Fáfnirs Schatz

Drachenfrauen aus dem Sternbild Orion sind leicht zufrieden zu stellen.

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Der Flieder berauscht die Sinne mit lieblichem Wohlgeruch.

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Meine Dienstleistung als Dolmetscherin wurde nicht nur großzügig honoriert. Obendrein hat Dafydd mir ein vorzügliches Dessert ausgegeben.

Die Zitronencreme mit Karamell aus weißer Schokolade hat vollkommen mit Himbeerparfait und reifen Beeren harmoniert.

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Ich habe wieder meine nächtliche Freundin, die Hüterin der endlosen Treppen, getroffen. Sie hat mich schnurrend begrüßt.

Die Einheimischen dieser Stadt sind wahnsinnig charismatisch.

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Am Donnerstag werden unsere Knirpse zwei Jahre resp. zehn Monate.

Der kleine Frechdachs hat seinem Vater treuherzig über Skype zugeflüstert: „Daddy, kommst du zu meinem Geburtstag? Ich warte auf dich so sehnsüchtig wie auf… wie auf… wie auf eine Sahnetorte.“

Das süße Drachenmädchen kann inzwischen krabbeln und beißt jeden, der sie daran hindert. Unter ihren Ahnen gab es anscheinend nicht nur Drachen, sondern auch Schnappschildkröten.

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Großes Wunder, kleine Seifenblasen

Emiliana: Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal um das große runde Rasten–burger Rathaus. Dreihundertdreiunddreißig Reiter… Mummy, wiederhole diesen Zungenbrecher dreiunddreißigmal hintereinander! Fast!
L.: Ich muss leider passen.
E.: In Ordnung. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen…
L.: Das hört sich wunderbar an. Ich passe trotzdem.
E.: Am zehnten Zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo. Mummy, bist du im Stande irgendetwas zu wiederholen?
L.: Aßen acht alte Ameisen am Abend Ananas? Forscht der froschforschende Froschforscher in der frosch–forschenden Froschforschung? Kratzen die Katzen im Katzenkasten?
E.: (seuzt) Nein, nein. Zu simpel. Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal…

Dreiunddreißig Minuten beträgt der Weg zur Schule. Fünf Wochentage. Insgesamt zehn Fahrten.

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E.: Was ist das, Dylan?
D.: Eine Schäfchenwolke.
E.: Stimmt! Weißt du, wie schwer sie ist?
D.: Ungefähr fünfhundertundfünfzig Tonnen.
E.: Wiegen einhundert Elefanten fünfhundertundfünfzig Tonnen?
D.: Ich gehe davon aus.
E.: (grüblerisch) Du bist beinahe so klug wie mein Daddy.
D.: Warum „beinahe“? Ich bin sogar kluger.
E.: Du träumst wohl! Mein Daddy misst die Schäfchenwolken in Elefanten, nicht in Tonnen. Denk darüber nach.
D.: Schäfchenwolken werden übrigens in der Fachsprache als Kumuli bezeichnet.
E.: Nein, werden sie nicht. Du bist ein Kumulus! Und weißt du, wie viele Farben ein Regenbogen hat?
D.: Sieben. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett.
E.: Naaain! Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Indigo, Violett. Und weißt du, woher der Wind kommt?

Und weißt du?.. Und weißt du?.. Und weißt du?.. „Die unendliche Geschichte“ neu interpretiert.

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E.: Ein niedlicher Igel lebte in einem Garten in Grunewald. Er konnte fliegen. Er war verliebt in ein Mädchen.
L.: Konnte das Mädchen auch fliegen?
E.: Ja. Es konnte die Treppe hinunter fliegen.

Das schwere Los der Berliner Igel.

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L.: Mili, guck mal, wer sitzt da drüben auf dem Baum? Eine Elster oder ein Rabe?
E.: Ein Bär!
L.: Der Vogel ist aber schwarz.
E.: Das ist ein schwarzer Bärenvogel. Vermutlich der kanadische Grizzly.
L.: Meine Güte, wo ist er jetzt hin?
E.: Er ist vom Baum gefallen.
L.: Bären fallen selten von Bäumen. Sie klettern vorsichtig, bis ihre Hintertatzen wieder den Boden berühren.
E.: In diesem Fall ist er einfach weggeflogen. Das war ein fliegender Bär. Er wollte eine nette deutsche Bärin kennen lernen.

Seid gewarnt vor fliegenden Bären! Während der Paarungszeit sind sie besonders griesgrämig.

Naida

So gehen wir mit Naida spazieren:

1. Das Ferkel sucht den Dreck.
2. Das Ferkel findet den Dreck.
3. Das Ferkel verbreitet Freude.

An Evening to Die for

Eine uneigennützige, aufrichtige, gütige Bekannte, die keineswegs um einen Rat gebeten wurde, hat mir nahe gelegt, ich solle Schuhe mit hohen Absätzen tragen, weil Michael mich sonst betrügen würde. Ich bin sofort in ein Geschäft gerannt und habe… eine Ananas, eine Drachenfrucht und zwölf gelbe Kiwis gekauft.

Es ist ein wahrer Segen: Der verliebte Trottel hat noch gar nicht bemerkt, dass ich wesentlich kleiner bin als er und eigentlich auf Biker Boots stehe. Das Unglück abgewendet, die Familie gerettet.

Ein Hoch auf die Frauen, die sich gerne reden hören. Auf sie wartet die Hölle.

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Michael hat mich gestern in ein nettes Restaurant ausgeführt und danach ins Halbkoma gebumst*, deswegen fasse ich mich heute kurz.

