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Michael hatte mir ein kostbares Geschenk gemacht: die längste Nacht des Jahres, die wir zusammen verbrachten. Sanfte, verträumte Stunden der Zweisamkeit, in denen wir viele erquickliche Erinnerungen und zärtliche Augenblicke miteinander teilen konnten.

Ich entwendete Champagner und Beeren vom Betriebsfest. Er kochte für mich.

Die Luft roch nach Schnee. Das Himmelszelt war gespenstisch grau, aber das Kaminfeuer bot uns Schutz gegen die Schatten.

Man sagt, dass Liebe in der Stille erblühe und Glück im Verborgenen gedeihe, also sind meine Lippen versiegelt, obwohl mein Herz vor Freude tanzt.

Eine ruhige und friedvolle Weihnachtszeit wünsche ich allen.
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мгновение
בראשית (Deutsch, русский)

Luminous Evening

Der Botanische Garten verwandelte sich zur Weihnacht in einen funkelnden Zauberwald, in dem das Licht über die Dunkelheit triumphiert. Ein wunderbarer Ort für vier Elfen und zwei Drachen.

Aber zu viele Mistelzweige, wenn ich’s mir recht überlege. Die Elfen busselte ich 16000 Male ab. Der Drache gab sich mit 1000 Küssen zufrieden. Ich wurde mit heißem Gaelic Coffee bestochen.

Ein gelungener Ausflug in eine feuerfarbene Märchenwelt trotz der Kälte.

Sonntagnacht

Sonntagnacht, 4:30 Uhr. Der Fremde, der die Hälfte meines Bettes fürs Wochenende gemietet und seine Schulden in frei konvertierbaren Orgasmen beglichen hat, freut sich auf seinen zehnten unkeuschen Traum. Ich liege daneben, starre auf das Dachfenster über meinem Kopf, in dem kein einziges Sternchen flimmert und überlege, ob ich den dreisten Träumer auf die Rippen schlagen oder gegen das Schienbein treten soll. Ich bin nämlich abgrundtief gemein und beneide ihn seit Jahren um seinen Schlaf. Da kommt mir mein Kind zuvor.

Sonntagnacht, 4:40 Uhr. In der Dunkelheit erklingt eine unzufriedene Stimme:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist kalt, Papa.”

Er steht auf, holt noch eine Decke, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, begrabscht beiläufig die Frau, ohne wirklich zu erwachen.

Sonntagnacht, 4:50 Uhr. Die Stimme meldet sich zurück:

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Mir ist heiß, Papa.”

Er steht auf, holt eine weitere Decke, weder zu dünn noch zu dick, stößt mit voller Wucht mit einem Zeh gegen den Schrank, flucht – oh, wie herrlich dieser Mann flucht –, knuddelt das Kind, küsst das Kind, legt sich wieder hin, wirft der Frau einen vorwurfsvollen Blick zu, entscheidet sich kurzerhand doch fürs Fummeln um.

Sonntagnacht, 5:05 Uhr. Die Spannung steigt.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich bin hungrig.”

Er steht auf, bringt ihr Kekse und Mandelmilch, wärmt sie, umarmt sie, während sie ihren Snack verputzt und ihm Geschichten erzählt, deckt sie zu, knuddelt und küsst, legt sich wieder hin. Hey, was ist denn aus Grabschen und Fummeln geworden?

Sonntagnacht, 5:20 Uhr. Die Apokalypse kündigt sich an.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Sweety, was ist los?”
“Papa, ich habe vergessen, meine Zähne zu putzen.”

Sonntagnacht, 5:35 Uhr. Erinnert ihr euch an die unheilvolle Musik aus Hitchcocks Filmen? Ja, ja, die hört man deutlich im Hintergrund.

„Papa? Papa, Papa, Paaapa.”
“Poppet, willst du nicht noch ein bisschen schlafen?”
“Papa, ich muss aber dringend auf die Toilette.”

Sonntagnacht, 5:55 Uhr. Die Tür geht auf. Im Zimmer erscheint das Fass auf vier kurzen Pfoten, welches wir Fräulein Fettel nennen. Im Türrahmen dahinter steht der kleine Engel mit verwuscheltem Haar:

„Mami, ich möchte mit dir kuscheln. Fahren wir heute zur Farm und streicheln die Ziegen?“

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Versteht ihr, warum Michael gestern so schweigsam war? Komisch.
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Die Chronik eines Verbrechens (или Кто украл мои трусы?)

Über Edinburgher Raubtiere

That was my best bench workout so far: ein opulentes Sandwich mit gegrilltem Cashew-Käse, knusprigem Kokosnuss-Bacon, Tomaten und Basilikum, das ich genossen hatte, während ich mit Engelsgeduld auf Dylan wartete, der mit den Höllenhunden im Park joggte.

Dylan hat die verführerischsten smaragdgrünen Augen, die bei einem humanoiden Wesen je gesehen wurden. Seine Wimpern sind noch länger und dichter als die meines Mannes; sein Intelligenzquotient ist noch höher, falls es überhaupt möglich ist. Es könnte sein, dass er vom linken Ufer des Eridanus stammt, aber er hüllt sich im Schweigen.

Wenn er nicht gerade Mara erzieht oder die Welt durch seine bloße Präsenz zu einem besseren Ort macht, ist er mein Coach, mit dessen Kampftechniken ich einst den Koloss von Edinburgh bezwungen habe. Wo ist mein Dame Grand Cross, Michael?

Früher haben wir dem morgendlichen Matratzensport gefrönt, jetzt führe ich bizarre Freudentänze mit Tamburin auf, bis meinem Mann der Kragen platzt, und er mich unter die Dusche schleppt. Ich bin zutiefst unglücklich.

„Warum das breite Grinsen, o Märtyrerin?“, erdreistet er sich, mich zu fragen. Nun wirklich.

Also sitze ich auf der Bank und vertilge friedlich mein Frühstück Also trainiere ich hart, hopse begeistert in der Gegend herum, als plötzlich ein Eichhörnchen aufkreuzt, mir eine Pistole auf die Brust setzt und ein beachtliches Stück von Dylans Sandwich mampft. Dabei schaut es mich überheblich an und lächelt sinister.

Eine wahre Geschichte. Leider weiß niemand, warum meine Jeans zwickt.

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Kompromittierendes Beweismaterial: Typisch! Zuerst das Essen mopsen, dann den heißen Kerl anbaggern. Ich bin nicht eifersüchtig, aber das hätte ich allein hingekriegt.