Über Sumpftrolle & Schurken

Drei Schurkereien vollbrachte die Katze am Wochenende:

1. Sie bezwang nachts die hohen Gipfel der Gardinen im Speisesaal. Wir mussten sie retten.
2. Sie entführte meine Merinowollsocke und hüllte sich in Schweigen. Die Socke verzweifelte derweilen am Leben in einem düsteren Verlies.
3. Sie zähmte zu guter Letzt das mystische Ungeheuer namens Kobold VR200 und ritt es tollkühn durch die Wüste des Wohnzimmers. Unser kleiner Sohn, der achtzehn Monate alt ist, eiferte ihr nach.

* * *
Mein Mann geht heute für drei Wochen auf Geschäftsreise. Ich bleibe zu Hause und fechte um mein Ansehen als Alleinherrscherin gegen fünf niedliche, reizende, grandiose und unglaublich freundliche Sumpftrolle.

Omnes sancti Angeli et Archangeli, omnes sancti beatorum Spirituum ordines, omnes sancti martyres, orate pro nobis. Propitius esto, parce nos, Domine. Propitius esto, exaudi nos, Domine. Amen.

Das wird lustig.

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Über außerirdische Entitäten

Meinen Mann stelle ich auf dem Übungsgelände inzwischen nur so vor:

Das da hat mich vor fünf Jahren, nach zwölf Jahren wilden Treibens, unbegreiflicherweise geschwängert und geehelicht. Es nennt sich Michael. Model XY der Luxusklasse. Hochintelligent, hochbegabt, hochgewachsen. Kann gut kochen. Kann gut küssen. Macht wunderschöne Kinder.

Als ich fünfzehn war, verlor ich meine Unschuld an ihn. Als ich zwanzig war, erklärte er mir den Umgang mit einer Beretta 92. Als ich fünfundzwanzig war, überlebte er einen schweren Anschlag während der Befreiung des irakischen Volkes von Erdöl und Erdgas zu Gunsten amerikanischer Konzerne. Shock and awe. Shit happens, buddy! Als ich dreißig war, schenkte er mir ein desolates Herrenhaus mit einem Obstgarten. Als ich fünfunddreißig war, lehrte er mich mit einem Recurvebogen zu schießen. Jetzt befindet sich auch eine Armbrust Orion von Scorpyd in meinem Besitz. Ich übe tüchtig. Ich bin eine Prophetin der Endzeit.

Sieht wie ein Mann aus. Hört sich wie ein Mann an. Fühlt sich wie ein Mann an, wenn er in mir drin ist. Ist aber in Wahrheit eine feindselige außerirdische Entität, die zur Erde abgesandt wurde zwecks Versklavung der Menschheit.

Was war passiert? Er wurde einer nackten Frau ansichtig, erkannte sie und vergaß den Befehl. Seitdem schlage ich mich mit ihm herum, ohne mit dem Schicksal zu hadern, denn das Leid erleuchtet die Seele, beflügelt den Geist und veredelt das Wesen.

* * *
Folgendermaßen schätzt er sich selbst ein: A Résumé (English).

Zu bescheiden, wie ich finde.

Doppeltes Glück

Unsere hübschen, gutherzigen, seelenvollen, lebenslustigen, lauten, verzogenen, endlos geliebten Goldkinder sind heute Nacht vier Jahre alt geworden.

Sie sprachen vor wenigen Wochen recht bescheidene Wünsche aus und wollten unbedingt das festliche Essen par excellence kredenzt bekommen:

leckere Piiizzza!!! Yippee!

Wir küssen euch und umarmen fest, unsere honigsüßen Engel!

Three Years (English, русский)
Два года (русский)

Küsse

Meine Seele . findet Ruhe . zwischen deinen . schönen Beinen. © Mike

* * *
Sanft geweckt . von deinen Küssen . auf meinem Venushügel.

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Deine Küsse — . gezähmte Schmetterlinge — . flattern sanft auf meinem Venushügel.

Plötzlich Vater

Michael war zwei Tage in Aberdeen, deswegen hat sich Kostja zu einem Anruf nach Berlin hingerissen. Als der Hörer am anderen Ende der Leitung abgenommenen wurde, hat er fröhlich gegrüßt:

Daddy, Daddy, hallo, Daddy, ich vermisse dich sehr.

Noch nie in seinem Leben war der kinderlose Simon so nah an einem Herzinfarkt.

