Edinburgher Zoo

Wie schnell doch unser Leben geworden ist. Du verreist für eine Woche und kehrst in eine völlig veränderte Realität zurück.

Deine Familie wohnt jetzt unten, in einer gemütlichen Deckenburg, die sich in einer malerischen Couchlandschaft befindet. Oben im Badezimmer haben sich Puppen und Quietscheenten eingenistet, weil dein Kind abends majestätisch badet. Wir brauchen mehr Schaum, Mama! Deine Frau hat ihren vierten guten Vorsatz gebrochen und trainiert wieder, obwohl du dich so sehr darauf gefreut hast, dass sie weitere 50 kg zunimmt und du sie überall als „meine Frau, der deutsche Kartoffelknödel“ vorstellen kannst.

Verdammt nochmal!

Ärgere dich nicht, Baby. Fräulein Fettel, dieses Symbol der Beständigkeit, schaukelt starrsinnig auf den Jalousien, denn die Gardinen gehören der Vergangenheit an.

Hach, was waren das für unbekümmerte Zeiten, damals – vor sechs Tagen.

Digitale Selbstdarstellung

Ich hatte gestern im Park gejoggt, war zweimal ausgerutscht und auf meinem Hintern gelandet. Die Wolken hingen tief. Der Himmel schien elend und düster. Meine Hunde lachten mich aus. Dylan war rüde, rüpelhaft und ungehobelt wie immer, weswegen ich ihn zu einem Kampf herausforderte [und versagte].

Zu Hause, in der innigen Umarmung des Wassers unter der Dusche, habe ich endlich begriffen, was mir zum Glück fehlt, obwohl ich schön, reich und schamlos bin. Vielen Dank auch, Baby!

Berühmtheit! Ich will unbedingt Influencerin werden. Erzittert, o Götter der keltischen Triade!

Ich fange sofort damit an, euch zu influencen. Bewundert bitte meine langen Beine, meinen immensen Reichtum und, ich erröte… Ach, riskiert doch selber einen Blick.

* * *
Ich trage bei jeder Gelegenheit High Heels. Den Mann rechts kenne ich nicht. Er versteht sowieso kein Deutsch.

Den Spiegel und den Mülleimer sieht man nicht, aber wie gefällt euch der Fußboden einer öffentlichen Toilette?

* * *
Demnächst erzähle ich euch von meinem perfekten Leben.

Türme & Erker

Meinen Liebhaber sehe ich erst am Dienstag. Also, keine Texte mehr, lediglich ein paar anspruchsvolle Bilder.

Mann – „Passionierter Angler“
Frau – „Kamasutra“
*meine Werbeagentur vertritt sowohl die Katze als auch die Pampuschen. Das rosa Schleifchen war meine Idee.

