Leut vs. Leutin

MILI: Wir stehen an der Ampel und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht ein männlicher Leut.
MIKE: Ein was? Leut? „Leut“ ist falsch. Entweder ein Mann oder ein Mensch.
MILI: Du bist falsch. „Leut“ ist korrekt. Du bist ein Leut. Eli ist ein Leut. Zusammen seid ihr zwei männliche Leute. Ich dagegen bin eine Leutin. Zusammen mit Sole sind wir zwei weibliche Leutinnen. Du verstehst rein gar nichts!
ELI: Ich bin ein Mädchen.
MIKE: Kinder, macht mich nicht fertig.

Habt ihr Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik, Orthografie oder Syntax? Wendet euch an meinen Mann oder seine Tochter. Sie sind erfahrene Germanisten und exzellente Semantiker.

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About the Texas Bluebells and Blissful Happiness

Vor sechs Jahren bewohnten wir ein klitzekleines Haus in San Antonio. Ich trug Emiliana aus. Michael war endlich mit sich selbst im Reinen, weil er einen Job hatte, bei dem er sein eigener Chef sein und die Familie ernähren konnte. Die Jahre zeichneten sich überhaupt durch viel Glück, Liebe und Geborgenheit aus.

Unsere abgeschiedene Idylle ähnelte einem Gemälde von Thomas Kinkade. Um das Haus herum erstreckte sich ein Blumenmeer. Zweimal wöchentlich tauchte der Gärtner auf, kümmerte sich um die paradiesische Pracht und verschwand ebenso schweigsam im goldenen Lichte des Sonnenaufgangs.

In dem Gärtchen gesellten sich schüchterne Wildblumen zu den eitlen Rosen und Rittersternen; unschuldige Lilien tuschelten mit frechen Rhododendren; Kallas und Gladiolen wetteiferten miteinander um den graziösesten Kelch; aber zu meinen Lieblingen gehörten zweifelsohne die scheuen Prärieenziane, deren würdevolle Schönheit mich überwältigte.

Prärieenziane sind äußerst anspruchsvolle Zierpflanzen. Ihre Zucht ist mühsam. Nach einer kurzen Zeit sterben sie ab. Früher wurden sie im Ausland ausschließlich als Blumensträuße verkauft. Bedauerlicherweise sah ich sie in keinem deutschen Blumenladen. So wärmte meine Seele eine liebevolle Erinnerung. Bis heute.

Denn heute hat mir Michael blühende Prärieenziane geschenkt. Ich weiß nicht, wo er sie auftrieb. Es ist mir egal. Ich schwebe in vollkommener Glückseligkeit. Ich bin bodenlos in diesen Mann verschossen.

Eine halbe Stunde durfte ich mich an meinem Geschenk ergötzen, dann wurde es von einer gewitzten Diebin entwendet. Das macht aber nichts. Ihre atemberaubend großen Augen strahlen vor sorgloser Freude. Als ihr Vater sie gefragt hatte, wohin Mamas Blumen verschwunden seien, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu: „Es ist mir auch ein Rätsel, Daddy. Wirklich. Glaube mir, aber geh bitte nicht in mein Zimmer.“

Und wenn sie einschläft, schleiche ich mich heimlich in ihr Kinderzimmer und riskiere einen Blick auf die traumhaftesten Blumen meiner Welt.

Wie Stalker ihren Vormittag verbringen

Ich habe einen harmlosen Text verfasst. Vier Bekanntschaften haben mich daraufhin angeschrieben, nur um sich zu erkundigen: „Und? Wie geht es Mike? Hast du ihm Gewalt angetan?“

Liebe Mädels, aber selbstverständlich hab‘ ich das! Er hat es sichtlich genossen. Ich habe ihn am Montag sogar zum Flughafen gefahren, wo er mich angebalzt hat. Einfach so. Aus Gewohnheit. Das ist sein beständiger Modus Operandi. Mein Sinnenrausch und meine Nachgiebigkeit in seiner Nähe tragen auch wesentlich dazu bei.

Eure Anteilnahme an seinem Schicksal ist rührend. Sie schmeichelt ihm. Sorgt euch nicht! Der Mann ist siebenunddreißig Zentimeter größer als ich. Er ist doppelt so schwer wie ich. Mein Bruder sagt über ihn: „180 Pfund, 90 davon sind Muskeln.“ Hochdekorierter Ex-Militär mit ausgezeichneter Ausbildung, dessen überragende Fähigkeiten in einem Kampfeinsatz getestet wurden. Er ist in guten Händen. Sein Leben ist nicht in Gefahr. Momentan befindet er sich vermutlich in einem Münchener Edelbordell.