Kids rule!

* * *
Майк был два дня в Абердине, поэтому Костя решил порадовать его звонком в берлинский офис. Когда на том конце провода сняли трубку, он с энтузиазмом поздоровался:

Папочка, папочка, привет, папочка, я по тебе скучаю.

Еще никогда в своей жизни не был бездетный Саймон так близок к инфаркту.

Завтра позвоним в Сан-Антонио. Взбодрим бездетного Гидеона.

Like Father, Like Daughter

Am Donnerstag hat meine Tochter den Speisesaal dekorativ verschönert. Bei der Einnahme der Mahlzeiten betrachte ich jetzt mit zarter Ergriffenheit an der Wand unter dem Fensterbrett den Ehrenkodex der USMA, an der ihr Vater ausgebildet wurde:

A cadet will not lie, cheat, steal, or tolerate those who do.

Die Handschrift ist noch unbeholfen. Die Buchstaben hüpfen wie übermütige Hasen. Ihre Größe und Form variieren ständig. Wen kümmert’s?

Die Tochter strahlt. Der Vater ist selig. Die Katze kotzt vor Begeisterung im Wohnzimmer.

* * *
Am Freitag hat meine Tochter unerwartet herausgefunden, dass das Zeitalter der Auflehnung gegen die elterliche Unterdrückung angebrochen war. Sie hat sich ihre wunderschönen lockigen Haare vor einem Spiegel selber geschnitten. Die Zwillinge haben geholfen.

Leider könnte ich nicht annähernd beschreiben, wie elend ihr Vater ausgesehen hat, als sie sich ihm in ihrer optimierten Gestalt offenbarte.

Seit dem Friseurbesuch am Samstag trägt sie übrigens den gleichen Haarschnitt wie er während seines Dienstes beim Militär.

* * *
Indes bringt sich die Katze bei, wie man einen Staubsauger fährt, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Mammut oder der böse November

Meine Güte, wo kommen die Mücken her? Es ist doch Mitte November!

Die Katze freut sich allerdings. Sie fängt die Mücken und verspeist sie genüsslich; dabei schmatzt und grunzt sie so laut, als hätte sie ein Mammut niedergestreckt und würde es samt Knochen vertilgen.

Ich erwarb in einem Laden eine Insektenfalle mit blauem UV-Licht. Die Mücken hat sie nicht angelockt. Mein kleiner Sohn und eine fette Fliege haben sich aber äußerst interessiert gezeigt. Nachdem die Fliege medium well gewesen war, stank es im Schlafzimmer so bestialisch, als hätte die Katze das erlegte Mammut vor dem Verzehr auf dem Rost gegrillt.

Das Fenster steht offen. Die Katze jagt auf dem Balkon eine Libelle. Eine Libelle! Was soll das?

Diese Ereignisse erinnern mich an die Novelle „Der Alligator oder das böse Jahr“ von Frank Thiess.

Nun warte ich auf die Wiederkehr der Schmetterlinge.

IQ in Zentimetern

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der IQ einiger Männer in Zentimetern gemessen wird. D.h.,

sein IQ beträgt fünf Zentimeter. Im erigierten Zustand.

Ob dies wissenschaftlich nachgewiesen wurde?

Du bist…

… meine Königin, meine Ketzerin, meine Göttin. Du bist meine germanische Kriegerin und meine florentinische Kurtisane. Du bist mein innigster Gedanke und mein sehnlichster Wunsch. Ich entdecke Dich, ich erkenne Dich, ich bekenne mich zu Dir.

Du bist mein Aberglaube, mein Irrglaube, mein Glaube. Du bist mein Lieblingsgemälde, meine kunstvolle Skulptur, mein erhabener Tempel. Ich lese in Dir wie in einem Liebesgedicht und finde jedes Mal neue Zeilen. Du bist meine Kerze in der Nacht und meine Sonne am Tage. Du verführst mich und gibst Dich mir hin. Du küsst mich gierig und entziehst Dich meiner Liebkosung. Du spielst mit mir, reizt mich, bringst mich um den Verstand, dann tänzelst Du, lachst und versprichst das Paradies auf Erden.

Du bist mein Wunder, mein Geheimnis, meine Sehnsucht. Du bist meine Ewigkeit, die Zeit davor, das Leben im Jenseits. Du bist meine Wirklichkeit und mein Traum, meine Zauberin und meine Hexe. Du bist meine zarte Lindenblüte, mein erquickender Wasserfall, meine Schöne. Du bist mein Mädchen, meine Freundin, meine Geliebte.

