Vor Allerheiligen

IN DER NACHT VOR Allerheiligen hat es plötzlich geschneit. Wie ein orientalischer Teppich lag der Schnee auf den Feldern, die nach der üppigen Ernte kahl und öde standen. Dieser Teppich war so wunderbar, als ob er in den bekannten Webereien Isfahans aus Silberfäden, glitzerndem Topas und Lapislazuli geflochten wäre. Der Schnee wisperte leise zu den vor Kälte erstarten Sperlingen auf den Dächern der Häuser, flüsterte etwas zum frischen Wind und erinnerte spöttisch den Herbst daran, dass seine Herrschaft bald zu Ende sein werde. Der hochmütige Winter wird Einzug halten in die stille Welt. Die Tage werden kalt und kurz, die Nächte dunkel und starr sein. Unter einer dicken Eisschicht werden Waldseen ruhen und mit Verzierungen des Raureifs die Fenster geschmückt sein.

Der Vollmond schaute überrascht auf das weiße Antlitz der Erde und vergrub sich in den nebligen Wolken, nach ein bisschen Wärme vergeblich suchend. Die Luft war klirrend.

In den Weinbergen brannten Lichter. Aufgebrachte Trolle schlichen hin und her zwischen den Weinstöcken, warfen Birkenscheite ins lodernde Feuer und pflückten die reifen Weintrauben in die großen Flechtkörbe, die sie auf den Schultern trugen. Die schwere Last brachten sie in den Keller. Die Trolle, an den hellen Licht nicht gewöhnt, kniffen ihre Augen zusammen. Empört schauten sie auf eine Rabenfamilie, die auf dem Beete mit Kürbissen saß und auf eine reiche Beute hoffte.

Am Hügel stand ein weißes Haus mit einer Portikus aus sechs korinthischen Säulen. Große Fenster starrten die Welt finster aus ihren leeren Augenhöhlen an. Nur ein glimmerndes Licht in der Mansarde ließ den Reisenden erkennen, dass in dieser Nacht noch nicht geschlafen wurde.

Eve drehte sich um, als sie das knarrende Geräusch der Tür vernahm. Attarib kam in das Zimmer. Er blinkte schläfrig und nahm sich den Schal vom Hals. Der schwarze Kater sah erledigt aus. Mit seiner ruhigen Pfote gieß er sich etwas Whiskey aus der Flasche auf dem Tisch ein und setzte sich neben die Herrin.

„Wir sind jetzt fast fertig“, sprach er müde und trank den Tropfen bis zur Neige aus. „Ich weiß nicht, was wir morgen in der Kelterei noch zu hören bekommen.“

Eve grübelte nach, den Kater hinter dem Ohr streichelnd. Draußen wurde es allmählich leise. Das Feuer erlosch. Auf dem engen Pfand erkannte sie Silouhetten der erschöpften Trolle, die langsam nach Hause gingen — sachte flüsternd und sich unzufrieden die Bäuche kraulend.

Und irgendwo am Horizont erwachte langsam die Sonne. Der Himmel wurde heller und erstrahlte im Glanz von schrillen Farben.