Ahoi! Ahoi! Frau über Bord!

L.: Yey, Deutschland hat mich wieder.
M.: Oh bitte, sogar dieses Land hat eine solche biblische Plage nicht verdient.
L.: Sehr nett. Nur du bist im Stande Fürsorge und Gemeinheit in einem Satz unterzubringen.
M.: Dabei mache ich mir überhaupt keine Mühe. Es passiert einfach so, aus dem Stegreif. Ich bin ein Naturtalent.
L.: Ja… Nicht jeder von uns teilt diese Begeisterung. Niemand von uns lügt dermaßen enthusiastisch wie du. Wir treffen jetzt eine Vereinbarung. Okay? In den nächsten Wochen benimmst du dich wie ein taktvoller, höflicher, gebildeter Mann. Du wirfst mich nicht über die Schulter und schleppst in die Höhle, während zufällige Fußgänger uns verdutzt anglotzen. Du benutzt keine Redewendungen à la „Nix sprechen Deitsch“. Du behauptest nicht, dein Name wäre Horst, Gundolf oder Siegenot. Du berichtest keiner Menschenseele von deiner Arbeit als Nachtwächter in einer geschlossenen Irrenanstalt. Es ist nicht witzig.
M.: Das sehe ich anders. Womit würdigst du meine Folgsamkeit? Schläfst du mit mir einmal täglich und bläst mir zweimal täglich einen? Ich bin fair. Schlag ein!
L.: Du ahnungsloser Träumer! Dafür verprügle ich dich nicht zweimal täglich mit einer gusseisernen Bratpfanne und ziehe dir nicht einmal täglich mit einem Nudelholz eins über den Kopf.
M.: Du gemeiner Giftzwerg! Erinnerst du dich noch ab und zu, dass ich die Liebe deines Lebens und der Vater deiner Kinder bin?
L.: Streng dich an, sei ein Schatz, blamiere mich nicht!
M.: Keine Sorge, das schaffst du auch ohne meine Hilfe.

* * *
Also, Deutschland hat mich nach zwölf Monaten wieder. Schöne Grüße aus Schleswig-Holstein ;)

Meine Horrorzwerge sind vorerst bei den Großeltern auf der Insel der Wolken geblieben und lehren die Schotten das Fürchten.

In den letzten sechs Jahren sind wir mit Michael selten allein gewesen. Wir sind nie zu zweit verreist. Es fühlt sich ungewohnt an, deswegen skype ich ständig mit meiner Schwiegermutter. Wahrscheinlich nerve ich sie.

Morgen werden wir in See stechen, und sie wird ihre Ruhe haben.

Kennt ihr gute Seemannslieder?

Für Linchen


Eine Bekannte beschwert sich, dass Frauen über fünfunddreißig praktisch keine Chance hätten, von einem guten, aufrichtigen Mann geliebt zu werden. Ich kann das nicht bestätigen. Hübsche keltische Jungs verlieben sich in mich jedes Mal, wenn ich meine Zerberusse spazieren führe.

Er hat sich als Fergus vorgestellt – und wir wünschen allen netten Leuten ein wunderschönes Wochenende ;)

Die Weltanschauung einer Offizierstochter

Liebe Leute,

kennt ihr eigentlich die ergreifende Lebensgeschichte von den kleinen Schweinchen?

So sehen sie aus. Wirklich wahr! Zilli, Billi und deren Töchterchen Wilhelmine. Jawohl!

L.: Mili, sind das die drei kleinen Schweinchen?
E.: Nein, das sind der Wolf und die sieben Geißlein.
L.: Lügst du mich an, Schätzchen?
E.: Womöglich. Warum musst du auch solche blöden Fragen stellen, Mummy?
L.: Du bist aber anstrengend. Tragen die Schweinchen Waffen?
E.: Das sind Sturmgewehre. Zur Selbstverteidigung. Schweine führen ein gefährliches Leben.
L.: Gehen sie spazieren?
E.: Nein, sie nehmen an einem wichtigen Seminar teil. In einem Verein für Vegetarier.

Die Malerin ist leicht an bekrönten Vögeln zu erkennen. Im Baum sitzt ausnahmsweise kein Bär, sondern ein Blauer Pfau. Schwarz, weil inkognito. Er wartet auf ein Mädchen, um ihm seinen prächtigen Federfächer zu zeigen.

„The Pearl“

Marie hat mir in diesem Jahr das zauberhafteste Geschenk aller Zeiten gemacht: ein Gemälde.

Michael hat dabei natürlich den ganzen Ruhm eingesackt. Der Liebesbrief eines Kriegsbaumeisters gefiel der begnadeten Künstlerin am meisten.

Vielen herzlichen Dank!

Fáfnirs Schatz

Drachenfrauen aus dem Sternbild Orion sind leicht zufrieden zu stellen.

* * *
Der Flieder berauscht die Sinne mit lieblichem Wohlgeruch.

* * *
Meine Dienstleistung als Dolmetscherin wurde nicht nur großzügig honoriert. Obendrein hat Dafydd mir ein vorzügliches Dessert ausgegeben.

Die Zitronencreme mit Karamell aus weißer Schokolade hat vollkommen mit Himbeerparfait und reifen Beeren harmoniert.

* * *
Ich habe wieder meine nächtliche Freundin, die Hüterin der endlosen Treppen, getroffen. Sie hat mich schnurrend begrüßt.

Die Einheimischen dieser Stadt sind wahnsinnig charismatisch.

* * *
Am Donnerstag werden unsere Knirpse zwei Jahre resp. zehn Monate.

Der kleine Frechdachs hat seinem Vater treuherzig über Skype zugeflüstert: „Daddy, kommst du zu meinem Geburtstag? Ich warte auf dich so sehnsüchtig wie auf… wie auf… wie auf eine Sahnetorte.“

Das süße Drachenmädchen kann inzwischen krabbeln und beißt jeden, der sie daran hindert. Unter ihren Ahnen gab es anscheinend nicht nur Drachen, sondern auch Schnappschildkröten.

Großes Wunder, kleine Seifenblasen

Emiliana: Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal um das große runde Rasten–burger Rathaus. Dreihundertdreiunddreißig Reiter… Mummy, wiederhole diesen Zungenbrecher dreiunddreißigmal hintereinander! Fast!
L.: Ich muss leider passen.
E.: In Ordnung. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen. Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen…
L.: Das hört sich wunderbar an. Ich passe trotzdem.
E.: Am zehnten Zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo. Mummy, bist du im Stande irgendetwas zu wiederholen?
L.: Aßen acht alte Ameisen am Abend Ananas? Forscht der froschforschende Froschforscher in der frosch–forschenden Froschforschung? Kratzen die Katzen im Katzenkasten?
E.: (seuzt) Nein, nein. Zu simpel. Dreihundertdreiunddreißig Reiter ritten dreihundertdreiunddreißigmal…

Dreiunddreißig Minuten beträgt der Weg zur Schule. Fünf Wochentage. Insgesamt zehn Fahrten.

* * *
E.: Was ist das, Dylan?
D.: Eine Schäfchenwolke.
E.: Stimmt! Weißt du, wie schwer sie ist?
D.: Ungefähr fünfhundertundfünfzig Tonnen.
E.: Wiegen einhundert Elefanten fünfhundertundfünfzig Tonnen?
D.: Ich gehe davon aus.
E.: (grüblerisch) Du bist beinahe so klug wie mein Daddy.
D.: Warum „beinahe“? Ich bin sogar kluger.
E.: Du träumst wohl! Mein Daddy misst die Schäfchenwolken in Elefanten, nicht in Tonnen. Denk darüber nach.
D.: Schäfchenwolken werden übrigens in der Fachsprache als Kumuli bezeichnet.
E.: Nein, werden sie nicht. Du bist ein Kumulus! Und weißt du, wie viele Farben ein Regenbogen hat?
D.: Sieben. Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett.
E.: Naaain! Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Indigo, Violett. Und weißt du, woher der Wind kommt?