Ne lange Geschichte. Wenn ihr des Russischen mächtig seid, sucht die Antwort darauf im Archiv des Jahres 2015.

Ich meinerseits stalke derweilen Dafydd, dem ich in Morningside permanent über den Weg laufe. Zufällig. Ich schwör’s!

Lilly ist eine Mitschülerin meiner Tochter. Sie sind befreundet und lernen gern zusammen. Dafydd ist Lillys Vater, der fast genauso oft zu einem lehrreichen Gespräch in die Schule eingeladen wird wie wir. Nein, unsere Kinder sind keine asozialen Unholde. Sie sind einzigartig, warmherzig, mitfühlend. Wir erziehen sie allerdings zu freidenkenden, eigenständigen, mutigen Menschen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und nicht servil dem bequemen Kadavergehorsam frönen.

Wir missionieren nicht. Wir indoktrinieren nicht. Wir vermitteln lediglich unsere moralischen Werte an unsere leiblichen Kinder. Es ist eine Frage der Balance. Ich wage zu behaupten, sie sei uns geglückt.

Anyhow! Es ist ungemein heilsam und aufschlussreich, sich mit einem charmanten Mann auszutauschen, dessen Tochter die gleichen intellektuellen Kapazitäten aufweist wie die eigene.

Wir hatten am Vormittag Zeit. Also haben wir uns zum Brunch in meinem Lieblingscafe verabredet. Die Speisen, die dort serviert werden, sind eine Ofenbarung. Der Kostenaufwand ist zwar nicht zu verachten, aber frischer Räucherlachs, pochierte Eier und Sauce hollandaise mit Trüffeln schmecken wie immer göttlich.

Und weil wir uns seit dem ersten Treffen, bei dem er mich auf Deutsch ansprach, auf Anhieb verstanden, die Unterhaltung spannend war und die Sonne schien, sind wir mit meinen beiden Winzlingen noch am Strand spazieren gegangen. Das Wasser ist höllisch kalt, aber ich kenne eine Verrückte, die keine Scheu davor hat, sich der Lächerlichkeit preiszugeben und bei jeder brandenden Welle laut zu kreischen und zurückzuweichen.

Ich warte vergeblich auf den Winter, aber in den Meadows blühen violette Krokusse. Spielt das Wetter mit, werden wir in ein paar Wochen wieder segeln können. Noch ein Grund zur Freude.

Bebumsen, verliebhabern, umbeinen

oder Wie man die deutsche Sprache ungebetenerweise bereichert

L.: Beschwere dich nicht. Du wirst jeden Tag bekocht und…
M.: … bebumst.
L.: Das Wort gibt es nicht.
M.: Vielleicht nicht in deinem Vokabular. Ich benutze es häufig.
L.: Was habe ich verbrochen? Womit habe ich dich verdient?
M.: Mit gar nichts. Ich war ein Geschenk des Himmels.
L.: Sag doch die Wahrheit. Die da oben hatten dich satt und setzten vor die Tür.
M.: Mag sein, aber zur richtigen Zeit und am richtigen Ort, denn du bist mir begegnet, hast mich empfangen, gewaschen, wohl gespeist, mit Zuneigung getränkt und mit Wonne gekrönt. Und dann machst du noch diese schöne Sache mit deinem Mund und meinem…
L.: Geh weg. Ich kenne dich nicht. Und denke bloß nicht, ich hätte Jesus Sirach* nicht identifiziert, du Plagiator.
M.: Ich habe nicht plagiiert. Ich habe interpretiert. Übrigens steht bei Sirach nichts über Blowjobs drin. Warum seufzt du, Baby?
L.: Ach, nur so. Ich stoße gerade Flüche gen Himmel aus als Danksagung für das wunderbare Geschenk, welches mir zuteilwurde.
M.: Aber liebevoll – richtig?
L.: Du hast ja keine Ahnung, Freundchen!
M.: Also bist du mir nicht mehr böse und wir vertöchtern uns. Hab‘ ich Recht?
L.: Das Wort existiert nicht.
M.: Wieso „versöhnen“? Wieso nicht „vertanten“ oder „veronkeln“?
L.: Michael!
M.: Der Name existiert aber. Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Hebräisch. Heißt übersetzt „Wer ist wie Gott?“. Schaue nicht so düster drein. Wir verliebhabern uns. In Ordnung? Nein? Vergeliebten?
L.: Ich töte dich gleich.
M.: Durch Sex?
L.: Mit Zyankali.
M.: Bemerkenswert, dass du Zyankali ständig bei sich führst. Umbeine mich lieber.
L.: Was bedeutet das schon wieder?
M.: Ganz simpel. Das Verbum „umbeinen“ ist ein schwaches Verbum. Ungefähr wie du, wenn du geil bist, aber nicht so hübsch. Roll nicht mit den Augen. Es verwirrt mich. Solltest du nicht einen Konspekt anfertigen?
L.: Ich verzichte.
M.: As you wish. Weiter. Das Verbum wird wie folgt getrennt: um|bei|nen. Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit…
L.: … die praktisch aus einem Hohlkopf besteht…
M.: Frau, unterbrich mich nicht! Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit, die praktisch aus einem Hohlkopf besteht und in Berlin beheimatet ist, gesprochen. Es bedeutet „jemanden fest an sich drücken und seine Hüften mit den Beinen umschließen“. Manchmal unter der Dusche. Komm mit. Den Wortgebrauch veranschauliche ich anhand verschiedener Beispiele. Du assistierst.