Unser erster grüner Spargel in diesem Jahr. Dazu ein perfekt pochiertes Ei und Sauce hollandaise mit Zitronengras. Tradition trifft auf Moderne.

Ein Stück Torte aus Pistazien mit weißer Schokolade und Himbeersorbet als Nachtisch. Ein Traum!

Das war’s :)

Live long and prosper!
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*Er verlässt uns demnächst für zwei Wochen in Richtung Singapur. Wir nehmen momentan alles mit, was wir kriegen können.

Eine Wetterprophetie

L.: Wach auf. Waaach auf. Michael, wach auf!
M.: Belästige mich nicht, Frau. Ich habe keine Lust.
L.: Was für eine epochale Neuigkeit. Seit wann das denn?
M.: Fortschreitendes Alter. Existenzielle Erschöpfung. Alzheimer. Das ist eine Krankheit, bei der ein Mann in eine Frau eindringt und sofort vergisst wozu.
L.: Besteht eine klitzekleine Möglichkeit, dass du dich irgendwann änderst? Darf ich träumen? Dreh dich jetzt auf die Seite und schlaf ruhig weiter.
M.: Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Ich hätte doch Lust. Fang an mich wieder zu belästigen.

* * *
L.: Erkläre dich bitte. Was treibst du da gerade?
M.: Ich ziehe dir das Höschen aus.
L.: Ginge das auch ohne Vandalismus? Zuerst höflich fragen, dann sich mir zärtlich nähern.
M.: Mein Engel, meine Königin, meine Göttin, voller Demut flehe ich euch an. Seid gnädig und lasst mich an eurem Quell der Erkenntnis laben.
L.: Idiot.
M.: Gestattet mir, euren unschuldigen Leib, welcher sich der Wollust und dem ungezügelten Sinnenrausch noch nicht hingegeben hat, mit sündigen Liebkosungen zu entflammen, auf dass sich eure Bestimmung offenbare?
L.: Vollidiot!
M.: So, mir reicht’s! Ich bin bedient. Sieh zu, wie du ohne einen zweiten Orgasmus auskommst.
L.: Willst du vielleicht auf der Couch im Wohnzimmer schlafen?
M.: Nein. Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Du musst nicht ohne einen zweiten Orgasmus auskommen.

Es ist sonnig mit Aussicht auf erhöhte Atemfrequenz, rhythmische Muskelkontraktionen und Freisetzung angestauter sexueller Energie.

Die Sterne verheißen schlaflose Nächte und prächtige Sonnenaufgänge.

Zwei Deppen auf einem Übungsgelände

L.: Ich wollte dich noch fragen…
M.: Ja!
L.: Was „ja“?
M.: Ja, ich habe Kondome dabei und würde liebend gern mit dir schlafen.
L.: Warum hast du denn Kondome dabei?
M.: Man weiß nie, wann sich die Gelegenheit ergibt.
L.: Mit mir? Auf dem Übungsgelände?
M.: Nein. Mit unserem pensionierten Nachbarn. Im Treppenhaus. Wir haben eine heftige Zuneigung zueinander gefasst.
L.: Du bist so ein Schwachkopf! Wirst du irgendwann erwachsen?
M.: Ich bin erwachsen, ernsthaft, verantwortungsbewusst. Glaubst du, ich sollte ihm zuerst Blumen schenken?

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L.: Bist du stolz auf mich, Honey?
M.: Ich bin immer stolz auf dich, Baby! Ich lade jetzt die Waffe neu, und du versuchst diesmal das Ziel nicht zu verfehlen.
L.: Ich habe doch das Ziel nicht verfehlt.
M.: Jaaa… Folgendes: Die meisten Angreifer gehen ohne einen weißen Nimbus neben oder über dem Kopf spazieren. Hör auf zu lachen. Konzentriere dich! Du musst die schwarze Mitte treffen.
L.: Sei nett zu mir, sonst könnte ich dich zufällig treffen.
M.: Das traue ich dir zu, aber es wäre schade um die Kondome.

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L.: Balze mich nicht am Schießstand an. Das ist Erregung öffentlichen Ärgernisses.
M.: Sag nicht „ Erregung“. Es macht mich geil.
L.: Dich macht doch alles geil. Ich wundere mich, wie du überhaupt den Tag bei so vielen Reizen überstehst.
M.: Mein Leben ist hart.
L.: Sag nicht „ hart“. Es macht mich geil.

* * *
M.: (zu einem Freund) Die Hübsche… Mit den wunderschönen Augen… Siehst du?
L.: Zieh mich da bitte nicht mit hinein!
M.: Das ist meine Stalkerin. Sie heißt Linda. Sie hat fünf Kinder und ist deswegen ein wenig verzweifelt. Gierig nach Nähe. Ständig geil. Raubt mir im Bett den Verstand. Ich gebe zu. Sie hat mir hartnäckig nachgestellt. Sie hat mir vor meiner Wohnung aufgelauert. Ich habe mich lange dagegen gewährt. Ich bin schwach. Ich betrüge meine Frau mit ihr.
L.: Wer bist du? Verschwinde!

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L.: Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Verfickte Scheiße!
XY: (verdutzt) Was war das?
M.: Was? Ach das? Lindas Tourette-Syndrom hat sich mal wieder verschlimmert.

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XY: Sie kennt nur beide Extreme: Entweder schreibt sie über Wolken, Regen, Feen oder übers Ficken.
M.: Manchmal schreibt sie auch übers Ficken mit Feen. Beim Regen. Auf den Wolken. Sie ist ziemlich erfinderisch.

Bald ist Sommer. Wir sind glücklich. Das Notebook verstaubt seit geraumer Zeit auf dem Sekretär.

Ist das kein gutes Zeichen? ;)