Und weißt du?.. Und weißt du?.. Und weißt du?.. „Die unendliche Geschichte“ neu interpretiert.

* * *
E.: Ein niedlicher Igel lebte in einem Garten in Grunewald. Er konnte fliegen. Er war verliebt in ein Mädchen.
L.: Konnte das Mädchen auch fliegen?
E.: Ja. Es konnte die Treppe hinunter fliegen.

Das schwere Los der Berliner Igel.

* * *
L.: Mili, guck mal, wer sitzt da drüben auf dem Baum? Eine Elster oder ein Rabe?
E.: Ein Bär!
L.: Der Vogel ist aber schwarz.
E.: Das ist ein schwarzer Bärenvogel. Vermutlich der kanadische Grizzly.
L.: Meine Güte, wo ist er jetzt hin?
E.: Er ist vom Baum gefallen.
L.: Bären fallen selten von Bäumen. Sie klettern vorsichtig, bis ihre Hintertatzen wieder den Boden berühren.
E.: In diesem Fall ist er einfach weggeflogen. Das war ein fliegender Bär. Er wollte eine nette deutsche Bärin kennen lernen.

Seid gewarnt vor fliegenden Bären! Während der Paarungszeit sind sie besonders griesgrämig.

Naida

So gehen wir mit Naida spazieren:

1. Das Ferkel sucht den Dreck.
2. Das Ferkel findet den Dreck.
3. Das Ferkel verbreitet Freude.

An Evening to Die for

Eine uneigennützige, aufrichtige, gütige Bekannte, die keineswegs um einen Rat gebeten wurde, hat mir nahe gelegt, ich solle Schuhe mit hohen Absätzen tragen, weil Michael mich sonst betrügen würde. Ich bin sofort in ein Geschäft gerannt und habe… eine Ananas, eine Drachenfrucht und zwölf gelbe Kiwis gekauft.

Es ist ein wahrer Segen: Der verliebte Trottel hat noch gar nicht bemerkt, dass ich wesentlich kleiner bin als er und eigentlich auf Biker Boots stehe. Das Unglück abgewendet, die Familie gerettet.

Ein Hoch auf die Frauen, die sich gerne reden hören. Auf sie wartet die Hölle.

* * *
Michael hat mich gestern in ein nettes Restaurant ausgeführt und danach ins Halbkoma gebumst*, deswegen fasse ich mich heute kurz.

Unser erster grüner Spargel in diesem Jahr. Dazu ein perfekt pochiertes Ei und Sauce hollandaise mit Zitronengras. Tradition trifft auf Moderne.

Ein Stück Torte aus Pistazien mit weißer Schokolade und Himbeersorbet als Nachtisch. Ein Traum!

Das war’s :)

Live long and prosper!
_______
*Er verlässt uns demnächst für zwei Wochen in Richtung Singapur. Wir nehmen momentan alles mit, was wir kriegen können.

Eine Wetterprophetie

L.: Wach auf. Waaach auf. Michael, wach auf!
M.: Belästige mich nicht, Frau. Ich habe keine Lust.
L.: Was für eine epochale Neuigkeit. Seit wann das denn?
M.: Fortschreitendes Alter. Existenzielle Erschöpfung. Alzheimer. Das ist eine Krankheit, bei der ein Mann in eine Frau eindringt und sofort vergisst wozu.
L.: Besteht eine klitzekleine Möglichkeit, dass du dich irgendwann änderst? Darf ich träumen? Dreh dich jetzt auf die Seite und schlaf ruhig weiter.
M.: Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Ich hätte doch Lust. Fang an mich wieder zu belästigen.

* * *
L.: Erkläre dich bitte. Was treibst du da gerade?
M.: Ich ziehe dir das Höschen aus.
L.: Ginge das auch ohne Vandalismus? Zuerst höflich fragen, dann sich mir zärtlich nähern.
M.: Mein Engel, meine Königin, meine Göttin, voller Demut flehe ich euch an. Seid gnädig und lasst mich an eurem Quell der Erkenntnis laben.
L.: Idiot.
M.: Gestattet mir, euren unschuldigen Leib, welcher sich der Wollust und dem ungezügelten Sinnenrausch noch nicht hingegeben hat, mit sündigen Liebkosungen zu entflammen, auf dass sich eure Bestimmung offenbare?
L.: Vollidiot!
M.: So, mir reicht’s! Ich bin bedient. Sieh zu, wie du ohne einen zweiten Orgasmus auskommst.
L.: Willst du vielleicht auf der Couch im Wohnzimmer schlafen?
M.: Nein. Warte! Warte. Waaarte… Ich horche in mich hinein, horch‘ in mich hinein, horch‘ in mich hinein… Du musst nicht ohne einen zweiten Orgasmus auskommen.

Es ist sonnig mit Aussicht auf erhöhte Atemfrequenz, rhythmische Muskelkontraktionen und Freisetzung angestauter sexueller Energie.

Die Sterne verheißen schlaflose Nächte und prächtige Sonnenaufgänge.

Zwei Deppen auf einem Übungsgelände

L.: Ich wollte dich noch fragen…
M.: Ja!
L.: Was „ja“?
M.: Ja, ich habe Kondome dabei und würde liebend gern mit dir schlafen.
L.: Warum hast du denn Kondome dabei?
M.: Man weiß nie, wann sich die Gelegenheit ergibt.
L.: Mit mir? Auf dem Übungsgelände?
M.: Nein. Mit unserem pensionierten Nachbarn. Im Treppenhaus. Wir haben eine heftige Zuneigung zueinander gefasst.
L.: Du bist so ein Schwachkopf! Wirst du irgendwann erwachsen?
M.: Ich bin erwachsen, ernsthaft, verantwortungsbewusst. Glaubst du, ich sollte ihm zuerst Blumen schenken?

* * *
L.: Bist du stolz auf mich, Honey?
M.: Ich bin immer stolz auf dich, Baby! Ich lade jetzt die Waffe neu, und du versuchst diesmal das Ziel nicht zu verfehlen.
L.: Ich habe doch das Ziel nicht verfehlt.
M.: Jaaa… Folgendes: Die meisten Angreifer gehen ohne einen weißen Nimbus neben oder über dem Kopf spazieren. Hör auf zu lachen. Konzentriere dich! Du musst die schwarze Mitte treffen.
L.: Sei nett zu mir, sonst könnte ich dich zufällig treffen.
M.: Das traue ich dir zu, aber es wäre schade um die Kondome.

* * *
L.: Balze mich nicht am Schießstand an. Das ist Erregung öffentlichen Ärgernisses.
M.: Sag nicht „ Erregung“. Es macht mich geil.
L.: Dich macht doch alles geil. Ich wundere mich, wie du überhaupt den Tag bei so vielen Reizen überstehst.
M.: Mein Leben ist hart.
L.: Sag nicht „ hart“. Es macht mich geil.

* * *
M.: (zu einem Freund) Die Hübsche… Mit den wunderschönen Augen… Siehst du?
L.: Zieh mich da bitte nicht mit hinein!
M.: Das ist meine Stalkerin. Sie heißt Linda. Sie hat fünf Kinder und ist deswegen ein wenig verzweifelt. Gierig nach Nähe. Ständig geil. Raubt mir im Bett den Verstand. Ich gebe zu. Sie hat mir hartnäckig nachgestellt. Sie hat mir vor meiner Wohnung aufgelauert. Ich habe mich lange dagegen gewährt. Ich bin schwach. Ich betrüge meine Frau mit ihr.
L.: Wer bist du? Verschwinde!

