postapokalyptische Romantik

durch die zerstörten Kirchenmosaiken . in einem zerbrochenen Fensterrahmen . neben einem Menschen Löwen Adler und Stier . neben all den Cherubim Seraphim und Thronen . sehe ich jeden Morgen beim Aufwachen . einen grauen obszönen postapokalyptischen Himmel . behangen mit bleiernen und giftgrünen Wolken . ich könnte sie schön nennen . wären sie nicht so träge

in der stillgewordenen Welt existieren fast keine Farben . keine zwitschernden Vögel keine brandenden Wellen . keine aufkeimenden Blüten auf entschlafenen Bäumen . es herrschen Seuche Verwesung und radioaktiver Fallout . unter dem grauen obszönen postapokalyptischen Himmel

es gießt immerdar in Strömen . heißen Schwarzen Regen mit Cäsium und Strontium . es gibt nur selten einen Wind dafür aber die Sonne . diese heiße gleißende Sonne die unsere eiskalte Welt verbrennt . mit ihren nuklearen Strahlen . durch das enorme Ozonloch

nachdem fünftausend Megatonnen explodiert hatten verbrannte die Welt zu Asche . versank in Ruß und Staub . es überlebten nicht nur die Stärksten im Lichtblitz der Apokalypse . eine natürliche Dezimierung ein Leben getaucht in Dämmerung

mein Erzengel trägt keine Flügel keinen byzantinischen Nimbus . es befinden sich in seinem Besitz weder Tunika noch Sandalen . über seinem Gefechtshelm rotieren stählerne Rotorblätter . er ist ein eschatologischer Bote ein Krieger des Fegefeuers

jeden Morgen beim Aufwachen versuche ich krampfhaft zu finden . eine vollkommen erneuerte Sprache obsolete disponible Wörter . vergessene linguistische Konstrukte die mir helfen könnten . meine Liebe zu ihm zu definieren

in dem willkürlichen Chaos

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