Sicut lilium inter spinas

IST ES SO SCHWER, einen Ort zu erreichen, an dem ich sein will? Wie lange brauche ich, um mich einem unklaren Ziel zu nähern? Wie lange ist der Weg zum Land der Gesegneten? Gibt es dort Jemanden, der mir helfen kann in den Zeiten der Verzweiflung?

Sie sagen, ich sei noch vor dem Tage meiner Geburt ein Wanderer gewesen. Ich muss gehen, bis ich alt werde, bis ich stolpere und niederfalle, todmüde und kraftlos — nach Süden und Osten, nach rechts und links, über die Berge und Seen, durch die Wüsten und Steppen. Du kannst nicht still stehen, sagen sie. Und ich glaube ihnen.

Es gibt keinen Himmel. Steppen, Hügel und Wälder. Die Stadt ist klein. Die Gassen sind eng. Sie bestehen aus Reihen von hölzernen Häusern mit strohgedeckten Dächern. Zwielicht, Mondschein und Stille. Keine lebende Seele.

Der Sturm zieht vom Norden her auf. Der Wind ist zart. Er reibt die Zweige aneinander über der seidenen Oberfläche des Flusses, der in die Dunkelheit schweigsam dahinströmt. Die Felder liegen brach, die Ernte verfault. Aprikosen-, Kirsch- und Apfelbäume. Vermoderte Früchte am Boden.

Das Land der Toten — und ich weiß nicht, was ich hier tue.

***
Vier Elemente, fünf Sinne, sieben Planeten und neun Himmel. Die Seele und das Herz der ganzen Welt in deren Mitte. Wasser, Luft, Wind und Feuer transzendieren das gesamte Dasein und offenbaren das Werdende in dem Spiegel des Gewordenen.

Ich kann plötzlich Stimmen hören, die stumm sind; ich bemerke einen Strahl, wie er das dunkle Himmelszelt erhellt; ich rieche das süße Odeur der Blumen; ich schmecke die Bitterkeit der Einsamkeit und berühre beinahe die Zeitlosigkeit.

Die Sonne geht unter, der Mond ist erst am Aufgehen. Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn entzünden Kerzen für einen verlorenen Wallfahrer. Mein Fleisch, mein Hirn, meine Knochen verbinden sich zu einer neuen Entität. Kochendes Blut rinnt durch meine Adern, färbt meine Haut und Haare in Amaranthrot.

Ich suche nach einem Refugium für meine Erlösung; versuche von der Nichtigkeit zu fliehen und hoffe darauf, den Schlüssel zu entdecken. Die Sterne scheinen in der Dunkelheit, fegen den Sand von meinem Pfad fort. Ich bin wie ein Staubpartikel, das umherdriftet in einer Welt von Dualitäten und nach Leidenschaft, Zufriedenheit und Genügsamkeit lechzt. Und ich finde keine Ruhe.