* * *
L.: Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Fuck. Verfickte Scheiße!
XY: (verdutzt) Was war das?
M.: Was? Ach das? Lindas Tourette-Syndrom hat sich mal wieder verschlimmert.

* * *
XY: Sie kennt nur beide Extreme: Entweder schreibt sie über Wolken, Regen, Feen oder übers Ficken.
M.: Manchmal schreibt sie auch übers Ficken mit Feen. Beim Regen. Auf den Wolken. Sie ist ziemlich erfinderisch.

Bald ist Sommer. Wir sind glücklich. Das Notebook verstaubt seit geraumer Zeit auf dem Sekretär.

Ist das kein gutes Zeichen? ;)

25 Gründe für einen Trotzanfall

Diese kreative Idee habe ich stibitzt ;)
__________
* Auf dem Weg nach Hause umarmte Emiliana (5,7) nur jeden dritten Baum in der Straße.
* Auf dem Weg in die Schule stellte sie sich keiner fröhlichen Pfütze vor.
* Schwäne und Enten im Holyrood Park sind arrogante Kröten und verhandeln nicht mit Horrorzwergen.
* Der Kater der Nachbarin ließ sich nicht gefangen nehmen und im Kinderwagen durch die Gegend herum–kutschieren.
* Naida und Orion schlafen nicht im Kinderbett.
* Fräulein Fettel gehört nicht in die Altkleidersammlung.
* Der Vater sah zufällig den Rücken seiner Tochter, als sie ihrer plüschigen Sippschaft in der Badewanne das Schwimmen beigebracht hatte. Er empfand bescheidene Freude über die Puppe, die ihm entgegenflog. Der Flugunterricht war inbegriffen.
* Strickhasen werden nicht in der Toilette gewaschen und mit Mamas Gesichtstuch abgetrocknet.
* Der leere Geschirrspüler wird nicht angeworfen. Auch der Wäschetrockner nicht.
* Die Kartoffeln (25 kg) werden nicht auf einmal geschält. Die Birnen (9 kg) auch nicht.
* Die Kirschlimonade ist kein geeignetes Spülmittel, um den Küchenboden zu wischen.
* Der Weihnachtsbaum bleibt bis Dezember im Karton. Und die Weihnachtsbaumkugeln. Und die Girlanden.
* Bibelzitate schmücken keine Wände.
* Das elterliche Schlafzimmer ist morgens um halb drei abgeschlossen.
* Der Vater küsst die Mutter zu oft.
* Der Vater versteht rein gar nichts. Absolut rein gar nichts!
* Der Stellvertreterposten in seiner Firma ist bereits besetzt, – und die Schule muss sein.
* Die Mutter zwingt die Schuluniform auf, obwohl ihr Abendkleid doch viel edler ist.
* Der jüngere Bruder weigert sich das Abendkleid anzuprobieren, weil er keine Prinzessin sein will.
* Morgenstern, der schöne Braune, grast nicht auf unserem Balkon. Aber er vermisst dich so toll!
* Wir können den 28-jährigen Dylan nicht adoptieren. Aber er ist so hübsch, und lieb, und klug!
* Es regnet nicht.
* Die Tomate ist rund.
* Die Honigmelone ist gelb.
* Es gibt keinen Schokoladenpudding zum Frühstück.

Internationaler Frauenkampftag

L.: Gehen wir am Strand spazieren?
M.: Baby, sag mir, was dein Herz begehrt? Wünsch dir was, und es wird geschehen. Ich erfülle deine sehnlichsten Wünsche. Drei, dreizehn, dreiunddreißig, dreihundertdreiunddreißig. It’s up to you. Aber nicht an dem Strand, an dem du dich mit anderen Männern herumgetrieben hast.
L.: Ich habe mich mit keinen anderen Männern herumgetrieben.
M.: Nein?
L.: Nein! Das ist bloß ein Mann gewesen.
M.: Ja? Reiz mich weiter, und ich kaufe dir einen schicken Ganzkörpersack. Welche Farbe bevorzugst du: schwarze arabische Krähe oder zarte afghanische Kornblume? Ich persönlich empfehle dir die zarte afghanische Kornblume. Das Visier vor den Augen empfinde ich als besonders antörnend.
L.: Apropos Visier. Schenk mir lieber eine florentinische mittelalterliche Ritterrüstung. Als Tribut an meinen Ahnen. Nichts Extravagantes. Spätes fünfzehntes Jahrhundert. Ein Schwert, ein Schild, ein Armet, ein Plattenharnisch mit Schwebescheiben, Armschienen, Panzerschuhe. Blauäugiger Morgenstern wird mein Höllenpferd sein. Vier Reiter der Apokalypse in einer kleinen Frau vereint.
M.: Könntest du bitte ab und zu so tun, als wärst du eine gewöhnliche kleine Frau?
L.: Nö. Würde es dir gefallen?
M.: Ich fürchte – nein.
L.: Ach! Ich brauche noch eine Atemschutzmaske aus dem Ersten Weltkrieg. Unbedingt!
M.: Jesus Christ! Woman!.. Lass uns zu Hause bleiben. Ich verbringe einige Stunden in deinem heißen nassen Schoß. Du musst nichts machen. Ich verwöhne dich. Du vergisst andere Männer und Atemschutzmasken aus dem Ersten Weltkrieg. Denk an mich allein.
L.: Träum weiter! Zieh die Jacke an. Wir fahren zum Portobello Beach. Und besuchen eventuell auch das Beach House.

Wir sind zu Hause geblieben. Er gab mir Blumen und schöne Ohrringe mit Smaragden als Pendant zu meinem Verlobungsring. Ich antwortete mit all meiner Liebe, Zuneigung und Wärme.

Was Clara und Rosa wohl davon halten würden?

Es ist mir egal. Ich bin heute die glücklichste orionesische* Drachenfrau auf Erden.

Möge der Himmel diesen wunderbaren Mann segnen!!!
__________
*eine weitere Spracherfindung von Michael; erzähl‘ ich später

Farewell to Clara & All the Strong Women Out There! (русский)

Das Portal in eine andere Welt

Ich erlebte eine merkwürdige Samstagnacht.

Um zwei wachte mein süßes Drachenmädchen auf, weil sie zahnt und momentan weinerlich ist. Ich beruhigte sie, schlief aber selbst nicht mehr ein.

Um drei beschloss ich rigoros, mit den Zerberussen zu joggen. Wann, wenn nicht um drei? Nicht wahr? Zwei gigantische amerikanische Schäferhunde* und ein graziles Däumelinchen bildeten eine Zweckgemeinschaft und traten um drei Uhr zwanzig an die kühle Luft in ein sternklares Traumland hinaus. Es regnete.

Unterwegs begegneten wir einer Frau mit einer Dänischen Dogge, die französisch sprach (die Frau, nicht die Dogge, obwohl es noch makabrer wäre) und einem Mann mit… ihr erratet es nie… zwei deutschen Schäferhunden. Der Mann grinste wie ein Honigkuchenpferd. Es sollte sich herausstellen, dass er in Itzehoe geboren wurde. Ich erfuhr nie seinen Namen, aber die Begleiter hießen Abraxas und Quentana.

Geht die Sonne unter, öffnet sich, wie es scheint, ein Portal in eine andere Welt und diverse wunderliche Gestalten treiben ihr Unwesen in den schönsten Straßen Edinburghs.

Zu Hause wartete eine wütende Katze, die uns übel beschimpfte und hinter der Couch verschwand.

Um halb fünf legte ich mich zu Michael, den keine Schlaflosigkeit quälte und der unverschämt entspannt daneben atmete, zog mir die Decke über den Kopf und verwünschte das unfaire Leben.

Um fünf zwickte ich ihm in den Oberarm und bot meine sexuellen Dienste in seinem Arbeitszimmer an, um die Kleinen mit dem ganzen Dahinschmelzen und Stöhnen nicht zu traumatisieren.

