Das Alptraum-Nächtebuch

Mein schottischer Mann wiederholt des Öfteren, dass sein Deutsch miserabel wäre. Ich unterstütze ihn voll und ganz. Ich schäme mich auch ein bisschen für ihn.

So sieht das miserable Deutsch meines Mannes aus ;)
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Warte! Beweg Dich nicht, bleib liegen. Erzähl mir etwas sinnvoll Bedeutungsloses. Wen interessiert es, wenn Du so verheißungsvoll offen und weich bist? Dich gibt es doch gar nicht. Ich habe mir Dich erträumt. Ich habe mir Deine Existenz herbeigewünscht. Ich stille mein Verlangen nach Dir zwischen fremden Beinen und in fremden Mündern, damit ich hinterher unruhig schlafen kann. Dich gibt es doch gar nicht. Meine Lieblingswörter bestehen aus vier Buchstaben. Cunt, dick, fuck, arse, tits. Dein Name gehört nicht dazu. Dein Name ist eine Ausnahme.

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Im Nirgendwo der Nacht spiele ich eine Partie Schach mit meiner Schlaflosigkeit auf dem Schachbrett des Himmels. Sterne sind Spielfiguren. Deine Sterne. In meinem Himmel.

Wenn meine Hände Dich berühren, erwacht in Deinem Schoß eine winzige Welle. Du bist eine Wellengöttin. Ich lade Dich ins Kino ein, kaufe Dir ein Eis, begleite Dich danach zu mir. Und ich lecke Dich, und ich ficke Dich, und ich lasse Dich kommen. Natürlich nicht sofort, zuerst quäle ich Dich ausgiebig in einer endlos unendlichen Schleife an der Schwelle zum Orgasmus. Wenn Du mir Deine Ekstase vorenthältst, will ich Dich immer sofort gegen die Wand drücken, vor Dir knien, unter Dein Sommerkleid greifen, Dein Höschen herunterreißen, Dich so lange in Erregung versetzen, bis Du um Gnade flehst — und dann zurückweichen. Wenn Du mich darum höflich bittest, schiebe ich meinen Schwanz in Dich hinein.

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Drei mal drei Quadrate unterteilt jeweils in vier rechteckige Segmente ergeben sechs immense Fenster in einem einzigen Raum des leerstehenden Gebäudes, in dem ich Dich das erste Mal nackt gesehen habe. Jeder Radiator unter den Fensterbrettern besteht aus einundzwanzig Lamellen. Insgesamt hundertsechsundzwanzig. Wenn ich das schmutzige Fensterglas anstarre, höre ich Dich stöhnen.

Kahle Decke, entblößte Wände, blicklose Tristesse. Am Wochenende werde ich die knarrenden Bretter des Parkettbodens zählen, auf dem ich mit Dir das erste Mal geschlafen habe. Später die Schritte, die ich brauche, um den Raum der Länge nach, der Breite nach und in der Diagonale zu durchqueren. Anschließend die leblosen Sekunden. Die Zeit totschlagen. Das Leben verlachen, während es mich sorglos ermordet. Tage verschlafen. Nächte wach liegen. Dich lieben. Dich hassen. Ein Quantum Ordnung im Chaos.

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Meine Stunden ohne Dich duften auch jetzt noch nach Schokoladenkuchen und Mandelmilch. Ein Königreich für Deine Fotze! An Deiner Zunge saugen, in Deine Lippen beißen, Deine Beine auseinanderreißen und in Deine feuchte Fotze eindringen. Immer wieder eindringen und sich zurückziehen. Ich habe der Welt abgeschworen. Ich denke an Deine Fotze als meine heilige Zuflucht. Falls die Welt untergeht, bleibt nur diese Anbetung übrig.

Seitdem ich zu einem Glauben an Dich konvertiert bin, bete ich den Gott der Gottlosen an. Naja, eigentlich Deine Fotze.

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Die Art, wie Du Dich in den Hüften wiegst, den karierten Faltenrock hebst und Dich auf mich setzt, bringt mich schier um den Verstand, aber leider nicht weiter. Morgens werfe ich meine Träume zum Fenster hinaus. Meine Träume von Dir, die der Windhauch der Zärtlichkeit davonträgt.

Komm zurück! Die untergehende Sonne impliziert über mir unheilschwanger. Erlöse mich von mir, vertreibe meine Ängste oder blase mir einfach einen — zumindest das bist Du mir schuldig.

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Dich entdecken, mit meinen Küssen bedecken, mit meinem Körper verdecken von der Dunkelheit; den Kopf zwischen Deinen Beinen vergraben und hören, wie mein Blut pocht; fortwährend in Dich hineinstoßen und spüren, wie Deine Fotze meinen Schwanz eng umschließt; innehalten, mit der Eichel langsam Deine Öffnung umkreisen, den Orgasmus herauszögern, scheitern; dem Heraufziehen der Morgendämmerung beiwohnen.

Deine flüchtigen Atemzüge stehlen sich leise fort.

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Du ignorierst mich, also gehe ich zu Deiner Sprache. Die Sprache riecht nach Dir. Die Sprache schmeckt nach Dir. Die Sprache flüstert mit Deiner Stimme. Ich ringe hart um Worte. Meine Worte entgleiten mir. Ich verscheuche sie, aber sie bauen trotzdem Nester auf den Bäumen meines deklarativen Gedächtnisses.

Ich verstumme, obwohl ich reden möchte. In mir steigt das Wasser der verschluckten Worte hoch. Meine Worte heben ab wie bunte durchsichtige Vögel. Meine Worte fliegen von dannen wie sündige scheue Chimären. Ich fange diese flatternden Wortschwärme mit Netzen der Sprache ein, solange sie noch im tiefen Grau meiner Gedanken verweilen.

* * *
Ich bringe mir bei, Deine Abwesenheit zu ertragen. Ich lehre mich, Dich zu vergessen: Deinen Geruch, Deinen Geschmack, die Wärme in Dir. Beseelte Nächte verwandeln sich gemütlich in seelenlose.

Ich stürze mich in Arbeit. Ich stürze mich in Tiraden. Ich stürze mich ins Vergnügen. Ich stürze mich ins Verderben. Ich stürze, und stürze, und stürze. Ich sarge mich im Wahnsinn ein. Ich will mich in Dir einschließen. In Dir sein. Mit Dir sein. Mit Dir zusammen. Ich küsse Dein Foto und versuche, mich daran zu erinnern, wie es ist, von Dir geküsst zu werden.

* * *
Bilde Dir bloß nichts ein. Ich denke gar nicht an Dich. Die letzten zehn Monate habe ich jede Nacht eine andere Frau gefickt. Inzwischen weiß ich nicht mehr, wie sie alle heißen. Ich nenne sie ambulante Fotzen. Ich ficke sie unpersönlich. Ich wichse mir einen mit ihren fremden Körpern wie mit der eigenen Hand. Ich fertige sie ab wie auf einem Fließband. Mir geht es wunderbar. Alles Bestens. Ich komme, stehe auf, kleide mich an und verlasse schweigend den Tatort der Verzweiflung. Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich Dich und kann nicht atmen. Deine Seele zog aus meiner Seele aus und hinterließ eine inhaltslose Hülle. Bitte lindere mich, Baby! © Mike

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Ein Gedanke zu “Das Alptraum-Nächtebuch

  1. Pingback: The pearl – ich habe nichts gesagt | Lou-Ise Grim

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