Falls ich ihn heute Nacht nicht mit einem Kissen ersticke, weil er mich in den Wahnsinn getrieben hat, fliegt er morgen nach München, und ich werde ihn unglaublich vermissen.
__________
*Ecclesiasticus 15, 1–6

Keine Kausalkette

Nur ich kann mich dermaßen blamabel versprechen und Black Cock statt Black Hawk sagen; dann rot wie ein Hummer werden und anfangen wie ein Pferd zu wiehern.

Ich bin die Seele jeder Männerrunde. Ruft mich an!

Nur mein Mann kann nach einem Arztbesuch wieder sicher zu Hause ankommen und feierlich verkünden: „Es ist keine bakterielle Infektion. Ich darf dich lecken. Wir dürfen uns küssen. Bumsen ist auch erlaubt.“

Welch ein Glück, dass zumindest unsere Kinder gesellschaftlich vorzeigbar sind und einen regen Gedankenaustausch mit ihren Nächsten pflegen.

Wie man einen Pullover richtig strickt

L.: Wieso bist du nackt?
M.: Ich wollte mir einen Pullover stricken.
L.: (mit den Augen rollend) Oh Gott.
M.: Du kannst mich gerne Michael nennen.
L.: Ich könnte dich auch einen Vollidioten nennen.
M.: Das könntest du – sicher. Allerdings wäre es nicht so liebenswert.
L.: Zieh dich bitte an.
M.: Zieh du dich bitte aus.
L.: Wir werden jetzt nicht miteinander schlafen.
M.: Aus welchem Grund nicht?
L.: Aus dem simplen Grund, dass du einen Termin bei der Lehrerin deiner Tochter hast.
M.: Was hat sie getan?
L.: Sie hat ihrem siebenjährigen Mitschüler ein Buch über den Kopf gehauen, weil er sie wohl in der Mittagspause zu küssen versucht hat.
M.: Gutes Kind.
L.: Ja. Solche Aussagen verkneifst du dir.
M.: Warum gehe ich hin?
L.: Weil du derjenige bist, der diesem Kind den Unterschied zwischen Faust– und Tritttechniken erklärt hat. Als es zarte drei Jahre alt gewesen ist! Steh auf, sonst verprügle ich dich mit meiner Pampusche.
M.: Und du behauptest, sie komme nach mir. Ich prügle mich nicht. Ich bin ein Verfechter der verbalen Deeskalation.
L.: Steh auf! Oh Mann, bist du schön…
M.: Sex?
L.: Kein Sex! Dusche, Anzug, Schule.

Ich denke, wir hätten diesen Pullover doch sofort stricken sollen, aber das würde ich natürlich nie zugeben.

Eine Liebeserklärung

Weil eine Frau, die liebt und geliebt wird, paradiesisch schön ist. Weil die Luft um diese verliebte Frau mit Licht überflutet und mit Wärme durchtränkt ist. Weil sie lächelt, weil ihr Antlitz strahlt, weil ihre Haut schimmert, und leuchtet, und einen betörenden Duft verströmt. Weil Du diese Frau bist. Weil Dein Duft mich anlockt wie einen Schmetterling, und ich mir nicht zu helfen weiß. Ich kreise und flattere um Dich herum. Ich habe keine Angst zu verbrennen, – und fange doch Feuer, und lodere.