Wenn du fünf Kinder großziehst und besonders zärtlich zu deinem Mann sein willst, musst du dich neu erfinden. Früher oder später wirst du nicht an der Couch in seinem Arbeitszimmer vorbeigehen können, ohne zu entflammen oder beim Anblick der Dusche zu erröten, aber die Mühe lohnt sich.

Mein Mann war verwirrt, aber nicht abgeneigt. „Er kümmert sich um einen raschen Anstieg meiner Glückshormone, ich schlafe erschöpft ein“, überlegte ich mir. Das war ein Schuss in den Ofen. Ha-ha.

Danach funktionierte er mich zu einem Kissen um, legte seinen Kopf auf meinen Rücken und fiel in den tiefsten Schlaf. „Ich höre, wie dein Herz schlägt“, wisperte er kurz davor, und ich zerfloss wie der Mississippi im Frühling. So starrte ich in die Dunkelheit, – willenlos, schlaflos, aber mit erhöhtem Oxytocin-Spiegel –, während mein Herz für ihn allerlei peinliche Liebeslieder sang und versuchte mich nicht zu bewegen, weil sich seine Atemzüge unglaublich gut an meinem Hals anfühlten, bis irgendwann, gegen sieben Uhr, die Tür aufgetan wurde und eine freundliche Elfengang mich fragte: „Und, Mami, schläfst du, schläfst du, schläfst du? Backt uns Daddy Waffeln zum Frühstück?“

Es ist halb zwölf. Ich bin müde und gähne jede Sekunde, aber die Waffeln mit Ahornsirup haben köstlich geschmeckt.
__________
*Shiloh Shepherds, plush-coated

Fräulein Katzerina

Habt ihr euch inzwischen auch gefragt, wie unsere Katze aussieht?

Let me introduce you Fräulein Katzerina Fettel.

Was? Woher soll ich wissen, wer der Asiat unter der Sonne ist? Temüdschin?

Kitty pinkelt mit Vergnügen auf die Bücher über die Goldene Horde.

Leut vs. Leutin

MILI: Wir stehen an der Ampel und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht ein männlicher Leut.
MIKE: Ein was? Leut? „Leut“ ist falsch. Entweder ein Mann oder ein Mensch.
MILI: Du bist falsch. „Leut“ ist korrekt. Du bist ein Leut. Eli ist ein Leut. Zusammen seid ihr zwei männliche Leute. Ich dagegen bin eine Leutin. Zusammen mit Sole sind wir zwei weibliche Leutinnen. Du verstehst rein gar nichts!
ELI: Ich bin ein Mädchen.
MIKE: Kinder, macht mich nicht fertig.

Habt ihr Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik, Orthografie oder Syntax? Wendet euch an meinen Mann oder seine Tochter. Sie sind erfahrene Germanisten und exzellente Semantiker.

About the Texas Bluebells and Blissful Happiness

Vor sechs Jahren bewohnten wir ein klitzekleines Haus in San Antonio. Ich trug Emiliana aus. Michael war endlich mit sich selbst im Reinen, weil er einen Job hatte, bei dem er sein eigener Chef sein und die Familie ernähren konnte. Die Jahre zeichneten sich überhaupt durch viel Glück, Liebe und Geborgenheit aus.

Unsere abgeschiedene Idylle ähnelte einem Gemälde von Thomas Kinkade. Um das Haus herum erstreckte sich ein Blumenmeer. Zweimal wöchentlich tauchte der Gärtner auf, kümmerte sich um die paradiesische Pracht und verschwand ebenso schweigsam im goldenen Lichte des Sonnenaufgangs.

In dem Gärtchen gesellten sich schüchterne Wildblumen zu den eitlen Rosen und Rittersternen; unschuldige Lilien tuschelten mit frechen Rhododendren; Kallas und Gladiolen wetteiferten miteinander um den graziösesten Kelch; aber zu meinen Lieblingen gehörten zweifelsohne die scheuen Prärieenziane, deren würdevolle Schönheit mich überwältigte.

Prärieenziane sind äußerst anspruchsvolle Zierpflanzen. Ihre Zucht ist mühsam. Nach einer kurzen Zeit sterben sie ab. Früher wurden sie im Ausland ausschließlich als Blumensträuße verkauft. Bedauerlicherweise sah ich sie in keinem deutschen Blumenladen. So wärmte meine Seele eine liebevolle Erinnerung. Bis heute.

Denn heute hat mir Michael blühende Prärieenziane geschenkt. Ich weiß nicht, wo er sie auftrieb. Es ist mir egal. Ich schwebe in vollkommener Glückseligkeit. Ich bin bodenlos in diesen Mann verschossen.

Eine halbe Stunde durfte ich mich an meinem Geschenk ergötzen, dann wurde es von einer gewitzten Diebin entwendet. Das macht aber nichts. Ihre atemberaubend großen Augen strahlen vor sorgloser Freude. Als ihr Vater sie gefragt hatte, wohin Mamas Blumen verschwunden seien, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu: „Es ist mir auch ein Rätsel, Daddy. Wirklich. Glaube mir, aber geh bitte nicht in mein Zimmer.“

Und wenn sie einschläft, schleiche ich mich heimlich in ihr Kinderzimmer und riskiere einen Blick auf die traumhaftesten Blumen meiner Welt.

Wie Stalker ihren Vormittag verbringen

Ich habe einen harmlosen Text verfasst. Vier Bekanntschaften haben mich daraufhin angeschrieben, nur um sich zu erkundigen: „Und? Wie geht es Mike? Hast du ihm Gewalt angetan?“

Liebe Mädels, aber selbstverständlich hab‘ ich das! Er hat es sichtlich genossen. Ich habe ihn am Montag sogar zum Flughafen gefahren, wo er mich angebalzt hat. Einfach so. Aus Gewohnheit. Das ist sein beständiger Modus Operandi. Mein Sinnenrausch und meine Nachgiebigkeit in seiner Nähe tragen auch wesentlich dazu bei.

Eure Anteilnahme an seinem Schicksal ist rührend. Sie schmeichelt ihm. Sorgt euch nicht! Der Mann ist siebenunddreißig Zentimeter größer als ich. Er ist doppelt so schwer wie ich. Mein Bruder sagt über ihn: „180 Pfund, 90 davon sind Muskeln.“ Hochdekorierter Ex-Militär mit ausgezeichneter Ausbildung, dessen überragende Fähigkeiten in einem Kampfeinsatz getestet wurden. Er ist in guten Händen. Sein Leben ist nicht in Gefahr. Momentan befindet er sich vermutlich in einem Münchener Edelbordell.

Ne lange Geschichte. Wenn ihr des Russischen mächtig seid, sucht die Antwort darauf im Archiv des Jahres 2015.

Ich meinerseits stalke derweilen Dafydd, dem ich in Morningside permanent über den Weg laufe. Zufällig. Ich schwör’s!

Lilly ist eine Mitschülerin meiner Tochter. Sie sind befreundet und lernen gern zusammen. Dafydd ist Lillys Vater, der fast genauso oft zu einem lehrreichen Gespräch in die Schule eingeladen wird wie wir. Nein, unsere Kinder sind keine asozialen Unholde. Sie sind einzigartig, warmherzig, mitfühlend. Wir erziehen sie allerdings zu freidenkenden, eigenständigen, mutigen Menschen, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und nicht servil dem bequemen Kadavergehorsam frönen.

Wir missionieren nicht. Wir indoktrinieren nicht. Wir vermitteln lediglich unsere moralischen Werte an unsere leiblichen Kinder. Es ist eine Frage der Balance. Ich wage zu behaupten, sie sei uns geglückt.