Meine verboten Frau, mein angetrautes Weib, mein geliebtes Wesen.

Ich liebe Dich bis zum Wahnsinn.

Komm, zieh Dich aus, lass uns ficken. © Mike

postapokalyptische Romantik

durch die zerstörten Kirchenmosaiken . in einem zerbrochenen Fensterrahmen . neben einem Menschen Löwen Adler und Stier . neben all den Cherubim Seraphim und Thronen . sehe ich jeden Morgen beim Aufwachen . einen grauen obszönen postapokalyptischen Himmel . behangen mit bleiernen und giftgrünen Wolken . ich könnte sie schön nennen . wären sie nicht so träge

in der stillgewordenen Welt existieren fast keine Farben . keine zwitschernden Vögel keine brandenden Wellen . keine aufkeimenden Blüten auf entschlafenen Bäumen . es herrschen Seuche Verwesung und radioaktiver Fallout . unter dem grauen obszönen postapokalyptischen Himmel

es gießt immerdar in Strömen . heißen Schwarzen Regen mit Cäsium und Strontium . es gibt nur selten einen Wind dafür aber die Sonne . diese heiße gleißende Sonne die unsere eiskalte Welt verbrennt . mit ihren nuklearen Strahlen . durch das enorme Ozonloch

nachdem fünftausend Megatonnen explodiert hatten verbrannte die Welt zu Asche . versank in Ruß und Staub . es überlebten nicht nur die Stärksten im Lichtblitz der Apokalypse . eine natürliche Dezimierung ein Leben getaucht in Dämmerung

mein Erzengel trägt keine Flügel keinen byzantinischen Nimbus . es befinden sich in seinem Besitz weder Tunika noch Sandalen . über seinem Gefechtshelm rotieren stählerne Rotorblätter . er ist ein eschatologischer Bote ein Krieger des Fegefeuers

jeden Morgen beim Aufwachen versuche ich krampfhaft zu finden . eine vollkommen erneuerte Sprache obsolete disponible Wörter . vergessene linguistische Konstrukte die mir helfen könnten . meine Liebe zu ihm zu definieren

in dem willkürlichen Chaos

Die Würde des Erzengels ist…

LINDE: (In einer fröhlichen Runde, leise ins Ohr flüsternd) Wo ist mein versprochener Orgasmus?
ERZENGEL: Was denn? Jetzt gleich?
LINDE: Ja, unbedingt.
ERZENGEL: Na gut. Du lenkst die Meute ab, während ich würdevoll unter den Tisch gleite.

* * *
ERZENGEL: Ich habe echt kein leichtes Leben hier, Kate. Du kannst mir aufs Wort glauben. Ich werde permanent beleidigt, als Vollidiot beschimpft und mit Orgasmen stillgestellt.
KATE: Oh you poor baby! Lass mich dich aus deinem Elend erlösen und deinen Platz einnehmen.
ERZENGEL: Just keep dreaming, darling. Nein, ich werde diese Bürde weiterhin selbstlos mit Würde ertragen.
KATE: Verstehe ich gut, ich würd‘ auch nicht tauschen wollen, obwohl ich zugeben muss, dass mich die Dualität ‚Orgasmus gegen Würde‘ doch sehr reizt, und ich dich ganz gerne deine Würde bei einem Orgasmus bewahren sehen würde. Nicht aus voyeuristischen Überlegungen heraus, wo denkst du hin, aus reinem Wissensdurst.

Über Geilheit und schriftstellerische Begabung

Weißt Du noch? Meine erste unanständige Geschichte schrieb ich, nachdem wir miteinander gefickt hatten. Ich saß auf dem Bett mit gekreuzten Beinen und spürte, wie Dein Samen aus mir langsam sickerte. Ich versuchte mich zu konzentrieren. Du warst dabei keine Hilfe. Du lehntest mit Deiner nackten Brust gegen meinen Rücken, küsstest meinen Hals, fuhrst mit Deinen Händen über mein Becken, streicheltest die Innenseite meiner Oberschenkel und flüstertest mir Schweinereien ins Ohr, bis ich es vor Geilheit nicht mehr aushielt, in Deiner Umarmung versank und mich Dich hingab — wieder und immer wieder.