Du bist begehrenswert und zerbrechlich. Du bist begehrenswert zerbrechlich. Ein Geheimnis blüht in Dir auf. Du willst Deine Liebe verbergen wie einen kostbaren Schatz; sie beschützen wie einen Neugeborenen und behüten wie ein Wunder. Du willst es, aber es gelingt Dir nicht. Es ist gänzlich unmöglich. Du kannst nicht Deine Liebe in ein Glas füllen, sie mit einem Deckel verschrauben und in einem finsteren Verlies einkerkern.

Du bist Liebe, und Liebe ist Du. Liebe bedeutet Halt. Die Liebe badet Dich in wiegenden Wellen und bettet auf Wolken. Die Liebe erhellt Dich von innen und umhüllt von außen, perlt von Deiner Stirn und tropft aus allen Poren. Diese Liebe hat sich erfüllt. Sie singt, jubelt und triumphiert. Sie ist göttlich, vollkommen und tadellos. Diese Liebe sprengt mit ihrer Kraft die Ketten, öffnet alle Käfigtüren, steigt in den Himmel empor wie ein Vogel und bringt die Himmelshöhen auf die Erde hernieder.

Und mich verlangt nach Dir, weil ich ohne Dich nicht atmen kann, und mich dürstet nach Dir, weil ich Dir verfallen bin, und mich hungert nach Deiner Nähe. Ich will über Deine Schönheit staunen, Dich spüren, in Dir sein, – sein. Ich will Dich nehmen, in Dich eintauchen, vollständig mit Dir verschmelzen. Ich will mich aufgeben, mich Dir hingeben in zügelloser Leidenschaft.

Ich will mit Dir schlafen, während ich Auto fahre, arbeite, esse, lese oder ausgehe, während ich träume, wachträume oder albträume, während ich Dich umarme, Dich herze, mich an Dich schmiege. Ich will mit Dir schlafen, während ich beim Sonnenaufgang wach im Bett liege und die Sterne anstarre, die am Fenster vorbeisegeln. Ich will mit Dir schlafen, während ich einschlafe, aufwache, schlafe oder mit Dir schlafe. Rund um die Uhr. Tag und Nacht. Du bist mein einziger Gedanke.

Ich will mit Dir sein, ich will bei Dir sein, Dich berühren, anfassen, streicheln und an mich drücken. Wenn Du nach einer Nacht der Verzückung in meinen Armen sanft eingeschlummert bist, schaue ich Dich an, lausche Deinem Atem, bis mich plötzlich das Glück überwältigt, und ich beinahe vor Liebe zerberste, Deine Hüfte umschließe, eine Haarlocke aus Deinem Gesicht streiche, mit meinen Fingerkuppen die Konturen Deines Mundes nachziehe und heimlich Deine Augen küsse.

Und wenn ich nicht bei Dir bin, dann denke ich an Dich. Ich denke an Deine Muttermale, an Deine Lippen, an die feinsten Äderchen an Deiner Schläfe, an den Pulsschlag an Deinem Hals, an die Kuhle zwischen Deinen Schlüsselbeinen, die ich gierig mit meinen Liebkosungen übersäe, an die zarte Linie Deiner Achselhöhle, an Deine Brüste, an Deine Hände, an Deinen Bauchnabel, an Deinen Schoß, der zu meinem Elysium, meinem Lebenselixier, meiner Heimat geworden ist.

Und die Vergangenheit überlebt nicht, und die Hölle weicht zurück. Du überschwemmst mich mit Deiner Liebe, linderst meine Schmerzen und reinigst mich von meinem Heidentum. Ich vergesse den Tod, entsage dem Hass und erfinde eine neue Sprache — eine wilde, blumige Sprache, die nach Dir schmeckt, nach Dir riecht, nach Deinem Körper lechzt und in Deiner Seele Geborgenheit findet. Ich. Lebe. Keine Zweifel plagen mich. Ich kenne keine Furcht. Ich verbrenne zu Asche und werde wiedergeboren. Ich bin fast unsterblich geworden.

Weil. Ich. Dich. Liebe. © Mike