Anyhow! Es ist ungemein heilsam und aufschlussreich, sich mit einem charmanten Mann auszutauschen, dessen Tochter die gleichen intellektuellen Kapazitäten aufweist wie die eigene.

Wir hatten am Vormittag Zeit. Also haben wir uns zum Brunch in meinem Lieblingscafe verabredet. Die Speisen, die dort serviert werden, sind eine Ofenbarung. Der Kostenaufwand ist zwar nicht zu verachten, aber frischer Räucherlachs, pochierte Eier und Sauce hollandaise mit Trüffeln schmecken wie immer göttlich.

Und weil wir uns seit dem ersten Treffen, bei dem er mich auf Deutsch ansprach, auf Anhieb verstanden, die Unterhaltung spannend war und die Sonne schien, sind wir mit meinen beiden Winzlingen noch am Strand spazieren gegangen. Das Wasser ist höllisch kalt, aber ich kenne eine Verrückte, die keine Scheu davor hat, sich der Lächerlichkeit preiszugeben und bei jeder brandenden Welle laut zu kreischen und zurückzuweichen.

Ich warte vergeblich auf den Winter, aber in den Meadows blühen violette Krokusse. Spielt das Wetter mit, werden wir in ein paar Wochen wieder segeln können. Noch ein Grund zur Freude.

Bebumsen, verliebhabern, umbeinen

oder Wie man die deutsche Sprache ungebetenerweise bereichert

L.: Beschwere dich nicht. Du wirst jeden Tag bekocht und…
M.: … bebumst.
L.: Das Wort gibt es nicht.
M.: Vielleicht nicht in deinem Vokabular. Ich benutze es häufig.
L.: Was habe ich verbrochen? Womit habe ich dich verdient?
M.: Mit gar nichts. Ich war ein Geschenk des Himmels.
L.: Sag doch die Wahrheit. Die da oben hatten dich satt und setzten vor die Tür.
M.: Mag sein, aber zur richtigen Zeit und am richtigen Ort, denn du bist mir begegnet, hast mich empfangen, gewaschen, wohl gespeist, mit Zuneigung getränkt und mit Wonne gekrönt. Und dann machst du noch diese schöne Sache mit deinem Mund und meinem…
L.: Geh weg. Ich kenne dich nicht. Und denke bloß nicht, ich hätte Jesus Sirach* nicht identifiziert, du Plagiator.
M.: Ich habe nicht plagiiert. Ich habe interpretiert. Übrigens steht bei Sirach nichts über Blowjobs drin. Warum seufzt du, Baby?
L.: Ach, nur so. Ich stoße gerade Flüche gen Himmel aus als Danksagung für das wunderbare Geschenk, welches mir zuteilwurde.
M.: Aber liebevoll – richtig?
L.: Du hast ja keine Ahnung, Freundchen!
M.: Also bist du mir nicht mehr böse und wir vertöchtern uns. Hab‘ ich Recht?
L.: Das Wort existiert nicht.
M.: Wieso „versöhnen“? Wieso nicht „vertanten“ oder „veronkeln“?
L.: Michael!
M.: Der Name existiert aber. Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Hebräisch. Heißt übersetzt „Wer ist wie Gott?“. Schaue nicht so düster drein. Wir verliebhabern uns. In Ordnung? Nein? Vergeliebten?
L.: Ich töte dich gleich.
M.: Durch Sex?
L.: Mit Zyankali.
M.: Bemerkenswert, dass du Zyankali ständig bei sich führst. Umbeine mich lieber.
L.: Was bedeutet das schon wieder?
M.: Ganz simpel. Das Verbum „umbeinen“ ist ein schwaches Verbum. Ungefähr wie du, wenn du geil bist, aber nicht so hübsch. Roll nicht mit den Augen. Es verwirrt mich. Solltest du nicht einen Konspekt anfertigen?
L.: Ich verzichte.
M.: As you wish. Weiter. Das Verbum wird wie folgt getrennt: um|bei|nen. Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit…
L.: … die praktisch aus einem Hohlkopf besteht…
M.: Frau, unterbrich mich nicht! Es wird von einer kleinen schottischen Minderheit, die praktisch aus einem Hohlkopf besteht und in Berlin beheimatet ist, gesprochen. Es bedeutet „jemanden fest an sich drücken und seine Hüften mit den Beinen umschließen“. Manchmal unter der Dusche. Komm mit. Den Wortgebrauch veranschauliche ich anhand verschiedener Beispiele. Du assistierst.

Falls ich ihn heute Nacht nicht mit einem Kissen ersticke, weil er mich in den Wahnsinn getrieben hat, fliegt er morgen nach München, und ich werde ihn unglaublich vermissen.
__________
*Ecclesiasticus 15, 1–6

Keine Kausalkette

Nur ich kann mich dermaßen blamabel versprechen und Black Cock statt Black Hawk sagen; dann rot wie ein Hummer werden und anfangen wie ein Pferd zu wiehern.

Ich bin die Seele jeder Männerrunde. Ruft mich an!

Nur mein Mann kann nach einem Arztbesuch wieder sicher zu Hause ankommen und feierlich verkünden: „Es ist keine bakterielle Infektion. Ich darf dich lecken. Wir dürfen uns küssen. Bumsen ist auch erlaubt.“

Welch ein Glück, dass zumindest unsere Kinder gesellschaftlich vorzeigbar sind und einen regen Gedankenaustausch mit ihren Nächsten pflegen.

Wie man einen Pullover richtig strickt

L.: Wieso bist du nackt?
M.: Ich wollte mir einen Pullover stricken.
L.: (mit den Augen rollend) Oh Gott.
M.: Du kannst mich gerne Michael nennen.
L.: Ich könnte dich auch einen Vollidioten nennen.
M.: Das könntest du – sicher. Allerdings wäre es nicht so liebenswert.
L.: Zieh dich bitte an.
M.: Zieh du dich bitte aus.
L.: Wir werden jetzt nicht miteinander schlafen.
M.: Aus welchem Grund nicht?
L.: Aus dem simplen Grund, dass du einen Termin bei der Lehrerin deiner Tochter hast.
M.: Was hat sie getan?
L.: Sie hat ihrem siebenjährigen Mitschüler ein Buch über den Kopf gehauen, weil er sie wohl in der Mittagspause zu küssen versucht hat.
M.: Gutes Kind.
L.: Ja. Solche Aussagen verkneifst du dir.
M.: Warum gehe ich hin?
L.: Weil du derjenige bist, der diesem Kind den Unterschied zwischen Faust– und Tritttechniken erklärt hat. Als es zarte drei Jahre alt gewesen ist! Steh auf, sonst verprügle ich dich mit meiner Pampusche.
M.: Und du behauptest, sie komme nach mir. Ich prügle mich nicht. Ich bin ein Verfechter der verbalen Deeskalation.
L.: Steh auf! Oh Mann, bist du schön…
M.: Sex?
L.: Kein Sex! Dusche, Anzug, Schule.

Ich denke, wir hätten diesen Pullover doch sofort stricken sollen, aber das würde ich natürlich nie zugeben.

Eine Liebeserklärung

Weil eine Frau, die liebt und geliebt wird, paradiesisch schön ist. Weil die Luft um diese verliebte Frau mit Licht überflutet und mit Wärme durchtränkt ist. Weil sie lächelt, weil ihr Antlitz strahlt, weil ihre Haut schimmert, und leuchtet, und einen betörenden Duft verströmt. Weil Du diese Frau bist. Weil Dein Duft mich anlockt wie einen Schmetterling, und ich mir nicht zu helfen weiß. Ich kreise und flattere um Dich herum. Ich habe keine Angst zu verbrennen, – und fange doch Feuer, und lodere.