Es dauerte eine Weile, aber die Geschichte ist gut geworden. Man munkelte, Du hättest sie geschrieben, denn keine Frau benutzt so eine derbe Sprache. Ich wurde königlich entlohnt. Vom Geld konnte ich mir ein schönes Kleid kaufen, mit Dir in ein Restaurant schick essen gehen und danach hart bis zur Erschöpfung ficken. Ich brauchte schließlich eine neue Geschichte ;)

Nel cuore della notte

Das geisterhafte Königreich des Schattens eroberte die Welt der Abenddämmerung. Wie ein Falke breitete es seine Flügel über die ganze Stadt aus und verdeckte die Sicht zu der lebendigen Wärme des Lichtes.

Auf dem düsteren Baldachin des Himmels erschienen Myriaden von Sternen, flimmernden kostbaren Edelsteinen, die ihre Magnifizenz dem Ozean abgrundtiefer Finsternis darreichten. Bronzene Laternen ähnelten den erstarrten Hütern der Gebieterin Nacht. Kein Geräusch, keine Stimme störte die Einsamkeit und den stolzen Schlaf der Bäüme entlang des Pfades. Die Hektik des Glanzes wich devot der Erhabenheit des Reiches der Nacht. Mit einem Schleier des Arkanums umhüllte sie die Welt. Die Macht der inspirierenden Ruhe gebot über jede bestehende Erscheinung unter der Sonne.

Ich ging durch die Dämmerung des Gartens. Ich kannte die Nacht. Sie war meine treue Gefährtin. Die Obhut gewährte sie mir, bot mir die Sicherheit an. Sie sprach zu mir durch ihr Schweigen und brachte den Frieden in meine desperate Welt.

Seit einer Ewigkeit flüchtete ich mich in ihre Arme. Ich entsagte dem Schrecken der Erinnerung. Ich floh vor meinem Herzweh, Vereinsamung und Zerrissenheit. Ich stellte mir Fragen, sehnte Antworten herbei. Es gab aber keine.

Ich bat ihn um Erlösung; ich bat ihn, mich gehen zu lassen. Seine Antwort war aber stets die Stille.

Zärtlichkeit ist, wenn ich sehe,

wie Deine Augen leuchten, wie Deine Stimme sich verändert, wie Dein Atem sich beruhigt, aber die Hände trotzdem fast unmerklich zittern.

Dann ziehst Du mich hoch, küsst zum Abschied auf den Mund und drückst fest an Dich, sodass mein Herz vor Liebe zu Dir schmerzt, Michael.

Zärtlichkeit ist,

wenn Du in der Badewanne sitzt und Deine Knie aus dem Wasser herausragen, so rund, glatt und schön, aber ich dabei keine Sekunde lang daran denke, Deine Beine zu öffnen, über Dich zu steigen und Dich zu nehmen, zuerst hart und heftig, bis Du Deine Lust laut in die Welt hinausschreist und dann sinnlich und erwartungsvoll, bis Du leise in mein Ohr stöhnst, sondern einfach nur daran, wie gerne ich diese Knie umarmen und mit meinen Küssen bedecken würde. © Mike

Three Months

Die Zeit rennt! Unsere Tochter Sólveig ist heute drei Monate alt geworden. Sie sieht aus wie ihr Vater. Sie hat schöne Lippen, lange dichte Wimpern und große Augen, die so kobaltblau sind wie sommerliche Kornblumen.

Sie ist sehr pflegeleicht und weint nur selten. Sie ist ein gesprächiges Baby. Sie summt, jauchzt, gurgelt und quietscht. Wenn sie nicht kichert, dann wundert sie sich. Sie staunt über alles: über unbekannte Menschen, Tiere und Musik. Sie erkennt uns, erwidert unseren Blick und schenkt uns ihr strahlendes Lächeln. Ihr Vater ist in sie vernarrt.

Inzwischen ballt sie ihre Hände nicht mehr zu Fäustchen. Sie winkt und hampelt mit den Armen. Sie strampelt kräftig mit den Beinen. Wenn sie auf dem Bauch liegt und neue Geräusche vernimmt, versucht sie ihren Kopf und ihre Schultern vom Boden zu heben.

Ich und ihr Taufpate Aiden sprechen mit ihr deutsch. Michael und unsere Kinder unterhalten sich mit ihr auf Englisch. Der Chupacabra im Katzenpelz schnurrt vergnügt.

Könnte man glücklicher sein?