Von Botschaftern & Betriebsräten

L.: Es gibt drei Dinge, die ich ewig betrachten könnte: fließendes Wasser, loderndes Feuer und ejakulierende Männer.
M.: Du Ferkel. Hast du in absehbarer Zeit vor, ein Buch mit deinen Aphorismen herauszugeben?
L.: Würdest du es lesen?
M.: Machst du Scherze? Ich bin ein Süchtiger. Ich würde monatelang vor dem Buchladen zelten, um ein Exemplar zu ergattern. Würdest du wie früher Autorenlesungen abhalten? Ich würde an allen Vorträgen teilnehmen, auch wenn ich danach Privatinsolvenz anmelden müsste. Ich bin optimistisch. Vielleicht lerne ich dich bei einem Vortrag kennen; du verliebst dich in mich unsterblich, kochst sonntags Spaghetti mit Fleischbällchen und holst mir einen runter. Sofort bitte, wenn es dir nicht allzu umständlich erscheint.
L.: Du bist und bleibst ein Schwachkopf.
M.: Warum bist du gemein zu mir? Wagst du es tatsächlich – grausam und erbarmungslos wie immer –, mir einen bescheidenen Wunsch zu verwehren? Ich lese dir jeden Wunsch von den Lippen ab. Ich unterstütze dich bei dem ehrgeizigen Vorhaben. Ich lasse das Wasser in der Küche laufen. Ich zünde Feuer im Kamin an. Ich ejakuliere für dich. Sag mal, Frau, schämst du dich nicht?
L.: Du bist ein edelmütiges Menschenwesen. Mir kommen die Tränen. Bitte vergib mir diesen schwachen Moment der Gleichgültigkeit. Ich bügle schnell die Schnürsenkel und wedle dir einen von der Palme.
M.: Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Ich verlange keine Perfektion von dir, wenn wir miteinander schlafen. Frag mich, was mir gefällt? Womöglich sehne ich mich insgeheim danach, dich so zu sehen, wie Gott dich in seiner unendlichen Weisheit geschaffen hat – verletzlich und mit zerknitterten Schnürsenkeln. Ihr Frauen verkompliziert Beziehungen. Wir Männer sind direkt. Uns wohnt die natürliche Schönheit inne. Wimperntusche, reichhaltige Tagescreme, maßgeschneiderter Anzug, handgefertigte Schuhe – und wir sind un…
L.: …ausstehlich.
M.: …widerstehlich. Unwiderstehlich. Hörst du schlecht?! Was ist los mit dir?
L.: Dir, mein Lieber, wohnt in erster Linie die angeborene Blödmannitis inne.
M.: Du magst mich trotzdem.
L.: Ja, aber nur aus Angst und Schrecken. Ich simuliere oft. Hände weg von meinem Höschen. Wer hat dich denn eingeladen? Wurdest du akkreditiert? Leg mir das Beglaubigungsschreiben vor.
M.: Once again? Hast du gerade unsere Ehe aufgelöst und dich zu einem souveränen Staat erklärt?
L.: Jawohl.
M.: Ich bin unsicher, wie ich darauf reagieren soll. Mir fehlen die Worte.
L.: Echt?
M.: Ja, aber die Herausforderung reizt mich. Um Missverständnisse zu vermeiden: Gehe ich recht in der Annahme, dass du der Empfangsstaat bist? Bin ich der Entsendestaat? Beglaubige ich mich bei dir selber als designierten Botschafter? Die Botschaft befindet sich demzufolge im Tal südlich des Venusberges. Keine Sorgen, ich bestehe nicht auf dem militärischen Zeremoniell. Den Weg finde ich schon allein. Okay. Listen up. „Der Gesandte bewunderte die Fassade der Botschaft.“ „Die Botschaft bereitete ihm einen wohlwollenden Empfang.“ „In der Botschaft bewegte er sich sanft und langsam.“ „Er merkte wohl, wie steif seine Haltung wurde, als die Tore der Botschaft sich öffneten.“
L.: Mich packt das kalte Grausen.
M.: Warte ab. „Sein Leben widmete er inbrünstig der Botschaft.“ „Die Wände der Botschaft zitterten und bebten heftig, noch bevor die Überschwemmung sich ankündigte.“
L.: Ich hasse dich. Ich hasse dich aus tiefstem Herzen, Michael.
M.: Deswegen lachst du? Liefere mir doch keine Vorlagen, Linda.
L.: Be quiet and shut the fuck up. I’ll do whatever you please.

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White, Red, Green

Wie prunkvoll! Habe ich zufällig unseren Winter erwähnt?

Das sieht verdächtig nach dem Einhorn aus. Nein? In Ordnung. Ich habe alle Spuren gefälscht. Naida hat nichts damit zu tun.

Ja, das ist ein schottischer Schneemann. Kichert nicht. Er ist schüchtern. Aber sehr freundlich.

Die Einheimischen

Man trifft beim nächtlichen Joggen viele nette Leute. Dieser Jogger, ein Fuchs, ist geradezu der Sympathischste. Leider hat er uns seinen Namen nicht verraten.

Bei unserem Glück lernen wir bald das Einhorn von Schottland kennen.

Es schneit :D

Ich skype mit meiner Mama. Sie sitzt mit dem Rücken zum Fenster. Ich sehe, dass es [seit den frühen Morgenstunden] schneit. Im Norden Brandenburgs stellt der Winter gerade einen Antrag auf seine Gültigkeit. Es gibt ihn wahrlich – jawohl.

Wo schneit es noch in Deutschland, Leute?

Wenn ihr nur wüsstet, wie ich den Winter liebe. Kindheitserinnerungen halt. Mein Papa hat mir allerdings die Geschichten von Theodor Storm vorgelesen. Gott, wie ich ihn vermisse. Ich würde so gerne sein lebensbejahendes Lachen noch einmal hören. Ich war immer sein Lieblingssohn.

Heute bin ich die Schneekönigin. Aber ich entführe keine kleinen Jungs. Ich bevorzuge ausschließlich die Jungs mit harten Eiszapfen. Aber warm serviert bitte. Niemand will mich krank erleben.

Ein Quäntchen Hoffnung

Der Mann hat sich erkältet. Die Große hat gezickt. Die dritte Klasse sei völlig überflüssig; sie wisse genug und strebe sowieso eine Karriere in Vaters Firma an. Wessen Charakter sie wohl geerbt hat? Die Kleine hat schlecht geschlafen. Fräulein Fettel hat auf meine Laufschuhe gekotzt. Seht aber, wie herrlich es draußen ist.