Du bist begehrenswert und zerbrechlich. Du bist begehrenswert zerbrechlich. Ein Geheimnis blüht in Dir auf. Du willst Deine Liebe verbergen wie einen kostbaren Schatz; sie beschützen wie einen Neugeborenen und behüten wie ein Wunder. Du willst es, aber es gelingt Dir nicht. Es ist gänzlich unmöglich. Du kannst nicht Deine Liebe in ein Glas füllen, sie mit einem Deckel verschrauben und in einem finsteren Verlies einkerkern.

Du bist Liebe, und Liebe ist Du. Liebe bedeutet Halt. Die Liebe badet Dich in wiegenden Wellen und bettet auf Wolken. Die Liebe erhellt Dich von innen und umhüllt von außen, perlt von Deiner Stirn und tropft aus allen Poren. Diese Liebe hat sich erfüllt. Sie singt, jubelt und triumphiert. Sie ist göttlich, vollkommen und tadellos. Diese Liebe sprengt mit ihrer Kraft die Ketten, öffnet alle Käfigtüren, steigt in den Himmel empor wie ein Vogel und bringt die Himmelshöhen auf die Erde hernieder.

Und mich verlangt nach Dir, weil ich ohne Dich nicht atmen kann, und mich dürstet nach Dir, weil ich Dir verfallen bin, und mich hungert nach Deiner Nähe. Ich will über Deine Schönheit staunen, Dich spüren, in Dir sein, – sein. Ich will Dich nehmen, in Dich eintauchen, vollständig mit Dir verschmelzen. Ich will mich aufgeben, mich Dir hingeben in zügelloser Leidenschaft.

Ich will mit Dir schlafen, während ich Auto fahre, arbeite, esse, lese oder ausgehe, während ich träume, wachträume oder albträume, während ich Dich umarme, Dich herze, mich an Dich schmiege. Ich will mit Dir schlafen, während ich beim Sonnenaufgang wach im Bett liege und die Sterne anstarre, die am Fenster vorbeisegeln. Ich will mit Dir schlafen, während ich einschlafe, aufwache, schlafe oder mit Dir schlafe. Rund um die Uhr. Tag und Nacht. Du bist mein einziger Gedanke.

Ich will mit Dir sein, ich will bei Dir sein, Dich berühren, anfassen, streicheln und an mich drücken. Wenn Du nach einer Nacht der Verzückung in meinen Armen sanft eingeschlummert bist, schaue ich Dich an, lausche Deinem Atem, bis mich plötzlich das Glück überwältigt, und ich beinahe vor Liebe zerberste, Deine Hüfte umschließe, eine Haarlocke aus Deinem Gesicht streiche, mit meinen Fingerkuppen die Konturen Deines Mundes nachziehe und heimlich Deine Augen küsse.

Und wenn ich nicht bei Dir bin, dann denke ich an Dich. Ich denke an Deine Muttermale, an Deine Lippen, an die feinsten Äderchen an Deiner Schläfe, an den Pulsschlag an Deinem Hals, an die Kuhle zwischen Deinen Schlüsselbeinen, die ich gierig mit meinen Liebkosungen übersäe, an die zarte Linie Deiner Achselhöhle, an Deine Brüste, an Deine Hände, an Deinen Bauchnabel, an Deinen Schoß, der zu meinem Elysium, meinem Lebenselixier, meiner Heimat geworden ist.

Und die Vergangenheit überlebt nicht, und die Hölle weicht zurück. Du überschwemmst mich mit Deiner Liebe, linderst meine Schmerzen und reinigst mich von meinem Heidentum. Ich vergesse den Tod, entsage dem Hass und erfinde eine neue Sprache — eine wilde, blumige Sprache, die nach Dir schmeckt, nach Dir riecht, nach Deinem Körper lechzt und in Deiner Seele Geborgenheit findet. Ich. Lebe. Keine Zweifel plagen mich. Ich kenne keine Furcht. Ich verbrenne zu Asche und werde wiedergeboren. Ich bin fast unsterblich geworden.

Weil. Ich. Dich. Liebe. © Mike

Über wissbegierige Wuschelköpfe

Niko begrüßt seinen Vater an der Eingangstür:

„Und, Vater, wo hast du dich den ganzen lieben Tag herumgetrieben?“
„Ich bin im Büro gewesen.“
„So, so. Im Büro? Wärst du zuhause geblieben, müsste ich nicht in die Kita gehen, und wir hätten den ganzen lieben Tag miteinander spielen können. Denk darüber nach.“

Ich pflichte meinem Kind bei:

„Natürlich hat er Recht.“
„Wirklich? Seit wann das?“
„Na überlege mal. Vor allem hättest du den ganzen lieben Tag mit dessen Mutter spielen können.“
„Ich lasse mich von dir nicht verführen. Ich bin stark. Ich bin stark. Ich bin… schwach. Ich bin schwach. Ich bin schwach.“

Kostja plagen andere Sorgen. Er hat zu wenige Väter.

„Mummy, ist Daddy mein Daddy?“
„Ja, er ist dein Daddy.“
„Bist du sicher?“
„Ziemlich sicher.“
„Er ist auch Nikos Daddy – richtig?“
„Definitiv. Zwillinge haben in der Regel denselben Daddy.“
„Ist er auch Elis Daddy?“
„Ja, ist er.“
„Und Milis? Und Soles?“
„Ja. Und ja.“
„Das ist unfair! Agnes hat z.B. einen Daddy. Ihr Bruder Andrew hat einen zweiten Daddy. Ihre kleine Schwester hat einen dritten Daddy. Und jetzt wird die Mutter wieder heiraten und ein weiteres Baby mit dem vierten Mann bekommen. Sie haben viele Daddys, und wir nur einen. Einen!“

Hilfe! Wo gibt’s Väter zu mieten? Möglichst günstig. Ich brauche fünf bis acht Stück. Mein guter Ruf steht auf dem dem Spiel.

Über gemeine Gauner

Wenn mein Mann zuhause ist, freue ich mich sogar, früh aufzustehen.

Erstens bereitet er das Frühstück* vor.

Zweitens genieße ich seine Dialoge mit den Kindern und Fräulein Fettel. Sie ist wortkarg und antwortet meist mit forderndem oder empörtem Miau.

„Fettel, hör auf zu grunzen. Hast du dich im Spiegel betrachtet? Du bist keine Katze. Du bist ein Nilpferd. Fauche mich nicht an, sonst fliegst du aus dem Fenster. Ohne Fallschirm. Kannst du fliegen?“

„Eli, nimm den Kochtopf vom Kopf. Wir tragen prinzipiell keine Kochtöpfe als Hüte. Auch keine Bratpfannen. Oder Suppenteller.“

„Kinder, wer hat die Fettel in den Mülleimer gestopft?“
„Sie hat sich selbst in den Mülleimer gestopft.“
„Verlässt du uns? Was für eine grandiose Überraschung! Ich heiße deine Entscheidung gut. Fettel, reg dich nicht auf. Ich mache gleich den Deckel zu und werfe dich in die Mülltonne.“

Drittens fährt er die Horrorbrigade zur Schule und in den Kindergarten. Ich schließe die Tür hinter ihnen ab, winke zum Abschied vom Balkon und hüpfe mit den Toddlers schnell unter die warme, kuschelige Decke. Noch ein Stündchen Schlaf ergaunert. Das Leben danach wirkt auf mich sonniger.

* * *
Fräulein Fettel wurde in letzter Sekunde gerettet. Sie döst verträumt daneben.

Und euch allen wünschen wir einen wunderschönen Tag ;)
__________
*Haferbrei mit frischer Butter, Sahnejoghurt mit Honig und karamellisierten Pecannüssen, Obstsalat aus Bananen, Äpfeln, Sharonfrüchten und dazu heißen Kakao mit Mandelmilch

Der erste Schnee

L: Oh mein Gott, die Stadt versinkt im Schnee. Ich falle gleich in Ohnmacht. Bitte halte mich fest.
M.: Klappe! Nicht jeder von uns hat im ewigen Winter gelebt, Eisbären gejagt, mit Grauwalen Freundschaften geschlossen, Walrosse als Haustiere gehalten und ist bei extremen Minustemperaturen auf einem Rentier zur Schule geritten.
L: Neidisch? Nimm deine Hand da sofort weg, du Wüstling!

