About the Texas Bluebells and Blissful Happiness

Vor sechs Jahren bewohnten wir ein klitzekleines Haus in San Antonio. Ich trug Emiliana aus. Michael war endlich mit sich selbst im Reinen, weil er einen Job hatte, bei dem er sein eigener Chef sein und die Familie ernähren konnte. Die Jahre zeichneten sich überhaupt durch viel Glück, Liebe und Geborgenheit aus.

Unsere abgeschiedene Idylle ähnelte einem Gemälde von Thomas Kinkade. Um das Haus herum erstreckte sich ein Blumenmeer. Zweimal wöchentlich tauchte der Gärtner auf, kümmerte sich um die paradiesische Pracht und verschwand ebenso schweigsam im goldenen Lichte des Sonnenaufgangs.

In dem Gärtchen gesellten sich schüchterne Wildblumen zu den eitlen Rosen und Rittersternen; unschuldige Lilien tuschelten mit frechen Rhododendren; Kallas und Gladiolen wetteiferten miteinander um den graziösesten Kelch; aber zu meinen Lieblingen gehörten zweifelsohne die scheuen Prärieenziane, deren würdevolle Schönheit mich überwältigte.

Prärieenziane sind äußerst anspruchsvolle Zierpflanzen. Ihre Zucht ist mühsam. Nach einer kurzen Zeit sterben sie ab. Früher wurden sie im Ausland ausschließlich als Blumensträuße verkauft. Bedauerlicherweise sah ich sie in keinem deutschen Blumenladen. So wärmte meine Seele eine liebevolle Erinnerung. Bis heute.

Denn heute hat mir Michael blühende Prärieenziane geschenkt. Ich weiß nicht, wo er sie auftrieb. Es ist mir egal. Ich schwebe in vollkommener Glückseligkeit. Ich bin bodenlos in diesen Mann verschossen.

Eine halbe Stunde durfte ich mich an meinem Geschenk ergötzen, dann wurde es von einer gewitzten Diebin entwendet. Das macht aber nichts. Ihre atemberaubend großen Augen strahlen vor sorgloser Freude. Als ihr Vater sie gefragt hatte, wohin Mamas Blumen verschwunden seien, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu: „Es ist mir auch ein Rätsel, Daddy. Wirklich. Glaube mir, aber geh bitte nicht in mein Zimmer.“

Und wenn sie einschläft, schleiche ich mich heimlich in ihr Kinderzimmer und riskiere einen Blick auf die traumhaftesten Blumen meiner Welt.

Advertisements