Jetzt muss ich lediglich herausfinden, wie ich dem sterbenden Schwan verdeutliche, dass er nicht den ganzen lieben Tag in einem Pyjama unter vier Decken auf dem Sofa im Wohnzimmer verbringen kann, sondern aufstehen und mich mit den Hunden in die Meadows begleiten soll. Das Wetter ist so schön.

Wünscht mir Glück.

0^2

Ein Würdenträger ←→ ein Eierträger. Wer erkennt den bitteren Hohn?

Als stolzer Eierträger will übrigens kein Mann gelten. So bezeichnen die Russinnen einen kompletten Versager. Eine Null… mit zwei weiteren Nullen gratis. Eigentlich einen bedauernswerten Elch. Jaaa *seufz*

Kopf hoch (oben wie unten)! Ihr gehört bestimmt nicht dazu.

Jungs?! Bitte lächeln, hier kommt das Vögelchen ;)

Fremde Zungen lieben lernen

Selfie auf Polnisch, Hühnerarsch und stolzer Eierträger auf Russisch… Was diese Begriffe gemeinsam haben?

Ich bin die gesegnete Frau, die sie nach Silvester zu ihrem aktiven Wortschatz zugefügt hat. Ich erkläre es euch.

Selfie: auf Polnisch „samojebka“, auf Russisch „die Wichse“ – noch Fragen? Ich verspreche, ich wichse samojebke das letzte Mal in der Öffentlichkeit (mir wurde gesagt, ich solle kokettieren; ich bin miserabel darin).

Hühnerarsch, куриная жопа: auf Deutsch „der Schmollmund“, auf Russisch – zutreffende Bezeichnung. Findet ihr nicht? Instagram-Prinzessinnen aus den Sozialschlösschen, habt ihr euch sofort auf euren gestellten Bildern erkannt?

Gibt’s auch unter den deutschen Männern stolze Eierträger? Meldet euch!

Ratet mal, was das heißen soll ;)

Gefangen im Reich aus Eis

Hilfe! Die Stadt versinkt im Schnee. Die Schneeflocken kann man zwar an einer Hand abzählen, aber es ist trotzdem schön zu Hause zu sein. Unsere süßen Bären bauen auf dem Balkon ein Schneemonster. Fräulein Fettel lacht sie aus.

Noch drei Tage der Muße, dann wird der Zauber der Weihnacht endgültig verflogen sein und der Alltag wieder einkehren.

Thank you for the wonderful time we spent in paradise, honey.

Fernab der Traumbilder

oder: Der geschäftstüchtige Exhibitionismus in den asozialen Netzwerken

Meine Frau kochte; ich aß, bis ich ohnmächtig wurde. Das Bier schmeckte erfrischend herb. Der Waschbrettbauch packte seine Koffer. Der Waschbärbauch winkte ihm zu und giggelte fies. Vielleicht lege ich mir eine Glatze zu. Ob die Frau sich darüber erzürnt?

Morgens wachte ich nackt auf – erschöpft, aber ungemein entspannt. Nächstes Jahr werde ich versteckte Kameras über dem Bett installieren, um zu erfahren, was sie mit mir Nacht für Nacht anstellt. Ich fühle mich ausgenutzt und schmutzig. Manchmal weine ich mich sogar in den Schlaf, während sie sich auf die andere Seite dreht und zufrieden schnarcht.

Am Tage tobten die Pferde mit den Kindern auf der Wiese, nachdem wir Tove Janssons Geschichten gelesen und eine Vogelbeere mit Strohengeln geschmückt hatten. Abends gingen wir mit den Hunden im Wald spazieren. Ich kann mich nicht beklagen, obwohl ich oft verhindern musste, dass die Frau vom Winde verweht wird. In Edinburgh schneite es. In der Mark setzte der Dauerregen ein.

Ach ja, fast vergessen: Zu Weihnachten beschenkte sie mich. Ich bekam einen Lachanfall. Bald wälzte auch sie sich vor Lachen auf dem Boden. Wir lachten Tränen. Sex fiel aus. Ich weinte mich wieder in den Schlaf. Baby, Du bist so doof. Wer schenkt bitte schön einem Mann Kondome, die im Dunkeln leuchten?

Alles in allem tat uns das stille Leben in der Abgeschiedenheit gut. Nein, nein, ich seufze nicht, mir stockt einfach der Atem. Ich bin glücklich.

* * *
Meine Vorsätze für 2018:

  1. Erwachsen werden.
  2. Sich ernst nehmen.
  3. Dem Blödmann seinen sehnlichsten Wunsch zum 8. März erfüllen.