* * *
Ich habe nicht viele schöne Kindheitserinnerungen. Als mein Bruder Richard zwölf und ich sechs waren, mussten unsere Eltern zu der Tante meiner Mutter nach Mainz umsiedeln.

Sie lebten fast dreißig Jahre lang in verschiedenen moslemischen Ländern. Sie beherrschten die Landes–sprachen, ohne je einen bezahlten Integrationskurs besucht zu haben. Sie arbeiteten hart. Es nützte nichts. Nachdem ein Vetter meines Vaters von den Einheimischen brutal ermordet wurde, weil er Brot an Hungerleidende verteilt hatte, packten sie ihre Sachen und ließen alles zurück. Was soll’s! Wir fanden unseren Weg in Deutschland.

Was ich sagen wollte: Das überwältigende Glücksgefühl, das meine Seele in sich barg, als wir die Eisblumen auf dem Fensterglas bewunderten, im Schnee tobten, auf einem Schlitten den Berg herunter lachend rodelten, Schneemänner erschufen, Schneeballschlachten ausfochten oder Wettbewerbe im Skifahren veranstalteten, wohnt mir bis in den heutigen Tag inne. Und einmal trafen wir bei einem Spaziergang im Park auf ein Ehepaar in Begleitung eines jungen Elches. Das passierte in einer Großstadt eher selten.

Ich mag Schnee und freue mich über die Schneeflocken.

Liebe Schneeengel, ich warte sehnsüchtig auf euch!

Über Geheimnisse einer Ehe

XY: Was schätzt du an einem Mann?
L.: Starke Hände, einen harten Schwanz und natürlich seine inneren Werte.
M.: Du bist eine Romantikerin, Baby. Hättest du Novalis gevögelt, würde sich „Heinrich von Ofterdingen“ spannender lesen. Was ist los?
L.: Ruhe! Ich versuche vergeblich vor Ehrerbietung und Demut zu erröten. Wie es sich für eine Frau geziemt.

* * *
L.: Sicher. Ich kann meine Äußerung ausführlich erläutern. Männer gehören zu der Hälfte der Menschheit, die beim Wichsen urkomisch aussieht, aber gleichzeitig einen phänomenal faszinierenden Orgasmus erlebt, wenn Frauen sie mit ihren Händen verwöhnen.
M.: Stimmt nicht. Bei mir verhält es sich umgekehrt. Beim Wichsen sehe ich ungeheuer würdevoll aus. Bei einem Handjob gebe ich jegliche Kontrolle ab. Ich lasse dich gewähren.
L.: Ja, weil du ein Vollidiot bist.
M.: Ist dir bewusst, dass du diesen Vollidioten geheiratet hast?
L.: Ein bedauerlicher Fehler. Wie kam es dazu?
M.: Rate mal. Du spreiztest deine Beine und vergaß die Verhütung.
L.: Ich dachte, du hättest mich aus Liebe geheiratet, nicht weil mein Bauch wuchs.
M.: Was du für Gedanken hegst. Nein, nur wegen dem Kind. Du gefällst mir aber. Ein wenig.
L.: Reizend. Mir kommen gleich die Tränen. Ich bin gerührt und fühle mich so gesegnet.
M.: Ich bin ein charmanter Typ. Zu welcher Hälfte der Menschheit gehören nun Frauen?
L.: Du bist doch ein Mathegenie. Was ist das für eine doofe Frage? Zweifelsohne gehören sie zu der anderen Hälfte der Menschheit. Bei einem Höhepunkt sehen sie immer entzückend aus. Wichsen tun sie schon gar nicht. Sie sind reine, märchenhafte Geschöpfe.
M.: Und Männer sind Trolle von unter der Brücke.
L.: Genau! Das ist nebenbei eines der Geheimnisse unserer Ehe: Wir verstehen uns blind.

Eigentlich haben wir überlegt, uns ein intellektuelles Hobby oder eine niveauvolle Freizeitbeschäftigung zuzulegen, aber stattdessen werden wir am Freitag das Übungsgelände aufsuchen. Eventuell werde ich Mike auch verprügeln, denn die Ärzte haben mir erlaubt, wieder Sport zu treiben.

Selber schuld wohlgemerkt. Er hat mir schließlich beigebracht, wie frau* kämpft.
__________
*kein Tribut an Feminismus, scheint mir einfach angebracht zu sein

This is as merry as we get

Unser Konzept für Weihnachten war denkbar simpel. Die Horrorbrigade schmückte den Tannenbaum. Michael riegelte die Wohnung ab, um sich von ungebetenen Gästen zu schützen. Ich zog Fräulein Fettel die Uniform der Schweizer Gardisten an, setzte ihr einen Morion auf, händigte ein M25 eine Hellebarde aus und kommandierte zur Wache ab.

Ihre Dienste wurden in Naturalien bezahlt: Dampf gegartem Lachs, pochiertem Ei und Rahmspinat. Dies ist Fräulein Fettels Leibspeise. Sie ist eine anspruchsvolle Genießerin.

Wir alle blieben zu Hause, trugen Pyjamas mit lustigen Motiven, machten uns eine große Pfanne Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Austernpilzen (Adschika, Salzgurken, Cherrytomaten eingemacht nach russischer Art und Auberginen mit Kräutern in einer würzigen Essigmarinade rundeten die frugale, aber schmackhafte Mahlzeit ab.), schauten „Strangers with candy“ und kuschelten viel im Bett.

Das Konzept ging auf.

Einen Tag danach fuhr die Horrorbrigade mit den Großeltern aufs Land. Ich verstehe sie. Die Großeltern wohnen in einem alten Haus und halten unzählige Tiere: Schottisches Hochlandrind, Pferde, Ponys, Schafe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Hühner, Hunde, Katzen und sechs fidele Chinchillas. Fräulein Fettel könnte das nie übertreffen.

Unsere Kinder lieben Tiere. Noch mehr gefiel es ihnen, die hohe Felsgebirgstanne vor dem Haus feierlich zu dekorieren.

Währenddessen gingen wir oft mit den Knirpsen in der Stadt spazieren: in Dean Village am Water of Leith entlang, zum Spielplatz in den Meadows, zu den Schwänen und Wildenten im Holyrood Park, in der Street of Light*, zur St Giles’ Cathedral, zum West End, zum Castle Rock, zu den Braid Hills und am Arthur’s Seat.

Edinburgh ist ein wahres Märchen. Diese Wochen waren sorglos, innig und zärtlich. Möge das neue Jahr genauso fröhlich, glücklich und unbeschwert verlaufen.

* * *
Gestern hat es fortwährend geregnet. Mir fehlt der Schnee, aber ich beschwere mich trotzdem nicht. Der Winter meint es gut mit uns. Das Sonnenlicht ist golden. Der Tagesanbruch beeindruckt mit leuchtenden Farben. Sterne illuminieren den trüben Nachthimmel. Kirschbäume blühen in zartem Rosa.

Und das im Januar!
__________
*West George Street until the 24th December

Lebt wohl, Schmetterlingsorchideen!

Am Silvesterabend feiern mein Mann und ich unser 17-jähriges Jubiläum – die Orchideenhochzeit (in Westeuropa) oder die Rosenhochzeit (in Russland).

Wenn Daniel und seine Frau Haley uns besuchen, bringen sie immer zauberhafte rote Rosen aus ihrem Garten mit. Wenn meine Schwiegereltern vorbeikommen, schenkt uns Michaels Stiefmutter anmutige Schmetterlingsorchideen.

