein, der auf dem eigenen Schiff meutert und freiwillig über Bord geht… Was hast Du gesagt: Wie hoch ist Dein oberer IQ?

      Die Liebe zu Wörtern – Ja! Hab‘ ich sofort bemerkt. Deswegen stalke ich Dich so gerne auf Instagram. Warum? Ausgerechnet Du, der IT-Dingsbums-Spezialist.

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  1. Das Zwillings-Gefühl kenne ich. Da zieh es dir als Mann erst mal den Boden unter den Füßen weg. Zum Glück gab’s den Satz von Campino von den Toten Hosen: „Mann vier Kinder, das ist nicht bürgerlich, das ist Rock’n Roll.“ Und das war es auch :-)

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    • Na ja… Eine Frau (heute älter als du und ich), die mit 20 einen 40-jährigen reichen Mann geheiratet hatte, sagte kürzlich zu mir: „Du findest Twilight und 50 Shades of Grey blöd, nur weil du viel Romantik in deinem Leben erfahren hast.“
      Ich beschwere mich keineswegs. „Romantik“ ist wahrscheinlich auch eine Frage der Definition. Über einen schönen Blumenstrauß freut sich aber jedes Mädchen :)

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    • Eine Frage der Definition, eine Frage der eigenen Perspektive. Romantik kann auch bedeuten – also aus meiner Sicht – schöne Augenblicke des Alltags, ein Lächeln, das bewusste Erleben der Natur … der Moment, in dem das Göttliche im Irdischen direkt wahrnehmbar erscheint. Nicht planbar, doch erlebbar. Insbesondere mit einem offenen Herzen. Für mich ist nichts romantischer, als das herzhafte Lachen einer Frau, unwiderstehlich.

      Gestern fuhr ich durch die Stadt (Fr.) und sah eine junge Dame, die sich, so das man es gut sehen konnte, aus der Strassenmitte an den Strassenrand, in „Sicherheit“ brachte, als sie mich heranfahren sah. Dabei grinste sie schon und als ich dann auf ihrer Höhe war, direkt in ihr Gesicht blickte, ging mir das Herz auf – dieses vorbehaltslose, urteilsfreie Lächeln, einfach wunderschön. Und das obwohl, sie mein Gesicht, durch das Sonnenschutzvisier meines Helms, nicht sehen konnte. Diese Momente sind es, die das Leben verschönern.

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