Ekatzerina v. Katzenburg

Нeute saß sie wieder auf dem Fensterbrett neben dem blühenden Ritterster und schaute auf die Zypressen im Vorgarten und die hohen Türme der barocken Kirche am anderen Ufer des Flusses, — eine schottische Faltohrkatze. Sie ist weiß wie der Schnee, der an den Berghängen das zarte Grün der Maisglöckchen hütet und hat ungleiche Augen: das linke ist gelblich, das rechte ist grün. Sie heißt Fräulein Winter, so steht es in ihrem Halsband eingraviert, aber ich nenne sie Kitty.

Wir gehen in die Wohnung hinein. Ich spreche mit ihr, sie antwortet nie. Ich zünde die letzten Kerzen an, und wir speisen zu Abend: Petit Fours und eine kleine Tasse Café mélange.

Schon bricht die Dunkelheit herein, und der Lärm der Straßen wird flüsternder. Ich überarbeite mein Manuskript, sie legt sich auf das Sofa und verschmilzt mit der hellen Farbe des Damastes zu einem Schimmern.

Die Stunden verstreichen, dann wacht sie auf aus ihrem Schlummer, streckt ihren geschmeidigen Leib, hebt die Pfote und streichelt das kalte Antlitz des Mondes, der mit seinem Glanz die Bibliothek überflutet. Sie umhüllt ihn mit einer Wolke, bettet zum Schlaf und fängt an leise zu murren, als ob sie ein Wiegenlied sänge. Der Mond schmunzelt. Ein Fluss aus leuchtendem Licht zieht sich über das ganze Sternenzelt, fließt durch die Fenster hinein, zerbricht zu kleinen glitzernden Bächen und rieselt hernieder wie ein Sommerregen.

Der silberne Staub wirbelt in der Stille der Nacht, fällt auf die Möbel, bedeckt die Bücher, vereinigt sich mit den Buchstaben meiner Novelle. Ich bin entrückt in eine phantastische Welt jenseits des Traums und beginne endlich zu schreiben, nach so vielen Jahren der Wortkargheit und Verzweiflung — die zauberhaften Märchen der Confabulatores nocturni.

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