Zwei davon hat ein gewisses Fräulein Fettel hinterhältig ermordet. Aus purer Boshaftigkeit. Ich bin morgens in einem Meer aus Orchideenblüten aufgewacht wie eine aztekische Hohepriesterin im Jenseits.

Was soll ich mit dieser Katze nur machen? Sie mal wieder rehabilitieren?

мгновение

בְּרֵאשִׁית

das Mondlicht breitete seinen schimmernden Teppich auf dem kalten Boden aus . die Eichen entwarfen Bildwirkereien mit silbernen Schatten auf nackten Wänden . die unsichtbare Entfernung zwischen Dir und mir erhellten die Sterne

wie unverschämt glücklich konnten wir doch sein . in einem tadellos leeren Zimmer . in dieser letzten . in dieser ersten Nacht

В начале

Katzerina Fettels Alltag

Es war eine stille Nacht. Die Gedanken schweiften ab. Das Harmagedon brach herein. Ich erlebte vor Schreck meine erste außerkörperliche Erfahrung.

Es ist jetzt amtlich. Unsere Katze kann fliegen. Gestern absolvierte sie erfolgreich ihren Jungfernflug im Wohnzimmer. Die Gardine inbegriffen. Und auch die Gardinenstange. Und die Träger. Das Maß ist voll.

Ich wollte heute ein deftiges deutsches Abendessen zubereiten, aber stattdessen wird es geschmorte Katze mit Serviettenknödeln und Rahmwirsing geben. Dazu warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis.

Ich muss allerdings erwähnen, dass das zukünftige Schmorgericht nicht besonders besorgt aussieht. Es hat sich hinter der Couch verbarrikadiert, bügelt seinen Kampfanzug, schärft die Krallen und wartet geduldig ab. Sechs weitere Räume mit Gardinen sind schließlich in der Wohnung zu finden.

* * *
Wenn die Katze nicht gerade schläft, frisst, kotzt oder das Gebäude bis auf die Grundmauern niederreißt, fährt sie Rennen. Sie fährt inzwischen einen Rennstaubsauger, einen Renngeschirrspüler, einen Rennwäschetrockner, eine Rennwasch-maschine und ein Rennskateboard.

Aus diesem Grund nennen wir sie Katzerina Fettel. Oder einfach – ach du kleines bescheuertes Scheusal.

You’re a fool, Φιλύρα!

„Wie kannst du mich nur lieben? Ich bin schwach, erschöpft, wankelmütig und charakterlos. Ich. Bin. Völlig. Unnütz.“
„You’re a fool, Φιλύρα! Other than that you’re the best wife in all possible worlds. Du bist nicht schwach. Du bist ein bisschen erschöpft. Du bist weder wankelmütig noch charakterlos. Dich zu lieben ist leicht. Wenn du so willst, bist du meine Karyatide.“
„Versteinerte Hure?“
„Keine versteinerte Hure. Steinerne Göttin. Hör auf mit dem Blödsinn. Du bist meine Galionsfigur, meine Nymphe und meine Hyade, Gebieterin über meine Sieben Meere. Du beschützt meine Galeone vor den steilen Felsen, gefährlichen Riffen und wütenden Sturmwinden. Ohne dich versänke ich auf dem Meeresgrund.“
„Auf dem Meeresgrund sind Ruhe und Geborgenheit.“
„Auf dem Meeresgrund sind Hoffnungslosigkeit und Tod. Ich könnte dich gar nicht lieben, wenn du keine Sonne wärst. Wenn wir zusammen sind, erfüllst du meine Seele mit Licht und Wärme. Wenn wir getrennt sind, bist du meine Armillarsphäre, mein Astrolabium, mein Polarstern. Für dich schlägt mein Herz. Nach dir richten sich meine Gedanken. Zu dir führen alle meine Pfade. Dank dir finde ich jedes Mal aus dem Labyrinth der Verzweiflung zurück ins Leben, meine launische Ariadne. Wegen meiner Liebe zu dir glaube ich an Gott und an den Himmel. Ich liebe dich, Φιλύρα! Bitte weine nicht, es ist halb drei.“
„Ich weine nicht. Ich bin unendlich traurig.“
„Take off your nightie. I’ll show you the way to paradise.“
„Schwachkopf.“
„Ich kann dich leise lächeln hören…“
„Und ich kann dich sehr gut leiden…“

Ты – дурочка, Φιλύρα!

Heliozentrisches Weltbild

Baby, Du bist meine Sonne.

Lach nicht, denn mir ist nach Heulen zumute. Ich bin bitterernst. Leg Deine Hand auf meine Brust und fühl, wie mein Herzschlag aussetzt, wie die Angst meine Kehle zuschnürt.

Du bist meine Sonne, Baby. Hörst Du? D u   b i s t   m e i n e   S o n n e. Keine transzendente, keine metaphysische Sonne, die den Tag in Gold ertränkt, die Luft mit Honig füllt und Gewässer in Bernstein verwandelt. Nein! Keine frostklirrende Polarsonne, deren Licht die Gletscher bricht im ewigen Zuchthaus aus Eis; keine tobende Wüstensonne, die das Leben als Geisel hält, nur um es endgültig zu vernichten. Nein!

Du bist die wahrhaftige Sonne: Wut, Zorn und Ekstase. Verzeih mir! Du bist mein Fegefeuer, mein höllenheißes Gestirn. Deine Strahlen verätzen meine Haut wie Salpetersäure. Deine Wärme schmilzt meine Muskelfaser. Du dringst in mich ein, fließt durch meine Adern, veränderst meine DNA-Helix und schreibst den genetischen Code um, alle Nucleotidtripletts aufhebend: LLL. Du umgibst mich, rankst an mir empor, verschlingst mich von innen nach außen. Du erfindest mich neu, definierst und versiehst mit einem Namen.

Wären wie Sumerer, würde ich Dich anbeten, meine Besitztümer zu Deinen Füßen werfen und meine Seele auf Deinem Altar darbieten wie eine Opfergabe. Lebten wir im alten Ägypten, würde ich Dich in einem Turm ohne Türen einsperren. Ich würde meinen Atem in Dich einhauchen, Deinen Mund küssen, in Deine Brüste beißen und Deinem Schoß huldigen, bis wir uns in Verzückung auflösen. Du würdest in meiner Liebe ruhen. Wären wir Babylonier, würdest Du meinen Untergang bedeuten, und ich würde straucheln, und stürzen, und Dich mit in den Abgrund reißen.

Du gehst nicht auf. Du gehst nicht unter. Du bist immer schon da. Punkt. Aus. Du bist immer schon da gewesen. Flüsternd, heimlich, verborgen, verboten. Auch dann, wenn ich an Dich nicht dachte.

Du ersetzt mich durch Dich. Nichts bleibt übrig. Und alles. © Mike

Über Gebete

XY: Was macht eine temperamentvolle Frau wie du, wenn ihr Liebhaber verreist?
L.: Wir beide wissen, welche Antwort du dir erhoffst.
XY: Ist das so?
L.: Ja, das ist so! Sie betet inbrünstig.
XY: Wirklich?
L.: Wirklich! Sie betet inbrünstig mit einer Hand zwischen ihren Beinen. Das Gebet hört sich folgendermaßen an: „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gooott…“
XY: Haha. Witzig.
L.: Zufrieden mit der Antwort? Übrigens: Wenn der Liebhaber heimkehrt, hört sich das Gebet anders an.
XY: Nämlich?
L.: Mikey, Mikey, Mikey, oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gooott…
XY: Ich hasse dich ein wenig.
L.: Ich weiß, ich weiß.

* * *
Ich vermisse Dich unheimlich, Blödmann! Komm nach Hause.